manao 28.02.2010, 21:18 Uhr 2 2

"Die Säge ist platt"

So starken Wind bin ich sonst nur von der Nordsee gewohnt. Heute ist er hier und ich bin mitten drin.

Der dritte Einsatz innerhalb einer Stunde. Schon wieder Bäume auf der Straße. Ich sitze mit acht Kameraden im Fahrzeug. Unsere anderen Kameraden kommen uns entgegen, sie sind fertig mit ihrem Einsatz, unser steht uns noch bevor.

Wir sehen schon die schwere Fichte auf der Straße liegen. Dirk zieht sich seinen Schutzhelm für die Kettensäge an. Er arbeitet täglich im Wald, Bäume fällen kann er. Ich sehe. wie er sich freut.
Wir steigen ab, ohne auf das "Absitzen" vom Gruppenführer zu warten. Dirk läuft zum Rolltor, schiebt es hoch und holt die Kettensäge raus.
Auf dem Weg zum Baum lässt er sie an. Zwei Männer gehen zur Verkehrssicherung, die anderen machen Licht und besprechen die Lage.
Ich stehe vor den Bäumen, die bedrohlich schwanken. Angst. Ich kann sie kaum aus den Augen lassen, weil ich befürchte, dass jeden Moment der nächste Baum stürzt.

Dann hat Dirk auch schon den Baum zerlegt. Ich helfe ihm, die Äste in den Graben zu schaffen. Ein paar Meter weiter ist ein Baum umgestürzt. Er liegt auf zwei anderen.
Sieht kompliziert aus. Es wäre zu gefährlich, den umgestürzten Baum zu zersägen, außerdem scheint es auch unmöglich, also müssen erst die anderen zwei verschwinden. Dirk sägt den ersten an, will ihn auch gleich zerstücken.
Dann kommt der darauf liegendeBaum runter. Dirk kann sich grade noch retten, die Säge hat sich verkeilt, er konnte sie nicht rausziehen, jetzt liegt der Baum drauf.
"Die Säge ist platt", ruft er.
"Dann müssen wir jetzt auf die Ortsteile warten", antwortet der Gruppenführer.

Unser Maschinist fährt los zum nächsten Dorf, wo die Kameraden schon in ihrem Gerätehaus sitzen. Das ist heute was ganz Normales.
Auch wir sitzen seit unserem ersten Einsatz um 15:45 Uhr im Stützpunkt.
Es lohnt sich nicht, nach Hause zu fahren. Nach Hause, zu den Verwandten, die zum Kaffeetrinken gekommen sind, nach Hause, wo man grade in die Wanne steigen oder die olympischen Spiele sehen wollte.

Nach fünf Minuten ist der erste Ortsteil da. Sie zersägen den anderen Baum. Dirk schaut nur zu. Nach einem Schnitt in die untere hälfte des Baumes schnellt der kürzere Teil, an dem die Wurzel noch hängt, zurück in die Waagerechte.
Wir können gehen. Ich bin froh. Der Wind ist auf dauer unerträglich kalt, die Angst vor den Bäumen auch.
Auf dem Rückweg sammeln wir noch einen Eimer ein, der auf der Straße rumfliegt.
Unser Stadtbrandinspektor beschließt, dass wir noch bis 21:00 Uhr in Bereitschaft bleiben, was sich am Ende als richtig erwies.

Zwischendurch ruft unser Wehrführer die Besitzerin des örtlichen Edeka-Marktes an. Sie erklärt sich gerne bereit, uns den Laden aufzuschließen, um ein wenig einzukaufen. Zwei Kameraden fahren los und holen reichlich Brot und Aufschnitt.
Nach dem gemeinsamen Essen, das nur noch durch einen kleineren Einsatz gestört wird, fahre ich Heim. Eigentlich muss ich noch gut 20 Seiten von Maria Stuart lesen, aber das lass ich jetzt.
Auf meinem Heimweg sehe ich unzählige Äste. Die größten entferne ich, auch die Ziegeln von unserem Nachbarn lege ich an die Seite.

Vielleicht werde ich es heute Nacht noch einmal eilig haben.

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Kommentare

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    Hm, das nenne ich mal Neon aktuell.
    Irgendwo soll ja der Bahnverkehr lahm liegen wegen umgestürzter Bäume und beschädigter Oberleitungen. Während ich mich sorge dass es in ein paar Stunden ein langer, unfreundlicher Morgen mit viel Wind und Wartezeit auf dem Bahnhof wird, bin ich froh, dass es Menschen wie dich gibt, die wieder eine freie Fahrt ermöglichen.

    28.02.2010, 22:56 von Cyro
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    Ja, kenne ich zu gut. Man denkt, mal kurz Bäume entfernen und es erweist sich als harte Arbeit. Super, dass ihr einkaufen konntet. Auch, das man sich danach anderen Pflichten entzieht wie der Schullektüre kommt mir bekannt vor. Das Problem ist nur, dass es keinen interessiert, dass man zum gegenwärtigen Zeitpunkt besseres zu tun hatte.

    28.02.2010, 22:06 von Hoody
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