misspringle 17.04.2008, 09:11 Uhr 16 7

Emanzipationsscheiße

Wir leben im Jahr 2008 und sind klischeebeladener als unsere Großeltern.

Wir leben im Jahr 2008 und sind klischeebeladener als unsere Großeltern. Die Frauen führen nicht nur einen Kampf um eine Gleichstellung, die noch lange nicht in allen Lebensbereichen angewandt wird, nein, sie bekriegen sich auch noch untereinander. Und bei diesen Zickenschlachten geht es selten um die wirklich wichtigen Ziele und Problemstellungen, sondern um Banalitäten.

Darf eine Feministin Stöckelschuhe tragen? Sich in den Mantel helfen lassen? Beim Sex unten liegen? Zur Bundeswehr gehen? Muss sie aufhören, sich zu epilieren? Einen BH zu tragen? Muss sie den Männern in allem und jedem widersprechen? Darf sie Männer um den Finger wickeln?

Hat eine Frau Erfolg im Beruf (und sich diesen nicht mit Blowjobs im Chefbüro erarbeitet), sind ihre Geschlechtsgenossinnen oft die ersten, die sie niedermachen ("die hat wohl ihrem Chef den einen oder anderen geblasen"). Ist die Frau auch noch hübsch, werden die Kommentare richtig stutenbissig. Auf der anderen Seite begegnen Frauen anderen Frauen skeptisch, die ungeschminkt und in Turnschuhen ihren Weg gehen, halten sie für Lesben oder Männerhasserinnen und sich selbst für besser, nur weil sie "mehr aus sich machen" (dabei haben diese Frauen einfach nur andere Prioritäten, oder keine Zeit sich herauszuputzen, oder sie sind nicht der Typ dafür).

Am allerschlimmsten sind aber die Lauwarmen. Ich ziehe jede Kampfemanze und jedes aufgedonnerte Klischeefrauchen jenen unsäglichen Frauenzimmern vor, die mit Äußerungen daherkommen, die in erster Linie darauf abzielen, die Männchen in der näheren Umgebung ja nicht zu verschrecken. "Ich bin keine dieser Emanzen, wisst ihr?" (gefolgt von einem verlegenen Kichern und rehgleichem Augenaufschlag, führt das bei mir zu spontanem Erbrechen). Diese neuen Weibchen, die vorgeben, eine durchaus kritische Meinung zum Thema Gleichberechtigung zu haben, dies aber nur tun, um wiederum bei den Männern zu punkten, sind der wahre Feind des Feminismus'.

Ich wünsche mir mehr Solidarität unter den Frauen dieser Welt, Akzeptanz untereinander, für ein friedliches Zusammenleben von Tussis und Kumpeltypen, alten Schlachtrössern und jungen Frechdachsen, Bitches und Bambis. Dazu verbrennen wir aber besser unsere Vorurteile als unsere BHs.

Und vielleicht können wir uns dann geschlossen darauf konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Die Gleichstellung der Frau im Arbeitsleben ("Finden Sie es in Ordnung, dass Sie als Frau gleich viel verdienen wie ein Mann? Ist das überhaupt erlaubt in Italien?"), in der Politik ("Oh Gott! Angie Merkel hat auch Brüste!") und zu Hause (Kindererziehung, Hausarbeit, Altenpflege). Wenn wir uns erst mal geeinigt haben, wofür wir eigentlich kämpfen, können wir es auch den Männern einleuchtend erklären.

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16 Antworten

Kommentare

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    die ganze Feminismus/EmanzipationsKacke geht langsman auf den sack.
    wofür kämpfen feministinnen überhaupt? vielleicht hat die autorin in diesem sinne recht. alle zicken reißen ihr mäulchen auf und reden sich gegenseitig weg.
    aber am ende wollen doch alle frauen von ihrem lieben freund umkuschelt und gefickt werden , später eine erfreuliche familie und kinder haben.
    wovon versuchen sich dann alle noch zu emanzipieren? versteh ich nicht.

    30.05.2008, 21:31 von pilatus
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    Das Thema hatten wir natürlich schon das eine oder andere Mal. Trotzdem wichtig, dass ab und an mal wieder jemand kommt und es krachend auf den Tisch knallt, unter dem Motto: wake up girls, you've got a fuckin' JOB to do...! Denn das ist das, was mich viel mehr nervt als die Platitüden von profilneurotischen Bessermännern: Zicken-Rumgezicke. Reißt euch also zusammen, Mädels, und verschwendet nicht eure Ressourcen...

