tonella 01.05.2008, 16:18 Uhr 0 0

Entwicklungsgelder in den Müll

- und nicht immer nur auf ihn drauf! Umweltschutz in Bosnien und Herzegowina existiert höchstens auf dem Papier. Das geht uns nix an. Und wenn doch?

Umweltschutz in Bosnien und Herzegowina existiert höchstens auf dem Papier. Bananane, Batterie und Badewanne vereinen sich in der Mülltonne – oder auf der Kuhweide. Das geht uns nichts an. Und wenn doch? Vielleicht können gerade wir etwas dagegen tun!

Mit acht Jahren verschlang ich alle Tipps zum Umweltschutz, die mir mein hellblaues Naturschutzbuch anbot. Tagelang kontrollierte ich meine Eltern, ob sie das Wasser beim Zähneputzen zudrehten. Das Buch formte mein Bewusstsein erheblich. Den Rest tat die Welle des schlechten Gewissens der Gesellschaft in den letzten Jahren. Artikel und Filme zeichneten Bilder von dem, was wir unserem Lebensraum antun. Man kann sich diesem Druck in unseren Breiten kaum noch entziehen. Und das ist auch gut so. Es tut ja nicht weh.

Ich betrachte die leeren Batterien in meiner Hand. Ich verziehe mein Gesicht, als ich sie in unsere Mülltone werfe. Dorthin wo vom Apfelgriebsch bis hin zum untauglichen Kühlschrank alles landet. Die Bäckersfrau zuckt verständnislos mit ihren Schultern, als ich die Plastiktüte um die Papiertüte, die mein einzelnes Brötchen beinhaltet, freundlich zurückreiche. Während ich bekräftigend mit meinem Kopf schüttel, denke ich beklommen: Ich habe doch bereits zwei spärlich gefüllte Tüten vom Supermakt und Obstladen in meiner Hand.
Die Heizung pumpt seit November unbezwingbar gute 23 Grad in unsere Wohnung. Hereinkommend aus der Kälte öffne ich erst einmal das Fenster. Die trockene Heizungsluft ist kaum auszuhalten.

Bevor ich nach Bosnien kam, schwärmte man mir vor von den klaren und märchenhaften Flüssen, der unsagbaren Unberührtheit der Natur. Als ich nach Bosnien kam, wollte ich diese unbedingt sehen.
Nachdem ich mehrere Fahrten mit dem Bus durch Bosnien, wilde Landschaften, spärlich besiedelte Landstriche gemacht hatte, beschloss ich dies: Ich werde in diesem Land niemals einen frischen Fisch zu mir nehmen. Aus egoistischer Sorge um meine Gesundheit. Gut, dass ich den eh nicht mag.

Bunte, dreckige Gespenster stehen flattrig Spalier für Rinnsal, Bach und Fluss. Ungläubig enttarnen meine Augen die Geister als Tüten aller Art, über Jahre bei den Frühjahrshochwassern an Bäumen aufgehangen. Gut sichtbar sind sie Aushägeschild der menschlichen Gegenwart. Schillernd farbenfroh tanzen Schwärme von Plastikflaschen in den Wirbeln der Bergflüsse. Gleich daneben sind die Fischzuchtgehege. Nicht alle Schadstoffe sind mit bloßem Auge erfassbar… Am Ufer sind die Abladerampen für alles, was dem Feuer in den rostigen Mülltonnen trotz, deutlich auszumachen. Hier auf dem Lande kennt man die Müllabfuhr nicht, man nimmt das selbst in die Hand. Ob das den Ziegen des Nachbarn 300 Meter flussabwärts schlecht bekommen könnte, interessiert nicht. Was soll man auch tun?

Es kommt nicht von ungefähr dass die Sarajewoer Stadtbevölkerung verächtlich über die „Bauern“ die Nase rümpft. Sie kamen nach dem Krieg in die Stadt gezogen. Und sie hielten die Entfernung vom Fenster des achten Stocks zum Boden für ausreichend, um sich des anfallenden Unrats zu entledigen. Wie sollten sie es auch anders kennen?

Für ein neues Windkraftwerk werden Millionen in Deutschland ausgegeben. Der Effekt für die Umwelt : zwar da, aber im Gesamtbild gering. Entwicklungshilfe wird gesendet und versackt in unvollendeten Projekten, wo eines dem anderen gleicht. Wie wäre es, mit diesen Geldern eine Recyclinganlage zu erbauen, eine landesweite Müllabfuhr einzurichten und eine unterstützende Werbekampagne zu finanzieren? Es wäre gut für die Gesundheit von Mensch und Tier in Bosnien, gut für den gewinnbringenden Tourismus, gut für die Luft, die wir international teilen. Es wäre ein unverhältnismäßig schneller und guter Effekt. Soll die EU doch erzielte Erfolge als Deutschlands Schadstoffeinsparungen verbuchen. Tue Gutes und rede darüber! Und meinetwegen schreibe man auf das Werk auch „Deutsche Spende aus Liebe zur Um-Welt“. Immerhin wäre diesmal ein ehrlicher Effekt zu sehen."Wichtige Links zu diesem Text"
Mein Leben in Bosnien und Herzegowina

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