FrolleinLottePike 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 0

Einmal Leben bitte! Pur-nicht gefiltert!

Wann haben wir aufgehört, ungefiltert zu leben? Über das Dasein und die Abwesenheit von Digital Natives.

Ich sitz im Auto. Während ich mich frage, ob die Ampel jemals wieder auf Grün springen wird, singt das Radio „My sex is on fire“. Ob die Jungs, die vor meiner Motorhaube entlang schlurfen auch die Kings of Leon lieben? „Liebelein, die Zwei sind locker 10 Jahre jünger als du!“ Holla die Waldfee! Meine innere Stimme muss mal wieder Schlaubischlumpfine spielen. Sei es drum. Dann trennt uns eben ein ganzes Jahrzehnt. Und was ist anders? Der erste Typ stolpert und Nummer Zwei entgeht nur knapp dem Crash. Pff. Augen auf Junx! Oder soll ich lieber sagen „Kopf hoch?“

In der letzten Zeit werde ich immer öfter Zeuge oder selbst Opfer von „smarten“ Unfällen. „Smart“, weil die Crashs meistens passieren, weil das mich - oder jemand anderes - umnietende Individuum vollkommen geistesabwesend im Universum seines Smartphones surft. In unserer echten Welt geht das einher mit dem Verlust der Wahrnehmungsfähigkeit von lebendigen Menschen sowie dem Kontrollverlust über die eigenen Gliedmaßen. In der Mehrheit der Fälle ist der schmerzhafte Verlauf – wie passend! – vorprogrammiert. Bleibt dieser aus, sollte man dennoch auf sprachliche Disharmonien aka wüste Beschimpfungen vorbereitet sein.
An guten Tagen, d.h. an solchen an denen ich an maßloser Selbstüberschätzung bezüglich meiner eigenen Körperkonstitution leide, mach ich mir ein echtes Späßchen daraus, die „Smarties“ im wahrsten Sinne des Wortes auflaufen zu lassen. Den ein oder anderen blauen Fleck und die uncharmanten Kommentare nehme ich gerne in Kauf – zeigen sie doch, dass das Individuum grundsätzlich doch noch in der Lage ist, im Hier und Jetzt zu kommunizieren. Gott sei Dank!

Und dennoch : Wann haben wir eigentlich aufgehört, ungefiltert zu leben? Wie viele Menschen haben sich unbemerkt in Smombies verwandelt, eilen durch die Straßen und sind in Wirklichkeit NICHT in der Wirklichkeit?! Auf meinem Weg ins Büro beobachte ich eine junge Mama, die es auf sehr artistische Weise schafft nur mithilfe ihrer linken Hand, Kinderwagen plus passendes Kleinkind und ungestümen Hundi zu managen. Die rechte wischt und tippt hektisch auf ihrem Smartphone umher - und hin und her, und her und hin, und ZACK…da geht das heilige Dingen doch zu Boden. „Menschenskind Tom!!!! Wie oft hab ich dir gesagt, du sollst nicht so an mir rumziehen, schau was Mami sonst passiert!“ Ich schaue in große erstaunte Kinder-Kulleraugen und würde dem kleinen Tommy am liebsten sagen, dass ich genau so wenig weiss, wieso ER nun für den Käse verantwortlich gemacht wird.Tommy, keine Frage – auch deine Mami ist ein S-MOM-BIE!

Doch damit nicht genug! Wir Menschen sind regelrecht infiltriert man denke an INSTAGRAM, an Foto APPS, an Facebook, ja selbst an unseren sehr nützlichen Freund Google. Alles was wir unternehmen, erleben, lesen, sehen oder ausprobieren wollen, wird zunächst in irgendeinen „sozialen Filter“ gesteckt oder einem digitalen Scan unterzogen. Als wären wir selbst nicht mehr fähig zu hören, zu schmecken, zu sehen und zu fühlen, was uns gefällt und was nicht!!!

Vorbei sind die Abenteuer, deren Nervenkitzel darin bestand, nicht zu wissen was passiert. Vorbei sind die Freitage, die in Clubs starteten, die wir noch nicht kannten und mit neuen Romanzen endeten, die wir nie wiedersehen würden. Heute sitzen wir Freitag-Nachmittag im Büro, wischen uns auf Tinder zu Mr. Nice Guy, den wir abends in einer Bar treffen, die toll sein muss, weil sie von 1038 Leuten geliked wurde. 10 Stunden später kommen wir in der Realität an: Mr. Nice Guy hat uns mit Sunlight-Filtern ordentlich geblendet und jetzt sitzen wir mit einem Gesichts- UND Gehirn-Elfmeter in einer der besten Bars der Stadt, warten 20 Minuten auf einen Drink und stellen (er)nüchtern(d) fest, dass der Cosmopolitan für die missliche Lage viel zu wenig Umdrehungen hat. Man sage mir noch einmal, Blind Dates seien riskant.

Na dann Prost – auf das Leben! Pur - nicht gefiltert!


Tags: Digitalisierung, Digital Natives, Online-Leben, happylife, Zeitgeist, Gesellschaft, Kultur, Leben, Smombie
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Kommentare

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    Digitalnaiv trifft's wohl eher.

    01.07.2016, 10:11 von Elvira_Nocturna_Imperialis
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