steve-m 16.08.2017, 09:02 Uhr 1 0

Ghostwriting - der unbekannte Autor

Ob im Studium, für Zeitschriften, Online-Magazine oder Bücher – promovierte Ghostwriter bieten ihre Dienste an. Moralisch verwerflich?

Sie verlangen teilweise ein kleines Honorar und akzeptieren dafür, als Autor namentlich nicht aufgeführt zu werden – promovierte Ghostwriter. Manche verdienen somit gutes Geld, denn mittlerweile gibt es im Internet zahlreiche Seiten, wo Auftraggeber und Autoren zusammengeführt werden. Der Auftraggeber stellt eine Anzeige mit dem Thema das gewünschten Textes online und die Autoren können sich anmelden, diesen Text zu verfassen. Die bekanntesten Internetseiten sind Textbroker und Greatcontent. Unkompliziert meldet man sich an, lässt sein Niveau durch einen kurzen Text einstufen und kann sofort loslegen. Zu finden sind hier Angebote aus den unterschiedlichsten Themenbereichen, so dass Autoren ihre vielfältigen Kenntnisse anwenden können.

Das Syndrom der inhaltlosen Internettexte
Durchforscht man das Internet nach einer Frage zur eigenen Gesundheit oder ähnlichem, stößt man manchmal auf nicht sehr aussagekräftige Texte mit wenig Inhalt. Bei all diesen Texten lässt sich vermuten, dass ein Ghostwriter über eine der genannten Seiten dahintersteckt, denn die angegebene Wörterzahl der Aufträge muss erfüllt werden und manchen Autoren ist dies wichtiger, als ein gut recherchiertes und überarbeitetes Ergebnis. Dann stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch auf Antworten und Wissen aus dem Netz vertrauen sollte und kann.

Das Geschäft an Universitäten boomt
An vielen Unis ist Ghostwriting mittlerweile regelrecht zum Problem geworden, welches strafrechtlich verfolgt wird. Denn Studierende lassen wissenschaftliche Texte, sogar Master- und Doktorarbeiten manchmal von anonymen Textern schreiben. Der Nachweis hierfür ist sehr schwierig. Dies nutzen Autoren, welche mit dem Texte schreiben ihr Geld verdienen, aus und haben sogar den Mut, Visitenkarten auf Toiletten oder in den Gängen der Universität auszulegen, um die Studenten einzuladen, das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten für sie zu übernehmen.
Alle Ghostwriter oder Interessierte dieser Branche aufgepasst: ihr macht euch mit dem Schreiben der Texte nicht einmal strafbar. Dies betrifft nur die Studierenden, welche ihre Arbeiten von euch schreiben lassen. Außerdem werden Fälle des Ghostwriting an den Universitäten ohnehin nur selten verfolgt, da eine Aberkennung von Titeln ein aufwendiges Verfahren ist und einige Dozenten vielleicht sogar selber die Dienste der anonymen Texte-Schreiber in Anspruch genommen haben, um ihre heutige Position zu erreichen.


Die Welt des Schreibens erproben
Selbst Zeitschriften unterhalten promovierte Ghostwriter. Und es stellt sich die Frage, ob der Unterschied zum freien redaktionellen Mitarbeiter wirklich so groß ist. Denn auch dieser muss recherchieren, muss Texte über Themen verfassen, zu denen er vorher nichts wusste. Klar ist das Niveau vieler Verfassungen zu hinterfragen, doch Ghostwriting bietet eine tolle Möglichkeit für all diejenigen, die in den Bereich der redaktionellen Arbeit hineinschnuppern wollen, zumal dies auf anderem Wege ziemlich schwierig ist. Über das Verfassen von Berichten im Internet lässt sich erproben, ob man ein Gefühl für die Sprache hat, ob man für die Aufträge brennt und ob der eigene Stil bei den Auftraggebern ankommt. Für all jene, die sich unsicher sind oder sich einfach mal schriftlich ausprobieren wollen, ist Ghostwriting bestens geeignet - und das Taschengeld lässt sich sogar auch aufbessern.

Unehrlichkeiten und das Hinterfragen der eigenen Werte
In einer Welt, in der ohnehin jede Aussage, jede Empfehlung und jeder Mensch hinterfragt werden kann, in welcher man nicht weiß, wessen Meinung da gerade von einem bekannten Politiker ausgesprochen wird und in der alle paar Jahre ein Doktortitel aberkannt wird, ist Ghostwriting keinesfalls fehl am Platz. Wieso sollte man sich als hilfloser Student nicht mit Leuten vernetzen, die Spaß daran haben, sich mit Themen auseinanderzusetzen. Man kann nur gewinnen - Erkenntnisse und freie Zeit. Die Anforderungen an den Universitäten sind heutzutage so skurril, so anzweifelbar, dass ein wenig Tricksen durchaus erlaubt sein sollte. Die Welt beruht auf Unehrlichkeiten, weshalb von einem kleinen Studenten nicht verlangt werden kann, all seine Arbeiten selber auszuführen.
Andererseits kann sich jeder selbst fragen, wie wichtig ihm die Anerkennung durch abgegebene Arbeiten oder erreichte Abschlüsse wirklich ist. Ist das Studium der richtige Ort, wenn man einen unbekannten Autor benötigt, um die wissenschaftlichen Texte zu verfassen, um hinter ein Thema zu steigen, welches einen, betrachte man die Wahl des Studienganges, eigentlich brennend interessieren sollte?

Die richtige Recherche
Wenn ihr zu dem Ergebnis gekommen seid, eure eigene Arbeit sei mehr Wert als nur das Erreichen von irgendwelchen Abschlüssen, besteht immer noch eine Gefahr: auf fehlerhafte Quellen im Internet hereinzufallen. Also merkt euch: bei einer guten Recherche lohnt sich oftmals doch ein Blick ins Lexikon.

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Kommentare

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    Leidenschaft für Schreiben und attraktives Einkommen bewegen viele Menschen zum Ghostwriting, das seine Pros sowie Contras hat, die man unbedingt in Erwägung ziehen sollte. Wenn es für einen zu schmerzhaft ist, eigenes Schreiben umsonst einfach zu schenken, sollte man sich zweimal überlegen, ob man wirklich als Ghostwriter arbeiten will. Abgesehen davon bleibt Ghostwriting doch ein sehr gewinnbringendes Geschäft, das sogar den Grundstein der Karriere eines Schriftstellers legen kann. Auf dem Blog von https://akadem-ghostwriter.de/ hab ich über eine überraschende Erfolgsgeschichte eines Ghostwriters gelesen. Er schrieb zuerst nur wissenschaftliche Arbeiten, wurde aber später zu einem autor, der einen Bestseller veröffentlichte.

    14.02.2018, 14:11 von helga11
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