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Die schweigende Mehrheit

ABTREIBUNG ist straffrei in Deutschland, aber immer noch ein gesellschaftliches Tabu. Das Schweigen geht auf Kosten der Frauen: Sie sind mit ihrer Entscheidung oft völlig allein.

Nadja ist neunzehn Jahre alt, als sie ungewollt schwanger wird. Dabei hatte das Jahr so gut angefangen: Nach Realschulabschluss und einem Jahr Ausbildung zur Krankenpflegehelferin rückt ihr Traumberuf endlich in greifbare Nähe - sie findet einen Ausbildungsplatz als Krankenschwester in einer Bonner Klinik. Doch nach vier Monaten im neuen Job wird Nadja schwanger. »Wir haben doppelt verhütet, mit Pille und Kondom. Ich wollte nichts riskieren«, betont sie. Der Kindsvater, eine flüchtige Affäre, ist entsetzt: »Treib die Scheiße ab oder ich mach dir das Leben zur Hölle«, droht er. Nadja bleibt unbeeindruckt, doch sie sieht selbst keinen anderen Ausweg: Sie hat Angst, ihre Ausbildung mit Kind nicht fortsetzen zu können. Andererseits war sie immer gegen Abtreibung. »Mein Herz sprach eine völlig andere Sprache als mein Verstand«, sagt sie rückblickend. In ihrer Verzweiflung vertraut sie sich damals ihren Freundinnen im Wohnheim an - ein Fehler, wie sich bald herausstellt. »Meine Zimmertür wurde beschmiert, ich erhielt anonyme Schmähbriefe«, erinnert sich die heute 23-Jährige. Selbst ihre besten Freunde sind ihr keine Hilfe, distanzieren sich von ihr: »Die konnten nicht damit umgehen, dass ich in dieser Zeit so viel geweint habe.« Trotz der Anfeindungen lässt sie die Abtreibung vornehmen. Sie zieht nach Freiburg, setzt dort ihre Ausbildung fort. Ihren Eltern hat sich Nadja bis heute nicht offenbart: »Meine Mutter ist sehr katholisch, es würde sie wahnsinnig verletzen.«

Beinahe jede siebte Schwangere in Deutschland entscheidet sich gegen ihr Kind. 2007 gab es hierzulande knapp 117 000 Abbrüche. Doch Abtreibung scheint in unserer Gesellschaft mit einem Sprach- und Bildtabu belegt zu sein. Dabei wurde das Thema vor 38 Jahren schon einmal an die Öffentlichkeit gezerrt: Im Juni 1971 titelte der stern mit dem provozierenden Geständnis: »Wir haben abgetrieben. « 374 Frauen, darunter auch Prominente wie Romy Schneider, bezichtigten sich in der Zeitschrift selbst der Abtreibung, die damals noch illegal war. Die Aktion löste landesweite Diskussionen um den Paragrafen 218 aus. Frauen gingen auf die Straße und skandierten »Mein Bauch gehört mir«, sie forderten das Recht auf Selbstbestimmung und die Abschaffung des Paragrafen.

Inzwischen sind Schwangerschaftsabbrüche hierzulande zwar immer noch rechtswidrig, aber straffrei. Die Indikationsregelung wurde 1995 durch die Fristenlösung ersetzt, die es Frauen ermöglicht, in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen abzutreiben - nach erfolgter Beratung bei einer staatlich anerkannten Einrichtung wie etwa Pro Familia oder einem Familienplanungszentrum. Doch die Straffreiheit führt nicht automatisch zur gesellschaftlichen Akzeptanz. Marina Knopf, die seit achtzehn Jahren als Psychologin im Hamburger Familienplanungszentrum arbeitet, sagt sogar, dass das Tabu heute größer ist als in den 70er Jahren: »Das Bewusstsein dafür, welche Errungenschaft die derzeitige Rechtslage ist und wie sie politisch erkämpft wurde, ist weitgehend verloren gegangen. Abtreibung ist wieder ein anrüchiges Thema geworden« - im Gegensatz zu damals wollten sich die Frauen in dieser Geschichte weder erkenntlich fotografieren lassen noch (bis auf zwei) ihren richtigen Namen nennen.

