Stufti 30.11.-0001, 00:00 Uhr 15 28

Frag mich nicht

was ich gerade so mach. ich bin irgendwo in irgendner Stadt

“Frag mich nicht, was ich gerade so mach. Ich bin irgendwo in irgend-ner Stadt” klingt es durch die Wohnung, nein es rumpelt eher. Denn überall wo der Ton hinwill, steh ich im Weg und zack ist die Welt um mich rum wieder stumm, gedämpft und abgeschwächt. Ich laufe um mich selber gedrehte Pirouetten um meinem Leben einen gesunden Anschein zu geben. Ich überrenne mich, lass mich hinter mir, lasse mich von mir selber im Regen stehen. Und immer wieder vergesse ich mich selber. Lasse mich am Bus stehen und fahre trotzdem los, ohne mich. Immer wieder höre ich mir selber nicht zu, fange an zu reden ohne mir selber zugehört zu haben. Immer wieder schaue ich mir nicht in die Augen und vergucke mich trotzdem, ohne mich gesehen zu haben.Und was mache ich nu? Ich gebe mein bestes. Auch wenn ich mich vergessen habe, versuche ich mir selber treu zu bleiben. Oft verliere ich meine Linie und begebe mich auf den Serpentinen des Vulkans meines Leben in Richtung Kompass - alle Richtungen zu gleich und ohne Orientierung. Oft sitz ich am Ende des Tages dann in der Mitte des Kompasses in der Hoffnung, dass mir etwas mein Norden zeigt. Oft erscheine ich dann am Rand. Manchmal näher an meinem Norden, manchmal weiter weg. Immer nur mit dem Rücken zur Mitte zeigend. Was bleibt mir also anderes, als mir selber zu folgen?Und so bewege ich mich scheinbar immer vorwärts, es ist zum Teil befriedigend, zum Teil ernüchternd nicht zu wissen wo es nun denn wirklich nach Vorne geht. Aber wer weiß das schon, vor allem heutzutage, wenn links ein Plakat, rechts eine LED Werbetafel und hinter dir ein Marktschreier und von vorne nur Spotlights auf dich scheinen. Wo möchte man hin? Und so setze ich einen Fuß vor den anderen, denn wichtig ist nicht, dass es noch vorne geht, sondern das sich etwas bewegt.

Und Freitag für Freitag endet mein Leben im Bier.


Tags: allein sein, Verwirrt sein, Herbst, Musik, Bier, und nochmal Bier, und ein letztes Bier noch
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15 Antworten

Kommentare

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    das unbestimmte selbst. sehr schön. sehr wirklich.

    12.01.2016, 19:01 von beingSophie
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    "Und Freitag für Freitag endet mein Leben im Bier."


    Wie wahr..

    01.12.2015, 04:02 von Steffileinchen
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    Hat schwach angefangen, sich ordentlich gesteigert und das Schlusswort ist eine grandiose Pointe!

    30.11.2015, 21:55 von EvilEvo
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    Ich laufe um mich selber gedrehte Pirouetten um meinem Leben einen gesunden Anschein zu geben.
    Ohweh, ohweh, ich mag deine Wortauswahl.

    16.11.2015, 20:04 von nurluftundluegen
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    "...Oft verliere ich meine Linie und begebe mich auf den Serpentinen des Vulkans meines Leben in Richtung Kompass" Mag ich sehr sehr gern leiden

    10.11.2015, 17:04 von Quatschkopf3000
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    oben unten links rechts


    Wo nochmal?

    05.11.2015, 20:12 von Jahreszeitenwechsel
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  • 0

    weiss nicht, hört sich nun nicht so selbstbestimmt an

    05.11.2015, 13:33 von chiral
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    weiss nicht, hört sich nun nicht so selbstbestimmt an

    05.11.2015, 13:33 von chiral
    • 0

      was genau meinst du damit ?

      05.11.2015, 17:58 von Stufti
    • 0

      Na, so wie Du es im dem Text schreibst drängt sich mir die Frage auf, warum die/der ProtagonistIn das so macht, bzw. warum die beschriebene Person Ihr eigenes Verhalten (mein Empfinden) als nicht positiv betrachtet, es aber nicht ändert.

      Was bleibt mir also anderes, als mir selber zu folgen?
      Für sich selbst das zu tun, was glücklich macht? Ich empfinde Aussagen, ala "ich bin so und kann mich nicht ändern", als schwierig und auch als etwas bequem.



      06.11.2015, 09:33 von chiral
    • 1

      Vielleicht schafft er es ja nicht. Wenn er sein Ziel oder das was ihn glücklich macht einfach nicht findet? Es scheint mir eher so, als würde er sich bei der Suche danach selbst verlieren.

      09.11.2015, 20:20 von janaokapi
    • 0

      Vielleicht schafft er es ja nicht
      Das mein ich ja, wenn er es nicht schafft, ist das alles andere als selbstbestimmt leben - Meine Oma hat mir gegenüber den prägenden Satz rausgehauen: "Schaff ich nicht, gibt es nicht...Du willst es nicht...", verstehst?


      10.11.2015, 09:32 von chiral
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  • 1

    Schöner Artikel.



    Ehrlich. Bei mir
    schwimmt der Freitag
    im Rotwein ...

    05.11.2015, 12:54 von Alexander13
    • 2

      Lieber im italienischen Rotwein verschwimmen ;-)


      05.11.2015, 13:36 von Keymaker
    • 0

      Yeah ... Man müßte das
      edle Gesöff schon morgens
      schlucken. In MENGEN.
      Aber solange ich ---noch ---
      berufsuntätig bin, muss ich mich
      ein wenig zurückhalten – leider.

      06.11.2015, 11:55 von Alexander13
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