konsTante 30.11.-0001, 00:00 Uhr 148 8

Großmut

"Wer schwach ist, kann nicht vergeben. Vergebung ist das Merkmal der Starken." (Mahatma Gandhi)

Das Thema Vergebung hat mich in den letzten 4 Jahren stark beschäftigt. Kurz musste ich über die Zeitspanne nachdenken, als sie mir bewusst wurde, war ich erstaunt, wie lange der Prozess der Vergebung dauern kann.


Meine Freundin hat mir vergeben. Ich hab was schlimmes angestellt und somit ihr Vertrauen in mich auf einige Zeit zerstört. Zur Tatzeit waren mir weder die Folgen bewusst, noch hatte ich irgendeinen emotionalen Bezug dazu (was an einer dissoziativen Störung aufgrund eines multiplen Traumas liegt). Mir war somit völlig egal, was ich damit anrichte. Nun waren meine Freundin mit ihrer Tochter und ich mit meinen Töchtern füreinander Familie. Als Melo lange Zeit damit gehadert hat, ob ich weiterhin Bestandteil ihres Lebens sein soll oder kann, herrschte in mir blankes Unverständnis darüber, wie man jemanden aufgrund einer Missetat aus seinem Leben streichen kann. Sowas ging mir (ich bin grundsätzlich ein Einzelgänger, die wenigen Menschen, welche ich an einer Hand abzählen kann, die ich mir als Wegbegleiter ausgesucht habe, sind sehr bedacht gewählt und was auch immer sie anstellen, ich würde zu ihnen stehen) nicht in den Kopf. Das macht für mich persönlich die selbst ausgesuchte Familie aus. 

Als Melo mich mit meiner Missetat konfrontierte, stellte ich Rede und Antwort. Das war ihr nicht genug. Monatelang hackte sie immer wieder darauf herum, wenn ich von ihr hörte, ansonsten war Funkstille. Sie erzählte mir immer wieder, dass alle Menschen um sie herum ihr rieten, den Kontakt zu mir abzubrechen. Langsam machte sich doch ein Gefühl bemerkbar. Wut. Darüber, was die Leute sich eigentlich dabei denken, wenn sie eine Situation beurteilen, in der sie offensichtlich noch nie selbst waren. Außerdem ging mir Melo langsam ziemlich auf die Nerven, weil sie das Thema immer und immer wieder durchkauen wollte. Zumal ich die ganze Sache aufgrund meiner Gleichgültigkeit nicht als so schlimm empfand. Ich war der Meinung, sie bauschte es unnötig auf. Sie sagte, sie erwarte irgendwas von mir. Was genau, konnte sie nicht sagen. Darüber hinaus stellte sie Bedingungen, die ich ihr nicht bereit war zu erfüllen.

Nach einigen Monaten ohne Kontakt suchte sie abermals das Gespräch und langsam entwickelte sich in mir eine Emotion. Mitgefühl, welches zur Folge hatte, dass ich verstand, was mein Handeln auslöste. Ich bürdete meiner Freundin damit etwas auf. Misstrauen, Schmerz. Noch dazu zog ich zu der Zeit weit weg und ich lies sie allein mit dem all dem. Und dass ich das erkannt hab, hab ich ihr gesagt. Außerdem weihte ich sie in mein inneres Chaos ein und wir versuchten heraus zu finden, wieso ich mir selbst so im Weg stand und mir Dinge kaputt mache, bzw. warum mir so vieles so gleichgültig war. Ich bat sie um Vergebung und lies sie wissen, dass ich sie weiter als Mensch an meiner Seite wissen wollen würde. 

Auch wenn es noch einige Zeit dauerte, aber Melo setzte sich sehr intensiv mit dem Thema Vergebung auseinander, um herauszufinden, was genau Vergebung für sie bedeutet. Sie wuchs über sich hinaus und sagte mir irgendwann, dass sie erkannt hat, dass sie mich als Freundin nicht verlieren möchte, weil ich trotz der Probleme zwischen uns dennoch für sie und ihre Tochter da war und somit die einzige Konstante in ihrem Leben war und bin und dass Vergebung nicht an Bedingungen geknüpft werden sollte.

Sie hat mir vergeben. Wir reden auch heute noch drüber, aber weniger belastet und ohne Vorwurf.

Großmut, also die Tugend der Vergebung wurde für mich durch diese Geschichte Teil eines starken Charakters. Andere sehen in der Vergebung etwas esoterisches, philosophisches oder religiöses.



Wie steht ihr zum Thema Vergebung?

Was könntet ihr nie vergeben und wieso eigentlich nicht?

Was habt ihr schonmal vergeben?

Weswegen wurde euch schonmal, oder eben auch nicht, vergeben?







Euch gefällt das Nut nicht? Ihr könnt es besser? Hier könnt ihr euch austoben!




