Dietrich Mateschitz verschenkt Privatjets
Red Bull für alle!
Wer kennt ihn nicht, den Mann, dessen ruhmreiche Taten Legion sind, auch und vor allem in diesem Land? Dietrich „Didi“ – The Dietz – Mateschitz, die weißhaarige kinnkantige Gesichtsverwitterung mit den zwei strahlenden Zahnreihen; schlanker als Frank Stronach, älter als Christian Niedermeyer (dessen typinduzierte Zukunft gar, mag mir irgendwie scheinen), so ziemlich alles mehr als Fiona Swarovski (aber wer ist das nicht?) und definitiv männlich-herber als Karl Philipp Wlaschek. (Aber wer ist das nicht?) (Auf jeden Fall Fiona Swarovski.)
Ja, wir kennen die Legende: Geboren 1944 in St. Marein im Würztal und also nur zwei Möglichkeiten: Milliardär werden oder untergehen. Die trostlose Jugend, so ganz ohne Mobiltelefon, Internet und eigene Flugzeugsammlung. Später Bummelstudent, ungezählte Semester lang, einer dieser unzähligen langhaarigen, dieses Grüne da wählenden Öko-Kiffer an der Hochschule für Welthandel in Wien; - man kennt sie; die üblichen Verdächtigen. In der logischen Folge danach im Marketing tätig, enden dort nicht alle Langzeitstudenten? Und wenns nur Marketing für den Taxameter ist.
Aber dann, 1984, endlich, ist es soweit: ORWELL ... ähm … RED BULL wird gegründet. Also die GmbH. Sie wissen: das urinfarben-giftige Gebräu, das nach in Gummibärchen eingeschmolzenen Metallteilen schmeckt. Vollgestopft mit Koffein, Taurin (Stichwort: Stierhoden) und Glucuronolacton (ein Kolenhydrat). Immerhin in Dänemark, Norwegen und Frankreich als normales Getränk im Verkauf verboten und als Medikament eingestuft (Stichwort: Taurin). Von da an geht’s streng bergauf, und zwar bis
a) Zu einer der größten österreichischen Weltmarken (neben Palmers, Manner und Swarovski)
b) zum Weltmarktführer bei Energydrinks und
c) Platz 3 der österreichischen Reichstenliste, was Platz 287 in der Weltreichstenliste ergibt.
Ein Mythos also. Ein moderner Mythos. Und, wichtiger: ein österreichischer. Haben wir doch alle einen potenziellen Didi in uns, der sich verwirklichen würde, hätte er nur, ach, die Gelegenheit dazu. Zumeist verhält er sich ja relativ ruhig, dieser innere Didi, meistens kommt man mit ihm aus. Man füttert ihn mit ein bisschen „später“ und „Vielleicht“ und „hätte/wäre“ und „Ich hab doch …“ - Dann gibt er Ruhe. In der Regel. Ausnahmen: Montagmorgen, spät nachts und in Verbindung mit Alkohol. Da läuft er Amok und heult vom Hausdach den Mond an, bis die Polizei ihn runterschießt.
Unschön. Und äußert sich so: Alle haben sie für ihn gearbeitet. Alle. Okay. Alle müssen sie davon erzählen. Alle. Okay. Alle haben sie Trinkgeld kassiert, von Fünzigeyposscheinen aufwärts, nonchalant hingeworfen. Okay. Alle kennen sie den Didi, ein lässiger Kerl. Und alle, alle, alle, alle sind in seinem Privatjet mitgeflogen. Oder wenigstens dringesessen. Oder davorgestanden. Oder haben eine Postkarte davon gesehen … etc. Das ist das Nonplusultra, die Siegelprägung der geheimen Mateschitz-Bruderschaft, der ultimative Ritterschlag, etwas, was man nicht macht, sondern gemacht hat:
„Hab ich die Kisten hingebracht in den Red-Bull-Hangar, verstehst, drückt er mir einen Fünfziger in die Hand …“
„Ich düs nach Tunesien, mim Privatjet vom Mateschitz …“
„Sind wir rausgangen aus der Halle, hat er gsagt, schau, das ist meine Sammlung, und Alter, da sind sie gestanden, die Flugzeuge …“
„Der hat da so einen Typ, einen Rumänen glaub ich, der zeichnet dem die Fernsehwerbungen, das kostet ihn nix, verstehst, der ist nicht blöd, der Mateschitz …“
Etc, etc, ad infinitum, ad infinitum. Um das klarzustellen: Der Feind ist nicht Dietrich Mateschitz. Dietrich Mateschitz ist super. Ich liebe Dietrich Mateschitz und weiß rein gar nichts von ihm, oder über ihn, außer dem, was in den Medien kommt, also nichts. Im Grunde gibt es überhaupt keinen Feind – nur die abgrundtief traurige Traurigkeit und den Gestank verfehlter und vergeudeter Leben, das trostlose Montagmorgengrau der unbarmherzigen Realität – diese Menschen GEHÖREN wirklich in einen Privatjet, nicht zwingend in den von Mateschitz, sondern in IRGENDEINEN. Weil man auf diese Art Mensch sein muss, um das überhaupt zu WOLLEN. Und gleichzeitig (Ironie, Ironie) ist die Voraussetzung dafür, diese Art Mensch zu sein eben auch die absolute Gewissheit, genau das nie zu schaffen. Die Dialektik dieser Art Menschheit. Ein schöner Titel, hätte ich nicht schon einen. Naja, eventuell für die Sponsion, falls das doch noch mal was wird.
Also seid gut zu ihnen, den Mateschitzianern, den Swarovskinesen, den wimmelnden Ameisen unter dem imaginären Absatz großer Namen, oder was man dafür hält; all den armen Irren, die sich Adelshochzeiten im Fernsehen ansehen; - den wahren Gläubigen des Mythos. Lasst Milde walten. Sie wissen nicht was sie tun, nur, dass sie etwas tun müssen. Ich weiß, es fällt schwer. Manchmal hilft es, sich das Ganze als mehr oder weniger leicht ausgeprägte Behinderung vorzustellen. Zumindest mir. Rede ich mir ein.
Ausgenommen: Montagmorgen, spät nachts und in Verbindung mit Alkohol.






Kommentare
ach schön. Und unverdient unbeachtet (wahrscheinlich wegen des Österreich-Bezugs).
11.05.2009, 20:33 von sohalt