Die Ermittlungen
Viele Mosaiksteinchen, die immer noch nur höchstens die Hälfte eines Bildes ergeben
Das Schlimme ist die Unsicherheit. Natürlich ist der Tod unendlich traurig, und unendlich bedeutet wörtlich eben auch: für immer. Die Trauer wird nicht vergehen für die Angehörigen, wenn ein Mensch, den man liebt, so jung stirbt wie Susan Waade. Aber mit Trauer kann man leben lernen. Mit Wut nicht. Und die Angehörigen sind wütend, weil sie das Gefühl haben, im Fall von Susan Waades Tod wäre nicht so ermittelt worden, dass sie das Gefühl haben können, sie wüssten, was passiert ist. Das ist nicht nur das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein - das sicher auch. Aber, so wie ich es erlebe, ist es noch viel mehr das Gefühl, ihre Susan wäre ungerecht behandelt worden, unabhängig sogar davon, was in jener Nacht passiert ist. Aus ihrer Sicht wahrscheinlich vorher schon. Auf jeden Fall danach. Denn eine ordentliche Untersuchung, darauf hat doch jeder von uns ein Anrecht, wenn uns Schlimmes widerfährt. Aber stimmt das? Ist schlecht untersucht worden?
Die letzten drei Tage standen für mich zu einem großen Teil unter dieser Frage. Ich werde hier einmal aufzeigen, was ich herausgefunden habe, und meine Meinung dazu sagen und begründen, wie ich dazu komme.
Es beginnt mit einer Polizeistreife, die zu der Wohnung im Athener Stadtteil Kypseli gerufen wird, weil aus einer Wohnung Verwesungsgeruch dringt. Es herrscht drückende Hitze zu dieser Zeit, selbst für Athener Verhältnisse, und ein Nachbar hat bereits ein Tuch vor den unteren Türspalt seiner Wohnung gelegt, damit der fürchterliche Geruch aus dem Hausflur nicht in seine Wohnung zieht. Ein Schlüsseldienst wird gerufen und in Anwesenheit der Polizei und der Hausverwaltung öffnet der Schlosser die Tür. Das intakte Schloss fotografieren die Beamten vorher - es gibt keine Einbruchsspuren. In der Wohnung finden die Beamten die Leiche erhängt vor. Sie beginnen, nach Spuren zu suchen.
Es gibt zur Untersuchung den Bericht, und es gibt die Notizen zu diesem Bericht, wobei aus ihnen nicht hervorgeht, ob ein einzelner Polizist die ganze Wohnung untersucht hat oder ob er in seinen Notizen auch die Feststellungen der anderen festhält. Ein Polizist fotografiert die ganze Wohnung und die Leiche, sowohl in der Totalen, als auch in Details. Rund um die Leiche herum gibt es eine große Blutlache (Nachtrag: Auf die Kommentare hin habe ich das noch einmal überprüft: Was für mich auf den Fotos wie dunkles Blut aussieht, steht in den Unterlagen als "Flüssigkeit". Es muss so genannte Leichenflüssigkeit (umgangssprachlich wohl auch "Leichenwasser") sein und deutet nicht auf eine äußere Verletzung hin, sondern geht im Verwesungsprozess ab).
Die Wohnung ist klein, sie hat eigentlich nur zwei Zimmer, wobei ein Zimmer ursprünglich einmal aus zwei Zimmern bestand, die zusammengelegt wurden (an einem Betonbalken der ehemaligen Wand, die die Zimmer getrennt hat, hängt die Tote. Sie sitzt auf ihren Unterschenkeln). Der Beamte notiert alle Möbel und auch sonst die oberflächlichen Details der Wohnung. Die Fensterläden vor den bodentiefen Fenstern im großen Zimmer sind geschlossen. Der Fernseher läuft. Es gibt keine Spuren eines Kampfes, aber auf dem Tisch gestapelt liegende deutsche Bücher und anderer Kleinkram deuten darauf hin, dass Susan ihre Sachen gepackt haben könnte. Ansonsten ist die Wohnung zwar voll, aber nicht unordentlich.
Als bemerkenswertes Detail bewerten die Polizisten, dass in der Küche eine Schublade weit herausgezogen offen steht - so weit, dass sie fast herausfällt. In der Schublade ist Besteck, und direkt über der Schublade auf der Ablage liegt ein Brotmesser mit Wellenschliff und einer etwa 30 Zentimeter langen Klinge. Im Bericht ist notiert, das Messer wäre augenscheinlich unbenutzt - allerdings stehen direkt neben dem Messer eine Flasche Spülmittel und ein Schwamm. Das Messer wird nie weiter untersucht.
In der Zwischenzeit wird der Besitzer der Wohnung, Susan Waades ehemaliger Lebensgefährte, benachrichtigt. Er ist auf Kreta, macht sich aber sofort auf den Weg zurück nach Athen.
Aus der Tatsache, dass keine Einbruchs- oder Kampfspuren zu finden sind und die Leiche, so weit das bei dem Zustand erkennbar ist, keine Spuren von äußerer Gewaltanwendung aufweist, schließen die Beamten auf einen Selbstmord. Der für die Ermittlungen zuständige Polizist ordnet eine Obduktion an. In dem Bericht, der direkt am nächsten Tag aufgesetzt wird, schreibt er, die bisherigen Erkenntnisse schlössen ein Fremdverschulden aus.
Offensichtlich fragen die Beamten auch herum, wann Susan Waade zuletzt lebend gesehen wurde. Die Hausverwalterin, die im gleichen Haus wohnt, erinnert sich, sie am Abend des 25. Juni gegen 22.30 Uhr im Hausflur gesehen zu haben. Sie wird später vorgeladen und sagt das auch eidesstattlich aus.
Bereits am nächsten Tag vernehmen die Beamten den ehemaligen Lebensgefährten. Er sagt aus, Susan Waade sei psychisch instabil gewesen, habe bereits in der Vergangenheit zwei Versuche unternommen, sich das Leben zu nehmen und er habe sie am Abend des 25. Juni nach einem Streit, in dem es um die offensichtlich erfolgte Trennung der beiden gegangen sei, aufgewühlt in der Wohnung zurückgelassen. Sie sei betrunken gewesen und hätte weiter getrunken. Er habe aber nicht für möglich gehalten, dass sie sich etwas antun würde.
Der Mann vom Schlüsseldienst bezeugt, dass das Schloss von ihm geöffnet wurde und vorher intakt gewesen war.
Außerdem werden die Telefonverbindungen aus der Wohnung überprüft. Es stellt sich heraus, dass von dem Anschluss an dem Abend zweimal telefoniert worden ist. Einmal um 19.11 Uhr für eine Minute, und dann direkt danach für 13 Minuten. Die Nummer wird überprüft und die Besitzerin des angerufenen Handys zur Aussage vorgeladen. Sie ist eine Mitmusikerin von Susan Waade und sagt aus, Susan habe an dem Abend erzählt, dass ihr ehemaliger Lebensgefährte nach Kreta abgereist sei, dass sie sich getrennt hätten und dass sie ihn mit einem Messer bedroht und gefordert hätte, er solle sie in Ruhe lassen. Sie habe geweint. Die Freundin war überrascht, dass Susan Waade sich das Leben genommen haben soll. Sie hätte das nicht erwartet. Aber auch sie beschreibt Susan Waade als manchmal tief unglücklich. Sie hätte einmal gesagt, sie könne sich nicht vorstellen, jemals glücklich zu sein.
Bereits zwei Tage nach dem Auffinden der Leiche liegt der vorläufige Obduktionsbericht der Rechtsmedizin den Beamten vor. Die Todesursache ist "Erhängung durch eine selbstgemachte Schlinge". Der Todeszeitpunkt ist nicht bestimmbar (für den Totenschein schätzt die Rechtsmedizinerin den Zeitpunkt auf drei bis vier Tage vor der Obduktion am 2. Juli, aber das leergelassene Feld im Obduktionsbericht zeigt auch, dass sie den Zeitpunkt für eine belastbare Untersuchung nicht bestimmen wollte, weil es praktisch unmöglich war).
Die Polizei ist sich spätestens an diesem Punkt sicher: Die Bewertung der ermittelnden Beamten, der Rechtsmedizin und die Zeugenaussagen decken sich. Es gibt aus ihrer Sicht keinen Hinweis auf ein Verbrechen. Dass Marion Waade in Deutschland Strafanzeige wegen Mordes gestellt hat, wissen die Polizisten in Griechenland möglicherweise gar nicht. Haben sie also bis hierher Fehler gemacht? Hätten sie noch mehr machen können oder müssen? Haben sie etwas übersehen?
Für die Familie Waade in Deutschland stellt sich schon die Geschichte bis hierher völlig anders dar: Ihre Susan war bereits beerdigt, als sie von dem Tod erfuhren, obwohl sie sofort einen Antrag auf Überführung der Leiche gestellt hatten. Die Informationen, die bei ihnen ankamen, waren widersprüchlich und alarmierend: Bekannte ihrer Tochter riefen an und waren der festen Überzeugung, Susan Waade wäre umgebracht worden - und auch die Waades selbst konnten (und können) sich nicht wirklich vorstellen, dass Susan sich selbst getötet haben soll. Und vielleicht mehr als alles andere bestätigte sich mit Susans Tod eine Art böser Vorahnung, denn ihr Bruder Mirco, mit dem sie fast täglich telefonierte, hatte von seiner Schwester gehört, ihr Lebensgefährte wäre aggressiv, brutal und hätte sie mehrfach geschlagen. Nun aber ermittelte die griechische Polizei ganz offensichtlich mit der fertigen These, dass es sich um einen Suizid handle - und vernachlässigte dabei aus Sicht der Waades mögliche andere Spuren.
Das sind die beiden Positionen, die nicht zusammenzubringen sind: Die Polizei, die auf der einen Seite darauf besteht, sie hätten da einen geradezu schulbuchmäßig einfachen Fall von Suizid bewiesen, und auf der anderen Seite die Familie, die sagt: Ja, aber ihr habt auch nach nichts anderem gesucht!
Ich bin noch längst nicht so weit, dass ich mir ein Urteil über den Fall erlauben möchte. Aber an dieser Stelle sprechen wir isoliert nur über den Teil der Ermittlungen bis hierher. Und natürlich habe ich eine Meinung dazu. Sie muss nicht ewig gelten, aber ich möchte sie zur Diskussion stellen.
Eindeutig war es ein fürchterlicher Fehler, mit der Beerdigung nicht zu warten, bis die Angehörigen informiert waren und ihre Wünsche äußern konnten, aber daran ist die griechische Polizei vielleicht gar nicht schuld. Es finden sich Notizen in den Akten, dass die Polizei die deutsche Botschaft noch am 30. Juni über den Fall informiert hat, "telefonisch und schriftlich", was wohl bedeuten soll, über die Mailbox des Handys des Bereitschaftsdienstes und per Fax. Das war ein Samstagabend, und mir fallen eine Menge plausible Erklärungen ein, warum zunächst niemand reagiert hat. Allerdings nur bis zum Montag. Die Botschaft gab die Nachricht aber erst am Dienstag weiter, und besteht offenbar darauf, vorher von dem Fall nichts gewusst zu haben. Wenn ich die Gelegenheit habe, die Frage noch einmal zu stellen, dann werde ich das tun. Aber ich kann mir beim schlechtesten Willen auf keiner Seite eine Absicht dahinter vorstellen, insofern war das meiner Meinung nach leider einfach ein schmerzhafter, böser Fehler, aber ich weiß nicht, von wem.
Ich kann den verantwortlichen ermittelnden Polizisten auch insoweit verstehen, dass er keine Ermittlungen in einem Mordfall eingeleitet hat. Er hatte relativ schnell ein Fremdverschulden ausgeschlossen, und er kann nur nach Aktenlage entscheiden: Die Beamten vor Ort schließen ein Fremdverschulden aus. Die Rechtsmedizin bestätigt einen Suizid. Es liegt nach seinem Kenntnisstand auch keine Anzeige vor. Warum sollte er von Amts wegen weiter in Richtung einer gewaltsamen Tötung ermitteln? Das ist kein Fehler. Aber eine Sache halte ich für sehr, sehr schwierig: Wenn vor mir ein Mann sitzt, der aussagt, seine tote Exfreundin hätte bereits vorher zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie hätten einen Streit gehabt, so heftig, dass mit einem Messer hantiert wurde. Man hätte sich getrennt. Und er ist dann einfach abgefahren? Nach meinem Rechtsverständnis schreit das zumindest nach ein wenig Ermittlungen in der Richtung, ob hier nicht eine Tötung durch Unterlassen vorliegt, nämlich das Unterlassen, die offenbar instabile Exfreundin zumindest in die sorgende Obhut von Freunden zu übergeben, bevor ich für Monate wegfahre. Zumindest ein Anruf: "Guckt ihr mal nach ihr?" Denn wenn er es auch nur für möglich gehalten hätte, dass sie sich etwas antut, wäre er verantwortlich gewesen. Und er hat nicht einmal kurz daran gedacht?
Dieser Gedanke hätte ein paar Vorteile gehabt: Sein Alibi wäre wohl gleich überprüft worden und nicht erst Jahre später. Das Messer wäre vielleicht doch noch untersucht worden daraufhin, ob sie sich vielleicht selbst damit verletzt hat - denn dann hätte er erst recht bemerken müssen, dass sie es ernst meinte. Und es wäre versucht worden, diese angeblichen früheren Selbstmordversuche zu belegen, denn bis heute gibt es keinen Beweis dafür, dass sie deshalb jemals in einem Krankenhaus, bei eine Arzt oder Therapeuten war. Sie existieren nur in seinen Aussagen. Und man hätte vielleicht mit den Eltern Kontakt aufgenommen und wäre dabei auf einen Hinweis gestoßen, der vielleicht besser als alles andere tatsächlich hätte aufzeigen können, ob Susan Waade an einem Punkt angelangt war, an dem Weiterleben für sie keinen Sinn mehr hatte: Sie hatte über all die Jahre Tagebuch geführt. Aber die Bücher sind nie gefunden worden - es hat auch viel zu lange niemand nach ihnen gesucht.
Als später aufgrund der Anzeige von Marion Waade - die in Wahrheit erst bearbeitet wurde, nachdem sie sie im Dezember 2008 in Athen wiederholte -, ermittelt wurde, war es viel zu spät, um den potenziellen Tatort zu untersuchen. Zeugenaussagen waren längst durch den Zahn der Zeit geschliffen worden. Und Aussagen wie die, dass Susan betrunken war - was die Obduktion widerlegt hat -, konnten nicht mehr sinnvoll untersucht werden. Denn so weit man es aus den Akten und den Fotos ersehen kann, ist in der Wohnung keine Flasche Bier gefunden worden. Aber wer will das Jahre später tatsächlich belegen - man hatte ja auch nicht nach ihr gesucht.
Das ist also das: Wir stehen vor einem Fall, der wie ein schulbuchmäßiger Selbstmord aussieht, und vielleicht ist er das auch. Aber ein Teil Ungewissheit bleibt, weil Aussagen nicht schlüssig sind, und sie heute weder zu be- noch zu widerlegen sind. Und die Ungewissheit ist das Schlimmste.
Ich glaube, dass an dieser Stelle der Ermittlungen möglicherweise ein zunächst klein erscheinender Fehler dazu geführt hat, dass später viel größere gemacht wurden. Was nicht heißt, dass nicht trotz allem der erste Eindruck richtig war und Susan Waade ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt hat. Aber es wurde dadurch immer schwieriger, das wirklich zu wissen.
PS. Ich habe die Akten, in denen das steht, von dem ich hier schreibe, sehen und mir Notizen machen können. Ich würde sie allerdings nicht veröffentlichen, weil an so vielen Stellen die engste Privat- oder gar Intimsphäre der beteiligten Personen berührt wird, dass ich sie wohl zu mehr als der Hälfte schwärzen müsste.





Kommentare
Hallo,
31.07.2010, 09:15 von TwistOkurz zum Hintergrund: Ich habe selbst starke Rückenschmerzen und suche immer nach Möglichkeiten, meine Wirbelsäule zu entlasten. Früher gab es ein Gurtsystem, das man sich um den Kopf schnallte und mit einem Seil und einem Flaschenzug am oberen Ende der Tür befestigte. So konnte man "abhängen" und Druck von der Wirbelsäule nehmen, was aber heute nicht mehr als hilfreich gilt.
Da die Position von Susan Waade darauf hindeutet, dass sie es sich - so sie es selbst war - eher gemütlich eingerichtet hat, kann ich mir vorstellen, dass sie vielleicht eine solche Entlastungsposition gesucht hat. Vielleicht konnte sie sich selbst nicht vorstellen, dass man sich mit einem, wenn auch festen Wollschal erhängen kann und kannte auch den berühmten Fall aus den Medien nicht.
Sind vielleicht Rücken- oder Nackenschmerzen o. Ä. bei ihr bekannt?
@[Benutzer gelöscht] Bereits zwei Tage nach dem Auffinden der Leiche liegt der vorläufige Obduktionsbericht der Rechtsmedizin den Beamten vor. Die Todesursache ist "Erhängung durch eine selbstgemachte Schlinge". Der Todeszeitpunkt ist nicht bestimmbar (für den Totenschein schätzt die Rechtsmedizinerin den Zeitpunkt auf drei bis vier Tage vor der Obduktion am 2. Juli, aber das leergelassene Feld im Obduktionsbericht zeigt auch, dass sie den Zeitpunkt für eine belastbare Untersuchung nicht bestimmen wollte, weil es praktisch unmöglich war).
01.08.2010, 14:38 von Sanny1980Der endgültige Obduktionsbefund ist erst 9 Monate später fertig gewesen. Es fehlten noch Laborergebnisse. Wie kann man vorher von einem Suizid ausgehen, wenn der Obduktionsbefund noch garnicht fertig ist. Es gibt sehr wohl Möglichkeiten, über Laborwerte andere Erkenntnisse zu erhalten. Diese sind dann aber nicht mehr ausgewertet worden.
Wie gesagt, diese habe ich nicht einmal erhalten, trotz mehrmaliger schriftlicher Anforderungen.
Nach Lehrbuch kann ein Foto einen Suizid bestätigen, aber Laborwerten täuschen nicht.
Auch meine Anträge auf Exhumierung vor den obligatorischen 3 Jahren Ruhephase in Griechenland, wurden nicht berücksichtigt. Eine Obduktion in Deutschland, die ich in Köln erfolgen lassen wollte, konnte nicht mehr durchgesetzt werden, weil der griechische oberste Staatsanwalt es nicht für nötig hielt, meine Rechte als Mutter und Erbin anzuerkennen.
Hallo zusammen.
30.07.2010, 21:21 von TwistOIch verfolge das Projekt hier mit Interesse und bin begeistert über die revolutionäre Idee. Ohne hier Sensationslust vorzuwerfen - die es schon allein deshalb nicht sein kann, weil gerade die Eltern die Reportage initiativ wollten, die es also nur über den Leser wäre -, ohne diesen Vorwurf also befürchte ich, dass das Experiment belächelt werden könnte, weil "der Fall" scheinbar nicht mehr viel hergibt. Ich drücke Dir also alle meine Daumen.
Zum Fall (darf ich das so sagen?) an sich, mich macht Folgendes stutzig:
Susan Waade hat einer Musikerkollegen bei Ihrem zweiten Anruf um 19.12 Uhr offenbar von der Trennung erzählt und dass ihr nun Ex-Freund nach Kreta abgereist sei. Gegen 22.30 Uhr wird sie noch einmal im Treppenhaus gesehen.
Daraus ergeben sich für mich Folgende Fragen:
1) Wie hat Susan Waade die Trennung der Musikerin gegenüber formuliert? Hat sie sich von ihm getrennt oder er sich von ihr oder sie beide? Hat sie von seinen Reaktionen erzählt? Was ist in den 13 Minuten noch gesprochen worden?
2) Ist der Ex-Freund wirklich schon abgereist oder noch einmal zurückgekehrt? Wann ist die Fähre gefahren, auf der er sich nach Aktenlage nachweislich befand? War das nicht erst am nächsten Tag?
3) Ist aus der Aussage der Hausverwalterin ersichtlich, ob sich Susan Waade von der Wohnung weg- oder zu ihr hinbewegt hatte? Wo war sie zwischendurch?
4) Für den Fall, dass das Alibi die Ex-Freundes stimmt, kann danach (immerhin drei Stunden!) noch jemand in der Wohnung gewesen sein? Hatte einer der Freunde einen Schlüssel, oder hat sie ihm aufgemacht? Hat jemand evtl. Geschlechtsverkehr von ihr eingefordert, jetzt, da sie ja wieder frei sei, woraus ein Handgemenge entstanden sein könnte ...?
Dein Stringer hat doch "versucht, herauszufinden, ob der ehemalige Lebensgefährte von Susan Waade oder seine Familie aus irgendeinem Grund mächtig genug sind, um Ermittlungen in Griechenland zu beeinflussen." Vielleicht könnte er auch mal die Alibi-Kumpel abklopfen ...
ich habe mir genau dieselbe frage gestellt - denn es ist schon ziemlich untypisch, dass eine blutlache beim erhängen auftritt.
28.07.2010, 13:54 von HappyInsideda die leiche aber nicht sofort gefunden wurde, konnte die polizei wahrscheinlich nicht auf anhieb feststellen, ob es sich um blut handelt - jedoch bin ich der meinung, dass es einen hinweis an der leiche gegeben haben muss, woher das blut stammt. klingt für mich ganz so, als ob bei der obduktion nicht genau hingeschaut wurde.
@HappyInside Die Antwort steht oben, aber zur Obduktion: Den gleichen Verdacht hat die Familie auch. Ich habe das nicht erhärten können: Der Zustand der Leiche war so schlecht, dass sicher Ödeme im Gehirn oder Blaue Flecken nicht mehr erkennbar gewesen wären, aber eine Stich-, Schuss- oder schwere Hiebverletzung hätte man meiner Ansicht nach erkannt. Es gibt Fotos von der Obduktion, auf denen keine solche Verletzung erkennbar ist (auf Knochenbrüche hin wurde wohl geröngt oder eine Tomografie gemacht, jedenfalls wurde der Leichnam in einer "Röhre" untersucht). Ich bin kein Experte, aber die obduzierende Ärztin hat einen guten Ruf und ein Rechtsmediziner, ein Pathologe und eine Mikrobiologin, die ich gefragt habe, konnten anhand der Unterlagen und Fotos keinen Fehler und nichts Unschlüssiges feststellen.
28.07.2010, 15:17 von michalis_pantelouris@michalis_pantelouris Jetzt habe ich das auch in den Text eingepflegt. Danke für den Hinweis!
28.07.2010, 15:22 von michalis_pantelourisich verfolge deine berichte sehr gespannt. ich mag die art, wie du das sehr behutsam behandelst.
28.07.2010, 10:20 von TochterAusElysiumeins fällt mir bei diesem text auf: es wurde eine große blutlache gefunden. rund um die leiche. ich bin kein mediziner, aber gehört es zum bild eines tod durch erhängen, dass blut austritt? und so viel? wo kam denn das her?
@TochterAusElysium Das ist ein richtiger Hinweis: Auf den Bildern sieht es aus, wie dunkles Blut. Aber in den Unterlagen steht nur "Flüssigkeit". Ich werde das nochmal erfragen.
28.07.2010, 11:52 von michalis_pantelouris@michalis_pantelouris vielen dank für die information, michalis.
28.07.2010, 18:47 von TochterAusElysiumund nochmal: ich mag die art der berichterstattung und dass man als leser auch irgendwie "eingreifen" kann. weitermachen.