Sebush 14.08.2005, 08:03 Uhr 20 3

Feminismus ist knorke

Der Feminismus hat ein schlechtes Image. Zu unrecht. Ich finde Feminismus okay, solange mich niemand für den Konsum von Pornos verurteilt.

Wenn in Deutschland eine Frau sagt, sie sie Feministin, stellen sich fast allen umstehenden Männern die Nackenhaare auf. Wir verbinden Feminismus mit unrasierten Beinen und Achseln, mit viel zu weiten hässlichen Klamotten und mit Schwanz-ab-Rethorik. Aber Moment! Wie oft trifft man eine solche Person im wahren Leben? Irgendwie nie? Richtig.

Nicht nur wir denken so, auch die meisten Frauen. Wenn man eine Frau fragt, ob sie Feministin ist, wird sie meist ablehnend antworten. Ich doch nicht! Es ist eine gute Frage, wie dieses Zerrbild entstehen konnte. Es ist zwar immer heikel, als Mann über Feminismus zu sprechen, da es immer Menschen gibt, die zwischen den Zeilen frauenfeindliches erkennen wollen oder die einen auf der anderen Seite für ein Weichei halten, aber scheiß drauf.

Schauen wir zurück: In den 70ern war ich noch tot und in den 80ern ein Kind, aber ich denke nicht, dass es jemals extrem viele Radikalistinnen gab, die diesem Vorurteil auch wirklich entsprachen.

Leider liegt der Hauptgrund wohl an uns – die männlich dominierte Mediengesellschaft hat das derzeit vorherrschende Bild vom Feminismus nachhaltig geprägt. Klar hat es ziemlich krasse Auswüchse in der Frauenbewegung gegeben: Radikalrethorik war damals bei einigen ziemlich in, es wurde dementsprechend viel Unsinn geredet und getan. Kindern Instantmilch zu verabreichen, weil "frau" ja keine Milchkuh sei zum Beispiel. Es bestand auch eine gewisse Tendenz, auf die meisten ästethischen Bemühungen zu verzichten. Das kann ja jeder machen wie er will, ich persönlich empfinde fettiges Haar allerdings als ekelig, so lange man nicht gerade auf einer Bergtour in den Anden oder ähnlichem ist. Und das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen!

Aber: Bei solchen Radikalas handelte es sich immer um eine kleine Minderheit, warum bestimmen sie als Zerrbild immer noch die Wahrnehmung? Bei den Grünen beispielsweise gab es auch einige ziemlich crazy Typen, die Partei wird heute aber trotzdem ernst genommen. Das krasseste Beispiel ist Alice Schwarzer - ihr öffentliches Image ist bei der BILDlesenden Bevölkerungsschicht das einer männerfressenden Hexe, obwohl das jeglicher Grundlage entbehrt. Ich meine, die Frau wirkt echt nett! Und so schlimme Sachen sagt sie gar nicht!

Ein weiteres Vorurteil ist vollkommen sinnlos: Sexyness und Feminismus sind keine Widersprüche. Eigentlich krass, dass das gesagt werden muss, aber ich habe den Eindruck, dass das viele nicht so sehen. Was ist frauenfeindlich an einem tiefen Ausschnitt?

Und damit haben wir auch die Brücke zu den Pornos. Mir persönlich stellen sich tatsächlich die Nackenhaare auf, wenn ich von Antipornokampagnen lese, wie sie vor allem in den USA, aber auch bei uns stattfinden. Zu sagen, dass die explizite Darstellung von Sex per se frauenfeindlich wäre, erscheint mir als der größte Unsinn seit Stoibers Kanzlerkandidatur. Aber da diese Meinung wird von vielen Feministinnen gar nicht geteilt wird, kann man sie auch nicht dem Feminismus an sich anlasten.

In den USA bezeichnen sich sehr viele Frauen als Feministinnen. Der Begriff ist doch auch viel weniger von Vorurteilen überlagert. Denn im Grunde geht es einzig und allein darum, gleiche Chancen für beide Geschlechter einzufordern. Dass das bisher keineswegs erfüllt ist, zeigen so ungefähr alle einschlägigen Statistiken. Gesellschaftlicher Wandel kommt nicht automatisch. Leute, die sagen, dass das schon von selbst langsam besser wird, verkennen da die Realität. Daher wären in Deutschland eine tabulosere Diskussion und eine Entschlackung des Begriffs Feminismus ziemlich notwendig.

