Großstadtchaoten
Ich knipse mir das Licht aus, und dreh mich im Kreis, Lass den Beat auf repeat, erhebt das Glas, Cheers auf das Leben, wo bleibt denn meins...
Single-börse offline, die Club Szene ist magnetisch,
ne Flasche Rotwein wird zum Mittelschicht-Fetisch,
der single-Haushalt mutiert zum hippen In-Treff,
Mitte-Zwanzig philosophiert über Bizeps,
Eisbach-Schrägstrich-Couchsurfing-Tipps,
wecken mein Würgereflex, bevor der Satz zu Ende ist,
nur halb so viel Grips wie der Nerd-Look vermittelt,
individuell betitelt und zur Durchschnitt entwickelt,
Im Rausch der Sinne, im Lichtermeer,
tanzen Sardinen in der Dose mit Mindestverzehr,
schräg und vulgär als eigene Stärken erkannt,
pro Longdrink bezahlt man ein indisches Monatsgehalt,
„Suchen und Gesucht werden“, lautet das Motto,
die Chance auf n Volltreffer, wie ein Sechser im Lotto,
Ladezone-Bar, dauerhaftes Parken verboten,
ich bin einer von Ihnen, einer der Großstadtchaoten,
Der Boden klebt in der Küche, von Hugo und Caipi,
Postkartensprüche, zwischen Bruno und Heidi,
Erasmus-Fans, und junge Lehramtsanwärter,
Seatins in Wgs, zerstäuben E-Zigaretten-Flavor,
Deutschlands-Elite, fast Dipls, MAs, und Drs,
ab durch die Mitte, Leistungsgesellschaft-Essens,
knisternde Dekadenz, verstummt laut,
Intelligenz kurz vor ihrem ersten Burnout,
Bad Taste gepaart mit trivialen Seelenstrip,
Facebook-Effekt verleitet zum I_like_Prinzip,
Klick, Klick, Klick, wie_du_mir_so_ich_dir_Philosophie,
aber hey c'est la vie,
hohe Decke des Altbaus ist unser Limit,
youtube den nächsten Titel bitte hiermit,
ich zünde mein Dynamit, auf diesem Parkettboden,
ich bin einer von Ihnen, einer der Großstadtchaoten,
Stofftasche mit bunten Farben bepinselt,
ein bunter Haufen gestrandet auf ner Verkehrsinsel,
In-Viertel hin oder her, Ray-Banisier mich davon,
film mich lieber mit Super8 in Retroform,
Wo bleibt mein Megaphon, ich will endlich Reden,
ich ertrinke unter diesem strömenden Konfettiregen,
reich mir das „Nulldreiunddreißiger“, du Held,
ich balancier barfuß auf ner Slackline durch die Welt,
sorgenfreier, Hippieverschnitt tanzt zur Brass-Musik,
ein Geheimtipp, Ständer 4 in Secondhand-Boutique,
kein Mainstream bitte, und keine Kritik,
Strickmütze im Sommer, untermalt nur mein Haarschnitt,
alles naturbelassen, alles grün, alles bio,
trainier ne Mischung aus Aikido und irgendwas aus Rio,
kein Plan, Hauptsache bereit für die Untoten,
ich bin einer von Ihnen, einer der Großstadtchaoten...
Ich knipse mir das Licht aus, und dreh mich im Kreis,
Lass den Beat auf repeat, erhebt das Glas,
Cheers auf das Leben, wo bleibt denn meins...







Kommentare
Biste jetzt pro- oder anti-Hippster?
09.01.2013, 12:59 von See_Emm_Why_KayMacht es einen Unterschied? :)
09.01.2013, 19:28 von Finn_FadoJa schon. Dann wäre das ja alles Sarkasmus und irgendwie lustig. Wenn du pro bist, muss ich den Text nochmal lesen und eventuell meine Meinung überdenken.
09.01.2013, 19:34 von See_Emm_Why_KayHmmm, ich dachte der Text hätte eine klare Haltung.
Es gibt kein pro oder anti
10.01.2013, 18:04 von Finn_FadoDanke!
05.01.2013, 16:10 von Friesin...ich war gerade irgendwie kurz Zuhause...
05.01.2013, 16:13 von FriesinLiest sich flüssig wie'n Poetry-Slam-Text. Sehr gern gelesen.
30.12.2012, 20:20 von justanotherpicturePotential zum Lieblingsgedicht! ;)
30.12.2012, 19:52 von ToraSag Bescheid, wenn das Potenzial ausgeschöpft wird. :)
30.12.2012, 20:30 von Finn_Fadodu hast echt spritzige ideen, richtig gut formuliert zum teil. musste schon das ein oder andere mal grinsen... geht mir nicht anders mit manchen leuten, da gerinnt einem eben schonmal die kotze im hals ;)
30.12.2012, 19:36 von MissesBiscuitDanke fürs Lesen.
30.12.2012, 20:26 von Finn_FadoIch hasse diesen Reimwichs aber das is ne feine Betrachtung der Generation Großstadt.
30.12.2012, 13:34 von FrauKopfOh..., Vielen Dank. Vielleicht wirst Du mal diesen Reimwichs nicht mehr hassen. Peilen wir mal "Gleichgültigkeit" an.
30.12.2012, 13:41 von Finn_Fado