Eine Bilanz
Zwei Wochen Livereportage: eine komplizierte Geschichte, ein interessantes Experiment. Eine Bilanz.
Am Morgen des 26. Juni 2007 morgens um acht Uhr hätte Susan Waade Semesterabschlussprüfungen an ihrer Uni gehabt, aber sie ist nicht gekommen. Eine Mitstudentin, mit der sie verabredet war, versuchte, sie auf dem Handy zu erreichen, aber sie ging nicht ran. Nach einigen Tagen war das Handy aus. Irgendwann zwischen 22.30 Uhr, als die Hausmeisterin sie im Flur gesehen hat, und dem frühen Morgen ist sie wohl gestorben. Der Todeszeitpunkt ist anhand der physischen Beweise nur sehr ungenau zu bestimmen, weil zu viele Faktoren eine Rolle spielen - Temperatur, Luftfeuchtigkeit und so weiter, und das über mehrere Tage - und weil Rechtsmedizin in der Realität nicht so eindeutig ist wie im Kino. Aber die Hinweise sind schlüssig. Irgendwann in dieser Nacht ist es passiert.
Ich weiß nicht, was genau passiert ist. Ich habe in den letzten zwei Wochen dargelegt, was man heute über den Fall weiß, was man wissen kann und was man wissen könnte, wenn eine Reihe von Fehlern nicht passiert wären. Es gibt keinen physischen Hinweis darauf, dass sie sich nicht selbst erhängt hat, aber es gibt unterschiedliche Meinungen dazu, ob man ausreichend nach allen Hinweisen gesucht hat. Fest steht allerdings, dass wenn jemand Susan Waade umgebracht haben sollte, derjenige einen perfekten Mord begangen haben muss, durch Zufall oder mit professioneller Präzision. Das ist denkbar, aber es fällt mir persönlich schwer, das zu glauben. Allerdings fällt es vielen Menschen, die Susan Waade gut kannten und die teilweise engen Kontakt zu ihr hatten, mindestens genau so schwer zu glauben, dass sie sich umgebracht haben soll. Es gibt bei ihr keine Vorgeschichte von Depressionen, wie es sie bei den allermeisten Menschen gibt, die Suizid begehen. Und dass die Trennung von ihrem Lebensgefährten, die ja schon seit Wochen und Monaten Schritt für Schritt vollzogen wurde, einen Anlass für eine derartige, plötzliche Reaktion lieferte, ist zumindest schwer nachzuvollziehen. Aber ich weiß auch nicht, was letztlich an diesem Abend im Streit gesagt und getan wurde. Vielleicht gibt es Dinge, die einen Menschen kurzfristig so sehr zur Verzweiflung treiben können, dass zumindest für einen kurzen Zeitraum die Verzweiflung alles andere überdeckt. Und wenn eine Schlinge einmal auf die Halsschlagadern drückt und die Blutzufuhr zum Gehirn unterbricht, dann dauert es nur zehn bis fünfzehn Sekunden, bis es kein Zurück mehr gibt. Wenn Susan Waade sich selbst das Leben genommen hat, dann könnten höchstens noch ihre Tagebücher Aufschluss über den Grund geben, warum. Und es wäre ein Zufall, wenn sie tatsächlich irgendwo auftauchten.
Was offen liegt, ist etwas anderes, und das ist aus meiner persönlichen Sicht eigentlich der wichtigere Teil der Geschichte, denn es ist das, an dem wir noch etwas ändern können. Es ist erstaunlich, wie wenig Hilfe es für die Angehörigen und Freunde von Menschen gibt, die unter Umständen ums Leben kommen, die nicht wirklich geklärt sind - ganz besonders dann, wenn es im Ausland passiert. Opferhilfsorganisationen leisten sicher großartige Arbeit, in Deutschland vor allem der Weiße Ring, aber sie helfen Opfern von Verbrechen und deren Angehörigen. Wenn ein Fall, egal wie nachlässig, einmal das Etikett Selbstmord aufgedrückt bekommen hat, können sie in Wahrheit nicht mehr viel tun. Die Botschaften vor Ort haben wenig Kompetenzen und - das ist ein Vorwurf, den man immer wieder hört - in vielen Fällen offenbar auch wenig Motivation, Angehörigen wirklich zur Seite zu stehen. Auf Hilfe von Traumatherapeuten und andere psychologische Unterstützung warten Angehörige in Deutschland, wenn sie es sich nicht leisten können, sie aus eigener Tasche zu bezahlen, durchaus mal ein Jahr.
Insofern war dies, wie angekündigt, nur bedingt eine Geschichte über Susan Waade, sondern auch eine Geschichte über den Kampf, den Menschen leisten müssen, wenn sie die Tragödien des Lebens mit den bestehenden Systemen von Gerechtigkeit, Hilfe und der Möglichkeit zu Trauern in Einklang bringen wollen. Eine der ersten und schlimmsten Erfahrungen, die Betroffene dabei machen ist, dass niemand darüber reden möchte. Das Thema Tod, die Verzweiflung und alles, was daraus folgt, sind uns allen unangenehm. Für Angehörige, die oft monate- und jahrelang den Impuls unterdrücken müssen, ständig und überall über das Schlimme zu reden, ist das eine Erfahrung von totaler Isolation. Denn während wir gleichzeitig alle eine Meinung zu allem haben, während wir reflexartig entweder nach einem Schuldigen suchen, auf den man alles schieben kann, oder auf einen Weg, wie die Betroffenen am besten „darüber hinwegkommen“ können, geht jeder Betroffene auf seine eigene Art mit dem Geschehenen um - unvorhersehbar, manchmal unverständlich, und manche sogar auf Arten, die anderen Menschen noch einmal doppelt unangenehm sind. Marion Waades unermüdlicher, perfektionistischer Kampf um Gerechtigkeit für ihre Tochter wenigstens im Tod, und ihre schonungslose Offenheit (gepaart mit einem manchmal ruppigen Ton in ihren Briefen, besonders am Anfang ihrer inzwischen langen Suche nach Antworten) gehen vielen Menschen auf die Nerven. Ich glaube, auch deshalb, weil der Gedanke an das, was passiert ist, jedem von uns ganz natürlich an die Nieren geht. Niemand erträgt diese Gedanken freiwillig. Wir wollen alle immer, dass es endlich vorbeigeht. Eine Lösung für das Unlösbare.
Zur Kritik an dieser Reportage
Es hat vor allem hier auf der Seite von Anfang an viel ausführliche und fundierte Kritik am Thema und an der Form dieser Geschichte gegeben, darunter auch die: Sie ist ganz einfach unangenehm. Und das stimmt ganz eindeutig. Ich persönlich halte es für zumutbar, denn unangenehme Geschichten muss man nicht lesen (während man unangenehme User-Bilder tatsächlich ansehen muss, aber die kann man ändern). Und unangenehme Dinge passieren, insofern finde ich es auch wichtig, sie nicht zu verschweigen, aber tatsächlich ist es besonders auf einer Plattform, die normalerweise weitestgehend den Usern gehört, auch eine Zumutung, mit einer unangenehmen Geschichte so groß und so aufdringlich präsent zu sein. Es wird niemanden überraschen, wenn ich persönlich die Zumutung für vertretbar halte, aber da das eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, bin ich sicher, dass es in dieser Frage keine Einigkeit geben wird.
Noch häufiger wurde allerdings ohnehin kritisiert, die Geschichte um Susan Waades Tod wäre - ich fasse das hoffentlich so zusammen, dass sich jeder wiederfindet - das Ausschlachten eines persönlichen Schicksals zur Befriedigung von Sensationslust. Und das ist natürlich ein nahe liegender Verdacht, und er wurde vor allem vor Beginn der eigentlichen Berichterstattung geäußert. Ich bin aus offensichtlichen Gründen der Falsche, um zu beurteilen, ob sich diese Befürchtung bestätigt hat. Es gab Kritiker unter den Kommentatoren, die diese Position beibehalten haben, allerdings habe ich die Kritik so verstanden, dass sie sich weiter auf das große Ganze der Reportage bezog, und weniger auf einzelne Stellen, in denen etwas konkret sensationslüstern berichtet wurde. Es gab auch Kritiker, die sich nach Beginn der Reportage nicht mehr zu Wort gemeldet haben, und von denen ich nicht weiß, ob ihre Befürchtungen nicht bestätigt wurden, oder ob sie einfach beschlossen haben, keine der Geschichten zu lesen. Einige wenige, die diese „Livereportage“ (der Name ist wahrscheinlich unglücklich gewählt) vorher abgelehnt haben, haben mir geschrieben, sie hätten sich etwas anderes darunter vorgestellt und fänden die tatsächliche Reportage eigentlich ganz okay. Den Leser-Zahlen nach zu urteilen sind die Geschichten auf recht großes Interesse gestoßen, den Empfehlungen und anderen Community-internen Werkzeugen nach, mit denen geübte User Geschichten bewerten usw., war das Interesse sehr gering. Ich bin da überhaupt kein Experte, aber schon die Zahl der offensichtlich nur zum Kommentieren bei der Livereportage neu angemeldeten User deutet für mich darauf hin, dass ein relativ großer Teil der Leser sonst nicht oder nur selten auf NEON.de unterwegs ist. Erstaunlicherweise waren die Diskussionen auf anderen Plattformen, zum Beispiel auf Facebook, Twitter, in Blogs wie bei Stefan Niggemeier und so weiter, deutlich anders, als die bei NEON.de selbst. Auch das deutet für mich darauf hin, dass die Reportage bei den aktivsten Nutzern von NEON.de eher durchgefallen ist. Allerdings kenne ich mich da auch nicht besonders gut aus: Ich habe bei meiner notgedrungen eher kurzen und oberflächlichen Reise durch das NEON-Universum auch keine Geschichten gefunden, in denen der Umgangston ähnlich war wie vor allem unter den ersten Geschichten hier. Meine erste, überhaupt nicht belegte These dazu ist, dass User, die freiwillig und im Regelfall ja auch relativ persönliche Berichte hier posten, grundsätzlich nicht so frontal angegangen werden wie ein bullig auftretender „Reporter“, und das finde ich einen sehr verständlichen und auch irgendwie sympathischen Zug.
Über den Ton in Kommentaren
Unabhängig davon war ich doch überrascht, wie sich manche Kommentatoren öffentlich im Ton vergreifen, und versuchen, einen Autoren persönlich anzugreifen. Mich trifft so etwas eher wenig, aber als Vertreter der These, dass es sich für Journalisten lohnt und wichtig ist, mit Lesern zu diskutieren und erreichbar zu sein, stehe ich dadurch viel blöder da, als ich es vorher erwartet hätte. Ein paar Kollegen werden auch das wieder als Beleg dafür sehen, dass „im Internet“ immer nur „der Pöbel“ unterwegs ist, und das ärgert mich doch ziemlich, denn ich glaube das nicht, und ich glaube auch, die wenigen wirklich nur auf Beleidigung angelegten Kommentare rechtfertigen das nicht - aber es ist die Rückmeldung, die ich von Kollegen kriege. Einige von ihnen werden sich jetzt noch weniger als vorher auf Diskussionen „mit den Spinnern“ einlassen, und das ist schade für die vielen Nichtspinner. Ich weiß aber auch nicht, was ich sonst noch dagegen tun soll, als zu beweisen, dass man nicht daran stirbt, wenn man von jemandem unter falschen Namen beschimpft wird, der sich nicht einmal die Mühe macht, die Geschichte zu lesen, über die er sich aufregt.
Die These von der offenen Recherche
Meine These von der offenen Recherche ist auch während der Reportage nicht immer verstanden worden. Ich bin ja auch der Ansicht, Journalisten sollten zwar berichten, einordnen, filtern und analysieren, aber ihren Rohstoff, ihre Recherche, so weit es irgendwie geht zugänglich machen. Mein Beispiel ist: Ich höre dauernd, Menschen fühlten ihre Zitate „aus dem Zusammenhang gerissen“. Die einfache Antwort ist: Wenn ich zwar nur das Zitat benutze, aber die Aufnahme des ganzen Interviews zusätzlich online stelle, könnte jeder Leser, der ein Interesse daran hat, das Zitat auch einfach im Zusammenhang hören. Und ich war der Meinung, das müsste zum Beispiel Experten besonders recht sein, denn die werden oft missverstanden oder missverständlich zitiert.
Tatsache ist: Das habe ich nicht ordentlich vermitteln können. Ich bin immer noch der Meinung, das wird eines Tages ganz normaler Standard sein, aber heute ist es so, dass mir zum Beispiel ein Professor der Rechtsmedizin nicht erlaubt hat, unser Gespräch aufzunehmen, mit dem Hinweis, er hätte so viele schlechte Erfahrungen mit Journalisten gemacht. Meinen Einwand, genau dagegen würde ihn die Veröffentlichung des ganzen Bandes versichern, hat er einfach weggewischt. Nein, reden gerne, aufnehmen nicht. Ich hätte ihn also zitieren können, wie auch immer ich gewollt hätte. Manche Sachen ergeben einfach keinen Sinn.
Ich hatte auch unterschätzt, wie viel Teile zum Beispiel von Aussagen, Akten und Beschlüssen in einem Fall wie diesem so sehr Privat- oder Intimsphäre von Menschen betreffen. Ich bin davon ausgegangen, es gäbe sehr viel mehr Aussagen und Akten, bei denen man einfach die Namen schwärzt. Das war falsch. Besonders in einem Fall, in dem jeder der Aussagenden gefragt ist, ein mögliches Motiv für einen Suizid zu erklären, gibt es keine zwei Sätze, die nicht sehr persönlich sind. Während ich vorher noch davon ausgegangen bin, dass technische Details über Abläufe und ähnliches eine viel wichtigere Rolle spielen würden (ist es überhaupt möglich, dass...?), habe ich erst in der Recherche festgestellt, dass dem nicht so ist. Die äußeren Abläufe sind zumindest so klar, dass sie keinen Anhaltspunkt dafür bieten, alles infrage zu stellen. Die psychologischen Abläufe sind sehr viel wichtiger, und die sind automatisch persönlich.
Wie die Interaktion die Recherche verändert
Das ist alles sehr spezifisch auf diesen Fall bezogen. Es gibt aber auch eine Menge Dinge, von denen ich glaube, dass sie auch in vielen anderen Fällen denkbar sind, vielleicht sogar noch mehr als hier. Der wichtigste Punkt ist wahrscheinlich die Interaktion, wegen der es ja überhaupt nur einen Sinn ergibt, "live" zu berichten. Die Fragen und Anregungen von Usern verbessern Nicht nur Fehler und bringen neue Blickwinkel, sie verbessern in Wahrheit auch die Recherche in mehrfacher Hinsicht. Ich nenne zwei Beispiele: Zum einen macht die offene Recherche tendenziell fleißiger. Ich bin zu einer Wohnung gefahren, in der Susan Waade in den Wochen vor ihrem Tod in einer WG gewohnt hat, in der Hoffnung, es wäre noch einer der ehemaligen Mitbewohner da und hätte - das ist schon nicht mehr das Prinzip Hoffnung, sondern das Prinzip Lotto - irgendwo im Keller noch Sachen von ihr, vor allem natürlich diese Tagebücher, die mich umtreiben. Die Chance war null, es kam null dabei heraus (dort wohnt schon seit Jahren niemand mehr aus der "deutschen WG" und ich wusste aus den Aussagen sowieso, dass Susans Sachen dort abgeholt worden waren. Ich dachte nur: Aber was, wenn ...) und es kostete locker drei Stunden Zeit. Es gibt Reportage-Bedingungen, da spart man sich diese Fahrt.
Der zweite Punkt ist natürlich der ethische: von Deutschland aus hätte ich gesagt, das Zusammentreffen mit Susan Waades Ex wäre ein Höhepunkt am Ende der Geschichte. Und, seien wir ehrlich, dramatisch hätte es der Geschichte gut getan. Trotzdem glaube ich, dass es richtig und vernünftig war, den Mann, der seit Jahren mit dieser Geschichte leben muss und dessen Unschuld festgestellt wurde, auch wenn das viele bezweifeln, nicht einfach zu konfrontieren, sondern ihm die Entscheidung zu überlassen, wie viel Kontakt er zulassen will. Teil des Gedankens war aber natürlich auch die Überlegung, dass ich das, was ich erlebe, öffentlich machen muss. Unter normalen, nichtöffentlichen Recherchebedingungen bin ich mir nicht sicher, ob ich die Entscheidung genau so getroffen hätte. Ich nehme an, ich wäre hingefahren, hätte ihn angesprochen und das im Zweifel nicht erwähnt. Ich hätte, zumindest halte ich das für wahrscheinlich, unter weniger beobachteten Bedingungen eine schlechtere Entscheidung getroffen, mit der simplen Rechtfertigung, dass dadurch ja kein echter Schaden entsteht. Ein denkbar schlechtes Argument, aber auch darüber muss man sich im Eifer des Gefechts erst einmal klar werden. Zumindest geht es mir so.
Ein knapper Erfolg - aus drei Gründen
Für mich ist diese Reportage insgesamt ein knapper Erfolg, auch wenn ich das natürlich nur von einer sehr subjektiven Warte aus sagen kann. Aus drei Gründen: Ich glaube, es ist im Großen und Ganzen gelungen, eine komplizierte Geschichte zu erzählen, und das ist ja schon mal der wichtigste Punkt. Außerdem ist eine Diskussion geführt worden über das Thema dieser Reportage: Über den Umgang mit etwas, das auf der einen Seite unausweichlich ist, und auf der anderen Seite komplett verdrängt wird - mit Tod, Zweifeln und Verzweiflung. Und es ist eine Diskussion geführt worden über Formen und Inhalte von Journalismus, und ich weiß, dass zumindest bei NEON sehr genau hingehört wurde, und ich bin mir fast sicher, einige andere haben mitgehört. Ich glaube fest daran, dass Journalismus den Lesern, Zuschauern, Hörern, eben den Usern gehört, aber es ist eben auch nötig, Dinge auszuprobieren, um die Werkzeuge zu entwickeln, die das auch umsetzen. Deshalb ist die Diskussion so wichtig, und ich bin dankbar für die vielen offenen, klugen, konstruktiven Beiträge, auch und gerade für die kritischen.
Ich bin NEON und ganz besonders dem Team bei NEON.de sehr dankbar für die Möglichkeit. Und ich bin der Familie Waade dankbar für ihre Offenheit. Für mich war es außerdem eine neue und besondere Erfahrung, so viel Zeit in Gedanken an einen Menschen zu verbringen, den ich persönlich nicht kannte und nicht mehr kennenlernen kann. Ich bin viele Stationen des Lebens von Susan Waade abgelaufen, und natürlich fühle ich mich ihr auf eine merkwürdige Art verbunden. Ich bewundere ihren Mut, ihre Hingabe ihren Willen. Es klingt wahrscheinlich merkwürdig, das zu sagen, obwohl ich sie nicht persönlich gekannt habe, aber ich mag sie wirklich gern.




Kommentare
ich las deine reportage sehr gerne. meine frage: ist deine bilanz eine zwischenbilanz oder eine schlussbilanz?
10.08.2010, 10:01 von MrsMaker@MrsMaker Das ist eine wirklich gute Frage in dem Sinne, dass ich sie gar nicht endgültig beantworten kann. Mich wird das Thema so schnell nicht loslassen, und wenn sich etwas Neues ergibt, werde ich das auch schreiben. Aber ich weiß nicht, wann und wie das sein wird.
10.08.2010, 11:30 von michalis_pantelouris@michalis_pantelouris Warum nicht die Variante, die das SZ-Magazin erwähnt, wenn es zum Thema schreibt:
12.08.2010, 02:22 von TwistOOder aber man kombiniert die beiden Formen: Erst die Live-Berichterstattung, dann das ausgeruhte Stück?
Geschrieben hier: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/reporterblog/754/nicht-loschen-versuchsfeld-internet-die-live-reportage/ (Sorry, ich weiß nicht, wie man hier richtig verlinken kann.)
Also einen Abschlussartikel der herkömmlichen Art anfügen. Das ist dann auch interessant für Leser, die die Geschichte nicht live verfolgt haben. Das Recherchematerial existiert ja, Satzbausteine bis ganze Abschnitte auch.
Somit lässt sich aus dem Vorhandenen auch noch mehr Content, mehr Ordnung und dadurch mehr Wertschöpfung generieren.
Neuigkeiten fließen in die Live-Reportage ein und werden ggf. im Schlussartikel ergänzt oder verlinkt.
Und auf Links steht das Internet, die lassen sich auch twittern.
[Durchaus nicht so zynisch gemeint, wie es klingt.]
@TwistO Du hast ganz sicher recht. Ich versuche das.
12.08.2010, 11:11 von michalis_pantelourishm...
06.08.2010, 11:12 von gluexkeksmeine Bilanz der ganze Geschichte ist, dass nichts neues dabei rausgekommen ist.
Den Eltern, wahrscheinlich vorallem der Mutter, wurde wieder Hoffnung gemacht, nur damit man eine komplizierte Geschichte erzählen kann. Respekt...
@gluexkeks Ein Teil meiner Bilanz ist auch, dass erstaunlich viele Menschen über die Mutter psychologisieren. Ich hatte nie den Eindruck, sie würde ihre Hoffnungen ausgerechnet auf mich konzentrieren. Dafür hat sie auch in den Jahren zuvor schon ein bisschen zu viel erlebt.
06.08.2010, 11:31 von michalis_pantelourisWenn es ihr um etwas ging, dann wahrscheinlich eher darum, Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wie es Angehörigen geht, denn Hilfe für Angehörige zu organisieren und für deren Situation zu sensibilisieren ist das, womit sie am meisten Zeit verbringt. Dein Kommentar ist ja nicht untypisch für die Haltung, die die meisten Menschen diesen Angehörigen gegenüber haben: Sie halten sie für zerstörte, depressive Wesen, die irgendwo zitternd mit ihren Hoffnungen in einer Ecke sitzen und auf die Hilfe von anderen angewiesen sind. Die Haltung ist wahrscheinlich empathisch gemeint, aber sie beschreibt nur einen winzigen Teil des Panoramas und isoliert in Wahrheit diejenigen, um die es geht.
Ich habe Frau Waade als eine starke Frau mit sehr viel Energie erlebt, die zwar tief trauert, aber deswegen weder realitätsfremd noch gebrochen ist, wie du es implizierst. Sie will auch nicht Hilfe, sondern ihr Recht, was ein Unterschied ist, den zu begreifen man einen Teil seiner Arroganz für einen Moment beiseite schieben müsste.
Wie gesagt, ich nehme an, du meinst das irgendwie gut. Aber was du sagst ist in Wahrheit in einer Größenordnung überheblich, dass ich dazu alles mögliche sagen kann, aber eins ganz sicher nicht: Respekt.
@[Benutzer gelöscht] Lag, ich weiß, ich bin nicht gemeint und bin im Forum überhaupt nicht bewandert. Aber vielleicht kann ich gerade als Semi-Außenstehender eine Kleinigigkeit beitragen, auch wenn sie dir zunächst mal vielleicht unwahrscheinlich erscheint: Ich kenne aus der Praxis kaum Redaktionen, in denen Leser, User und der Webauftritt derart ernst und wichtig genommen werden wie Neon. Gerade und vor allem wegen der Rückkopplung. das heißt nicht, dass das bereits gut funktioniert. Ich kann das nicht beurteilen, und aus deiner Sicht funktioniert es offensichtlich nicht überragend, um es mal vorsichtig zu sagen. Aber tatsächlich ist der Einfluss der User (auch, aber nicht nur, auf das Printmagazin) so weit ich es sehen kann, immens. Viel größer als bei jedem anderen Objekt, das in einem großen Verlagshaus erscheint. Auch diese Reportage war ja, entgegen dem, was einige zu denken scheinen, gar nicht als Zumutung gedacht, sondern als etwas, das dem Leser dient.
06.08.2010, 09:03 von michalis_pantelourisWie gesagt, ich stehe da ein Stück weit außen vor und kenne deinen Leidensdruck nicht, aber ich glaube, du solltest deinen Einfluss nicht unterschätzen. Vielleicht dauern ein paar Dinge lange, aber ich glaube, hier ist der richtige Ort dafür, immer weiter zu drängen. Denn hier passieren viele Dinge, die sich andere Redaktionen weder trauen noch leisten würden. Und dass nicht alles perfekt ist sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der echte Wille da ist, das immer weiter zu verbessern.
für mich ein bisschen viel und zu oft "persönliche Sicht"
05.08.2010, 10:05 von zettAiaiaiai, eigentlich sollte man sich fragen wo das Problem eigentlich liegt?
05.08.2010, 08:25 von Bunter_KuntEs steht fest, dass diese Geschichte auf gemischtes Interesse gestoßen ist.
Ich zu meinem Teil fand es erstaunlich mit wieviel Achtung vor der Familie Waade an die Geschichte gegangen wurde, und ich denke nicht dass es Heuchelei oder gespieltes Mitgefühl war.
Er hätte natürlich auch mit der Familie ausführlich trauern können. Wäre das angemessener, oder ehrlicher? Aber dann möchte ich nicht wissen was hier dann stünde.
Das dies kein schönes, oder erheiterndes Thema ist war wohl klar, und Leute denen soetwas nicht zusagt hätten entweder nicht weiterlesen müssen oder zumindest Ihre unfairen Kommentare dazu einstellen sollen.
Zu guter letzt , ich habe diese Reportage auch gelesen.
Fand sie gut, wenn auch manchmal langatmig.
Und die Mühe für dies Alles ist beachtlich.
Demnach ein danke von mir an dich, für den Versuch hier etwas Neues zu starten.
Hi,
05.08.2010, 08:24 von chrissishikarialso ich fand deine Geschichte(n) spannend und habe sie gerne gelesen. Muss zugeben, dass eben auch auf Sueddeutsche.de oder Spiegel das Panorama immer meine erste Anlaufstelle ist.
Ich dachte ja "Livereportage" bedeutet, du stellst mehrmals am Tag was ein. Also mehr Artikel, dafür kürzer.
Gerade auch so Sackgassen wie "Okay, ich bin jetzt von meiner Neugierde getrieben an eine Adresse gefahren, an der früher mal eine WG mit Kontakt zu Susan Wade lebte. War keiner mehr da. Hier noch ein Foto davon, wie das Klingelschild heute aussieht".
Lob an dein Engagement nicht nur bezüglich der Recherche, sondern auch in Bezug auf die Interaktion mit den Usern.
Ich finde es prinzipiell sehr gut, dass du dir die Zeit genommen hast, auf alle Einwände einzugehen. Und auch, dass du versucht hast, aus der nicht-sachlichen Kritik noch rauszukitzeln, was denn jetzt stört. (Was dir aber ja nicht gelungen ist, wie du auch in dieser Bilanz erkannt hast. Was aber ja nicht dein Verschulden ist. Was aber trotzdem traurig ist.) Aber diese Rückmeldung ist eben etwas, was im normalen redaktionellen Alltag auch kaum bezahlbar sein dürfte. Kostet ja unglaublich viel Zeit.
Wobei wir auch schon bei der nächsten Vermutung von mir wären: Das was du jetzt hier geleistet hast, ist nichts, was du auf Dauer leisten wirst / leisten willst. Weil einfach der Stundenlohn vermutlich weit unter dem liegt, was ich vor zehn Jahren fürs Regaleeinräumen im Supermarkt bekommen habe.
Absoluter Turn-off war allerdings die Darstellungsform. Also wenn ich einen halben Meter runterscrollen muss, das ist doch einfach nur ätzend!!
Auch ein bisschen mehr Bebilderung als diese doofe Justitia-Illustration, die schon vor 3 Jahren im Studienführer von Che oder Zeit Campus verwendet wurde, hätte ich mir gewünscht.
Ich wünsche dir viel Erfolg für die Zukunft & werde in der Hoffnung auf Interessantes auch mal öfter bei print wuergt vorbeischauen. Musst uns ja dann noch von deinem Termin mit der Staatsanwaltschaft berichten.
I
Ich finde deine Livereportage gut. Ich hab sie gerne gelesen, schade, dass alle hier so negativ darauf reagieren.
04.08.2010, 21:33 von nici184@nici184 Danke!
04.08.2010, 21:35 von michalis_pantelourisrichtig entfalten und die Möglichkeiten einer solchen Live-Reportage in Interaktion mit Lesern ausschöpfend, wäre sie auf gesellschaftliche Brandherde angewandt, die noch "lebendige" und ebenso trübe Zu- und Umstände (wie in vorliegendem Fall) mit den neuen Mitteln der vierten Gewalt konfrontieren.
04.08.2010, 17:03 von schaubyich habe den "empfehlen-button" nicht vermisst, weil ich bei (professionellen) artikeln überhaupt gar keinen erwarte. für mich dienen diese buttons ausschließlich dazu, einem autor rückmeldung darüber zu geben, ob seine privaten, kleinen oder großen textchen lesenswert sind und er an der sache dran bleiben soll. und selbst dann vergesse ich diesen button oft schlicht und ergreifend, weil sie, eigentlich, ja auch ganz schön bescheuert sind - das ganze virtuelle leben (auch das noch!) mit daumen-hochs zuzupflastern anstatt eine fundierte meinung zu hinterlassen erscheint mir schon arg kindisch.
04.08.2010, 16:18 von ka.tharinagut...(fundierte) meinungen sind ja zu dieser livereportage dagelassen worden, von daher ist doch dieser button auch nebensächlich. die diskussion um dieses "experiment" ist ziemlich unangenehm geworden, auch einige einträge zu diesem fazit finde ich mehr als unpassend. aber jeder wie er meint und auf der neon.de-plattform scheint man ja mehr als tolerant zu sein.