Tags: Vergebung, Großmut
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148 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Mir selbst meine Fehler zu vergeben (auch die vermeintlichen) ist schwer. Bei anderen geht es einigermaßen. Irgendwie fühle ich mich sowieso meist irgendwie schuldig, da passt es dann schon (fühlt sich fast richtig an) wenn man einen kassiert

    04.02.2016, 13:31 von chiral
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  • 0

    Gutes Thema. 

    Ohne Vergebung kommt man nicht weiter. Die Bürde der "Schuld" belastet nicht nur den anderen, sondern einen selbst.
    Vergeben befreit. Beide. Ein ziemlich mächtiges Werkzeug. Vorausgesetzt, man ist für den Sprung ins eiskalte Wasser bereit.

    04.02.2016, 10:19 von Hattori-Hanzo
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  • 0

    Vergeben ist immer gut. Konflikte schwelen sonst unter der Oberfläche weiter. Es gibt zwar Ausnahmen, aber in der Regel will ich da keine zwischenmenschliche Altlasten mit mir herumschleppen. Das hält nur auf. Den Konflikt benennen, notfalls austragen und wenn möglich, irgendwann auf eine Lösung bzw. Vergebung hinarbeiten.

    03.02.2016, 22:54 von mirror87
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  • 1

    Einem werde ich nie verzeihen - mir selber

    02.02.2016, 23:54 von FrankFrangible
    • 0

      Dir sei verziehen.

      04.02.2016, 00:17 von FrankFrangible
    • 0

      Danke, ich fühl mich gleich viel leichter.

      04.02.2016, 00:17 von FrankFrangible
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  • 3

    "Hölle ist wo es keine Vergebung gibt."  So wie Hölle Synonym für äußerste Qual und Schmerzen ist, so sind Herkunft und Bedeutung weit mehr als eine religiöse von Schuld. Es geht um die buchstäbliche Verantwortung, Antwort geben, die gilt, die Sinn schafft, Ordnung herstellt.

    Von daher lässt sich aus einem religiösen Sinnbild Hölle, die Unfähigkeit zur (Selbst)Erkenntnis zur inneren und äußeren Ordnung lesen, so wie dem christlichen Mythos nach Satan nie vergibt, da er sich von Gott (analog: Schoss des Lebens Mama) verstoßen und getrennt sieht. Daraus "legitimiert" zum Täter zu werden, sich dabei aber stets als Opfer fühlen, geht durch sämtliche Ebenen von Gesellschaft, von Kultur und Kampf. Daher der ewige Zorn, die Wut, die sich selbst zerfrisst und neue Nahrung sucht, für den sprichwörtlichen Teufelskreis. Ohne die Akzeptanz der eigenen Verantwortung durch Antwort in Selbsterkenntnis keine Erlösung, keine Vergebung.    

    02.02.2016, 19:28 von schauby
    • 3

      Muahaha 

      02.02.2016, 19:36 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Was soll das jetzt heißen fin?
      Ich versteh die Reaktion nicht.
      Stimmst du dem inhaltlich oder formal nicht zu?

      02.02.2016, 20:55 von Gluecksaktivistin
    • 0

      vielleicht, isst eß nicht, nur die kommasetzung?

      02.02.2016, 21:57 von libido
    • 0

      Ja an formal hats grad gehapert, ich wusste nicht, wie ich das anders sagen sollte. ^^

      02.02.2016, 21:59 von Gluecksaktivistin
    • 0

      Gemeint ist "Art und Weise"

      02.02.2016, 22:01 von Gluecksaktivistin
    • 1

      die verpackung. wirkt wie übelst teures seidengeschenkpapier mit tollem muster lieblos drumrum geschludert.

      02.02.2016, 22:03 von libido
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    • 0

      die borg?

      02.02.2016, 22:21 von libido
    • 0

      hab ich letztens auch schon gehabt. habes auf die matrix geschoben. die agenten sind nah!

      02.02.2016, 22:22 von libido
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    • 2

      'n Knallkopp mit Thanatos im Hirntank findet kalkuliertes Chaos solange fetzich bis ihm die Fratze des Elends dahinter seine Kinder vor den Augen wegschlachtet, weil irgendein verdrehter armer Teufel mit AK47 in nem Schulgebäude sein prall gefülltes Kränkungskonto auflösen will, wo es nichts zu suchen hat. 

      Ich steh mehr auf leben als sterben. Daher liegt mir das, was Mensch mit Mühe, Mut und Mitgefühl gegen Dummheit und Dünkel stemmt näher, als irgendein dysfunktionales apathisches Gewirr im Weltraum oder Großhirn.  

      03.02.2016, 02:23 von schauby
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    • 0

      Es ist vieles aber speziell: (analog: Schoss des Lebens Mama) 

      03.02.2016, 07:26 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      meinst du vielleicht geschoss des lebens?

      03.02.2016, 21:26 von libido
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    • 0

      Vielleicht hat er an sie gedacht. Das macht Sinn. Toll, nun bin ich geil. 