Auch Elke Feldmeier-Thiele wundert sich, wie wenig sich für die Betroffenen verändert hat. »Frauen, die abtreiben, sind nach wie vor mit einem Makel behaftet. Sie wagen manchmal erst Jahre später, sich zu diesem Schritt zu bekennen. « Im schleswig-holsteinischen Linau führt sie den Verein »Hilfe für Schwangere in Norddeutschland« und berät im Jahr rund 150 Frauen im Schwangerschaftskonflikt. »Schweigen macht krank«, sagt sie.

Dass das Thema nach wie vor von dieser Mauer des Schweigens umgeben ist, hängt wohl vor allem mit der moralischen Beeinflussung durch gesellschaftliche Gruppen, allen voran die katholische Kirche, zusammen. Abtreibung betrachtet sie als Tötung menschlichen Lebens, auch wenn es in der Ethik umstritten ist, ob es sich bei der Leibesfrucht in den ersten Schwangerschaftswochen bereits um schutzwürdiges Leben handelt. Dementsprechend groß ist die Angst der Frauen, ihren inneren Konflikt nach außen zu tragen. Nicht jede hat das Bedürfnis, darüber zu sprechen. Wer sich seiner Entscheidung sicher ist, kann den Schritt auch für sich gut bewältigen. Aber Frauen, die zweifeln, haben vor und nach dem Abbruch meist großen Gesprächsbedarf. »Für mich war das Geheimhaltenmüssen am Arbeitsplatz das Belastendste von allem. Ich hatte auch privat irgendwann keine Kraft mehr, meine Erschöpfung und ständige Übelkeit mit Ausreden zu rechtfertigen. Es hätte mir unheimlich gut getan, einfach sagen zu können: Es geht mir nicht gut, ich bin ungewollt schwanger«, schreibt eine Frau im Internetforum nachabtreibung.de. Hier tauschen sich rund 4000 Mitglieder aus - die meisten von ihnen leiden darunter, abgetrieben zu haben, sie kommen mit der Trauer, den Selbstvorwürfen und dem Schweigen nicht zurecht. Bei den anonymen Frauen im Netz können sie sicher sein, auf Verständnis zu treffen.

Sieben Jahre ist es her, dass Jessica, die Gründerin des Forums, in den Abbruch ihrer Schwangerschaft eingewilligt hat. Zu dem Zeitpunkt hat sie bereits eine sieben Monate alte Tochter. Der Kindsvater ist verheiratet, und Jessica hat Angst, zwei Kindern allein nicht gerecht werden zu können. Der Vater, der keiner sein will, schleppt sie zu Pro Familia. Jessica ist eine selbstbewusste Frau, ihre dunkle Stimme klingt ernst und bestimmt. In der Beratung aber bringt sie kein Wort heraus. Trotzdem bekommt sie den Schein. Nach der Abtreibung geht es Jessica schlecht. Ihr Umfeld ist überfordert und reagiert mit Unverständnis auf ihre Trauer: »Du wolltest es doch so« oder »Jetzt lass mal gut sein, ist doch schon lange her«, sind oft gehörte Sätze.

»Es wäre sicher einfacher gewesen, wenn ich damals jemanden zum Reden gehabt hätte. Ich war überzeugt, dass ich die Einzige bin, die nach einem Abbruch so leidet«, erinnert sich die 26-Jährige. Nach zwei Jahren fängt sie an, im Internet zu recherchieren. Nach der Gründung des Forums melden sich schnell die ersten Frauen: »Da habe ich gemerkt: Ich bin nicht allein.« Heute gehe es ihr wieder gut, sagt Jessica, nicht zuletzt weil sie irgendwann beschlossen habe, sich nicht mehr zu verstecken und offen über ihre Abtreibung zu sprechen. Dass das Internet für viele Betroffene die einzige Anlaufstelle ist, um sich auszutauschen, findet sie bedenklich. Selbst in den Familien werde das Thema nach der Abtreibung totgeschwiegen. »Wir brauchen ein neues Bewusst sein, dass viele Frauen nach einer Abtreibung aufgefangen werden müssen«, glaubt Jessica.