    28.04.2008, 22:08 von ira.gold
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    Immer wieder interessant zu sehen, wie sich die Leute doch gedanken über dieses leidige Thema machen.
    Emanzipation in meinen Augen ist nicht mehr gleichzustezen mit dem Feminismus der früheren Jahre.
    Ich arbeite in einem Berufszweig der von Männern dominiert wird. In meinem Studiengang waren wir drei frauen unter 70 kerlen. Und? Ich wurde nie diskriminiert. im Gegenteil, wir wurden gefördert und unterstützt, da man frauen in Ingenieurberufen sehen möchte.
    Ich denke auch, dass ich mal genauso viel verdienen werde wie ein Mann in der gleichen Position, aber das ist eine Einstellungssache. Wie man sich präsentiert, wie selbstbewusst man ist.
    Das gezicke unter Frauen wird immer bleiben, da kann man nichts machen. Männer zicken auch. Zum Teil noch mehr als Frauen.
    Ich denke da hilft nur eins. Brust raus, bauch rein, das haupt in die Luft strecken und sich einfach denken. *Leck mich*
    Solange über dich gesprochen wird, bist du interessant.
    Mir ist es mittlerweile einfach zu anstrengend über irgendwelche dumme Menschen gedanken zu machen, die sich über mich das Maul zerreißen, sowohl Männer als auch Frauen.

    Aber ich weiß auch wie es in Italien ist, daher kann ich es nachvollziehen wieso der Text entstanden ist und wenn man dann noch in dieser Firma arbeitet, dann sowieso. Ich weiß ja warum du über dieses thema schreibst ;-)

    Also denk dran, Braust raus, Bauch rein und einfach nen arroganten Blick aufsetzen ;-) *lol*

    22.04.2008, 16:38 von kleinesbiest
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    Ich habe auch manchmal das Bedürfnis, etwas richtig Ernsthaftes zu diesem Thema zu schreiben ... das ließe sich allerdings nicht mit meiner Meinung dazu vereinbaren. Als ich in jungen Jahren zum ersten Mal von dem Phänomen "Emanzipation" gehört hatte, hatte ich zunächst Schwierigkeiten, dieses zu verstehen. Vor allem in Bezug auf die Frauen-Spezifik - anscheinend gab es Frauen, die ihre Selbstbestimmung nicht als selbstverständlich ansahen. Die fürchteten, sie nicht selbst in der Hand zu halten und ihr Recht mit ihrer Kraft durchsetzen zu können. Nun ja, ich war naiv, jung, voller Ideale ... Heute verstehe ich zumindest, worum es bei der Sache geht (allgemeine gesellschaftliche Durchsetzung etc), aber immer noch gilt: es schreit nur der, der in eine schmerzhafte Stelle gepiekst wird. Es gibt keine echte Emanzipation, genau so wenig wie es eine echte Demokratie gibt, oder eine echte Aufklärung (was im Endeffekt das selbe ist). Alles hängt am einzelnen Menschen. Wenn die Welt verdummt, muss man nicht mitmachen (man kann auch nicht helfen, solange sie freiwillig verdummt). Man muss sich auch nicht von der Emanzipationsbewegung mitreißen lassen - wer nicht im Knast sitzt, braucht auch nicht auszubrechen. Wer auf Gleichberechtigung pocht, wer sie von anderen zugestanden haben möchte, dem sei gesagt, dass niemand ein Recht darauf hat, von anderen etwas zu fordern. Du musst dich selbst um alles kümmern. Dir selbst holen, was du haben möchtest, es dir selbst erkämpfen. Nicht darüber reden, nicht darüber klagen ... (Ich glaube, das sieht die Autorin nicht anders...)

    Aber was mich ein bisschen stutzen lääst, ist dieses: "Diese neuen Weibchen, die vorgeben, eine durchaus kritische Meinung zum Thema Gleichberechtigung zu haben, dies aber nur tun, um wiederum bei den Männern zu punkten, sind der wahre Feind des Feminismus'."
    Solange Feminismus keine Institution ist, kann er auch keine Feinde haben - wenn also jede Frau ihre eigene Kraft in sich spazierenträgt, ohne sie in einem gesellschaftlichen Klumpen manifestieren zu wollen, dann ist doch alles bestens! Was die Weibchen machen, ist irrelevant - die brauchen das für erfolgreiches Paarungsverhalten.
    Nicht die Männer geben den Frauen ihre Gleichberechtigung - die Frauen entscheiden selbst, ob sie freie Wesen sind oder nicht. Was auch immer das heißen mag. Denn wir wissen ja, im Grunde ist jeder von irgendetwas abhängig ... Emanzipation ist immer eine Frage der inneren Einstellung, nicht der äußeren Umstände.