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20 Antworten

Kommentare

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    Die Gleichberechtigung ist noch nicht erreicht. Das sieht man wieder, heute, wenn es um die Frauenquote geht.

    http://www.stern.de/politik/deutschland/frauenqoute-angela-merkel-verteidigt-beschluss-bei-generaldebatte-im-bundestag-2155632.html

    Deshalb muss die Gesellschaft balancetistisch leben und die einzelen Menschen balancetisch. Vielleich benötigt es einen Balancetismus und einen Balanceismus.

    26.11.2014, 17:58 von Balanceismus
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    Ich bin Feministin und finde es auch wichtig dieses auch in Gespärchen einfließen zu lassen. Die meisten reagieren sehr positiv darauf. Ich bin auch dafür, dass es mehr Aufklärungsarbeit geleistet wird zu dem Thema.

    27.10.2008, 16:53 von addictedto
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    Leider behaupten viele radikale Frauenvereinigungen von sich selbst, feministisch geprägt zu sein. Männer haben solche Vereine ja nicht, wo es darum geht, möglichst viele Argumente für die Überflüssigkeit des anderen Geschlechts zu finden. Ich denke solche Dinge sind einfach nur die Hoffnung durch polarisation die thematik zu "entfernen". Vielleicht hilft ja die Vorstellung von MENSCH=FRAU MANN ? Und bevor man von Chancengleichheit träumt, sollte man erstmal definieren, was man überhaupt für Chancen haben will und warum (!). Den meisten gehts ja dann um den Job, auf das Frauen dann ganz ohne Männer auskommen und diese Gesellschafft ohne Nachkommen endlich sich selbst ausrottet. Juhu, welch Wandel! Eines ist aber klar: Ich kann als Mann keine Kinder gebähren. Da hat wohl die blöde möchtegern-evolutionistische Biologie einen Fehler gemacht oder wie???

    gruß, greenapple

    16.02.2007, 17:29 von greenapple
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    Du hast dich offensichtlich niemals ernsthaft mit dem Feminismus auseinandergesetzt, oder?

    Das mit der Assoziation mit hässlichen Frauen ist durch die Gesichte und vorallem ihre Prominenten Köpfe entstanden. Findet wirklich irgendjemand Alice Schwarzer attraktiv???
    Inzwischen ist es ja auch nicht mehr IN eine Feministin zu sein, weshalb auch das äußere Outfit, welches bewußt anti-sexy war, nicht mehr IN ist. Die Ideologie geistert aber nachwievor durch die Köpfe der meisten Frauen, wie aber auch der meisten jüngeren Männer.

    Man kann diese Ideologie in einem Satz zusammenfassen: "Männer sind immer Täter, Frauen sind immer Opfer"
    Auf diesem Kerngedanken baut sich alles auf. Da wird auch hier wieder behauptet, dass die Frauen benachteiligt sind. Ganz automatisch ohne jedes Überprüfen wird dies einfach mal so angenommen.
    Wer aber mal nachschaut, der wird erstaunliches feststellen: es stimmt nicht! Schlimmer: es ist sogar genau anders herum!
    Aber trotzdem wieder das Propagandamärchen nachgeplappert und nachgeplappert und...

    Es gibt kein einziges Gesetz, dass eine Frau diskriminieren würde. Selbst die Hardcorefeministinnen behaupten dies nicht mehr. Ich kann euch aber ein Duzend Gesetze benennen, welche explizit Männer diskriminieren. Von der alltäglichen Praxis garnicht zu schreiben.

    Klärt mich doch einmal auf, wo die angeblichen Diskriminierungen existieren sollen.

    24.12.2006, 21:28 von TST
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    "Zu sagen, dass die explizite Darstellung von Sex per se frauenfeindlich wäre, erscheint mir als der größte Unsinn seit Stoibers Kanzlerkandidatur."
    "Ich meine, die Frau wirkt echt nett! Und so schlimme Sachen sagt sie gar nicht!"

