Matesino 30.11.-0001, 00:00 Uhr 33 9

Gehst du da wieder hin?

Seitdem mein Schreibtisch der Kleinen als Wickelkommode dient, hab ich in dem McDonalds, wo die Tat ihren Anfang nahm, viele meiner Texte geschrieben.

„Gehst du da wieder hin?“, fragt mich meine Nachbarin und mir kommt in den Sinn, wie ich als kleiner Junge nicht ins Meer wollte, weil ich Angst hatte von einem Hai gebissen zu werden.

Keine Ahnung, sage ich.
„Früher, wenn es geregnet hat, sind wir oft da hin.“
Früher war vor etwa zwei Wochen.

Bei schlechtem Wetter packten wir die Kinder ins Auto und sind hin. Dann drehten wir eine Runde durch die Einkaufspassage, kauften der Großen ein Eis und schützten die Kleine vor den grellen Deckenlichtern, damit sie nicht zu sehr aufdreht vorm Schlafengehen.

„Ich geh ab jetzt nur noch vormittags hin, da ist nicht so viel los“, sagt meine Nachbarin. Als ob das nur passiert, wenn Nachmittag ist. Und viel los.

Nach der Logik sind wir beide dann auch schon zu alt, um beschossen, dann aber wieder Ausländer genug, um getroffen zu werden, denke ich, schweige aber weiter, weil mir das passender erscheint.

In den letzten Monaten war ich oft in dem McDonalds, wo die Tat ihren Anfang nahm. Seitdem mein Schreibtisch der Kleinen als Wickelkommode dient, habe ich dort viele meiner Texte geschrieben. „Bei so Psychos weißt du ja nie“ zum Beispiel.
Schwer zu sagen, ob ich dort je wieder schreiben werde.

Meine Frau will da nicht wieder hin - zumindest nicht in nächster Zeit.
„Da werde ich nur an das Blut und die Opfer auf dem Boden erinnert.“ Der Ort ist nun belegt für sie und ich frage mich, was wir von nun an machen, wenn es regnet.

Natürlich waren wir dabei und haben alles live mitverfolgt. Über Facebook, Twitter, N24 und wie sie alle heißen, unsere treuen Informanten. Wir haben die Bilder gesehen, die Meldungen gelesen, den Augenzeugenberichten gebannt gelauscht. So medial abgebrüht, um das nicht zu tun, sind wir nicht. Erst recht, wo es doch gleich um die Ecke geschehen ist.

Mein Cousin aus Kroatien war mit seiner Familie zu Besuch und wir wollten uns mit ihnen treffen. Wenn es geregnet hätte, wären wir mit dem Bus genau da hin. Unser Auto war in der Werkstatt und die Haltestelle ist direkt vor dem McDonalds. Aber es hat nicht geregnet und so sind wir zum Olympiapark. Mit dem Bus.

Zum Spielplatz, da, wo früher einmal die Bagger standen, will unsere Große gleich hin. Sie hat Angst, dass sie da immer noch stehen, aber ihre Lust zu spielen ist größer.

„Sind die Bagger noch da?“, fragt sie.
„Nein, die sind jetzt weg“, sage ich.
„Warum?“
„Weil sie fertig gebaggert haben.“

Mein Cousin ruft an. Er habe soeben im Radio von einer Schießerei im Olympiaeinkaufszentrum gehört. Nun stehen sie im Stau.

Ich schaue zum Himmel und sehe die Hubschrauber. Ich höre die Poizeisirenen. Ich blicke auf das Olympiadorf und dann tauchen meine Gedanken in die Attentate von damals. Alles verschwimmt mit dem wirren Bild von heute, von dem ich zu dem Zeitpunkt kaum noch etwas ahne und mir wird ganz schwindlig.

Einen Moment später ruft erneut mein Cousin an. Sie kommen nicht durch, alle Straßen sind gesperrt, sie kehren um. Am nächsten Tag sogar nach Kroatien zurück.

Am Telefon meint seine Frau, als sie anruft, um zu sagen, dass sie gut angekommen sind, „Mag sein, dass es arm ist, wo wir leben, aber wenigstens fühlen wir uns hier sicher.“ Komisch, so etwas zu sagen, wo doch heutzutage wie auch früher immer überall alles passieren kann und konnte, denke ich, und wo es absolute Sicherheit höchstens in Videospielen gibt, wenn man den Unverwundbar-Cheat aktiviert. Aber ich schweige, weil mir das passender erscheint.

