Flora_Saindoux 06.02.2013, 11:35 Uhr 2 6

Ein Bahnhofsgespräch

Erkenne deinen Fremden. Und lass los.

Und plötzlich ist da ein Fremder und fängt an zu fragen:

„Junge Dame, darf ich Ihnen helfen die Tasche zu tragen?

Sie sieht so schwer aus, was ist denn da drin?“

„Ach wissen Sie Fremder,damit weiß ich selbst nicht wohin.

In dieser großen Tasche ist all das, was ich habe,

Sie ist voll mit Erinnerungen, die ich noch mit mir trage.

Die Tasche ist schwer, doch ich kann sie nirgendwo lassen,

Aber Fremder, ich habe Angst meinen Zug zu verpassen.“


Er nimmt ihre Hand, blickt sie an mit Bedacht:

„Ich bin nur ein Fremder und ich komm' aus der Nacht,

Doch möcht' ich nun sagen, mir ging es wie Ihnen,

Auch meine Gewinne, waren selten das, was sie schienen.

Ich täuschte mich oft und lies mich oft blenden

Und lernte erst spät, fällige Dinge zu beenden.

Auch ich hatte einen Koffer, viele Jahre bei mir,

Er war voll mit bunten Dingen, und ich hielt sie für Zier,

Doch merkte ich bald, die Tasche wird schwer,

Sie alleine zu tragen, das schaff ich nicht mehr.

Die Zier wurde zur Last, Balast, nicht mehr tragbar

Ich trennte mich von ihr, zunächst schien es machbar.

Ich wusste nichts anzufangen mit den alten Dingen

Ohne Gewicht an den Füßen schien es schwerer aus dem Fenster zu springen.


Mein heutiger Wunsch: ich hätt' nicht alles weggeschmissen

Hätt' nochmal nachgedacht, appelliert an mein Gewissen.

Vielleicht wär' jemand gekommen, den Koffer zu nehmen

Eine Zeit ohne Gewicht, jetzt würde's mir besser gehen.

Vielleicht käm' auch ein Fremder, um mich kurz zu fragen

ob er mir helfen dürfe meinen Koffer zu tragen.“


Tags: abschalten, Fremder
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2 Antworten

Kommentare

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  • 0

    oder das Kreuz?

    07.02.2013, 01:10 von SteveStitches
    • 1

      Jeh nach Interpretation, auch das Kreuz

      07.02.2013, 08:21 von Flora_Saindoux
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