    "PorNO ist ein Kofferwort aus Porno(-grafie) und NO (englisch: nein). Es steht für eine von der Feministin Alice Schwarzer ins Leben gerufene Initiative, um Pornografie in Deutschland zu verbieten."
    'In Schwarzers Gesetzesentwurf zur Pornografie heißt es:

    "Die Definition geht davon aus, daß der zentrale Sinn der Pornografie die Propagierung und Realisierung von Frauenerniedrigung und Frauenverachtung ist." '
    (http://de.wikipedia.org/wiki/PorNO)


    Ich erkenne in deinem Artikel eine gewisse "Unstimmigkeit" ...


    29.07.2006, 14:27 von acanthus
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    Um den Standard-Spruch loszuwerden: Schöner Text.

    Wann ist man eigentlich tot?

    - Wenn das Herz nicht MEHR schlägt?
    - Wenn das Herz allgemein nicht schlägt?

    Der Satz ist echt interessant, abgesehen von den anderen natürlich...

    02.05.2006, 20:33 von bibliophile
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    super artikel.....war gestern bei Alice Schwarzer, naja bei einer Lesung. War echt interessant! Und ich denke was du so über Feminismus schreibst: "Denn im Grunde geht es einzig und allein darum, gleiche Chancen für beide Geschlechter einzufordern", ist richtig! Hab ich gestern auch so zum ersten mal gehört....hatte sonst mich noch nich wirklich mit Alice beschäftigt. Aber ich muss schon sagen ihre Ansichten kann ich zu einem Großen Teil teilen. Viele haben allerdings ein ganz falsches Bild von Alices Ansichten, denn sie ist ja keine Männerhasserin. Zu Pornos hat sie auch was gesagt....aber was, das weiß ich nicht mehr genau. Aber die Darstellung der Frauen in Pornos ist meist ja auch nicht gleich wie die Darstellung der Männer in Pornos....

    25.10.2005, 22:00 von frascha
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      @frascha geht mir ähnlich..hab mir Alice auch immer als die männerhassende kampfemanze vorgestellt, bis ich bis vor kurzem etwas näher mit ihr auseinandergesetzt habe.
      eigentlich ist es dohc bewundernswert, was diese frau und die gesamte frauenbewegung ins rollen gebracht hat. wenn man allerdings den aufwand betrachtet und mit dem vergleicht, was letztlich bei rausgekommen ist, da könnte man schon traurig werden. von daher beurteile ich einige "radikalere" ansätze der bewegung inzwischen etwas differenzierter.

      01.05.2006, 20:38 von Pirkko
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    Da geb ich dem Bliss doch mal recht ...
    Erfindet einen 'ismus' wie den Neutralismus - und ich bin dabei ... Feminismus ... wir haben uns unterhlaten drüber @ Susa ... ist nämlich Laut deffinition ... meist nicht neutral :(

    12.10.2005, 23:53 von Philantrop
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      @[Benutzer gelöscht] balanceismus klingt schonmal mehr nach "das leben is für mich´n tanz" als nach "der mann ohne eigenschaften" :)

      15.10.2005, 12:06 von bliss
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      @bliss Ich achte ja auch die Frauen - und besonders auf sie ;)
      Deswegen ... null problemo ...
      Irgendwie - kenn ich auch keine Männer die Frauen nicht achten - nur Frauen die Männer nicht achten ...

      Hat der ganze Feminismus Kram nicht eher mit sich gebracht - das Frauen die Männer weniger achten?

      Mein subjektives Gefühl sagt: JA!

      15.10.2005, 20:03 von Philantrop
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      @Philantrop verachtung aus einem gefühl der sexuellen macht heraus, ja, zumindest bei jungen und dummen... ähm... frauen, da hast schon recht...
      aber das hat nicht der feminismus mit sich gebracht, das haben die jugend, die dummheit, und die sexuelle macht mit sich gebracht :)

      trotzdem starker satz: "Irgendwie - kenn ich auch keine Männer die Frauen nicht achten - nur Frauen die Männer nicht achten ..." makes me think

      15.10.2005, 22:36 von bliss
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      @[Benutzer gelöscht] *lach* gutes wortspiel, aber... ja, ich seh das definitiv so. kann dir da auch gerne mal´n paar quellen... die müßt ich erst suchen...