Da, wo sie leben, war vor gar nicht langer Zeit Bürgerkrieg und nichts wirklich sicher. Mein Cousin wurde damals von einem Granatensplitter am rechten Bein getroffen und hat dadurch fast seinen linken Hoden verloren. Er wurde in Deutschland operiert und alles ging gut. Ich habe mich gefreut, dass er uns besuchen kam, weil mir vom Krieg keiner was erzählt hat.

Als wir Jahre später seinen Junggesellenabschied feiern, wirft er sich auf dem Nachhauseweg in die Büsche und schützt mit seinen Händen den Schambereich. Weil er betrunken ist. Und weil er denkt, die Kampfflieger kommen wieder, um seine Männlichkeit zu holen. Ich lache darüber und ahme Kampffliegergeräusche nach, weil ich betrunken bin.

Bald fahren wir in den Urlaub an die kroatischen Küste. Da gibt es eigentlich keine Haie. Aber in meinen Gedanken ist da Meer. Und wo Meer ist, gibt es Haie. Und Haie beißen Menschen. Und wer weiß, eines Tages könnte sich dort mal ein Hai verirren. Gerade in dem Augenblick, in dem ich, Mensch, und meine haarigen Beine unter Wasser baumeln.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, tendiert gegen null, aber in meinem Kopf ist sie sehr hoch. Beinah hundert Prozent. Deshalb helfen mir auch Meldungen wenig, die mir versichern, dass es wahrscheinlicher ist, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, von einem Blitz erschlagen zu werden oder sich beim Essen tödlich zu verschlucken. Danach habe ich nämlich nicht nur Angst vor Haien, Amokläufern und Terroristen, sondern auch noch vor Autos, Unwetter und Lammkottelets.

Für unsere Vorfahren war die Wahrscheinlichkeit von einem Säbelzahntiger gefressen zu werden auch sehr gering, trotzdem wird die Höhlenmutter dem Kind beim Verlassen der Höhle gesagt haben, „Wenn du über den Waldweg gehst, schau nach links und rechts, ob auch ja kein wildes Tier seine Zähne fletscht.“

Das Kind wird die Augen verdreht und gedankenverloren, „Mach ich, Mama“ gesagt und keinen weiteren Gedanken daran verschwendet haben, was passieren könnte. Weil beim Spielen im Wald noch nie etwas passiert ist. Und für das Kind der Weg lediglich mit Pilzen belegt war. Bis dann der Säbelzahntiger kam.

Vernünftig betrachtet müsste es jetzt Anti-Gewitter-Gesetze geben, Angela Merkel müsste einen 9-Punkte-Plan verkünden, in dem ausführlich erläutert wird, wie die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden kann und ein neues Gesetz müsste feste Nahrung für immer verbieten. So würden mehr Menschen weniger oft an den wirklich großen Gefahren der heutigen Zeit sterben.

Ich bin kein Experte, aber gegen Terror und Amok kann man leider nicht viel machen. Im Gegensatz zum Säbelzahntiger erkennt man potentielle Attentäter nicht am Fellmuster oder ihren scharfen Zähnen und nein, Herr Seehofer, Sicherheit ist nicht das höchste Gut der Demokratie.

Als wir erfahren, was passiert ist, eilen wir nach Hause. Wir nehmen kleine Seitenwege und meiden die großen Straßen, weil angeblich drei Täter auf der Flucht sind. Daheim angekommen ziehen wir die Rollos runter und schließen die Fenster. Dann machen wir den Fernseher an und bombardieren unsere Sinne mit Bildern, die womöglich nie wieder aus unseren Köpfen verschwinden. Vielleicht wäre weniger Berichterstattung eine Lösung.

Jeden Raum, in dem wir uns bewegen, füllen wir mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, mit Bildern, die wir sahen, sehen, und zu sehen glauben. Wahrscheinlich werde ich zukünftig beim Einkaufen im OEZ die Menschen noch aufmerksamer beobachten als ich es eh schon tue.

