Yangus 23.04.2009, 10:30 Uhr 0 1

Die jedem innewohnende Arroganz

Von der Egomanie der Menschen

Warum können die Menschen eigentlich nicht einfach friedlich miteinander umgehen? Wäre doch eigentlich kein Problem. Ein bisschen Offenheit. Ein Schuss Toleranz und eine Brise Hilfsbereitschaft. Das dürfte doch bei jedem Menschen drin sein. Bei jedem. Auch bei den Mächtigen und Reichen und Schönen und den schönen Reichen und so. Dann wär’s hier bestimmt toll. Auf der Erde. Auch für die Erde. Aber seit einem gewissen Kain und seinem Zeitgenossen Abel scheint der Mensch eher dazu tendieren etwas kompromissscheu zu sein. Das liegt wohl daran, dass wir alle etwas zu sehr von unserer Sicht der Dinge überzeugt sind. Ist ja auch normal. Wir kennen ja eigentlich nur die. Und die scheint schlüssig. Man erlebt bestimmte Dinge, zieht daraus seine Schlüsse und kommt dadurch zu einer bestimmten Sicht auf bestimmte Dinge.

Wer nichts leistet, der verdient auch nichts! Zum Beispiel. Mit einem eher links orientierten Menschen kann man sich darauf wohl nicht einigen. Dieser linke Mensch hatte ein anderes Leben und ist deshalb zu anderen Erkenntnissen gelangt, die für ihn exakt so legitim sind wie die des Liberalen Herren zuvor. Wäre eigentlich Zeit für eine schicke Synthese dieser beide Ansichten.

Allerdings ist es doch so, dass man trotz all seiner Toleranz und Weltoffenheit die eigene Weltsicht für die eigentlich richtige hält. Das bindet man natürlich nicht jedem auf die Nase. Das ziemt sich schließlich nicht. Außerdem würde man die anderen damit ja nur in Verlegenheit bringen. Mit ihrem Irrglauben. Diese armen Kids die denken, dass Cinema Bizarre Beachtung und Bewunderung verdienen. Und dieser sozialistische Träumer, der denkt alles sollte allen gehören. Er hat eben nicht den Durchblick, den ich habe. Und selbst die Nazis. Diese armen, bornierten, fehlgeleiteten Subjekte. Sie wissen nicht was sie tun. Sie sind alle Opfer ihrer beschränkten Sicht auf die Welt.

Der komische Junge aus dem Türkei-Seminar, der denkt, dass es seine Gegenüber interessieren würde, dass er am Wochenende jetzt einen Kurs für kreatives Schreiben besucht. Er denkt eben, dass er sie so beeindrucken kann. Dass sie ihn dann attraktiv findet und ihn evtl. fragt, ob sie mal einen Kaffee trinken wollen. Dabei wird sie aufgrund seiner Frisur, seinem lustigen Motto-Shirt und seinem „DÄ – Die beste Band der Welt“-Aufnäher sofort erkennen, dass er ihr nichts zu bieten hat, was sie interessiert. Doch er denkt, dass Gegenteil sei der Fall. Aus denselben Gründen. Ich bin der einzige der das alles durchschaut.

Ich könnte ihm sagen wie man es richtig macht. Was Frauen interessiert. Wie er sich so kleiden und frisieren könnte, damit die Frauen positiv auf ihn reagieren. Ich könnte ihm erläutern welche Musik hörenswert ist und warum es Hammerfall nicht ist. Ich könnte ihm erläutern warum „Road To Perdition“ besser ist als „The Transporter“. Und dann könnte ich ihm gleich erklären wie die Welt im Großen und Ganzen funktioniert. Aber er würde es sowieso nicht verstehen.

Der Typ mit dem Motto-Shirt sieht wie ich ihn beobachte. Er fragt sich, wie ich auf die absurde Idee kommen konnte, dass man mit dieser Cap das Haus verlassen kann ohne sich zum absoluten Idioten zu machen. Er malt sich meine CD-Sammlung aus und muss mitleidig schmunzeln. Er würde mir gerne erklären, dass Klamotten keine Rolle spielen. Dass sie nichts über die eigene Persönlichkeit aussagen. Das es armselig wirkt modisch zu sein. Er würde mir gern sagen wie bemüht ich wirke. Er würde mir gern sagen, dass ich doch einfach ein bisschen lockerer sein sollte. Weniger arrogant. Das würde auch bei den Frauen besser ankommen. Doch diese Mühe macht er sich nicht. Er denkt ich würde es nicht verstehen.

Er hat recht. Ich würde mir das vielleicht sogar alles anhören. Ich würde ihm vielleicht sogar aufmunternd zustimmen. Ihm danken. Aber überzeugen könnte er mich nie. Er würde aber auch niemals erwarten, dass ich die Essenz dessen was er mir zu sagen versuchte erfasst habe. Denn verstehen kann nur er.

Jeder versteht die Welt auf seine persönliche Weise. Und wir alle fühlen uns gesegnet mit Weisheit. Manche wollen ihre Einsichten verbreiten und alle auf den richtigen Pfad führen. Die, die nicht folgen wollen, verdienen ihr Mitleid, weil sie fehlgeleitet sind. Man könnte Heime für sie einrichten in welchem man sich um sie kümmert. Oder mehr Überzeugungsarbeit leisten.

Oder man tut das nicht. Man fühlt sich einfach privilegiert und freut sich über jeden Menschen der fast so weise ist wie man selbst und entwickelt für den Rest eine gefährliche Mischung aus Häme und Mitleid. Man kann mit ihnen reden. Aber voneinander lernen können wir nicht. Denn wir sind das Epizentrum. Jeder einzelne von uns. Wir wissen bereits wie der Hase läuft. Deswegen werden wir niemals in Einklang und gegenseitigem Respekt zusammenleben. Das ist der Preis des Individualismus.

Wir denken wir kennen die Wahrheit bereits. Und das macht uns arrogant.

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