      16.10.2005, 16:43 von bliss
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      @bliss Stimm da dem Bliss auch zu ...
      Und ich finde - das verhältnis gestörter [achtung gegenüber dem anderen Geschlecht] Frauen/Männer - ist immer mehr auf Seiten der Frauen ... dann noch die sexuele Macht ... pühhhh ... Wem gefällt denn das?

      Und dann auch noch Feminusmus ... Baby - ich bin dein Sklave ;)

      16.10.2005, 21:55 von Philantrop
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      @Philantrop danke für´s ruinieren der diskussion, du pflaume :-)

      17.10.2005, 10:53 von bliss
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      @[Benutzer gelöscht] Ich habe er hat mich damit gemeint ... oder - doch nicht? Und Susa ... nur weil du hier mit zwinkersmileys arbeitest - heißt es noch lange nicht - das wir nicht unter euch BÖSEN Frauen leiden ... jawoll ja!!

      18.10.2005, 02:35 von Philantrop
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      @Philantrop ich meinte schon den menschenfreund :)
      ihr habt doch alle einen übern durst getrunken :) - aber die drei fs merk ich mir: furchtbar fürchterlich furchterregend. entzückend.

      18.10.2005, 13:23 von bliss
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      @[Benutzer gelöscht] amen :)

      19.10.2005, 15:00 von bliss
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      @[Benutzer gelöscht] albern, daß es einem mann nicht möglich sein soll, die "weiber" (pornotechnisch-audiovisuell) zu erfreuen - können "wir" ja schließlich auch literarisch, fotografisch, wieauchimmer und nicht zuletzt hands-on :) [danke sirdingsbums für die erinnerung an ein paar gute lacher aus dem philo-unterricht damals!] die ursache des offensichtlichen mangels (ich schwankte bei pornos bisher auch immer eher zwischen gelangweiltem amüsement und faszination des ekels) dürfte da eher in der zielgruppe zu suchen sein... rennt den beate uhses die türen ein, mädels, und fordert eure dosis!

      zum artikel... gibt es überhaupt einen -ismus, der von"gleichberechtigung" abgeleitet wurde (und nicht von "frau")? falls nein, bin ich dafür, auch keinen zu erfinden.

      11.10.2005, 10:59 von bliss
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      @[Benutzer gelöscht] susi :), du hast immerhin geschrieben:

      "Was die Pornos angeht... es kommt drauf an, wer die Drehbücher schreibt. Wenn sie von einer Frau kommen, kann so ein Porno auch für eine Frau sehr prickelnd anzusehen sein und so manche _weibliche_ Phantasie auf den Punkt bringen... Die Unterschiede, liebe Männer, sind da anscheinend doch recht groß"

      sprich - männer machen porno -> porno doof. frauen machen porno -> porno prickelnd :)
      protest protest protest (bewerbungen bitte an chiffre pipapo :) )

      und @phili: yeah, der neutralismus... ;) bin immer noch dagegen, solchen selbstverständlichkeiten neue worthülsen zu verpassen. das sollen die leute mal schön im konkreten auswursteln :)

      13.10.2005, 07:54 von bliss
    • 0

      @bliss p.s.: wie findest du "frauenzimmer"? ;) (am ende des flurs rechts, ich weiß *g*)

      13.10.2005, 07:56 von bliss
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      @[Benutzer gelöscht] ich bin offen für alles *kringelvorlachen*

      fakt ist: typische pornos sind bullshit. ich bin da ganz deiner meinung. es gibt aber leider sogar frauen, die ähnlich stumpfe sexuelle vorstellungen haben...

      wie dem auch sei... war ja eigentlich gar nicht thema... ich nehm die tips für gute pornos übrigens gern entgegen, öfters mal was neues :)

      15.10.2005, 12:05 von bliss
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