Ich werde darüber nachdenken, wer von ihnen der Irre sein könnte, der gleich auf meine Familie und mich schießt. Und wer der Held, der ihm die Waffe entreißt, um uns zu retten. Ich bin es nicht.

Diese Gedanken werden sich mit denen von gestern vermischen, dass hier irgendein Irrer auf Menschen wie mich und ihre Familien geschossen hat. Einfach so. Ohne Grund. Aus dem Nichts. Und keiner war da, um es zu verhindern.

Dann werde ich mir vielleicht denken, dass es doch jetzt eine gute Idee wäre, noch eine Runde um die Geschäfte zu drehen, meiner Großen ein Eis zu kaufen und meine Kleine vor den grellen Deckenlichtern zu schützen. Damit sie nicht zu sehr aufdreht vor dem Schlafengehen.

„Ich werde da wieder hingehen“, sage ich schließlich zu meiner Nachbarin, weil die beste Art mit Ängsten umzugehen, die ist, ihnen zu begegnen. Und genau deshalb steige ich Sommer für Sommer wieder ins Meer und sage den Haien in meinem Kopf stets auf ein Neues „Hallo“.

matysplanet.com

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33 Antworten

Kommentare

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  • 0

    In unserer Welt passieren schlechte Dinge. Diese und nur diese werden in den Medien bis zum geht nicht mehr gezeigt. Wie viele gute Dinge sind wohl schon an diesem und vielen anderen Plätzen in unserer Welt passiert! Ich würde auf jeden Fall wieder hingehen.

    14.08.2016, 15:02 von dieterso
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  • 3

    Ich sehe hier weder eine moralische Konnotation, noch einen "derart passiv-aggressiv erzieherischen, nett verbrämten unterton"
    sondern einfach nur einen Autor, der sich und seine- nennen wir es hysterische Reaktion- auf die Ereignisse ziemlich offen und ehrlich darstellt.

    Im Nachhinein sind natürlich immer alle schlauer.
    Und wem hilft eine Diagnose " die sind alle hysterisch", aber ich komme damit lässig klar?
    Keinem.
    Wer hat nun "Schuld" ? Die Polizei, die gezwungermaßen Informationen von anderen "hysterischen" Münchnern nachgehen musste um ggf. das Schlimmste zu vermeiden?
    Die Presse?
    Die sozialen Medien?
    Bürger die übervorsichtig sind?
    Diagnosen haben noch keinen von ihren evt. irrationalen Ängsten geheilt und dann gibt es auch keinen Grund sich zu ecchauffieren, außer man möchte öffentlich zur Schau stellen WIE sehr man über solchen Menschen steht.

    11.08.2016, 21:50 von Gluecksaktivistin
    • 2

      Na denn viel Spaß bei Heilungen ohne Diagnose.

      12.08.2016, 07:09 von quatzat
    • 1

      Niemand will ohne Dianose heilen, aber Diagnose allein... reicht eben nicht...

      12.08.2016, 07:33 von sailor
    • 0

      So ist es Sailor :)

      12.08.2016, 08:56 von Gluecksaktivistin
    • 0

      'Und wem hilft eine Diagnose...'

      So wars halt nunmal nicht GA.

      12.08.2016, 09:37 von quatzat
    • 0

      " von ihren evt. irrationalen Ängsten geheilt "


      Herrlich, jetzt muss der Mensch schon von seinen Ängsten geheilt werden, das scheint in Augen mancher irgendwas Krankhaftes zu sein (alleine schon der Begriff "irrationale Ängste" lässt tief blicken). Der Neusprech hat anscheinend bei manchen schon die letzten Gehirnwindungen infiltriert.

      Irgendwann ist dann auch "Atmen" eine Krankheit, weil sie Luft verbraucht.

      12.08.2016, 12:52 von Hattori-Hanzo
    • 0

      Angst ≠ Furcht

      12.08.2016, 13:23 von sailor
    • 1

      Ich bin seit drei Jahren dabei mich von einer Phobie zu lösen.
      Ich bin zum einen von einer sehr tiefen Dankbarkeit erfüllt, die mit der *obacht* Diagnose verbunden war und ebenso dankbar bin ich um die Erkenntnisse, die ich durch die produktive Auseinandersetzung mit dieser Angst gewonnen habe.
      Und ja, um 'Heilung' (im Sinne von 'Beherrschbarkeit') wäre ich ebenso dankbar.