Neben den moralischen Vorbehalten gibt es noch andere Einflüsse, die es für Frauen schwierig machen, zu einer Abtreibung zu stehen. Da ist die Sache mit der Verhütung: Sie scheint heute so sicher und zuverlässig zu sein, dass die Meinung vorherrscht, eine ungewollte Schwangerschaft müsse eigentlich nicht mehr sein. War die Abtreibung früher auch deshalb ein Tabu, weil die Frau keinen Sex vor der Ehe haben durfte, so steht sie heute für einen Verhütungsfehler der Frau. »Wenn man ungewollt schwanger wird, ist man dumm oder schlampig gewesen - oder man wünscht sich insgeheim ein Kind, auch das wird den Frauen gern unterstellt«, berichtet Psychologin Marina Knopf. Dabei ist bekannt, dass es keine hundertprozentig sichere Verhütungsmethode gibt. Eine amerikanische Modellrechnung hat ergeben, dass selbst dann, wenn alle Frauen regelmäßig ein 99 Prozent sicheres Verhütungsmittel anwendeten, dennoch drei von zehn im Lauf ihres Lebens mindestens einmal ungewollt schwanger würden.

Hinzu kommt der wachsende Kinderhype. »Kinder sind heute fast ein Statussymbol geworden «, stellt Knopf fest. Babys lächeln von den Plakaten der »Du bist Deutsch land«-Kampagne, sie zieren die Titelbilder der Klatschillustrierten: Angelina Jolie, Gwen Stefani, Julia Roberts heißen die Vorzeigemütter, die mit ihren Babybäuchen die Verkaufszahlen der Magazine in die Höhe treiben. Die Politik nutzt den Hype, um die Geburtenrate in Schwung zu bringen: Elterngeld, Kitaplätze, Väterzeit sollen ein kinderseliges Klima in Deutschland schaffen.

Trotzdem entscheiden sich heute viele Frauen gegen ein Kind, die es von außen betrachtet gar nicht müssten. 2007 wurden 42 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche von verheirateten Frauen vorgenommen. Die Minderjährigen machen mit fünf Prozent nur eine kleine Gruppe aus, weit mehr Frauen entscheiden sich zwischen ihrem fünfunddreißigsten und vierzigsten Lebensjahr für eine Abtreibung (sechzehn Prozent). 41 Prozent der Betroffenen hatten zum Zeitpunkt der Abtreibung noch keine Kinder. Warum ausgerechnet diese Frauen abtreiben, geht aus der Statistik nicht hervor. Auch in wissenschaftlichen Studien wurde die Frage bislang nicht geklärt. Letztendlich hat jede Frau ganz individuelle Gründe für ihre Entscheidung.

Ursula, 37, und Karlheinz, 42, leben mit ihren drei Kindern in einem 150-Seelen-Nest in Hessen. Ursula wird erneut schwanger ? doch nach einer dramatisch erlebten Fehlgeburt, unter der beide noch sehr leiden, und der schweren Geburt des Folgekindes, haben sie panische Angst davor, noch einmal neun Monate voller Unsicherheit durchzustehen. Zudem kommt die Familie finanziell kaum über die Runden: Ursula ist Briefträgerin, Karlheinz arbeitet als Lagerfacharbeiter. Die beiden führen eine liebevolle Ehe, jeder ist besorgt um den anderen. Sie setzen sich zusammen und reden. Karlheinz spricht zuerst von Abtreibung, auch Ursula sieht keinen anderen Weg. Beim Beratungsgespräch kommt es zu einer seltsamen Begegnung: Hinter dem Schreibtisch sitzt eine Mutter, die sie aus der Schule ihrer Tochter kennen. Die Frau kann sie beruhigen und weist auf ihre Schweigepflicht hin. Denn Ursula und Karlheinz wollen ihre Entscheidung so gut wie möglich geheim halten. »Man will ja nicht als schlechter Mensch dastehen «, sagt Ursula leise. Kurz vor dem Abtreibungstermin treten bei Ursula Blutungen auf, sie muss liegen. Nach dem Abbruch sagt ihr der Arzt, dass das Kind vermutlich ohnehin nicht überlebt hätte. Trotzdem machen sich Ursula und Karlheinz schwere Vorwürfe. »Das Schlimme ist, es selbst entschieden zu haben. Man fragt sich, was geworden wäre, wenn man seine Angst überwunden hätte.« Die häufigste Motivation zu einer Abtreibungseien Partnerschaftsprobleme, berichtet Elke Feldmeier-Thiele: »Oft sind diese Frauen im Zwiespalt: Eigentlich freuen sie sich über die Schwangerschaft, doch ihr Partner reagiert negativ oder verlässt sie.« Nicht selten seien es die Männer, die die Verantwortung für ein Kind scheuen und indirekt Druck auf die Frau ausüben würden. Die Frauen, von Hormonen überschwemmt und in Panik, lassen sich in der Situation schnell verunsichern.

