Eine Miniatur zur Ironie
»Ironie ist die Diskrepanz zwischen wörtlicher und wirklicher Bedeutung.« sagte Ethan Hawke in »Reality Bites« 1994 eher beiläufig.
Es ist ein für meine Begriffe weit
verbreiteter Irrtum, das Menschen meinen ironisch zu sein, indem
sie eine andere Meinung kundtun, als der, die sie haben. Was dann gerne mit den
Worten: »Ich habe das nicht so gemeint.« ins rechte Licht zu rücken
versucht wird.
Ich frage mich dann immer, warum sie, wenn sie doch offensichtlich einer anderen Meinung sind, als der, die sie postulieren, dann eben diese 'andere' Meinung kundtun. Eine ironische Anmerkung ist das Vertreten seiner Meinung mit anderen Worten. Es bleibt ein Interpretationsspielraum und ist damit ein Angebot auf das ich mich als Empfänger dieser Anmerkung einlassen kann.
Wenn ich um den Standpunkt des
Anderen weiß und ihm insoweit vertrauen kann, das er diesen nicht
verlässt, kann Ironie verstanden werden. Deswegen ist eine gelungene »ironische Kommunikation« ein sicherer Gradmesser dafür, inwieweit
ich dem anderen vertraue und vor allem, inwieweit der (oder die)
Andere mir Vertrauen entgegen bringt. Wer auf der wörtlichen Bedeutung beharrt, ist ein misstrauischer Mensch. Oder Richter.
Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob die 'ironische Kommunikation' in irgend einer Weise 'witzig' ist. Ein weiterer weit verbreiteter Irrtum, zu glauben, wenn's nur lustig genug ist, sei es auch ironisch. Oder man könne banale Unverschämtheiten verteilen, weil es ja ironisch ist und man eigentlich einer anderen Meinung sei.
Einer anderen Meinung zu sein, als der, die man ausdrückt, ist keine Ironie, sondern Opportunismus. Oder schlichte Gedankenlosigkeit.





Kommentare
"Es ist ein für meine Begriffe weit verbreiteter Irrtum, das Menschen meinen ironisch
10.03.2013, 17:39 von ellijaszu sein, indem sie eine andere Meinung kundtun, als der, die sie haben.
Was dann gerne mit den Worten: »Ich habe das nicht so gemeint.« ins
rechte Licht zu rücken versucht wird."
Da stimme ich Dir zu !
Da danke ich dich für...
10.03.2013, 17:48 von sailor"Einer anderen Meinung zu sein, als der,
02.12.2012, 14:17 von Sileadie man ausdrückt, ist keine Ironie, sondern Opportunismus. Oder schlichtweg Gedankenlosigkeit." - juhuu, danke :) das ist toll!! :)
Aber immer...
31.08.2012, 15:46 von sailorOh wie schön dein Text ist, gefällt mir sehr gut. Ironie ist doch eigentlich nur eine Spielart der eigentlichen Unterhaltung. In der Ironie betrachten man die Dinge aus einer anderen Distanz, verhöhnen den eigentlichen Sachverhalt, überziehen den Rahmen, um den es geht. Oft wird Ironie auch als Totschlagwaffe in der Unterhaltung eingesetzt, worauf ich persönlich ja gar nicht kann.
16.08.2012, 23:50 von SultanineOpportunes Verhalten hingegen kommt auch in anderen kommunikativen Zusammenhängen vor, auch oft dann wenn es innerhalb von Dialogen divergent zugeht. Da ist es oft leichter ist sich einer vemeintlich plakativen Meinung anzuschließen anstatt auszuhalten, dass die Distanz gerade vergrößert wird. Nähe und Distanz sind genauso wie Macht kommunkationsimmanete Phänomene und können nicht überwunden werden. Sie gehören dazu. Ähnlich ist es mit ironischen Anspielungen. Da ergeben sich auch ganz schnell Machtverhältnisse, die dazu führen können, dass auf unterschiedlichen Ebenen kommuniziert wird und der eine den anderen nicht versteht. Ja ja, spannend spannend, lieber Kapitän!