      Im übrigen wird bei solchen Phänomenen wie Ängsten etc. für meine Begriffe sehr bewusst von 'Störungen' gesprochen, um eben nicht die Menschen reihenweise zu pathologisieren...

      12.08.2016, 13:28 von sailor
    • 1

      @Hattori
      Nur ein letztes Wort dazu. Ich sprach sehr bewußt von "EVT" und "irrational" und eben nicht von dem pathologisierenden "hysterisch".
       Ansonsten schließe ich mich Sailor an und bewundere seine Offenheit!

      12.08.2016, 13:42 von Gluecksaktivistin
    • 1

      Oh, vielen Dank...
      :)

      12.08.2016, 13:43 von sailor
    • 0

      solchen Phänomenen wie Ängsten etc. für meine Begriffe sehr bewusst von 'Störungen' gesprochen, "


      Phänomen, Angst, Störung? Eines der essentiellsten Gefühle des Menschen, Angst, wird also irgendwie in die "Störungsschublade" gepackt. Sorry, aber das ist gruselig. Das meinte ich mit Neusprech. Angst wird in die Nähe des Krankhaften gerückt. Hat schon etwas gehirnwäschemäßiges.

      Es ist das gleiche Neusprechpropagandaprinzip wie bei "besorgte Bürgern". Die Begriffe "Sorge"und " Bürger" werden in gewisser Weise stigmatisiert. Verbrannt. Haben wir z.T. schon mit Begriffen wie "Volk" (die hochoffiziell im GG stehen als wesentlicher Begriff unseres Staatswesens)

      Natürlich können Ängste "übers Ziel" hinausschießen. Wie so ziemlich alle Dinge. Das ändert aber nichts daran, dass Ängste natürliche Energien des Menschen. Und genau in dem Kontext des Amoklaufes soll das durch die Hintertür dann in die "Störungsschublade" gepackt werden. (Angst in einem gewissen Kontext = Krankhaft). Das ist ein klassisches Propagandawerkzeug, bösartig, perfide.

      13.08.2016, 13:37 von Hattori-Hanzo
    • 0

       Ich sprach sehr bewußt von "EVT" und "irrational" und eben nicht von dem pathologisierenden "hysterisch". "


      Ja, was sollen Ängste denn sonst sein, außer irrational. Sie sind kein Phänomen des Verstandes, sondern der Gefühlswelt. Die ist per se irrational. Sehen ist eben auch nicht hören. 

      Wie du schon schriebst: Menschen müssen von ihren "irrationalen Ängsten geheilt" werden. Das ist schon im Wortsinn verdreht. "Heilung" im Grundverständnis bedeutet: Wieder "ganz" machen, im ganzheitlichen Sinne. Jetzt sollen aber plötzlich diese Ängste (ja nach ein paar unschuldigen Toten in eine stinknormalen Einkaufszentrum kann man schonmal Angst bekommen, genau das ist eine der Funktionen der Angst) irgendwie "weggemacht" werden, weil sie ideologisch nicht ins Konzept passen. Das ist nicht Heilung, sondern menschliche Verstümmelung.

      Diese Etikettierung, die hinter der Fassade genau das Gegenteil meint, istja derzeit weit verbreitet. 

      13.08.2016, 13:54 von Hattori-Hanzo
    • 0

      Eine Phobie ist ja auch krankhaft...

      13.08.2016, 21:05 von sailor
    • 0

      Irgendwie H-H hast du einen kleinen "Propaganda-Wahn", kann das sein? Ich lese das ja nicht das erste Mal hier in deinen Kommentaren.
      Von wem oder was fühlst du dich eigentlich bedroht?
      Was ist diese "Propaganda" und von wem soll die ausgehen? Und vor allem - warum?
      Hätte ich gerne mal gewusst und ich  meine das nicht ironisch, sondern sachlich.

      13.08.2016, 21:39 von Gluecksaktivistin
    • 0

      @Hatto

      Die Ängste sollen nicht weggemacht werden. Ziel einer Therapie z.B. einer Sozialen Phobie ist es beispielsweise, einen Menschen wieder in die Lage zu versetzen, ein Brötchen beim Bäcker kaufen zu können oder ein Vorstellungsgespäch zu bestreiten. Oder ein Gespräch mit einem unbekannten Menschen zu führen.
      Und das hat in der Tat etwas mit 'ganz' zu tun, weil eine Phobie ungemein einschränkend wirkt und der Person eine Menge Erfahrungsräume raubt, wenn sie sich ungebremst entfalten kann.
      Es geht nicht darum, Angst wegzumachen, sondern Bewältigungskompetenz zu entwickeln...

      14.08.2016, 13:13 von sailor
    • 0

      hast du einen kleinen "Propaganda-Wahn", kann das sein? "


      So, so hab ich den? :-) Offensichtlich auch andere, die sich über manches Mediengebahren wundern.  Oder anders herum: Wenn sich Teile der Medien ganz hochoffiziell mit einer politischen Ansicht gemein machen (wie in dem Artikel aus dem Munde von Journalisten beschrieben) und von kritischer Distanz nichts mehr wissen wollen bzw. wollten, dann ist das eine Form der Hofberichterstattung - oder Propaganda. Dass dem so ist, bestreiten ja nichtmal mehr recht liberale Journalisten wie z.B. Zeit Chefradakteur di Lorenzo.

      Angesichts der durchaus sehr kritikwürdigen Tendenzen frage ich mich, warum diu hier mit einer platten Keule kommst, anstatt zu argumentieren. Hab ich ebenso getan.

      14.08.2016, 13:42 von Hattori-Hanzo
    • 0

      @sailor

      Ängste sollen nicht weggemacht werden. Ziel einer Therapie z.B. ...."

      Gar keine Frage, es gibt übersteigerte Formen der Angst und anderer, die die Menschen belasten und deswegen Hilfe z.B. durch Therapie hilfreich ist. Völlig d'accord.

      Darum gings mir gar nicht. Es ging mir um die "Ideologisierung" ganz normaler menschlicher Gefühle zum Zwecke der Stigmatisierung.

      Das sehe ich hier und auch bei den anderen Attentaten. 10 Artikel über den traumatisierten Täter, null Artikel über die Opfer. Und eben die Botschaft: Steigert euch nicht rein, gehört ab jetzt zum Alltag. Wenn ihr trotzdem Angst habt, seid ihr irgendwie gestört. Streicher im Stürmer hätte das rhetorisch auch nicht perfider vermitteln können. Es ist schlichtweg Verhöhnung derer, die schon am Anfang der Migrationswelle dezenzt nachgefragt haben: Was ist eigentlich mit der Sicherheit. Antwort: Hört auf Panik zu machen, sonst seid ihr rechtsnaziirgendwas. 

      Klar, München hat jetzt nix mit dem IS zu tun. Aber erinnern wir uns an Winnenden. Die Schule war danach erstmal für Monate dicht. Weil Schüler und Lehrer natürlich schockiert waren, Angst hatten, evtl. auch traumatisiert. Da war Angst selbstredend ok. Niemand hatte gefordert: Gleich wieder in die Schulräume und habt euch nicht so. Und jetzt, wo sich das politische Klima gewandelt hat: Angst ist Phobie, ist Störung. Die üblichen doppelten Maßstäbe. Das widert mich an.

      14.08.2016, 13:56 von Hattori-Hanzo
    • 0

      " Von wem fühlst du dich eigentlich bedroht? "


      Interessanter Versuch eines rhetorischen Tricks. Kritischen, durchaus argumentativ belegte Kritik, wird in die Richtung gefühlte Bedrohung, Phobie etc. geschoben. Das ist ein bisschen sehr durchsichtig.

      Ok, vice versa: Warum fühlst du dich von meiner Ansicht "bedroht" ? :-) Ist meine Ansicht und ich hab halbwegs sachlich dargelegt, warum. Deinerseits: Kein (Gegen)Argument zu meiner Aussage zur "Ideologisierung der normalen Sprache", sondern sofort auf die persönliche Ebene. Um nicht argumentieren zu müssen? :-)

      14.08.2016, 14:15 von Hattori-Hanzo
    • 0

      Mir ist es eigentlich im Grunde meines Herzens vollkommen wurscht, welche Medien was schreiben. Mich interessiert eigentlich nur, wie und mit welchem Fokus unterschiedliche Medien bestimmte Themen aufbereiteten (Achtung, kann Spuren von anarchistischen Grundüberzeugungen enthalten... ^^). Und wie ein Gegenteiliger Standpunkt dargelegt wird.
      Deswegen ist mir auch egal, wie Ängste medialisiert werden...

