Vera_Schroeder 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Feminismus light

Junge Frauen nennen sich wieder FEMINISTINNEN und wollen mit Spaß mehr Macht. Das dürfte schwierig werden.

Eine halbe Million verkaufte Exemplare »Feuchtgebiete«. Fernsehauftritte zur besten Sendezeit auf allen Kanälen für eine 27-jährige Semiologie- Doktorandin, die sich mit Victory-Zeichen zwischen den Beinen »Lady Bitch Ray« nennt und »vaginale Selbstbestimmung« propagiert. Artikel in allen Feuilletons über zwei Bücher, in denen junge Frauen die Ablösung von Alice Schwarzer verkünden. »Der Feminismus ist zurück«, jubelt der stern. »Eine junge Frauengeneration macht sich auf den Weg an die Macht – und lässt die Männer hinter sich«, behauptet der Spiegel, »Feminismus ist wieder in« die taz.

Es scheint, als ob sich der alte Karren Gleichberechtigung, der vierzig Jahre nach 1968 ordentlich im Dreck feststeckt, endlich wieder zu bewegen beginnt. Oder zumindest scheinen ein paar junge Frauen an ihm zu ziehen. Die Sache hat allerdings einen Haken: Der »neue Feminismus« ist gar nicht neu. Und wirklich zur Sache geht er auch nicht. Er bleibt entweder gewollt provokativ in der Sexecke stecken oder er tappt in die Mädchenfalle. Denn allein von Frauen, die stolz darauf sind, Pornos zu mögen, oder Mädchen, die es zur Sensation erklären, sich trotz Minirock »Feministinnen« zu nennen, lassen sich die Männer bestimmt nichts von ihrer Macht abluchsen. Rückblende:

Vor etwas mehr als zehn Jahren, mitten in den 1990er Jahren, gab es mal eine Zeit, in der sich junge, selbstbewusste Frauen in Deutschland »Girlies« nannten. Die Vorzeigegirlies hießen Heike Makatsch, Luci van Org oder Enie van de Meiklokjes, waren wirklich jung, so um die zwanzig, und wollten vor allem eins: wirklich viel Spaß haben. Da Spaß vor allem darin bestand, schnell zu reden, Partys zu feiern und ab und an mit Jungs rumzuknutschen, trugen die Girlies kurze, enge, rosafarbene T-Shirts und malten sich die Lippen rot an. Die alten selbstbewussten Frauen aus den 1970ern, die sich schon lange »Feministinnen« nannten, fanden das nicht so lustig, weil sie glaubten, dass sich die Girlies mit ihren engen T-Shirts wieder zu Komplizinnen eines frauendiskriminierenden Systems machten.

Den Girlies aber war das recht egal, weil sie sich für Politik sowieso nicht so direkt interessierten, und außerdem fanden sie, wäre es ja Blödsinn zu sagen, dass sie sich den Jungs unterwerfen würden, im Gegenteil, sie hätten vor allem Spaß miteinander, unter Mädchen, und die Jungs, die wären mittlerweile eh nur noch so was wie Beiwerk. Mit der kritisch-popfeministischen Riot-Grrrl-Bewegung aus den USA, die als Ursprung des Girlietums gilt, hatten die deutschen Girlies freilich nicht mehr viel zu tun. Das machte sie allerdings auch besser vermarktbar.

Ein gutes Jahrzehnt später nennen sich junge, selbstbewusste Frauen in Deutschland auch wieder »Feministinnen«. Ganz so jung sind sie diesmal zwar nicht mehr, eher um die dreißig als um die zwanzig, was rein rechnerisch den Verdacht nahelegt, dass es fast die gleichen wie die Girlies von damals sind. Die neuen Feministinnen gehen jedenfalls immer noch gerne auf Partys, aber nicht nur, denn Spaß macht es mittlerweile auch wieder, sich zu engagieren. Deshalb schreiben sie Bücher, die sie »Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht«, »Neue deutsche Mädchen« oder eben auch »Feuchtgebiete« nennen, gehen mit diesen Büchern auf Lese- und Interviewtour und betonen, dass Feminismus jetzt wieder cool und außerdem sehr spaßig sei. Die Frage ist nur: Kann er das überhaupt sein?

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