deeli 02.07.2007, 12:41 Uhr 4 0

Don't impose - Die Höflichkeitskolumne

2. Juli – Jubiläumsfazitskolumne

Mittlerweile schreibe ich nun schon ein Jahr die Höflichkeitskolumne. Es wird also Zeit für einen Rückblick, was alles passiert ist in diesem Jahr.
Begonnen hat alles aus einer Laune heraus mit dem Gedanken, dass es sicher viele Fälle im Alltag gibt, die durch eine Höflichkeitsbrille gesehen, interessant zu berichten wären. Dass dies allerdings so viele Phänomene sind, dass es doch relativ einfach war, ein Jahr lang jede Woche ein Phänomen zu zeigen, das erstaunt mich nun doch.
Und es sieht nicht so aus, als wäre bald ein Ende in Sicht!
Höflichkeit zieht sich durch alle Bereiche des Alltags, wenn wir uns erinnern, von reiner Kommunikation über soziales Verhalten, vom Warten in Kassenschlangen mit unerzogenen Kindern, vom Warten auf Freundinnen, die lieber Gilmore Girls gucken, von Busfahrer, Bahnfahrern, Taxifahrern. Von Freundlichkeit im Elektronikfachmarkt, unverschämten Kellnern, Bettlern und Kontrolleuren, bis hin zu Leuten, die mir im Kino den Film erklären wollen, mich verkuppeln wollen und eben jenen, die ein Anstandsstück liegen lassen. Höflichkeitsphänomene sind so allgegenwärtig, dass sie kaum noch auffallen.
Ist es nicht faszinierend, dass die Masse der Deutschen, wenn sie befragt werden, behaupten, dass Höflichkeit als Wert für sie sehr wichtig sei und dass die Phänomene, die ich beobachtete, da doch teilweise eine ganz andere Sprache sprechen?
Doch Gott sei Dank gibt es ja auch noch die Ausreißer auf der höflichen Seite. Busfahrer, die ein Ticket verschenken, Taxifahrer, die einem „Joot Naach!“ durch die Nacht hinterherbrüllen, Nachbarn, die sich für laute Waschmaschinen entschuldigen.
Eines allerdings hat sich in diesem Jahr verändert. Natürlich nicht das Verhalten der Deutschen in ihrer Gesamtheit, nein, das nun doch nicht.
Aber in meinem Freundeskreis hat sich mittlerweile ein Bewusstsein für Höflichkeit entwickelt. Mir werden Türen aufgehalten, mir wird die Jacke abgenommen und aufgehängt, ich werde freundlich und höflich gegrüßt und verabschiedet. Bei mir meldet man sich ab, wenn eine Verabredung ausfallen muss, und das nicht nur kurzfristig, sogar eine zweiminütige Verspätung wird per Kurzmitteilung mitgeteilt.
Auf den Punkt bringt es ein Freund, mit dem ich zusammen mit einem Bekannten einen Kaffee trinken gehe. Der Bekannte holt sein Mobiltelefon heraus und beginnt eine Kurzmitteilung zu verfassen. Mein Freund wendet sich zu ihm und sagt: „Das ist unhöflich! Ich würde das nicht machen!“ Der Bekannte antwortet darauf: „Wieso?“
„Na, nachher schreibt sie noch die nächste Kolumne über dich!“

4 Antworten

Kommentare

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    Herzlichen Glückwunsch zu einem Jahr Kolumne.
    Freut mich sehr.
    Und ich freue mich auf mehr.

    (-:

    02.07.2007, 18:07 von Zmivv
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    Ein bisschen unhöflich sein zu dürfen, muss in den Alltag mit einbaubar sein, muss man aushalten können. Denn die Höflichkeit (oder -skolumne) wie ein Damoklesschwert oder auch nur ein fuchtelnd drohender Moral-Zeigefinger im Nacken spüren zu müssen, ist ebenfalls unhöflich. ;)

    Trotzdem: Schöne Sichtweisen, die man so mitbekam bisher...
    :)

    zz.

    02.07.2007, 13:59 von zzebra
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