nini-fee 30.11.-0001, 00:00 Uhr 3 1

Ein dickes Buch am Rande

Du sagst ich bin wie ein dickes Buch. Du hast nichts gegen Bücher, erklärst du, aber momentan bist du eher im Magazinmodus.

Du sagst ich bin wie ein dickes Buch. Du hast nichts gegen Bücher, erklärst du, aber momentan bist du eher im Magazinmodus.

Das ist schade, sehr schade. Also für dich. Für mich ist das okay, ich kann ja einfach umblättern und ein neues Kapitel beginnen, in dem du nicht mal mehr mit einem Wort erwähnt wirst.

Aber du? Oh man, wenn ich an all die Magazine denke, die so rumlaufen... Mit ihren paar Seiten, auf denen jedes Mal ein neues Thema angefangen wird, angeschnitten und dann doch nicht ganz ausgeführt. Mit den vielen bunten Bildern, die auf aufregende und spannende Themen hindeuten sollen. Mit dünnen Seiten, die so schnell reißen - und plötzlich hast du dann doch nichts mehr in der Hand.

Vielleicht hast du ja ein Monats Abo. Oder ein wöchentliches. Vielleicht holst du dir auch jeden Tag ein neues Magazin, vielleicht auch unterschiedliche - wann du wohl merkst, dass im Endeffekt doch alle gleich sind? Dass Magazine oft ganz nett aber irgendwo dann doch nicht das Wahre sind?

Du sagst, ich bin wie ein dickes Buch. Du sagst das so daher, mal eben am Rande. Ganz beiläufig. Und doch bringt es mich zum Nachdenken. Ja, ich bin wie ein dickes Buch. Mit Seiten voller Geschichten, mit Spannungsverläufen, Dramen und Kehrtwendungen. Mit unbeschriebenen Seiten, die noch gefüllt werden wollen. Auf denen du wahrscheinlich nicht mehr vorkommen wirst, höchstens mal eben am Rande. Ganz beiläufig.

Kaum erwähnenswert, aber doch auf jeden Fall einmal aufgeführt, es gilt doch alle Seiten zu füllen und auch du bist Inhalt meiner Gedanken und meiner eigenen Selbstfindung.

Durch dich weiß ich jetzt: Ich bin wie ein dickes Buch. Ein Buch, auf der Suche nach anderen Büchern, deren Seiten Querverweise auf die meinen beinhalten. Nach Büchern, die auf meinen Seiten kleine und große Rollen spielen. Sich vereweigen und mit mir verändern, und mich durch sie. Was ist schon ein Magazin? Ein Blickfang, ein Lückenfüller, ein kurzer Gedanke. Ein Nichts im Laufe der Zeit.

Ja, ein dickes Buch bin ich. Mit starkem Einband. Du hast nur den Prolog gelesen. Wobei... Können Flyer überhaupt lesen?


Tags: dickesbuch, Oberflächlichkeit, duFlyerdu
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3 Antworten

Kommentare

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    Flyer können so gut lesen, wie Bücher schreiben können.

    02.11.2014, 10:10 von JackBlack
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    ich schnuppere so gern an Büchern

    02.11.2014, 10:02 von SteveStitches
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      Buchrücken



       



      Sie wickelt ihn aus dem Geschenkpapier, ist überrascht,
      weil sie den Kriminalroman und die Autorin nicht kennt und nicht weiß warum
      Dieter ihr einen Krimi schenkt. Sie lächelt, mehr freundlich als begeistert,
      umarmt Dieter und stellt das Buch zu den anderen Geschenken auf den Gabentisch.
      Spät nachts, als die letzten Gäste aus der Wohnung torkeln und stolpern,
      beginnt sie aufzuräumen. Zuerst Gläser, Geschirr und Besteck, danach die Blumen,
      die praktischen und unpraktischen Geschenke und zuletzt die Bücher.



      Die Bücher freuen sich, Bücher sind gesellige Wesen,
      jedes Buch beinhaltet viele Personen, Plätze und Ereignisse, deshalb sind
      Bücher immer neugierig andere Bücher kennenzulernen. Bücher haben auch
      Charakter, manche sind düster, manche heiter, manche wissenschaftlich, manche
      reich an Phantasie. Deshalb wollen sie am liebsten bei ihresgleichen stehen, da
      treffen sie auf ähnliche Genre und können sich austauschen und unterhalten.
      Frau Anneliese Fink ist anders als andere Bücherbesitzerinnen, sie liest sehr
      viel und überhaupt nicht. Sie hat sich eine Lesetechnik angeeignet mit der sie
      Bücher quer liest. Dabei lässt sie Seite um Seite vom Daumen fallen, sammelt
      einzelne Begriffe auf den Seiten, erarbeitet sich so einen Überblick über die
      Handlung und ist mit einem dicken Roman in kürzester Zeit fertig. So kann
      Anneliese Fink zwei oder drei Bücher an einem Tag und viele Bücher in einer
      Woche bewältigen. Sie nennt sich belesen und kann zu jedem klassischen Buch und
      zu fast jeder Neuerscheinung ihren Senf dazu geben. Der Schreibstil, die
      Formulierungen, die Bilder und Metaphern interessieren sie nicht besonders.
      Herr Fink nennt ihre Leseart Daumenkino,
      er liest überhaupt keine Bücher und wenn dann nur Bücher über Elektrotechnik,
      sein Bücherregal steht in seiner umfangreichen Werkstatt. Mit ihrem Daumenkino würde er viele Fachbegriffe,
      Anleitungen und Details übersehen und deshalb kann er sich auch nicht
      vorstellen, dass diese Lesetechnik der Mühe der Autoren gerecht wird. Aber da
      beide lieber Fliegenfischen und reisen als Lesen, ist diese
      Meinungsverschiedenheit kein Grund für Beziehungsstress.