    So, genug gelabert ...

    21.04.2008, 12:21 von kuchinawa
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      @kuchinawa ich kann deine einstellung durchaus nachvollziehen. allerdings stimme ich dir in den punkten nicht zu, wo ich denke einfach mehr erfahrungen gesammelt habe. ich bin an grenzen gestoßen, die mich vor wut rasend gemacht haben, weil sie mich meines idealismus' beraubt haben. festgefahrene gesellschaftliche regeln, die nichts mit gleichberechtigung zu tun haben, und die man mit einer gesunden selbstbewussten einstellung auch nicht aufbricht.
      p.s.
      "die frauen entscheiden selbst, ob sie freie wesen sind oder nicht."
      ich kann mich noch so sehr für freiheit entschieden haben, es hilft nichts, wenn mich frauenfeindliche gesetze, weibliche ignoranz, gesellschaftliche klischees und schiere körperliche überlegenheit in die knie zwingen.

      21.04.2008, 13:12 von misspringle
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    habe Deinen Gitarrentext gelesen. Den finde ich klasse. Nichts für ungut!
    Grüße,
    Superjudy

    21.04.2008, 10:05 von Superjudy
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    sich über so eine -Emanzipationsscheiße- Gedanken zu machen, das grenzt ja schon an Zeiverschwendung!

    18.04.2008, 11:07 von Superjudy
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      @Superjudy joah, und sowas auch noch kommentieren... du scheinst ja nicht sehr viel besseres zu tun haben.

      18.04.2008, 11:15 von misspringle
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      @misspringle Irgendwie haben ja alle hier gleichzeitig recht und unrecht.
      Trotzdem kann ich nur wiederholen, was ich immer wieder sage, seufz, in allererster Linie sind wir alle Menschen, egal ob Mann oder Frau. Und so sollten wir miteinander umgehen. Menschlich und fair. Jeder sollte das tun, was er/ sie gut kann und möchte, dementsprechend wird derjenige entlohnt. Und wenn das nun mal bedeutet, dass ein Mann zuhause bleibt, die Kinder großzieht, nur zu, prima ! Na und? Genauso soll eine Frau auf'm Bau arbeiten oder ein Unternehmen leiten können und dementsprechend entlohnt und respektiert werden.
      Aber davon sind wir ja noch Lichtjahre entfernt, obwohl das doch so einfach sein könnte.

      18.04.2008, 15:10 von cosmokatze
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    Schön, runde Sache, "meine Rede".

    17.04.2008, 15:04 von mezzanine
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    der angriff auf die rehaugen ist ein beweis deiner weiblichen solidarität, oder?

    für diese woche ist das grundsatzthema dann jetzt aber endgültig platt getreten.
    was ich mir noch erhoffe ist ein bisschen mehr bezug zum echten leben.
    gibt es denn gar keine karrieremütter hier?
    oder reden die einfach nicht drüber?
    habe die etwa was besseres zu tun?
    oder gibt es dann nichts mehr zu sagen?
    oder trauen sie sich nicht?
    erzähl doch mal von deiner gehaltserhöhung, miss.

    17.04.2008, 14:35 von zuckerpuppe
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      @zuckerpuppe ich sprach von rehgleichem augenaufschlag. wimpernklimpern, unschuldsmiene, bewunderung im blick, weisst eh. die schiene.

      und dich würde ich nie angreifen, sugarbabe.

      die karrieremütter haben glaube ich wirklich keine zeit... :( und die gehaltserhöhung... na das war so, ich ging da rein, redete mit 3 typen, wurde etwas patzig, sie wurden noch patziger, dann wandte sich ihr ärger plötzlich gegeneinander, und ich gewann. jupi. ganz ohne bj.

      17.04.2008, 14:57 von misspringle
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      @misspringle ja nee, das musst du schon genauer erzählen. das ist der teil, deiner erfahrungen, der mir was bringen kann, weißt du?
      das ist das networking, das uns fehlt.
      schreib doch da mal nen text bitte.

      17.04.2008, 15:15 von zuckerpuppe
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