dieprofi 30.11.-0001, 00:00 Uhr 4 3

Generation Online

WIR SIND DRIN. Fast zwei Drittel der Deutschen ab zehn Jahren nutzen das Internet.56% der Internetnutzer sind täglich oder fast täglich online.

Das Internet hat sich schon lange als bevorzugtes Mittel für Recherchen und Informationsbeschaffung etabliert.
Wie ist noch mal die Postleitzahl von Tante Inge, der ich nach Jahren mal wieder schreiben möchte? Gibt es in der neuen Kollektion von Zara einen Mantel der mir gefällt? Wo ist der nächste DHL Shop in meiner Nähe? Wie heißt das neue Album von „Wir sind Helden“ und wer zum Geier ist Karl Valentin? Branchenbücher und Google machen es möglich alle Fragen innerhalb kürzester Zeit zu beantworten.

Doch es wird nicht nur recherchiert im Internet. Zunehmend wird auch eingekauft. Es ist nicht mehr nötig sich durch schlechtbelüftete und zu laut beschallte Konsumtempel zu quälen. Bequem kann die Generation Online ihre Objekte der Begierde mit einem Mausklick nach Hause bestellen und dabei eine Tasse Chai Tee trinken.Angenehm ist hier auch, dass die zu bezahlende Summe nicht direkt aus dem Portemane verschwindet. So ist es fast, als würde sie bleiben.

Der Gang in die reale Welt wird immer unnötiger. Im Internet kann man Zeitungen und Geschichten lesen, Nachrichten schauen, Fotos angucken, Filme und Musik runterladen. Virtuelle Welten wie second life machen es möglich ein komplettes zweites Leben zu führen

Das charakteristische der Generation Online ist aber, dass etwas online praktiziert wird, was nicht vor all zu langer Zeit noch dem direkten menschlichen Kontakt vorbehalten war. So werden Freundschaften und Beziehungen im und über das Internet aufgebaut und gepflegt. Ein Mausklick reicht oft, um einen neuen Freund zu haben. Myspace, Studivz und auch Neon vereinfachen einem die online Freundschaften. Ausgefeilte und ausführliche Profile erleichtern die Selbstdarstellung, die manch einem im realen Leben nicht oder nicht auf diese Weise möglich ist. Schnell wird abgecheckt, wer ein potentieller Freund sein könnte. Passt der Musikgeschmack? In was für Gruppen ist denn die? Nee, der liest Harry Potter. Ist ja widerlich. Vorbei die Zeiten, der langsamen Annäherung, der stundenlangen Gespräche, der gemeinsamen Unternehmungen. Warum kompliziert wenn es doch auch so einfach geht?

Was früher schnell zum Prädikat Computernerd führte ist heute mehr als salonfähig. So haben Angehörige der Generation Online nicht nur einen Account, sondern zeichnen sich dadurch aus, bei mehreren Internetplattformen registriert zu sein. Dabei kann auch ein wenig Stress entstehen. So steht der Abwasch dann mal einen Tag länger, weil hier ein Profil erweitert, da eine Nachricht geschrieben und dort ein Kommentar abgegeben werden muss. Denn auch die Online Freundschaften müssen gepflegt werden. Sonst ist man schnell nicht mehr drin, sondern raus aus dem Netz (werk).

Aber vielleicht ist das Aussteigen aus dem Netz gar nicht so schlimm, wie es zunächst für einige der Generation Online erscheint.
Das wäre doch mal eine Möglichkeit ein Buch zu lesen (inklusive haptischem Erlebnis),ein Bad zu nehmen, ein langes Gespräch mit guten Freunden von Auge zu Auge zu führen, einen Brief zu schreiben oder einfach nur mal so dazusitzen, ohne das Geräusch des PC-Lüfters im Hintergrund.

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4 Antworten

Kommentare

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    hihi.. ertappt.
    es gibt fast nichts mehr, das ich nicht im internet bestelle. auch babynahrung und katzenfutter.
    auch mein freund kommt aus dem internet. unser sohn entstand.
    ALLES AUS DEM INTERNET ;)
    du hast vollkommen recht. man genießt zu selten den moment der ruhe allein daheim. stattdessen widmet man sich den vermeintlichen freundschaften im internet. viel zu oft.
    aber ich muss auch sagen, dass ich ganz tolle freundinnen im netz gefunden habe. die würde ich jetzt im "wirklichen leben" nicht missen wollen.

    Eine empfehlung mehr für dich ;))

    30.11.2007, 15:49 von JollyMacKay
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    Oh mann. Du triffst es auf den Punkt. Gestern abend habe ich noch bei Ebay eingekauft und mir dabei einen Chai Tee getrunken... Na toll. Aber, wie denName schon sagt: Es gibt noch ein Leben ausserhalb, in der realen Welt mit echten Freunden usw. Super Artikel!

    30.11.2007, 08:39 von lahualina
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    oh nee, wenn jemand von ''generation irgendetwas'' spricht, muss ich mich immer kratzen.

    30.11.2007, 01:24 von NeonBlond
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    Gerade wollte ich mich noch erregen, mich abgrenzen, ganz anders sein, als die Nerds - die von mir so Bezeichneten. Dann aber einen Moment nachgedacht: wer ein Nerd ist, bestimmen in der Regel die anderen und da gibt es sicher unterschiedliche Maßstäbe. Bin ich ein Nerd? Vielleicht. Im eigentlichen Sinne des Wortes eher nein, denn - jedenfalls hoffe ich das - ich bin kein Langweiler, Sonderling, Streber oder Außenseiter. Noch nicht jedenfalls.
    Bedenklich hingegen ist es, dass ich Menschen kenne, die am bevorstehen Wocheende etwas geplant haben - ausserhalb von StudiVZ, facebook, icq, Neon & Co. - ich nicht.
    Nun muss sich allerdings auch niemand sorgen, denn ich habe mir dieses Wochenende verdient und werde wahrscheinlich viel Zeit im WorldWideWeb verbringen.
    Es ist wohl nicht alles schlecht, was man hier lesen, sehen oder kennen lernen kann und nicht jeder, der häufig dieses Medium nutzt ist auch ein Nerd - jedenfalls nicht nach meiner Auffassung.
    Gerde jetzt habe ich für mich beschlossen, dass ich kein Nerd bin! Noch nicht!

    Ein schöner Artikel - vor allem weil ich schmunzel musste. Du weisst warum, denn wir kennen echte NERDS!

    30.11.2007, 01:18 von denNAME
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