      Anneliese Fink sortiert ihre gelesenen Bücher nach Farben. So wandert der blau eingebundene
      Krimi von John Baker, Tiefschlag,
      zwischen Max Frischs Suhrkampausgabe von Stiller
      und Sebastian Sicks Der Dativ ist dem
      Genitiv sein Tod
      . Tiefschlag
      freut sich schon über das Buch mit dem …Tod,
      bis das Werk von Sebastian Sick empört den Umschlag rümpft und den Krimi
      belehrt, dass in ihm zu viele seltsame Anglizismen vorkommen würden. Herr
      Stiller der Titelheld von Stiller hat
      Beziehungsprobleme die ein Krimibuch nicht sonderlich interessieren, es kennt
      schlimmere Probleme. Tiefschlag
      empfindet seinen Platz als Tiefschlag. Zwar stehen die Bücher im kompletten
      Farbkreis, mitsamt Zwischentönen, nach Goethe (nur an Violett mangelt es), aber
      er spürt keine angenehmen Schwingungen, die entstehen wenn sich Bücher rege
      unterhalten. Irgendwann beendet Der Dativ…
      sein Tod
      seine Ratschläge und nach einer Weile des gemeinsamen
      unbehaglichen Schweigens erzählt das Germanistikbuch seufzend: „Mein letzter
      Besitzer hat die Bücher nach dem Alphabet geordnet, nach den Nachnamen der
      Autoren, da stand ich neben einem schrecklichen Hubert Selby Roman und einem traurigen
      Wladislaw Szpilman.“ Neben ihm murrt ein blauer Thomas Brussig Helden wie wir, ich war bei einem der
      hat die Bücher nach Größe geordnet, ich war zwischen dem endlos pathetischen
      Nikos Kazantzakis Leben oder Tod und
      dem bluttriefenden Will Elliott Roman Hölle,
      das war wirklich die Hölle. Aus allen Ecken und Reihen der Bücherregale hören
      sie Jammern und Klagen bis ein hellbraunes Sachbuch, Paul Watzlawicks Anleitung zum Unglücklichsein,
      dazwischenruft: „Entweder ihr findet euch ab mit der Situation oder wir müssen
      etwas ändern.“ Sofort entwerfen verschiedene Horrorromane Szenarien wie sie die
      Buchbesitzerin in den Wahnsinn treiben. Diese Vorschläge werden von den
      lustigen oder satirischen Unterhaltungsromanen ins Lächerliche gezogen und erst
      die Autorität des Dudens bringt die verschiedenen Parteien zur Ruhe. Nun meldet
      sich die Cremefarbene Taschenbuchausgabe des talentierten Mr. Ripleys von Patricia Highsmith zu Wort: „Ich finde
      den Vorschlag unserer finsteren Gesellen durchaus amüsant, ich denke es wird
      sich nichts ändern solange die Beiden weiterhin unsere Besitzer sind. Eine
      gravierende Änderung im Gefüge der Finks ist von Nöten.“



      Eines Abends, Herr Fink möchte gerade ins Bett gehen
      während seine Gattin noch eine Fernsehdiskussion verfolgt, da fällt ihm Von der Liebe und anderen Dämonen von
      Gabriel Garcia Marquez auf den rechten Fuß.



      Weil er bereits umgezogen ist aber wegen der Schmerzen im
      rechten Fuß nicht mehr schlafen kann, beginnt er das Buch zu lesen. In den
      Folgenden Wochen liest er die dunkle
      Seite der Liebe
      von Rafik Schami und Wem
      die Stunde schlägt
      von Ernest Hemingway. Im April verreisen die Finks für
      zwei Wochen nach Schottland.



      Als sie wiederkommen machen sie keinen sonderlich
      erholten Eindruck. Sie gehen sich aus dem Weg, Frau Fink stichelt ihren Mann
      jetzt öfter, er schreibt dafür umso intensivere E-Mails zu einer gewissen
      O´Hara. Zuerst denken die Bücher er will seine Englischkenntnisse aufpolieren,
      bis das Englischwörterbuch sie über alle Einzelheiten seiner leidenschaftlichen
      Romanze mit Miss O´Hara aufklärt. Es steht im Regal genau gegenüber dem
      Computer und kann so einiges mit verfolgen und er stöberte in ihr nach Wörtern
      wie ‚Passion‘, ‚Tender‘ und ‚Lust‘. Herr Fink hat die Angewohnheit das Wort
      anzutippen, wenn er es findet. Sie erzählt allen, dass es sich um eine rassige,
      dralle, Rothaarige aus den Highlands handelt, die ihm diverse Bilder schickt.  



      Es kommt wie es kommt, Frau Fink überrascht ihn bei
      seiner Korrespondenz mit der Beauty aus Beauly und macht ihm eine fürchterliche
      Scene die angestachelt wird durch die stillen Zurufe der Liebesromane und
      Beziehungssachbücher, die Horror- und Kriminalbücher genießen schweigend.



      Bald werden die Bücher getrennt, nicht nach Farben, Frau
      Fink packt sie wild durcheinander in Kartons. Der Krimi, den ihr Dieter
      schenkte, verreist gemeinsam mit Märchenbücher und Bildbänden. Er fühlt sich
      wohl und wird die Bilder und Geschichten später vermissen. Aber eine Frau Klappenbach
      nimmt ihn heraus und ordnet ihn ein, unter dem Aufkleber ‚Krimi für Mimmi‘.    



      02.11.2014, 10:03 von SteveStitches
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