ichundalldieanderen 19.02.2017, 00:19 Uhr 16 4

Dünnhäuter

Ich wünsche mir ein dickes Fell

Ich wünsche mir ein dickes Fell. Eines, das mich warm hält in der von kalten Worten regierten Eiszeit.
Ich wünsche mir ein Fell, das mich schützt vor Spott und Neid und Empathielosigkeit meiner Mitmenschen.
Ein Fell, das mich abschirmt gegenüber derben oder spitzen Worten.
Ein Fell, in dem der bissige, dissonante Akkord ungleich schwingender Seelen verpufft oder weit in den Hintergrund gedrängt wird, bis der Klang nichts ist, als ein bedeutungsloses Hintergrundrauschen
Das Fell, von dem ich träume, ist dicht und flauschig. Es gibt meinem Innenraum Konturen, ohne ihn zu zerquetschen. Es rahmt und stärkt mein Selbst.

Doch ich bin ein Dünnhäuter, umsäumt von einer sehr feinen Membran. Sie ist hart wie Stahl und doch diffundiert alles Zerstörerische durch sie und mich hindurch und wieder hinaus. Jedes dahergesagte Wort, jeder Augenaufschlag und jede Vibration der Seelen um mich herum trifft mich mit voller Wucht, als wäre ich nackt und wund wie rohes, gehäutetes Fleisch.
Meine dünne Haut ist haarlos und rau wie die Schuppen einer Schlange. Und sie ist starr. Wie ein straff geschnürtes Korsett, zwingt sie mich in eine fremde Form. Es zwickt mich überall und das Atmen fällt mir schwer.
Tag für Tag versuche ich die Haut zu dehnen, mich auszubreiten. Und ich gewöhne mich an die begrenzte Grenzenlosigkeit, an die Tiefe und Weite meines Fühlens. Ich frage mich, ob es denen, mit dem dicken Fell, vielleicht früher auch so ging wie mir, ob auch sie Dünnhäuter waren. Vielleicht kann der Mensch sich ein dickes Fell wachsen lassen. Vielleicht steht jedes Haar für eine Situation, einen Gedanken, eine Handlungsabfolge, geprägt von systematischer Diffusion: Ich nehme auf was bleiben und lasse los was gehen soll. IIch lasse mich vereinnahmen und rühren, aber ich lasse mich nur BErühren, wenn ich berührt werden will. So wächst etwas. So ensteht ein neuer Stoff - vielleicht ein Fell? Irgendwann werde ich mich in mir einkuscheln können. Es dauert nicht mehr lange.


Tags: dünnhäutig, alleine, Wunsch, widerstandsfähig, Resilienz
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16 Antworten

Kommentare

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  • 2

    Denke schon,  dass man sich ein "dickes Fell"  in der Beziehung wachsen lassen kann/sollte.


    Duennhaeutigkeit , die uns eine Hypersensibilitaet  beschert, ist nicht immer angebracht und macht uns sehr oft verletzlich. Sogar bei kleinsten  verbalen Attacken.  Diese Verletzlichkeit   macht uns schwach und abhaengig.   Deshalb:  Lege dir ein dickes Fell zu, liebe "ichundduundalldieanderen".  Antrainieren  !   Besonders bei Neon brauchst du ein dickes Fell,  weil mobbing und bashing auf dem Tagesprogramm stehen :-)

    hab ein feines Wochenende !

    04.03.2017, 13:45 von Dr_Lapsus
    • 0

      Ein narzisstisch extremst Gestörter regt sich über also über angebliches "Mobbing und Bashing" auf.


      Was sucht eine Person deines Alters eigentlich auf einer Seite für junge Leute? Diese Frage stellen sich hier viele. 

      Ich kann es dir sagen: Du suchst krankhaft Aufmerksamkeit egal welcher Art, wie hier jeder sehen kann. 

      Du hast nicht nur ein "dickes" Fell, sondern jedes Gefühl für Anstand, Recht und Sitte verloren. Aus dem Grund hältst du dich in einem Land auf, das mit Deutschland kein Auslieferungsabkommen hat. 

      Ich denke das spricht für sich bzw. gegen dich. Meine Beweisaufnahme geht übrigens weiter. 

      04.03.2017, 14:21 von EC_Lino
    • 1

      dann beeilich dich mal mit der Beweisaufnahme. Denn bist jetzt bist du ein Straftaeter !!

      04.03.2017, 14:51 von Dr_Lapsus
    • 0

      Denn bis  jetzt....

      04.03.2017, 15:01 von Dr_Lapsus
    • 0

      Du weißt offenbar nicht, wovon du sprichst. 

      04.03.2017, 15:21 von EC_Lino
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  • 0

    Jau... Hätte ich manchmal auch gerne.

    04.03.2017, 10:46 von sailor
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  • 0

    Aber, aber..

    Ein Leben auf Kissen geh'n ist das Aufregendste, das wir erleben. :)
    Liebe Grüße durch die Stadt!

    04.03.2017, 10:22 von Tora
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  • 3

    wenn die Tore weiter zur Welt auf sind, kommt eben nicht nur fabelhaftes intensiver hinein. Das ist ja auch gut, schließlich lehrt nichts besser den Umgang, als die ständige Probe daran. Insofern geht es ja auch nicht um eine Abschirmung (Fell), sondern eher um die Sortierung. Je mehr man im Erfahrungsprozess bewusst zulässt, aushält, gerade wenn es schwer ist, lernt daran, wie sich die Dinge gestalten und verhalten, desto weniger muss man sie fürchten, desto weniger begrenzen sie das Erleben.   

    24.02.2017, 12:23 von schauby
    • 2

      Ja, auch sehe durchaus die positiven Aspekte :) Ich denke nur, eine gesunde Abschirmung ist notwendig und wichtig, zumindest um in gewissen Momenten einen klaren Kopf zu bewahren und sich dann wieder einlassen zu können.

      24.02.2017, 13:53 von ichundalldieanderen
    • 2

      meiner Erfahrung nach ergibt sich die "Abschirmung" schon dadurch, dass Eindrücke bewusster und klarer "einsortiert", zugeordnet werden können. Das Gefühl von Überforderung, gar Angst ist ja ein Resultat von der benannten Diffusion. 

      Gesund, im Sinne eines Wachstums- /Entwicklungsprozess', ist meiner Meinung nach nicht, die Streuung, die Unordnung zu verdrängen ,abzuschirmen sondern durch bewusstseinsgerichtete Sammlung der Fülle standzuhalten, dem gewissermaßen Name und Hausnummer zu geben, die das "gefühlige Chaos" von bewusster Orientierung unterschieden. 

      Dass das nicht einfach auf Zuruf oder Fingerschnipp geht, ist klar.

      Es geht eher um die bewusste Bereitschaft sich nicht so schnell von Gefühlen und Affekten überrollen zu lassen, um mehr Handlungsspielraum und Alternativen zu schaffen, als die Gewohnheit nicht möglich macht.   

      25.02.2017, 00:58 von schauby
    • 2

      Ich muss leider, was mich persönlich betrifft, immer wieder die Erfahrung machen, dass Bewusstwerdung, Reflexion und Einordnung nur begrenzt Wirkung zeigen. Ich habe mit der Zeit das Einsortieren durchus gelernt, will ich meinen, und ich belege viele Psychologieveranstaltungen im Rahmen des Studiums :-D , aber am Ende läuft alles auf bröckeliges Selbstbewusstsein hinaus, das kriege ich nicht geklebt :-D Aber ja, ich habe auch gelernt das zu Akzeptieren und gleichzeitig immer weiter an mir zu arbeiten :-) Grundsätzlich gebe ich dir recht...das Einsortieren und Kategorisieren - eben Reflektieren ist überlebensnotwendig

      25.02.2017, 10:12 von ichundalldieanderen
    • 0

      das direkt Erfahrung, genauer: Erprobung machen, klappt auch viel eher im freien Feld als in Klausur.

      wie Einstein richtig sagte: 
      "Die Theorie bestimmt was wir beobachten können." 

      und ich ergänze: nur die Praxis schafft neue Wirkung. :)

      25.02.2017, 14:02 von schauby
    • 0

      Ps. 

      was is nicht begrenzt ? 

      geht ja immer um Schritte.

      25.02.2017, 16:59 von schauby
    • 3

      Ja schon klar, dass es um Erfahrungswissen geht :) Aber theoretisches Grundwissen kann ja durchaus hilfreich sein.
      Ich meinte, die Effekte von den Dingen, die du beschreibst (Bewusstwerdung, Einordnung) sind begrenzt. Die Gefühle bleiben wie sie sind, meine Bewertung ändert sich vielleicht, doch es bleibt anstrengt sich nicht überwältigen zu lassen

      25.02.2017, 20:14 von ichundalldieanderen
    • 0

      Ich finde es gesund, manche Fragen auch einfach offen zu lassen. Das meiste lässt sich so und auch anders sehen. Eindeutigkeiten braucht es dann allerdings für Entscheidungen. Ja, das Leben ist nicht immer einfach, aber man muss es auch nicht durch die heute immer wieder bemühte "Selbstreflexion" unnötig verkomplizieren ;) 


      Ein schönes WE!

      04.03.2017, 15:51 von EC_Lino
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