Domo 28.09.2006, 00:13 Uhr 1 2

Die Sache mit dem Fremdge(h)n

Ein Gen soll entscheiden, ob wir treu sind oder gerne mit vielen ins Bett gehen! So einfach kann’s Gen?

Vor einiger Zeit huschte die Meldung durch die Medien, dass findige Forscher bei zwei Mäusearten, von denen eine eher treu und monogam lebt und die andere fröhlich promiskuitiv die Partner wechselt, ein Gen gefunden haben, dass für das Sexualverhalten der jeweiligen verantwortlich sei. Dieses Gen liegt bei beiden Arten in unterschiedlicher Form vor, was der Fachmann, der den Laien gerne mit wohlklingenden Ausdrücken in Staunen versetzt damit bezeichnet, dass zwei unterschiedliche Allele eines Gens vorliegen. Was damit ausgedrückt werden soll, ist einfach, dass zwei Formen des selben Gens vorhanden sind, im vorliegenden Fall also das Gen fürs Sexualverhalten in der Form monogam und in der Form polygam.

Jetzt wurde davon ausgegangen, dass eben ein einziges Gen hochkomplexe Verhaltensweisen einer Tierart steuere. Und möglicherweise könnten diese Ergebnisse ja auch für den Menschen von Bedeutung sein. Aber was sagt denn ein Gen bei der Maus schon über die Krone der Schöpfung aus? Es gibt durchaus viele Gene, die konserviert, also nur leicht verändert, bei verschiedenen Arten vorliegen, so dass auch bei uns ein vergleichbares Treue-Gen zu finden sein könnte, welches uns wiederum Aufschluss darüber gibt, wie wir denn nun wirklich von Natur aus veranlagt sind. Und das Ganze wird wiederum umso interessanter, als neuere Daten aus der molekularen Evolutionsforschung darauf hinweisen, dass eben die kleine unscheinbare Maus uns doch um einiges näher steht, als man auf den ersten Blick vielleicht denken mag.

Wie auch immer, eigentlich geht es ja um unser Sexualverhalten und darum, ob man aus den Erkenntnissen bei der Maus Rückschlüsse auf den Menschen ziehen kann. Die Frage bleibt, ob wirklich ein einziges Gen darüber entscheidet, ob wir treu oder untreu sind, alle paar Jahre den Partner wechseln wollen oder eben nicht. Bevor wir da die Maus fragen, können wir natürlich auch mal zu unseren etwas näheren Verwandten schauen. Klar, die Affen! Wie mittlerweile wohl fast schon jedes Kind weiß, sind unsere nächsten Verwandten auf diesem Planeten, die Schimpansen, durchaus triebige Tiere und ziemlich promiskuitiv. Auf die Spitze treiben es dabei ihm wahrsten Sinne des Wortes die Zwergschimpansen, die sich fröhlich kopulierend die Zeit vertreiben und ungeachtet des Geschlechts ihrer Lust frönen. Dieses Verhalten zeigt sich auch in ihrem Körperbau. Promiskuitive Arten haben im Vergleich zum Körper große Hoden und so ein Schimpansenmann könnte was das angeht jeden Gigolo, der mit stolzgeschwellter Männlichkeit, die er in engen Badehosen am Strand präsentiert, vor Neid erblassen lassen.

Ein Gorillamann, der mit seinem breiten Rücken und seinen dicken Armen punktet, braucht sich keine Gedanken darüber zu machen, dass bei einer wilden Orgie einer seiner Nachbarn sein Lieblingsweibchen begattet. Solange er kräftig genug ist, hält er sich einfach einen kleinen Harem und lässt dort keinen ran. Dementsprechend hat er dann auch einen riesigen Körper aber sein Gemächt macht seinem Namen keine Ehre.

Na, wie sieht’s denn jetzt beim Menschen aus? Der Mensch liegt irgendwo dazwischen hat keine besonders großen und keine besonders kleinen, so dass da schon ein gewisser Raum für Spekulation bleibt. Die lange Entwicklungszeit unserer Jungen lässt allerdings auch eher vermuten, dass wir uns wenigstens für einige Jahre gemeinsam um deren Aufzucht kümmern und daher für einige Zeit zu einer monogamen Lebensweise tendieren. Passt ja schon auch irgendwie, aber eben doch auch nicht immer. Und nun? Monogam? Polygam? Vielleicht weiß ja doch das Gen die Antwort!

Und damit zurück zu den Mäusen, bei denen ein einziges Gen darüber entscheiden soll, wie sie’s denn nun gern haben. Ein Gen soll über ein recht komplexes Verhalten alleine entscheiden. Kann sein, muss aber nicht! Wenn wir da auch wieder einen kleinen Blick zu den Schimpansen werfen. Was uns und die genetisch unterscheidet, sind prozentual ein paar Stellen hinterm Komma. Das ist echt nicht viel! Aber wenn wir uns mal mit kritischem Blick etwas genauer vergleichen, sehen wir doch meistens ziemlich unterschiedlich aus und verhalten uns oft auch verschieden. Der Punkt ist nämlich der, dass nicht nur unsere Gene einfach so darüber entscheiden, was mal aus uns wird. Es kommt auch auf deren Anordnung und Umgebung an. Die Gene selbst machen im Genom, der Gesamtheit der Gene nur einen kleinen Teil aus (jedenfalls bei uns). Dazwischen liegen große Abschnitte von DNA, die man lange Zeit für nutzlos hielt und sogar als junk-DNA bezeichnete. Aber man fragte sich auch schon die ganze Zeit, warum wir diese junk-DNA denn überhaupt mit uns rumschleppen, wenn sie nicht wirklich gebraucht wird. Wie es scheint, hat das aber auch durchaus seinen Grund.

Wenn man nun also sieht, dass zwei Arten, wie die Schimpansen und wir sich genetisch extrem ähnlich sind und trotzdem so verschieden, dann kann man sich denken, dass ein Gen bei der Maus noch keine Schlüsse auf das Verhalten des Menschen zulassen kann.

Was aber dann auch noch dazu kommt: es ist eh alles ganz anders! Eine andere Gruppe findiger Forscher hat sich die Sache mit dem Treue-Gen bei den Mäusen nämlich auch mal genauer angeschaut und sich gewundert. Und weil sie sich gewundert haben, haben sie sich statt zwei Mäusearten derer 25 vorgenommen und denen mal einen genauen Blick ins Genom geworfen. Und dabei zeigte sich, dass eben auch einige der Arten mit dem Treue-Gen quitschfidel polygam vor sich hin leben und öfter mal die Partner wechseln.
Aus die Maus!

Was bleibt nun von dem Ganzen?
1. Genetik ist stinkeinfach!
2. Schuld sind an allem eh immer nur die Gene!
3. Ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht!

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1 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Menno, dein Artikel desillusioniert mich irgendwie ...
    Denn auf diese Mäusetheorie hatte ich mich seelisch eingestellt, als ich es vor Jahren las.

    Nun ja, was soll's? Wir sind genetisch auch mit der Bäckerhefe verwandt. Und wie hieß es mal in einem Film: 'Wenn du einen monogamen Partner willst, dann heirate einen Schwan.'

    Viele Grüße von
    Leda ;-)

    28.09.2006, 18:40 von NinaBerth
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