Ups, eben erst mitbekommen....
17.05.2012, 10:28 von zehnmomenteSehr passend.
wat isn lous? sprich dich aus :)
23.04.2012, 21:22 von FaradunaBei mir is doch nix mehr los...
24.04.2012, 09:39 von sailorIronieverständnis setzt Sicherheit im Urteilsvermögen voraus.
23.04.2012, 11:31 von schaubyDer spielerische Umgang mit Tatsachen und Verbindlichkeit, das Auflockern von Irrtümern im Hervorheben des Gegenteils, braucht eine Souveränität darüber, was wahr und unwahr ist.
Einer Frau mit Kurzhaarbürstenschnitt, Jeans, Bikerjacke und schweren Boots, der die Bemerkung ihrer Kollegin, "ich mag deine Vorliebe für traditionelle Weiblichkeit" kein Lächeln oder ebenso ironischen Konter, sondern Misstrauen und Streit abringt, hat offenbar keine eigene Sicherheit darüber, wo sie ihr Wahrgenommenwerden einordnen kann.
Damit Humor und Entschärfung durch Übertreibung, Überraschung und Umkehrung (eben Grundlage der Ironie) in der Kommunikation möglich sind, braucht es nicht nur Intelligenz und Selbstverständnis, sondern auch die Fähigkeit Distanz zuzulassen, auch wenn man sie nicht zwingend selbst so unterschreibt. wer ängstlich und unsicher ist, tut sich meist schwer damit.
Ich mag deine Vorliebe für Trivialkommunikation.
23.04.2012, 12:02 von SasaliIch verstehe zwar kein Wort, aber ich "like" es einfach trotzdem mal, weil es die anderen auch tun, darum muss es irgend etwas Gutes sein und ich will dazu gehören...
23.04.2012, 09:53 von Sasali(meine ich jetzt ironisch)
gutes Stichwort, mal unabhängig von dir als Person, liebe Sasali :)
23.04.2012, 12:02 von schaubyes gibt die beliebten Alibi-Situationen mit entsprechend kognitiven Dissonanz- und Verwirrungspotenzial, in denen einer
das Gegenteil der Sache zwar erkennen, benennen und somit theoretisch distanzieren
möchte, aber praktisch gelebt und gehandelt nichts davon repräsentiert.
Ja, der Mensch ist ein sprudelnder Quell jeglicher Couleur, von blass und pastell bis dunkelbunt und grell, von hirnbefreit bis blitzgescheit...
23.04.2012, 12:07 von Sasali@ Sasali
23.04.2012, 12:44 von schaubyIch hätte die Komplexität der Sache auch auf die verkürzte Reduktion eines Zitats von Nietzsche abhaken können:
"Das stärkste Anzeichen der Entfremdung der Ansichten bei zwei Menschen ist dies, daß beide sich gegenseitig einiges Ironische sagen, aber keiner von beiden das Ironische daran fühlt."
aber dann kommt wieder so ein argwöhnisch Verbissener aus seiner Mulde gekrochen und
möchte mir seine Begriffstutzigkeit zum Vorwurf machen, ich wüsste oder könnte nicht selbst beschreiben.. blablub..
von dieser schweren Bürde kann ich latente Kleingeister und Schaubyfreunde dieser Art zuweilen großzügig befreien. :)
Ironie und das Erkennen dieser als solche kann eines der schönsten und mitunter sehr befriedigenden Verbundenheitsgefühle zwischenmenschlicher Natur sein, definitiv, denn man fühlt sich erkannt im Gegenüber. Doch allein das Kopfnicken scheint nicht der Schlüssel zur Befriedigung zu sein sondern das Erwidern, der Dialog in eben dieser ironischen Art und Weise. Und das erfordert Geschick, setzt Denkvermögen ebenso wie Nähe und Distanz (zu sich selbst UND seinem Gegenüber) voraus und eine gewisse Fähigkeit zur Selbstreflexion.
