regimekritiker 30.11.-0001, 00:00 Uhr 55 0

Generation Arschgeweih.

Beobachtungen rund um das Steißbein.

Als ich noch klein war, hatte ich beim Anblick von tätowierten Menschen meist ein etwas ungutes Gefühl. In meiner Stadt gab es eine relativ große Kaserne mit britischen Soldaten. Mit ihren kurz geschorenen Haaren und den zumeist martialischen Bildmotiven auf diversen Körperteilen machten diese Männer auf mich keinen übertrieben feinsinnigen Eindruck. Heutzutage sind sowohl die Klientel, wie auch die Motive andere. Statt Fremdenlegionären und Seeleuten bevölkern Versicherungskaufleute, Lehramts-Studentinnen und Reno-Gehilfinnen die Tattoo-Studios. Anker, Waffen und Segelschiffe werden dementsprechend seltener in die Haut geritzt. Stattdessen stehen asiatische Schriftzeichen und indianische Tribals hoch im Kurs. Mir drängt sich hier seit längerem die Frage auf, was man in Mecklenburg-Vorpommern oder auf der schwäbischen Alb mit den Amazonas-Indianern und deren rituellen Körperverzierungen gemein hat. Ich plädiere – gerade jetzt im Zusammenhang mit der aktuellen Patriotismus-Debatte – für Motive mit Bezug zur Heimatregion. In meinem Falle böte sich zum Beispiel ein westfälisches Tribal an. Derzeit schwanke ich noch zwischen einem Holzschuh und einer Mettwurst.

Nun will ich nicht verhehlen, dass ich diese asiatischen Schriftzeichen zum Teil auch ganz lässig finde. Bei David Beckham zumindest. Wer sich für diese Variante entscheidet, lässt ja gerne Begriffe wie „Glück“, „Liebe“ oder „Erfolg“ ins Chinesische oder Japanische übersetzen. Leider ist man hier auf Gedeih und Verderb der Verlässlichkeit des Übersetzers ausgeliefert. Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen mit Auszügen aus einer chinesischen Speisekarte rumlaufen, nur weil der Übersetzer zu faul war...

Mit Modeerscheinungen ist das so eine Sache. Vor einigen Jahren waren schließlich auch mal Leggings en vogue. Mit dem Unterschied, dass man die ausziehen und verbrennen konnte. Im Gegensatz dazu bin ich mal gespannt, wie sich die coolen Steißbein-Tribals in einigen Jahrzehnten so beim Seniorenschwimmen machen.

Schließen möchte ich mit einem Zitat aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia, wo unter dem Stichwort „Arschgeweih“ nachzulesen ist: „Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Form der Modetätowierungen unter dem Eindruck altersbedingter Verformungen durchsetzen wird“. Dem habe ich nichts hinzuzufügen...

55 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Ich hab seit bald zehn Jahren am Steiß so ein asymmetrisches Tribal – also kein Geweih.

    Bin ich jetzt raus? Scheiße, ist ja kein Geweih. Ich war nie drin... plöt.

    01.03.2009, 15:07 von frl_smilla
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    ach, es wird wieder wärmer...und ich habe wieder meine arschgeweihzählungen in der bibliothek aufgenommen... weniger (sichtbare) als letztes jahr, aber bei 10% der frauen ist eins sichtbar. zähle ich nur die, bei denen hinten wirklich nackte haut zu sehen ist, dann sind es in der bibliothek (abteilung geisteswissenschaften, jedoch auch von anderen studentinnen genutzt, da angenehmes klima) über 30 prozent (bei den frauen natürlich nur)...

    22.04.2006, 22:13 von GIC
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Zum Thema falsche Übersetzung:
    Britney Spears wollte sich wohl das chinesische Zeichen für "besonders" stechen lassen. Jetzt steht allerding "sonderbar" auf ihrem Rücken.
    Naja, vielleicht auch passender ;)

    20.12.2005, 12:08 von Akali
    • Kommentar schreiben
  • 0

    wikipedia ist einfach nur genial, es ist die beste enzyklopädie der welt. ein schönes bild der gesellschaft.

    15.12.2005, 17:27 von AK-47
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    ops... tippen sollte man schon können 'kicher'... phantasielos, natürlich

    15.12.2005, 07:56 von Magic_Moments
    • Kommentar schreiben
  • 0

    hmm... ich hab mir ein, sorry, affengeiles Tattoo auf den Rücken machen lassen (meint zumindest mein Jungvolk 'gg')... nein, kein Arschgeweih. Dazu bin ich nicht masochistisch genug. Auch kein Tribal oder irgendwelche Schriftzeichen. Das ist mir zu pantasielos. Es ist eine Pfauenfeder. Übersehen kann man die allerdings auch nicht wirklich, denn sie geht von der rechten Schulter über die Wirbelsäule bis zum Hosenbund runter.
    Ich finde es schön, also passt's!
    Der Tätowierer hat übrigens gemeint dass es erstaunlicherweise hauptsächlich Leute zwischen 30 und 40 sind die "süchtig nach Tätowierungen werden". Glücklicherweise bin ich aus diesem Bannkreis draußen. Mir reicht meins 'gg'

    15.12.2005, 07:55 von Magic_Moments
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Da hilft nur Warten. Zu erwarten ist das sich die Arschgeweihe langsam auswachsen werden. Eine an sich natürliche Entwicklung. In ein paar Jahren werden wir es mit kapitalen Trophäen zu tun haben. Geraden oder ungeraden Zehn- oder auch Vierzehnendern. Weit ausladende Schaufeln die jedem Elch zur Ehre gereichen würden.

    14.12.2005, 18:00 von Kopfkind
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2 3 4 5 ... 6

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare