epiceve 20.04.2011, 23:32 Uhr 0 2

Die Farben verblassen

Am schnellsten beendet man den Krieg, indem man ihn verliert.

Ich streife seit Tagen durch eine mir unbekannte Großstadt. Und immer wieder höre ich dasselbe. Streit. Zank. Wut.

Wütende Leute überall auf einer unaufhörlichen Strecke der Wut. Angetrieben durch Hass und Trauer. Durch die kleinsten Kleinigkeiten und die kleinsten Uneinigkeiten.

Schreien sich an. Schlagen Türen zu. Schlagen Köpfe beieinander. Schlagen ihren gegenüber. Schlagen, wenn der andere zu schlagfertig war.
Treten Themen breit und platt. Haben das Leben lediglich satt. Die Farben verblassen.

Überall demütige Stimmung. Menschen die etwas bereuen. Die bereuen etwas in ihrem Leben falsch gemacht zu haben. Menschen die keine Lust mehr haben zu leben. Sie geben alles auf. Schmeißen alles hin. Sämtlichen Ballast werfen sie von sich und heben ab.

Frei.

Doch wenn die Seifenblase platzt, bemerkt jeder, dass er Pflichten hat. Pflichten und Verantwortungen in Gestalt von Mitmenschen. Menschen die auf ihn warten, in ihn vertrauen, auf ihn bauen. Menschen die traurig sind, wenn er traurig ist. Menschen die zu ihm halten. Die für ihn da sind. Unaufhörlich.

Doch leider bemerkt der Mensch dies selten rechtzeitig. Ist er doch schon längst so mit sich selbst beschäftigt und wird von seinem eigenständig gegrabenen Abgrund verschlungen, dass er nicht merkt wie er seine Mitmenschen mit sich zieht. Wie er sie verletzt und gar demütigt. Sie hintergeht, sie im Stich lässt, sie einfach nur fallen lässt, wie ein Stück glühendes Eisen, nur, weil er Recht behalten wollte.

Und im Nu wird die Menschheit zu einem Wolfsrudel. Wer ist der Stärkste? Wer ist der Aggressivste? Wer ist der Lauteste in diesem Streit?

Die Anlässe. Die Anlässe schreien um sich.
Hass, Ruhmsucht, Neid, Eifersucht. Oder ein gebrochenes Herz.

Aus Liebe wird kurzzeitig oder langfristig Krieg. Ein Krieg, aus den verschiedensten Gründen. Ein Krieg, mit den schlimmsten Waffen der Menschheit. Mental, Verbal, Brutal. Bleibende Schäden aufgrund einer womöglich überflüssigen Konfrontation.

Mittlerweile ist es schwer den streitlustigen Lockrufen der Streitgründe zu wiederstehen. Drum streitet man, tagein, tagaus. Über einen Kirschkern, einen Grashalm, einen Atemzug.
Der einzige Weg dem Streit zu entgehen ist das Unterwerfen vor dem Anderen.

Denn am schnellsten beendet man den Krieg, indem man ihn verliert.

2

Diesen Text mochten auch

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare