la_lionne 18.08.2009, 15:47 Uhr 3 1

Ein Tag am Meer

Die Sonne scheint, die Möwen kreischen und ein kleines Mädchen spürt den warmen Sand an ihren Füßen.

Den Kopf an einen angeschwemmten Baumstamm gelehnt, liegt sie und betrachtet die Wellen. Eins, zwei, eins, zwei .. In einem Rhythmus, dem Herzschlag sehr ähnlich, schlagen die Wellen an den Strand. Sie lecken dann und wann an ihren Füßen und jedes Mal lächelt sie verzückt. Sie übt den Rhythmus ihres Atems an den der Wellen anzupassen. Eins, zwei, eins, zwei ..
Sie scheint entrückt, entspannt und nicht mehr ganz auf dieser Welt zu sein.

- Swuuusch -

Der blaue Himmel verschwindet und wird durch eine fleckige, von Schimmel befallene Blümchen-Tapete ersetzt. Die Sonne scheint nicht länger hell und warm, sie surrt und blinkt ganz klein und rot. Der Baumstamm wird zu der Kopflehne eines ehemals gelben Kinderbetts und der beruhigende Rhythmus der Wellen wird zu einem beunruhigenden Stöhnen. Vielleicht mehr ein Ächzen. Die Federn der alten Matratze und der schwitzende Mann über ihr ächzen und stöhnen um die Wette. Es stinkt nach Moder und nach längst gestorbenen Träumen. Ihr wird schlecht, sie versucht die Wellen wiederzufinden. Wo ist bloß der Baumstamm? Sie kneift die Augen zusammen und konzentriert sich.


Langsam blättert die gammelige Blümchen-Tapete ab, nach und nach verblassen die Wände und sie kann das Meer wieder riechen. Sie seufzt leise und vergräbt ihre kleinen Füße im Sand. Ihre Muskeln entkrampfen sich, während der Sand durch ihre Finger rieselt. Sie hält ihre Nase in den Wind und freut sich, als dieser ihr zärtlich die Haare zaust.
Sie schmiegt ihre Wange an den Sand und spürt wie sich die Wärme auf ihrer Haut ausbreitet.


Mit einem Mal fängt ihre Wange an zu brennen, es wird unangenehm heiß und prickelt auf der Haut. Sie blinzelt, versucht mit ihrer kleinen Hand ihre Wange zu berühren und scheitert. Sie kann ihre Hand nicht bewegen, irgend etwas hält sie fest. Das macht ihr Angst. Sie zieht und zerrt und bemüht sich, ihre Tränen zurück zu blinzeln. Nichts funktioniert. Mit Panik und mit all ihrer Kraft versucht sie aus dem Griff des Unbekannten frei zu kommen und reißt sich fast die Hand ab.


Durch den Schmerz, der jetzt nicht nur in ihrer Wange pulsiert, sondern auch das Handgelenk zum Prickeln bringt, verliert sie ihre Konzentration. Aber das ist nicht das einzige, was sie in dieser Nacht verlieren wird. Ihre Strandwelt verschwindet erneut und mit ihr das letzte bisschen Kraft.


Als sie das Ächzen der Matratze und das Stöhnen des schwitzenden Mannes wieder hört, gibt sie auf. Ein Traum rollt aus ihren Augen und als er auf dem Boden aufschlägt, zerbirst er in winzig kleine Stücke.


Später am Abend, sie ist allein. Gefangen in einem Käfig aus schimmeligen Blumen versucht sie ihren Traum zusammen zu flicken. An den spitzen Kanten sticht sie sich ihre kleinen Finger wund, aber sie wird nie aufhören

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    "Ein Traum rollt aus ihren Augen und als er auf dem Boden aufschlägt, zerbirst er in winzig kleine Stücke."

    Beklemmend und traurig.
    Ich hoffe nicht, dass der Text authentisch ist und falls doch, hoffe ich für dich, dass dir das Schreiben hilft.

    21.02.2011, 15:35 von Jackie_Grey
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    Ich will sie retten, war mein erster Gedanke...
    Trauriges bekanntes Thema.
    Dein Schreibstil gefällt. :)

    18.08.2009, 18:26 von NurSo...
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    ;´(

    18.08.2009, 18:08 von MissChaos
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