Fußball und Faschismus
Eine Sportart wird zu ernst genommen. Viel zu ernst.
Fußball gilt als die Sportart schlechthin in Europa. Engländer, Spanier, Italiener oder Deutsche, alle teilen sie, die Liebe zu diesem Ballsport. Egal ob bei Bundesligaspielen, dem Champions League-Finale oder, wie derzeit bei der Europameisterschaft, jedermann will dabeisein. Diesen Sommer entweder live vor Ort in österreichischen oder schweizerischen Stadien, in den Public Viewing Areas quer über Europa oder zuhause vor dem Bildschirm.
Gleich und gleich gesellt sich gern, sagt man so schön. Die Hingabe zu Fußball und Bier bringt also Menschen zusammen, zumindest geographisch gesehen. Tausende Schweden treffen auf unzählige Spanier in Innsbruck und Deutsche auf Österreicher in Wien zu einer Neuauflage des Cordoba-Spiels. Alle Mannschaften wollen gewinnen und den Einzug ins Finale erreichen. In Ehre für das eigene Land soll das Gegenüber besiegt werden. Die Vernichtung des Gegners wird jedoch nicht nur, wie auch berechtigt, auf dem Spielfeld versucht, sondern findet schon im Vorfeld der Spiele durch die Medien in TV und Zeitung statt. Die auflagenstärkste Zeitung Deutschlands führt z.B. 30 Gründe an, wieso Ösis auch Dösis sind und macht sich über eine gesamte Nation und ihre Kultur lustig.
Fußball soll also Menschen zusammen bringen. Doch verbinden tut er anscheinend nicht. Rassistische Schlachtrufe deutscher Fußballanhänger gegen Polen, Schlägereien zwischen Deutschen und Kroaten, demolierte Autos und Auseinandersetzungen mit der Polizei sind bei dieser Europameisterschaft nichts Besonderes.
Es scheint, als ob es oft nicht mehr um den Spaß am Spiel geht, sondern um die Bestätigung, dass ein Land besser ist als das andere. Nicht nur die Fußballmannschaft, sondern eben das gesamte Land. Fußball wird einfach zu ernst genommen. Ausgänge von Spielen, in denen 22 Männer wild einem Ball nachrennen, um diesen in einem Eisenrahmen mit Netz zu versenken, dürfen nicht Auslöser für physische Gewalt gegen Einzelpersonen und verbalen Missbrauch gegen gesamte Völker werden.
In Flaggen gehüllte Fans mit bunt bemalten Gesichtern und verrücktem Kopfschmuck, reißt euch zusammen und achtet nicht auf die nationalistische Hetzpropaganda der Medien. Ihr sollt eine Gemeinschaft werden. Unter König Fußball. Oder ist der schon längst tot?






Kommentare
Du Sprichst mir aus der Seele!
16.09.2008, 14:16 von aless89Ganz ehrlich, setzt ich erstmal richtig mit der Materie auseinander, dass heisst nicht einmal zur WM/EM fahren und dann Interpretieren.
11.09.2008, 15:30 von fab_die_schlangeNichts desto trotz hat dein Artikel einen wichtigen und auch richtigen Ansatz was den Patriotismus bzw. Nationalismus bei solchen Veranstaltungen angeht.
Das wieder ansatzlos Gewalt mit Rechtsextremismus verglichen wird bzw. gar nicht differenziert wird, ist natürlich haltlos. Bei Länderspielen sicherlich nicht haltlos aber da dein Text verallgemeinert und nicht wichtig genug differenziert, sollte man das erwähnen.
Des Weiteren sind da nicht nur die Medien Schuld, schinmal was von der Kommerzialisierung des Fussballs gehört, die ganze Sache ist so komplex das man es kaum verschriftlichen kann. Denn alles hängt zusammen...Kommerzialisierung, Medienhetze, Nationalstolz, Nutella und co...
Das ist aber auch nur ein kleiner Teil des Fussballs den du angeschnitten hast, und das zu Verallgemeinern zu..Wohin mit Fussball?, ist fatal!
So long
ich sitz grad an meinem essay für kulturwissenschaften zum thema EM 2008....und ich denke wie die dame unter mir...fußball ist kriegsersatz...leider...dann kommt noch die sache mit dem nationalstolz hinzu den plötzlich alle empfinden...irgendwie verwirrt mich das ganze und irgendwie ist mein essay bis jetzt auch leicht verwirrend ;)
04.07.2008, 21:49 von oluniaso und gez isset wieder vorbei bis 2010 :) ach ne die torwartfrage steht an..ein ernstes Thema...
02.07.2008, 12:15 von docmoIn einer Kneipe in Bonn, wo ich war, wurde nach dem Sieg von Spanien mit den Spanienanhängern zusammen getanzt. War echt lustig, von Aggressionen keine Spur. Hola amigos!
02.07.2008, 00:52 von Freydisrecht hat er. genauso wie diese ganzen proleten die mit erhobenem arm(en) "sieg! sieg! sieg!" rufen... kommt einem alles unangenehm bekannt vor!
30.06.2008, 19:51 von miromutilationIch sitz so gestern in Leipzig im Draußenbereich von 'ner Tapasbar. Kommt 'ne dumme Nazisau vorbei und sagt: "Een echtor Doitschor gäiht hier ni räin."
30.06.2008, 00:40 von Lenulitschka(Und das is nur witzig, weil da so schön sächsisch dasteht. In Wirklichkeit isses nämlich krank, widerlich und total zum Kotzen!)
und/oder kriegsgrund ;-)
28.06.2008, 19:27 von AmokAmeiseMan sollte auch den Tennissport kritisch im Auge behalten, schließlich wissen wir nach dem Film "Die Welle", dass alles mit weißen Hemden anfangen kann. ;o)
28.06.2008, 14:06 von Freydis