      04.02.2016, 07:19 von Fin_Fang_Foom
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      Für Schauby.

      04.02.2016, 18:07 von Fin_Fang_Foom
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      schlaue frau!

      02.02.2016, 21:51 von libido
    • 0

      *örks*

      04.02.2016, 11:59 von sailor
  • 3

    wenn mir der Mensch, zu dem das Vertrauensverhältnis gestört wurde, signalisiert das sich die Sache so nicht wiederholen wird, und ich ihm das glauben kann, fällt mir Vergebung leicht. Kommt natürlich trotzdem auf das Problem, die Art der Verletzung und die Intensität der Beziehung an. 
    Ich glaube das ist eine richtig gute Freundin die du da hast. Bei lockeren Beziehungen und Freundschaften macht sich wahrscheinlich kaum jemand die Mühe das so auszudiskutieren, wie ihr das getan habt. Dann hat man aber eben auch nicht die Chance aus seinen Fehlern zu lernen und sie wiederholen sich ständig. 

    02.02.2016, 18:28 von grins
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    Vergebung passiert bei mir durch Zeit und Abstand zur Sache. Wenn ich die Zeit genutzt habe, um nicht mehr rein gefühlsgeleitet zu bewerten, sondern beginne zu verstehen, kann ich besser loslassen. Die Alternative wäre irgendwie sowas wie Verbitterung und Frust. Auf die Dauer ganz schön anstrengend.

    02.02.2016, 17:53 von Feodor
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  • 0

    Seit 10 Jahren denke ich darüber nach, ob ich einer bestimmten Person "vergeben" soll. Und mir selbst auch.

    Ich bin immer noch zu keinem befriedigendem Ergebnis gekommen.
    Vielleicht weil es so schwer fällt,zu vergessen?


    02.02.2016, 17:49 von cosmokatze
    • 0

      Wenn man 10 Jahre darüber nachdenkt, scheint der Mensch einem nicht so ganz unwichtig zu sein. Vergessen ist auch garnicht immer so nötig. So eine Geschichte ist schließlich Teil von einem und hat sicher dazu beigetragen, sich in irgend eine RIchtung weiter zu entwickeln.

      02.02.2016, 18:09 von konsTante
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    • 1

      Is mir persönlich zu schwarz-weiß und zu generalisiert. Mag für Dich vielleicht stimmen, muss aber nicht Allgemeingültigkeit haben.

      02.02.2016, 18:53 von konsTante
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    • 2

      Wahrnehmung und Wahrheit haben selten was miteinander zu tun. Eine eigene Wahrheit ist selten die Wahrheit aller. Und eine einzige Wahrheit gibt es selten.

      02.02.2016, 19:01 von konsTante
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    • 2

      oje.

      02.02.2016, 19:12 von konsTante
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    • 2

      »wer nicht hasst, hat nie geliebt.«

      Was für'n Kwaaatsch...

      04.02.2016, 11:59 von sailor
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  • 1

    Vergebung bedeutet für mich Frieden schließen. Wenn man meint, man vergibt, aber der Konflikt kommt doch immer wieder hoch, sodass es zu stichelein u.ä. kommt, glaube ich nicht das man damit wirklich frieden geschlossen hat.

    Kommunikation ist mir sehr wichtig. Wenn mir also jemand für sein Verhalten/seine Tat eine Erklärung geben kann, fällt es mir nicht sonderlich schwer dies zu akzeptieren.
    Es kann aber auch ganz schnell vorbei sein, wenn mir jemand öfter dumm kommt. Dann habe ich auch ganz schnell die schnauze voll und ziehe mich zurück, dann wirds auch schwerer mit dem vergeben.

    02.02.2016, 16:06 von -Maybellene-
    • 3

      Vergebung bedeutet für mich Frieden schließen.

      Für mich auch.
      Und Frieden bedeutet für mich, jemandem ohne Nachtrag erneut völlig offen und vorurteilsfrei zu begegnen.
      Ich entscheide nicht bewusst darüber, was ich vergesse. Weshalb ich auch sage, dass ich vergebe, aber nicht vergesse. Vergessen und Verklären sind Selbstläufer. Wieder ein Grund mehr, das Verzeihen zu pflegen, im Grunde ist es eine bewusst steuerbare Vorwegnahme des Vergessens, ein Loslassen von Dingen, die man ohnehin nicht in seiner Hand hält.

      02.02.2016, 17:17 von JackBlack
    • 1

      deshalb sind die Art von Reaktionen, die Heftigkeit auch ein guter Indikator ob etwas befriedet (erlassen, erlöst) ist oder nicht.


      leider werden vielfach Ursache und Wirkung verwechselt, ebenso häufig Herkunft und Auslöser.
       

      02.02.2016, 20:10 von schauby
    • 0

      yep.

      02.02.2016, 21:23 von JackBlack
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