Querdenker31 28.10.2015, 20:35 Uhr 21 5

Gespräch mit Soldat

„Man denkt nicht über Gut und Böse nach“

„Es ist schon krass wie unterschiedlich unser Leben ist. Ihr reist mit 18 durch die Welt und ich muss mit Waffe in Israel bleiben.“ Dies sagt Tommar, ein 19-jähriger Soldat, der seit über einem Jahr seinen Wehrdienst von drei Jahren beim Militär absolviert. Ich muss daran denken, wie froh ich über die Abschaffung der Wehrpflicht bin.

Wir befinden uns in einer Mall auf den Golanhöhen und wollten eigentlich nur kurz verschnaufen bevor wir zur nächsten Etappe unseres Backpacker-Trips aufbrechen als wir Tommar kennen lernen.

Wir erwähnen, dass wir in Jerusalem wohnen, Tommar unterbricht uns und erzählt, dass es früher oft in Jerusalem Verwandte besucht hat, es für ihn aber jetzt komisch ist mit entsicherter Waffe durch die Straßen zu gehen und ständig nach verdächtigen Personen Ausschau halten zu müssen. „Was wenn ich mich vertue?“ fragt er. Der Gedanke bleibt für ein paar Sekunden unbeantwortet in der Luft hängen. Wir wissen nicht was wir sagen sollen.

Dann fragen wir ob er auch freiwillig zum Militär gegangen wäre. „Mann lernt während des Dienstes so viele Menschen und Freunde kennen. Das ist super. Aber ich würde viel lieber Reisen und freue mich auf das Ende meiner Dienstzeit“ hören wir als Antwort.

Er erzählt weiter dass aus seiner Sicht momentan das wichtigste sei, dass Israelis und Araber wieder mehr miteinander sprechen. Nicht die Politiker, sondern die normalen Menschen.“ Nur dann können es Verständigung und einen Weg zum Frieden geben. Das klingt  sehr schön, aber der Gedanke an den letzen Autofahrer der uns mitgenommen und viele andere Gespräche während der letzten 2 Monate lassen mich zweifeln. Zu oft habe ich schon Sätze wie:Die Araber sind doch alle Terroristen,gehört oder Mein Kampf in arabischen Cafés herumliegen sehen.

Kurz bevor wir weiter müssen sagt Tommar, dass es nicht einfach sei den Abzug zu betätigen, aber: „wenn die Regierung etwas sagt, dann befolgt man dies [als Soldat]. Man denkt nicht über Gut und Böse nach.“ Er rechtfertig dies mit den Verweis auf Israel als Demokratie, und dass seine Aufgabe als Soldat nun einmal darin läge denn Willen der Mehrheit auszuführen.

Blog über mein Freiwilligendienst in Jerusalem: www.facebook.com/LeonJerusalem

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21 Antworten

Kommentare

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  • 0

    soldaten sehn sich alle gleich
    LEBENDIG und als LEICH

    01.11.2015, 18:03 von Xspellbound
    • 0

      Ist mir ein wenig zu undifferenziert ...

      (Falls du LEICHE meinst)

      02.11.2015, 12:26 von Querdenker31
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    Repost des vorherigen Kommentar:

    Also das Selbstbild der meisten israelischen Soldaten ist, dass der Einsatz im Inland zum Schutz der Zivilisten vor Terroristen dient und nicht gegen Zivilisten gerichtet ist.

    Die Frage inwieweit Israel modernen demokratischen Grundsätzen gerecht wird und als "einzige Demokratie" im nahen Osten angesehen werden kann muss aus meiner Sicht generell kritisch betrachtet werden.

    30.10.2015, 11:37 von Querdenker31
    • 0

      Ich finde ja schon den Einsatz einer Armee in innern per se etwas nunja schwierig...

      Aber meine freundlichen Austausch-Israelis waren, als sie hier waren (is lange her...) und das Thema 'Wehrpflicht' diskutiert wurde, vom bundesrepublikanischen Armee-Verständnis eher... leicht amüsiert.

      30.10.2015, 12:02 von sailor
    • 0

      Ja die IDF hat hier schon fast heiligen Status. (Spiegelt sich Wurde von einer Israelin mit unser Nationalmannschaft verglichen. 

      30.10.2015, 15:55 von Querdenker31
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  • 0

    Bin grade ohne Laptop unterwegs und hab ausversehen am Handy meinen vorherigen Kommentar gelöscht :( wie kann ich den wiederhestellen?

    29.10.2015, 19:54 von Querdenker31
    • 0

      Garnicht...
      :D

      30.10.2015, 12:00 von sailor
    • 0

      Mist ;)



      30.10.2015, 15:48 von Querdenker31
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  • 0

    Krumme Argumentation von Tommar...

    28.10.2015, 20:43 von sailor
    • 0

      Seh ich auch so aber was genau meinst du?

      28.10.2015, 21:13 von Querdenker31
    • 1

      Ich meine, daß die Aufgabe eines Soldaten (demokratieunabhängig) die Verteidigung eines andes gegen Angriffe von außen ist. Und es ein Zeichen einer dysfunktionalen Demokratie ist, wenn die Armee a) im inneren und b) gegen Zivilisten eingesetzt wird...

      Das zu tun, was 'der Wille der Mehrheit ist' (was ja 'der Wille der Regierung' ist) klingt vor allem krumm Demokratie erschöpft sich nicht in dem Willen der Mehrheit. Parizipation und Schutz der Minderheit ist ebenso wesentlicher Teil der Demokratie.

      29.10.2015, 07:40 von sailor
    • 1

      Die Aufgabe eines Soldaten ist in erster Linie gegen Geld Befehle auszuführen, die evtl. auch gegen die Menschenrechte verstoßen.

      29.10.2015, 08:01 von quatzat
    • 0

      Menno, ich bin doch naiver Idealist...

      29.10.2015, 08:10 von sailor
    • 0

      Bier?

      29.10.2015, 08:12 von quatzat
    • 0

      Schnaps...

      29.10.2015, 08:14 von sailor
    • 0

      Gierschlond!

      29.10.2015, 08:21 von quatzat
    • 0

      Saufen saufen immer nur saufen...

      29.10.2015, 11:02 von sailor
    • 1

      Heißen deine Soldaten nicht eher 'Söldner'? Wobei es natürlich zweifelsohne überschneidungen geben mag...

      29.10.2015, 11:03 von sailor
    • 1

      Ich möcht den sehen, der ohne Sold bei der Bundeswehr bleibt. :D

      29.10.2015, 11:14 von quatzat
    • 0

      Bei der Bundeswehr is doch eh alles kapott...

      29.10.2015, 16:11 von sailor
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