Auch Psychologin Knopf glaubt, dass die Männer bei der Entscheidung für eine Abtreibung eine gewichtige Rolle spielen. Häufig gehe es den Frauen aber auch um ihre berufliche Eigenständigkeit - und das durch alle Altersgruppen hindurch. Hinzu kommt der Zeitdruck: Die meisten Frauen bemerken erst in der sechsten oder siebten Woche, dass sie schwanger sind. Bis sie einen klaren Gedanken gefasst haben, ist die Frist schon fast verstrichen. Schließlich muss zwischen Beratungsgespräch und Abtreibungstermin noch eine gesetzlich vorgeschriebene Bedenkzeit von mindestens drei Tagen liegen. Das kann laut Knopf dazu führen, dass die Betroffenen eine übereilte Entscheidung fällen: Augen zu und durch. Umso schwerer fällt der Entschluss, wenn sich die Schwangere nur der Frau von der Beratungsstelle offenbaren kann. Wichtig sei, meint Marina Knopf, dass die Entscheidung aus freien Stücken gefällt werde und nicht etwa, um eine Partnerschaft zu retten oder weil jemand anders es für richtig hält. Edith* ist mit einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. »Ich bin das Ergebnis eines One-Night-Stands«, erzählt sie. Ihre Kindheit hat die Studentin oft als bedrückend erlebt, denn ihre Mutter litt sehr unter ihrer Situation.

Entsprechend geschockt ist Edith, als sie selbst mit 22 Jahren schwanger wird. Gleichzeitig eröffnet ihr der Kindsvater, mit dem sie seit einem Jahr eine schwierige On-off-Beziehung führt, dass er sich in eine andere Frau verliebt hat - er ist gegen das Kind. »Ich war mir nicht sicher, ob ich es vielleicht doch bekommen möchte«, erzählt Edith. Damals redet sie mit ihrer Mutter über ihre Situation. Die nimmt ihr jeden Mut, spricht nur über die Probleme, die mit einem Kind auf sie zukommen würden. Vor dem Kliniktermin sieht Edith sich umringt von schwangeren Frauen und glücklichen Papas. Sie dagegen fühlt sich völlig allein gelassen. »Ich hatte oft das Bedürfnis zu schreien«, sagt Edith. Sie ist wütend auf ihre Mutter: »Sie hat nie gefragt, ob ich das Kind will, es ging immer nur um ihre Geschichte.« Heute, sieben Monate nach dem Abbruch, beschäftigt sie ihre Entscheidung noch immer. »Ich bereue es nicht«, sagt sie, »aber ich glaube, es wird mich ein Leben lang begleiten.«

Junge Leute seien heute sehr strikt in ihrem Urteil über Abtreibungen, weiß Beraterin Knopf: »Da gilt es als moralisch wertvoll, wenn eine Fünfzehnjährige sagt: Ich hatte Sex, jetzt trage ich die Verantwortung dafür.« Die Jugendlichen scheinen in mancherlei Hinsicht konservativer als ihre Eltern. Vor allem außerhalb der Großstädte seien sehr viele eher gegen die Straffreiheit von Abtreibungen, glaubt Knopf - verlässliche Daten dazu gibt es allerdings nicht. Marina Knopf wünscht sich, dass das Thema endlich offener behandelt würde. Einen kleinen Schritt in die se Richtung ist sie mit der Broschüre des Familienplanungszentrums gegangen. Darin ist ein Foto der Mitarbeiterinnen veröffentlicht: »Wir sind 11 Frauen im Alter von 35 bis 57 Jahren«, steht unter dem Bild, das eine Frauengruppe zeigt. »Zusammen haben wir 12 Kinder, 4 Enkel und 19 Schwangerschaftsabbrüche. « Die Psychologin ist zufrieden: »Wir fanden, das könnte man ruhig mal so sagen.«


Abtreibung per Internet
Die niederländische Vereinigung »Women on Web« beliefert verzweifelte Schwangere in der ganzen Welt mit ABTREIBUNGSPILLEN.

