system 16.02.2007, 19:16 Uhr 10 2

Frauen an die Macht?!

Warum übermäßiger Feminismus die Gleichberechtigung behindert.

Nicht erst seit dem „Eva-Komplex“ des letzten Jahres wieder ein Thema: die Emanzipation der Frau. Gepredigt von denen, die schon in den 70ern in lila Latzhosen dafür gekämpft haben, von sich fortschrittlich gebenden Männern und von allen, die sonst noch meinen sie hätten der Diskussion etwas Fruchtbares beizutragen (und damit sind in diesem Fall keine Kinder gemeint).

Allenthalben hört man, dass Frauen mehr Macht bekommen sollen, mehr Unterstützung auf dem Weg nach oben, das die Errungenschaften der Frauenbewegung durch die heutige Einstellung junger Frauen und Mädchen wieder zunichte gemacht werden und das auf jeden Fall das „schwache“ Geschlecht stärker auf seiner vollständigen Gleichberechtigung bestehen sollte. Aber gehen diese Forderungen nicht in großen Teilen an der Realität vorbei und ist die fortwährende Diskussion nicht ungleich diskriminierender als die von ihr so scharf kritisierten Verhältnisse?

In Wahrheit sind doch Frauen längst in Führungspositionen angekommen. Deutschland wird von einer Bundeskanzlerin regiert, Finnland, Indien, sogar die größtenteils muslimischen Philippinen haben Premierministerinnen und der amerikanischen Eliteuniversität Harvard steht seit letzter Woche eine weibliche Präsidentin vor. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sogar das mächtigste Staatsoberhaupt der Welt in Kürze eine Frau sein.
Was sind eigentlich die konkreten Forderungen zum griffigen Slogan „Frauen an die Macht“? Die Einführung einer Frauenquote für führende Regierungsämter? Sollte nicht Qualität vor Geschlecht gehen? Alle oben Genannten sind doch wohl der lebende Beweis dafür, dass es man es auch ohne offizielle Frauenpolitik nach ganz oben schaffen kann. Warum sollte man diese Entwicklung durch das immerwährende Gejammer nach mehr Frauen in der Politik unnötig beeinflussen? Qualität statt Quantität, starke Persönlichkeiten statt staatlich festgelegtem Geschlechterverhältnis.

Die Wirtschaft beklagt lautstark einen Mangel an Frauen in den Führungsetagen. Der Stern fragt auf dem Titelbild in großen Lettern „Sind Frauen die besseren Chefs?“ Ich frage mich: Wen interessiert das? Eine Frau, die ein guter Chef ist (sorry, eine gute ChefIN natürlich), wird sich vermutlich durchsetzen, so funktioniert Kapitalismus. Sie wird dafür sorgen, dass man(n) ihre Qualifikation anerkennt und ihre Kompetenz zu schätzen weiß – wie würde es sich wohl auswirken, wenn zwecks Gleichberechtigung der Betriebsrat bestimmte Stellen mit Frauen besetzen müsste, obwohl es vielleicht besser qualifizierte männliche Aspiranten gäbe?

Eine derart halsstarrige Frauenbewegung, die durch immerwährendes Gejammer nach mehr Gleichberechtigung schreit, diskreditiert sich selbst. Spricht sie doch den Frauen die Fähigkeit ab, es aus eigener Kraft zu schaffen. Wer permanent auf dem -in hinter sämtlichen Berufbezeichnungen besteht, hat diese Art der Anerkennung scheinbar mangels eigenem Selbstvertrauen bitter nötig. Und verbreitet zusätzlich den ganz und gar nicht souveränen Eindruck der Verbissenheit.

Das ist es wohl auch, was die „traditionelle“ Frauenbewegung von den emanzipierten Frauen heutiger Tage unterscheidet: Sie haben für die Durchsetzung bestimmter Rechte gekämpft, die wir heute selbstverständlich in Anspruch nehmen. Diese Leistung muss anerkannt werden. Gleichzeitig muss es aber eine Weiterentwicklung geben. Diese hat stattgefunden im Bestreben junger Frauen, Karriere aus eigenem Antrieb zu machen, nicht durch künstlich hervorgerufene Gleichberechtigungspolitik. Weniger reden, mehr tun.
Natürlich kann der Staat der Chancengleichheit nachhelfen, durch Ganztagsbetreuung, Vätermonat etc. pp. Ihre Chancen NUTZEN müssen die Frauen aber schon selbst. Dass sie das tun, beweisen Studien, die Mädchen heute fast immer als besser ausgebildet und höher qualifiziert einstufen als Jungs. Und das geschieht ganz ohne lila-Latzhosen-Programmatik.

„Frauen an die Macht“ – gerne, aber nur aus eigener Kraft. Das sollte jawohl zu schaffen sein.

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10 Antworten

Kommentare

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    die philippinen sind nicht zum großteil sondern nur zu ca 5% muslimisch. die große mehrheit sind christen.
    xxx

    20.01.2008, 13:37 von banafsheh
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    als frau wird man zu oft belächelt, unterschätzt oder nur nach dem aussehen beurteilt. konservative ''kreise'' lassen frauen nicht einfach so zu und oftmals haben die frauen noch die anderen frauen gegen sich.

    22.02.2007, 23:29 von NeonBlond
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    gelesen. erinnert mich an diverse artikel in der zeit.
    bin gerade etwas beschäftigt, ausführlicher kommentar folgt später.

    übrigens: das mit der quote war sowohl für die musik wie auch für den arbeitsmarkt 'ne übertreibung, ich habe das niemals ernstgemeint.

    17.02.2007, 17:09 von Sofie_Amundsen
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      @Sofie_Amundsen Irgendwann sind wir vielleicht soweit ohne MACHT auszukommen. Solange Frauen nicht gleichberechtigte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, egal in welche Richtung ihre Lebensplanungen gehen, muss man dieses Thema immer wieder diskutieren.
      Wann fangen wir endlich an nicht geschlechtsspezifisch zu denken, sondern in erster Linie den MENSCHEN in jeder Person zu sehen.
      Wir hätten viel weniger Widerstände und vielleicht mehr Kollektivgeist. Qualität sollte immer vor Quantität gehen, in sämtlichen Lebensbereichen.
      Aber wie heisst es immer: Wer satt ist will trotzdem mehr.

      17.02.2007, 17:37 von freddie
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    Die Einstellung gefällt mir. Du hebst Dich wohltuend von den Gender-Witzfiguren ab, die wie ein schlechte Parodie aus "Life of Brian" klingen.

    Schlechte erfahrungen bleiben zwar nicht aus, aber damit muß man in allen Alltagssituationen rechnen. Wer meint, es allen Recht machen zu können, täuscht sich. Mal ist man Brillenträger, Mann,Frau, zu jung, zu alt oder sonstwie "ungeeigneet".


    Lrrr: "Surely you know McNeal. She is an unmarried human female, struggling to succeed in a human male's world."

    Brannigan: "Maybe that's just her excuse for being incompetent."

    17.02.2007, 11:50 von Romeo_Flausch79
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    zum generischen maskulinum:
    ich sehe keinen grund, lady anarchy nicht zu glauben. aber dann sollte man das vielleicht auf die relevanten texte beschränken. meiner erfahrung nach werden die texte dadurch nämlich nicht lesbarer sondern sperriger und schwerer verständlich. das kurioseste beispiel hab ich hiwi erlebt, wo ich anleitungen für html und powerpoint geschlechtsneutral schreiben sollte. und zwar auch ohne das wort "man" zu verwenden. ich halte die texte jetzt für komplett unlesbar. dafür aber für gechlechtsneutral. ob es das wert war?

    17.02.2007, 10:09 von nutella
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      @nutella Das Wort "der User/Benutzer" ist doch, wenn es in einem allgemeinen Kontext gebraucht wird, bereits geschlechtsneutral. Den generischen Maskulin kann man doch auch mit minder ausgeprägtem Textverständnis begreifen. Was für ein maingestreamter Affenzirkus.

      17.02.2007, 12:14 von Romeo_Flausch79
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      @oceaneyes "Die Taten machen was aus, nicht die Worte und Bezeichnungen."

      genau meine meinung. wenn ich dann später mal bundeskanzlerin bin, will ich dass nicht geworden sein, weil das frauenförderungsprogramm mal wieder einen weiblichen Regierungschef vorgeschrieben hat ;-))

      17.02.2007, 09:49 von system
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    wäre schön, wenn das so einfach wär. aber die beispiele, die du gebracht hast, dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass es hinter diesen spitzenpositionen ganz anders anssieht:
    "Denn in deutschen Unternehmen und Universitäten haben die Männer immer noch das Sagen: Nur jede zehnte Professorenstelle ist mit einer Frau besetzt. Ähnlich sieht es in der Wirtschaft aus: Knapp zehn Prozent der Führungskräfte sind weiblich, unter den Spitzenmanagern sind es rund vier Prozent, und in den Vorstandsetagen sitzt - statistisch gesehen - eine Frau neben 99 Männern." (http://www.spiegel.de/spiegelspecial/0,1518,337443,00.html)
    die frage ist, was uns das sagt. wenn wir die gleichberechtigung schon haben, dann wohl dies: frauen haben keine lust auf führungspositionen oder sie sind einfach schlechter als männer.....