23.04.2012, 13:13 von Sasalialso all jener Strauß dialektisch und ambivalent miteinander verschränkten Komponenten und Facetten, die bspw. Jackie Schnecki in ihrem frommen Wunsch nach dem "einen wahren Ich" unordentlich stören.
23.04.2012, 15:20 von schauby
23.04.2012, 15:21 von schaubyallIch glaube nicht an "das eine wahre Ich" – denn ich bin Viele und all diese Ichs sind subjektiv und sowas von ambivalent, dass mir in meiner Sammelform manchmal ganz schwindelig wird. Puh.
23.04.2012, 15:40 von Sasalium mal in deiner Methaper des Schwindligkeitsgefühls zu bleiben: manchen gelingt es, während des Karussellfahrens der Kommunikation, die ganze Kirmes und verschiedene Fahrgeschäfte getrennt voneinander zu verorten, und andere verlieren sich leicht in der Überwältigung des selektiven Augenblicks. .. und kotzen die anderen Teilnehmer mit ihrer unreflektierten Furcht und Überforderung voll.
23.04.2012, 15:53 von schaubyWas für Klugscheisser hier rumlaufen. Holen sich ihre Bestätigung auf Neon.de indem sie hier die intellektuellen Wortakrobaten spielen.
03.05.2012, 17:11 von See_Emm_Why_Kayes melden sich immer die richtigen zur Stelle.
03.05.2012, 19:20 von schaubydas zum Thema Überforderung und Gekotze, Better dont ask why See Emm Hohlfrutte.
Ich spiel' nur Wortakrobat.
04.05.2012, 10:13 von sailorAber das mit Freude...
@Shauby / Sasali: Nette Unterhaltung, liest sich echt nicht schlecht, schön mal was Funkelndes in dem ganzen Kies zu erwischen ;-)
16.08.2012, 23:39 von SultanineWie kommt es denn zu solch einem Text?
23.04.2012, 01:50 von justanotherpictureHatte ich mich auch gefragt :)
23.04.2012, 06:19 von Mrs.McHDas Thema Opportunismus wurde ja kurz angeschnitten, das hätte mich auch noch mehr interessiert.
Im Prinzip, 'nur so'
23.04.2012, 08:41 von sailorGlaub ich nicht, glaub ich nicht :) Irgendetwas hat Dich doch bestimmt angesprungen, oder?
23.04.2012, 08:43 von Mrs.McHDie Situation mit dem 'Ich habe das nicht so gemeint' liegt ein paar Jahre zurück. Da war ich unbeteiligter Zuhörer und darüber verwundert.
23.04.2012, 08:48 von sailorEine Freundin von mir verwirrt ihr Umfeld mit Selbstironie und ist ansonsten recht anspruchsvoll in Sachen Kommunikation.
Ein Kollege geht mir mit penetranter Humorlosigkeit auf den Keks.
So fügt sich das alles zusammen...
Sehnse! Gleich mehrfach angesprungen :)
23.04.2012, 08:52 von Mrs.McHSelbstironie mag ich, wobei das für mich oft eine unausgesprochene Frage des/derjenigen wirkt. Eine Art "fishing for compliments" je nachdem in welche Richtung es geht. Aber eine gesunde Portion gefällt mir.
Hei nun... Ich reagiere nunmal gelegentlich auf meine Umwelt...
23.04.2012, 10:29 von sailorAnsich mag ich Ironie, wenn ich die Person dahinter einschätzen kann. Sobald Ironie als Entschuldigung für unüberlegte Äußerungen missbraucht wird, find' ich's ätzend.
22.04.2012, 17:26 von nyx_nyxHat wohl gelegentlich auch etwas von "sich ertappt fühlen", wenn man im Nachhinein angibt, es sei Ironie gewesen. Vielleicht deswegen auch irgendwo da unten in den Kommentaren die Unsicherheit als Begrifflichkeit.
22.04.2012, 17:27 von nyx_nyx