»Ich fühle mich unsicher ? ich bin seit 61 Tagen schwanger ? ich liege in meinem Bett, während ihr das lest ? höre Musik ? ich kann nicht weinen ? ich warte nur ? ich habe Cytotec genommen ? und Paracetamol ?« Diese Worte schrieb Camila aus Mexiko während ihrer Abtreibung, sie sind auf der Internetseite der niederländischen Organisation »Women on Web« veröffentlicht. »Women on Web« bietet Frauen, die in Ländern wohnen, wo Abtreibung entweder verboten oder nicht qualifiziert genug ist, die Möglichkeit, über das Internet Abtreibungspillen zu bestellen. Sie müssen 25 Fragen beantworten, medizinische, aber auch: »Bist du sicher, dass du abtreiben willst und dich niemand zwingt?« Die Antworten werden von ehrenamtlichen Mitarbeitern geprüft und dann an Ärzte weitergeleitet. Wenn die ihre Zustimmung geben, wird das Päckchen mit den Pillen verschickt. Die Frauen müssen außerdem bestätigen, dass sie nicht länger als neun Wochen schwanger sind, überprüft werden kann das nicht. »Es kann weder vollständig geklärt werden, wie der Zustand der Schwangerschaft ist, noch ob eine Frau die Medikamente richtig einnimmt und sie verträgt«, sagt Ulla Ellerstorfer von Pro Familia, »Aber man nimmt diese Risiken in Kauf, weil man die Zahl der vielen Todesfälle minimieren möchte«. Jährlich sterben nahezu 70 000 Frauen weltweit, weil an ihnen eine »unsichere« Abtreibung durchgeführt wurde - das bedeutet zum Beispiel mit scharfen Messern, Glasscherben, Stricknadeln. »Völlig unsinnige Tode«, sagt Rebecca Gomperts, eine der Mitbegründerinnen von »Women on Web«. Sie bezeichnet den Abbruch mit Medikamenten als eine »revolutionäre Erfindung für Frauen« - »Sie können damit ihr Leben selbst in die Hand nehmen«.

Eine Frau, die ihr Kind selbst abtreibt, muss die Medikamente Mifegyne und Misoprostol in zeitlichem Abstand einnehmen. Die Abtreibung zieht sich über drei Tage hin, begleitet von starken Krämpfen, Blutungen und möglicherweise Erbrechen, Durchfall und Übelkeit.

»Es läuft praktisch wie eine Fehlgeburt ab«, bemerkt Rebecca Gomperts sachlich, »es ist extrem sicher, es so zu machen, Sie können es zu Hause machen«.

Auf der Website ist die Rede davon, dass die Frau möglicherweise auch den Embryo, der bei einer Schwangerschaft von acht bis neun Wochen Länge ungefähr zweieinhalb Zentimeter groß ist, während des Abstoßungsprozesses zu Gesicht bekommen könnte. »Das kann schmerzlich sein«, schreibt Women on Web. Das Beste wäre, »alles« die Toilette hinunterzuspülen, empfiehlt die Organisation unter »most frequently asked questions «.

Wer hilft den Frauen mit ihren Gefühlen? »Ich denke, die Frauen, die sich sicher sind mit ihrer Entscheidung, haben wohl kein großes Problem«, meint Ulla Ellerstorfer. »Ein Problem ist es für die, die nicht gut verstanden haben, was los ist.« Rebecca Gomperts sagt: »Wir können Frauen vertrauen. Frauen sind sehr verantwortungsvoll, sie wissen genau, dass diese Entscheidung ihr ganzes Leben und ihre Zukunft beeinflussen wird. Wir haben auch eine Helpline, manchmal bekommen wir ganze Lebensgeschichten zugesandt. Die Anonymität des Internets hilft dabei.« Aber führt die Anonymität des Internets nicht auch in die Einsamkeit und tabuisiert das Thema noch mehr? »Wir raten den Frauen grundsätzlich, während des Abbruchs nicht alleine zu sein. Und wir haben auf unserer Seite die Rubrik ?I had an abortion?, wir unterstützen Frauen dabei, öffentlich über ihre Erfahrungen zu sprechen «, sagt Gompert.

In dieser Rubrik beschreibt Camila die Gefühle angesichts ihrer Abtreibung mit den Worten: »Bekümmert, zufrieden, friedlich, gefangen, erleichtert, zuversichtlich, wütend, durcheinander, so wie immer, ängstlich, traurig.«

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Kommentare

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    ein sehr langer text. ich finde ihn gut. ich weiß zwar nicht ob er von dir selbst geschrieben wurde, aber ich finde es gut, dass sich jemand für die betroffenen frauen positiv einsetzt.

    11.12.2013, 00:05 von Sonnenstern85
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