Die Monster
In was für einer Welt leben wir eigentlich.
Die Monster
Heute waren überall Monster in der Stadt. Sie trugen die Kleidung der Menschen. Sie gingen aufrecht und aßen dabei aus Plastikfolien. Sie unterhielten sich an den Ecken der Häuser und hin und wieder, rückten sie mit einer kleinen Handbewegung ihre Masken zurecht.
Ich wusste genau, dass es Monster waren. Ihre Tarnung war schlecht. Man konnte ihre schmutzigen Gedanken riechen. Weil darin Blut spritzte und Köpfe rollten. Ihre Worte waren so scharf, dass sie die Luft zerschnitten. Und jeder trug ein Messer unter der aufgeblähten Jacke. Ganz sicher. Ich weiß das, weil sie seltsam dabei laufen.
Ich hatte ein wenig Angst vor ihnen. Weil man nie weiß, was Monster tun. Einige habe ich Fassaden hoch klettern sehen. Andere liefen einfach auf dem Gehweg. Vielleicht sprangen sie einem ins Gesicht, wenn man sie zu lange anschaute. Ich versteckte mich jedenfalls hinter Häuserecken und rollte meine Augen beiseite. Und wechselte bei Bedarf die Straßenseite.
Auf dem Heimweg blickte ich durch die großen Spiegel der Tram nach draußen. Und sah, wie die Monster überall waren. Sie unterhielten kleine Läden mit grell erleuchteten Schildern über den Türen. Sie saßen in Cafes und tranken aus Flaschen, als ob sie es dürften. In ihren kleinen Fenstern brannte Licht und ich konnte mir genau vorstellen, wie sie dort oben darüber nachdachten, morgen vielleicht noch mehr Monster zu sein.
Ich überlegte, wo die Monster wohl herkamen. Und wo all die Menschen hin waren. Sie traten einfach an deren Stelle. Als ob es so sein musste. Und sie wahrten den Schein mit teuren Hosen und glitzernden Gesichtern. Sie lernten ihre Sprache und schlichen sich in die Leben der anderen. Und blieben da. Bis sie ihnen etwas antaten. Das kennt man doch.
Als ich auf die Straße ausstieg, schlug mir fauliger Geruch entgegen. Ich konnte die Schwaden sehen, die aus ihren schimmelnden Herzen empor stiegen. Und jetzt durch die Straßen waberten. In meinem Viertel gab es kaum noch Menschen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Monster mir morgens sogar Brötchen und Zigaretten verkaufen würden. Ich hatte jetzt und nachher ein wenig Angst um mein Leben. Schließlich kaufe ich fast jeden morgen Brötchen.
In meiner Wohnung brannte kein Licht mehr. Ich suchte den Weg in mein Zimmer. Nachdem ich die Tür hinter mir hektisch ins Schloß geworfen hatte. Und den Schlüssel darin einmal und zweimal gedreht hatte. Ich war froh, dass mich hier kein Monster fassen konnte. Auch wenn ich manchmal nicht genau wusste, ob sie nicht über den Balkon hinein kommen könnten. Wir wohnen im ersten Stock, muss man wissen und vor dem Fenster wächst ein großer Baum.
Ich sah beim Zähneputzen nach langem Zögern in den Spiegel. Und da war kein Monster. Auch nicht hinter mir. Erleichtert drehte ich den Wasserhahn nach Osten und wusch mich mit kaltem Wasser. Sie waren da draußen. Irgendwo. Sie haben in Neukölln eine Frau in einen Koffer gesperrt und sie bei lebendigem Leibe verbrannt. Zur Zeit kann noch niemand sagen, warum jemand sowas tun sollte. Und die Monster werden es bestimmt nicht verraten. Sie suchen nach ihnen. Aber es sind einfach zu viele. Man kann sie nur schlecht voneinander unterscheiden.
Ich weiß nicht genau, ob es Gott gibt. Aber vielleicht sollte es eine Hölle geben. In der Monster selbst brennen.






Kommentare
yeah
20.05.2007, 05:40 von Der-Steppenwolfdein gedankenkarussel zeigt wenigstens, dass du solche monster verabscheust.
19.05.2007, 14:36 von vnssder artikel lässt einen aufblicken- meiner meinung nach sehr gut geschrieben- bzw beschrieben- wie man sich in solch einer gesellschaft fühlt-
der letzte absatz gefällt mir besonders: ich glaube an gott- auch wenn viele das in der heutigen welt als naiv bezeichnen- aber ich glaube daran, dass jeder seine gerechte strafe bekommt- auch wenn das einem momentan nciht weiterhilft
sehr lesenswert
lg
die vnss
wahnsinn. wahnsinnig traurig. und wahnsinnig weit weg. weil man einfach nicht verstehen kann wie jemand sowas tun kann. wieso vergewaltigen 13 jaherige kinder andere kinder? wieso toeten muetter ihre babies. wieso rennt ein jugendlicher in eine uni und loescht ueber 30 menschenleben aus? wieso? wieso? wieso? und vorallem. Wieso koennen wir nichts dagegen tun?
24.04.2007, 05:52 von kttyZiemlich krasse Sache. Ich bin wirklich gespannt, weshalb man so etwas tut. Wie kann man das als Täter vor sich selbst rechtfertigen, eine 14jährige zu verbrennen? Ich hoffe fast, es war ein Streit in der Drogenszene. Das macht die Sache nicht besser, hilft aber, den Glauben an die Menschheit nicht zu verlieren.
22.04.2007, 15:14 von Romeo_Flausch79Du kannst es machen, wie die Meisten- mach die Augen zu. Das ist leicht.
22.04.2007, 14:03 von aprilhexe79Oder- du kannst es machen, wie die Mutigen- stell dich Ihnen in den Weg. Das ist riskant. - aber es bewahrt dich davor, selbst eins von diesen Monstern zu werden!
Ich glaube manchmal einen Schatten im Spiegel zu sehen.
22.04.2007, 13:46 von mezzanine