      Ich fühle mich jedenfalls weder von einem wie auch immer gearteten Islam bedroht noh von irgendwelchen dahergelaufenen Flüchtlingen...
      Was vielleicht damit zusammenhängt, dass der Anteil der Bürger muslimischen Glaubens in Bielefeld ca. 15% beträgt (Bundesweit 5%).
      Aber auch das ist nur eine Vermutung.

      Wir kommen vom Thema ab...

      15.08.2016, 08:12 von sailor
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  • 0

    Swasyland.

    11.08.2016, 20:12 von mirror87
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  • 0

    swasyolksagt

    11.08.2016, 18:52 von MaasJan
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  • 4

    das hat einen derart passiv-aggressiv erzieherischen, nett verbrämten unterton, dass ich fast gegen den bildschirm gekotzt hätte. 

    bäh.

    11.08.2016, 17:33 von YOLK
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  • 2

    Die moralische Konnotation in dem Text (Irrer) ist unerträglich. Genauso unerträglich wie diese merkwürdige Sensationsheischerei. Ja, es gibt nunmal  Leute, die in 3km Umkreis vom OEZ leben, die sind dann naturgemäß 3km von dem Ort des Geschehens entfernt. Aber vor der Glotze hockend unterscheidet sich das per se von einem in Köln oder Schwäbisch Hall kein bißchen. Polizeisirenen und Hubschraubergeschraub kennt jeder, wenn das ein wenig häufiger auftritt kann auch Bruce Springsteen ein Konzert geben. Die Hysterie, die zur Zeit herrscht, ist zwar nachvollziehbar, spricht aber wenig für einen mündigen Bürger. RTL hat schon in den ersten Minuten von einem Akt des Terrors geredet. So schön gelassen der Polizeisprecher auch gewirkt haben mag - die nächtliche Hetzjagd von Phantomen und die entsprechend hysterische Bevölkerung geht zur Häöfte auf die Kappe der bayrischen Polizei, die den Zusammenhang zwischen der Zivilstreife und den 'mindestens drei Attentätern' nicht erkannt hat.

    Ich bin um zehn ins Bett. Der Fernseher war nach den ersten fünf Minuten aus. Ein wenig Sorge hatte ich, weil ich am nächsten Morgen um fünf wegfahren wollte. Da wäre ein hysterisches Bayernpolizeibollwerk gegen die drei Terrorarmeen vermutlich nicht so einfach zu überwinden gewesen. Letztendlich war das los: nichts. Aber auf FB haben sie immer noch geschrieben: BIN IN SICHERHEIT!!!!!!!! WTF! War auf jeden Fall Zeit für Urlaub.

    11.08.2016, 14:08 von quatzat
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      Dummerchen..

      11.08.2016, 09:53 von MaasJan
    • 1

      Hallo Jimmy_D, 


      Hölle oder Höhle - so groß wird der Unterschied räumlich schon nicht sein. Ich danke dir trotzdem sehr fürs Lektorat, ist korrigiert. 

      Viele Grüße 
      Mate 

      11.08.2016, 10:20 von Matesino
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    es geht um irgendwas in münchen(?), das ich geschafft habe, aus meiner realität auszublenden. ich würde also dahin gehen, zu dem mäckes. immer wenn sowas passiert, spiele ich vogel strauß, aber das funktioniert ganz gut.

    10.08.2016, 17:59 von libido
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    " Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, tendiert gegen null, aber in meinem Kopf ist sie sehr hoch. "


    Herrlich verdrehtes Argument - voll im Sinne der Propaganda. :-)

    10.08.2016, 10:05 von Hattori-Hanzo
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  • 0

    Ich find's gut. Und ich finde gut, dass angedeutet wird, dass in diesem Europa eben nicht '70 Jahre Frieden' herrschte, wie immer wieder gebetsmühlenartig postuliert wird...

    10.08.2016, 07:07 von sailor
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