pinselkind 25.05.2008, 19:00 Uhr 4 3

Die Menschen der Sonne

Über Menschen in Deutschland, die glücklich sind.

Deutschland. So oft das Land der Melancholie, des Egoismus, der nach unten hängenden Mundwinkel, des Pessimismus.
Zu oft ärgern wir uns über ständig steigende Benzinpreise, über die zu hohe Arbeitslosigkeit, darüber, dass die soziale Gleichheit immer mehr aus den Fugen gerät, und die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird.

Doch während ich durch die Straßen wandere, zweifle ich an dieser traurigen Gesellschaft. Sobald die ersten Strahlen der Sonne den Asphalt wärmen, scheinen sie auch die Herzen der Menschen zu erwärmen und aller Pessimismus ist aus den Gesichtern der Menschen weg gewischt, und an seiner Stelle erscheint ein winziges Lächeln.
Und vielleicht übersehen wir auch oft diejenigen, die etwas tun, weil wir viel zu sehr mit Rumnörgeln und uns selbst beschäftigen sind. Wir verschließen die Augen vor den Menschen, und nehmen alles selbstverständlich. Doch wenn du dich umschaust, siehst du nicht nur die Nörgler und Egoisten sondern auch die wenigen, die anders sind.

Es gibt den großen, breiten Mann mit der Brille und dem Rucksack, aus der S-Bahn, den alles abwertend anstarrt, der dennoch höflich ist und seine fantasy Bücher liest.
Es gibt Mönche, die Freitagabend auf Hardrockkonzerte gehen.
Es gibt junge Väter mit schulterlangen Dreads, die mit ihren Söhnen tanzend und summend Hand in Hand über die Straße laufen.
Ganz genauso wie die Kassiererinnen aus dem Supermarkt, die tatsächlich Spaß an ihrer Arbeit haben, und immer einen Scherz für ihre gestressten Kunden und Kundinnen übrig haben.
Es gibt die Oma, die ihr kleines Hündchen durch den Park Gassi führt und mit ihm plaudert wie mit einem alten Freund.
Die Schulklasse, mit den lachenden Jungen und Mädchen, die in zweier Reihen zum Sportunterricht geht.
Das kleine Mädchen, das dem alten Mann die heruntergefallenen Kartoffeln reicht, und der Opa der es zum Dank auf eine Waffel Eis einlädt.
Und es gibt das junge Paar von gegenüber, das gerade seine erste gemeinsame Wohnung bezogen hat und sich einfach bloß in den Armen liegt.

Und es gibt Menschen, die täglich das kleine schnuckelige Café an der Ecke besuchen, weil es nirgends sonst den fabelhaften Apfelkuchen gibt.
Es gibt die Menschen, die über der Straße schweben, mit einem entfernten Lächeln und glitzernden Augen.
Es gibt kleine Mädchen und Jungen, die nur mit großer Mühe alle Kerzen auf der Torte auspustet, und sich dabei etwas wünschen.
Und es gibt Hausfrauen, die in der Illustrierten zum ersten Mal von den Slums in Kalkutta lesen, und sich daraufhin schämen, an allem rumzunörgeln.
Und Hobbygärtner, die den letzten fehlenden Gartenzwerg endlich zwischen seinen Freunden gesellen.

Es gibt Clowns, für die ein Kinderlachen tatsächlich die Erfüllung ist.
Genauso wie Pastoren, die vor einer vollbesetzten Kirche predigen.
Und es gibt den kleine schwarze Jungem, der seine bunt verpackten Geburtstagsgeschenke mit leuchtenden Augen auspackt.
Es gibt Jugendliche, die an den Bundeskanzler schreiben.
Und auch Witwen, die Weiß tragen.
Es gibt Lehrer und Schüler, die gerne zur Schule gehen.
Menschen, die mit ausgestreckten Armen in den Himmel blicken.
Angeblich gibt es Menschen, die heute hier und morgen dort sind, und für die das ganze Leben eine Reise ist.
Und Menschen, die zum ersten Mal den Schnee sehen und darin einen Engel formen.
Es gibt Beerdigungen auf denen zu Schlagern getanzt werden und Menschen die sich freiwillig mit geschlossenen Augen in den Regen stellen.
Es gibt Menschen, die Traurige zum Lachen bringen und es gibt solche die selbstlos sind.

Und welche, die unter einem Pflaumenbaum sehr weiße ungeheuer obere Wolken sehen.
Manche Erwachsene schreiben dem Weihnachtsmann und andere lernen Töpfern.
Selten gibt es Menschen, die Mittellosen helfen und ihnen Mut zu sprechen.
Es gibt Krankenschwestern, die mit einsamen Patienten eine Partie Rommé spielen und Chefärzte, die in ihren Ferien kostenlos Menschen in der dritten Welt behandeln.
Es gibt Enkel, die ihre Großeltern im Altersheim besuchen und Kinder, die ihren Eltern Fotos vom ersten eigenen Urlaub zeigen.
Und solche, die nach langer, langer Zeit zu ihren Liebsten zurückkehren.
Nicht zu vergessen sind die, die die Tiere am Stadtrand schützen und jene, die auf die Straße gehen um zu sagen was ihnen nicht passt.
Oft gibt es gutmütige und geduldige Menschen, die auf ihre Weise perfekt sind.

Es gibt Menschen, die Rad fahren, um die Umwelt zu schützen, und Menschen, die kein Fleisch essen, weil man mit dem Verzicht tausende Menschen vor dem Hungertod bewahren könnte.
Und Leute, die einer Partei beitreten, und feststellen, dass Entscheidungen treffen doch nicht so einfach ist, wie gedacht.
Es gibt konforme Künstler und hippe Spießer, die befreundet sind.
Und kleine Kinder, die bei dem Versuch der ersten Schritte, in die schützenden Arme ihrer Eltern plumpsen.
Leute, die einem Menschen, den sie nicht kennen, eine Niere spenden und es gibt auch Briefe von Emanzen, die das Leben eines Mannes verändern.
Es gibt Männer, die wie Martin Luther King werden wollen und andere, die vom Dalai Lama fasziniert sind.
Für manche ist der Gipfel des Mount Everest das Größte, für andere das Lob eines anderen.
Und einige wenige weinen vor Rührung.
Andere sind da und trösten, ohne etwas dafür zu verlangen.

Für manche ist es das Eis am Stil, die Rose,
für andere die Sonne am blauen Himmel, die Aufmerksamkeit,
für ihn vielleicht das Singen seines Lieblingssongs beim Autofahren,
für sie vielleicht das Buch, das sie zum sechsten Mal liest,
für den Trapeztänzer vielleicht die Manege,
für den Maler vielleicht die Vielfalt der Farben,
für den Fußballclub der Heimsieg,
für den Tierwärter das Nilpferdbaby,
für den Arbeitenden der Sonntag,
und für dich möglicherweise dieser Augenblick.

Und so undankbar, ja so traurig, sind wir nicht. Und wenn du, wie ich, einfach hinsiehst, wirst auch du das Glück in den großen oder auch kleinen Dingen erkennen, und die Sonne wird nicht nur das Herz deines Nachbarn sondern vielleicht auch deins erwärmen.

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4 Antworten

Kommentare

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    Es ist jetzt nicht gezwungen, aber nicht mehr bewusst.
    Weißt du, wie wolkig dein Artikel ist? Es ist eigentlich gar nicht etwas geschriebenes, sondern ein Begleiter.
    Kennst du noch Nomen, die man groß schreibt, obwohl man sie nicht anfassen kann? So etwas wie "Liebe", Schmerz und Leid? Es gibt ein Gefühl, ich weiß nicht, es ist nicht glücklich oder froh, vielleicht gelassen und beobachtend...das beschreiben diese Worte für mich. So wie die Menschen sein sollten, beobachtend, lächelnd und freudig, dass es sie und die anderen gibt.
    Vielleicht strahlt die Sonne auch dieses Glück aus? Muss ja nicht alle Chemie Physik und Biologie heißen. Alfred und Johannes können auch die Sonne auf Papier malen.
    Uuuh verheddert - ist mir aber egal

    Mona

    09.08.2008, 16:51 von monecule
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    Amen

    und all dieses Herzgelächter und all diese Vielseitigkeit sind nicht Gesichter einer Nation, sondern der Menschheit, denn all das ist nicht spezifisch Deutsch. Nichts ist spezifisch Deutsch!

    29.06.2008, 19:40 von tla
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    Ich mag den Text....sehr schön beobachtet. Ist mir eine Empfehlung wert!

    25.05.2008, 21:02 von Stellaschnuppe
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