    16.02.2007, 19:50 von MissZweifel
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      @MissZweifel " frauen haben keine lust auf führungspositionen oder sie sind einfach schlechter als männer....."

      ich mache die erfahrung, dass frauen kein lust darauf haben - in der mehrheit. und auch keine lust auf die unannehmlichkeiten, die so einjob mit sich bringt. nämlich auch mal unbeliebt zu sein bei einigen, privatleben zu opfer, sich auch mal kontrovers auseinanderzusetzen....

      all das kann ich nachvollziehen, denn lust an der macht alleine kann einfach nicht alles sein. sorry. das ist auch der punkt, warum ich da, wo ich stehe, sehr zufrieden bin mit meinen gestaltungsspielräumen und nicht nach höhreren strebe. obwohl ich es könnte.

      :D

      17.02.2007, 12:05 von RedSonja
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      @RedSonja @RedSonja
      *unterschreib*
      ich habe die erfahrung gemacht, dass frauen meistens einfach nicht wollen. es reicht ihnen nicht, nur im job aufzugehen und dem alles unterzuordnen. ich war selbst auf dem besten weg, als erste frau die leitung einer niederlassung (eines konzerns) in deutschland übertragen zu bekommen - aber ich hatte keine lust. nach reiflicher überlegung waren mir freunde, hobbies, zeit für mich selbst wichtiger als karriere und geld. bereut hab ich's bis heute nicht. :)

      22.02.2007, 16:35 von Borussia
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      @Borussia @ borussioa
      die work-life-balance muss einfach stimmen - besonders ab einem gewissen alter - wenn ich da mich als pars pro toto begreifen kann.

      och ich hätte schon realistische möglichkeiten, mehr aus mir zu machen. aber warum?

      22.02.2007, 16:38 von RedSonja
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      @RedSonja @RedSonja

      eben: warum? wenn ich sehe, wie sich unsere führungskräfte hier tot machen, oft quasi keinen feierabend haben, wochenendveranstaltungen (alles fremdbestimmt, wohlgemerkt), teilweise aus dem urlaub zurück beordert werden - nönö, das brauch ich nicht. da fahr ich doch lieber ganz entspannt zu meinem liebsten, treff mich mit ner freundin, und selbst wenn ich nur blöd in meinen schlumpfhosen auf dem sofa abhänge - auch das ist lebensqualität.
      :-)

      22.02.2007, 16:51 von Borussia
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      @Borussia Ich bin mir nicht sicher, ob man hier dazwischen kommentieren darf.

      So einfach mal so. So.

      Da sollten sich die Maenner, wann ist mann es, mal ein Beispiel nehmen.

      Oder euch zum Vorbild erklaeren. Meistens laeufts anders herum. So hab ich das Gefuehl.

      Was mich am meisten stoert, ist, das man so ueberarbeitet und gestresst, wie Ihr es hier schreibt, trotzdem noch davon ausgegangen wird das geleistete Entscheidungen auch voll in Ordnung sind.

      Meine Meinung ist da: "Gestresste Menschen koennen nur gestresst entscheiden.

      Nunja. Es gibt bestimmt viele die nun sagen: "Hauptsache es wird entschieden."

      Mal sehen ;)

      schoenste Gruesse an euch

      22.02.2007, 17:58 von que_che
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    Komplex? Ich dachte das wäre das Eva Prinzip. lol Ich verstehe aber,was du meinst.Die meisten Mädels gehen auch immer hübsch nach rechts zu den Geisteswissenschaften und lassen die Frauenquote im Physikkurs ins Lächerliche sinken.nicht weil das nicht interessant wäre,sondern weil die sich,vor allen dingen von männern haben einreden lassen,das nicht zu können.und damit sind die ganz zufrieden..gott sei dank gibt es ausnahmen,aber die sind meistens so verrückte paralleluniversumsfrauen..puh

    16.02.2007, 19:45 von funkyDarmzotte
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      @[Benutzer gelöscht] meine abneigung gegen das "generische Maskulinum" (tolles wort) beruht zum großen teil darauf, dass ich lange zeit schon eine lehrerin habe, die auf penetrante art darauf besteht. eine durchaus intelligente, respektierte und erfolgreiche frau - aber mit diesem ständigen beharren auf dem -IN/-Innen macht sie sich zumindest bei ihren schüler(-innen) ziemlich lächerlich.

      natürlich ist das jetzt nicht wissenschaftlich fundiert, sondern einfach meine subjektive einschätzung, aber ich glaube halt, dass man sich wirklich ein bisschen selbst diskreditiert, wenn man immer und überall auf dieser sperrigen Form besteht (die noch dazu geschrieben ziemlich bescheuert aussieht)

      17.02.2007, 09:46 von system
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      @system Hihi, mit dem Binnen-I macht sich jeder lächerlich.

      17.02.2007, 11:43 von Romeo_Flausch79
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