herr_krawalli 30.11.-0001, 00:00 Uhr 75 27

Die Emanzipation des Mannes

Männer, befreit euch!

Seit ich denken kann, ist offiziell im Grunde immer nur die Rede von der Emanzipation der Frau. Emanzipation wird und wurde häufig als Synonym für die Gleichbehandlung und daraus resultierend für die Selbstverwirklichung verwendet. Dabei dachte ich immer, es gehe dabei um die Eigenständigkeit.

Betrachte ich Emanzipation als eine Frage des Geschlechts, muss ich zu dem Schluss kommen, dass die Frauen uns Männern mal wieder einen Schritt voraus sind. Mag sein, dass es einen deutlichen Unterschied in Gehaltsfragen gibt oder die ein oder andere Firma noch immer keine Frauen in ihrer Chefetagen sehen möchte. Aber betrachte ich diese Situation in meinem Umfeld, möchte ich behaupten, dieses Problem nicht zu kennen. Unsere Gehälter fallen recht gleich aus, und entweder die Frauen in meiner Umgebung haben kein gesteigertes Interesse am Aufstieg in die Chefetage oder sie sind auf dem besten Weg dahin.
Sehe ich von dieser Problemstellung ab, muss ich doch feststellen, dass Frauen es schon sehr weit weg geschafft haben von ihren Klischeebildern und zugewiesenen Rollen.
Ich kenne ernsthaft niemanden in meinem Umfeld, der sich noch pikiert fühlt, wenn eine Frau über Verhütung redet, im Minirock stolz spazieren geht oder lieber keine Kinder möchte, sondern den Weg in die Chefetagen anpeilt oder zumindest sich selbst verwirklichen möchte, sei es durch Reisen oder sonstigem. Niemand zeigt mit dem Finger auf eine junge Frau, die während ihrer Ausbildung auszieht, eigenständig lebt und gerne Heavy Metall hört. Trägt sie Jeans, kann sie so weiblich sein wie eh und je. Ist sie ungeschminkt, entspricht es ihrer Natur. Hat sie Cellulite, ist das Bindegewebe, also Mutter Natur, Schuld.

Nehmen wir an, eine Frau möchte nun keine Kinder. Sicher wird der ein oder andere fragen, warum dies denn so ist. Doch ich mag behaupten, dass es nicht unbedingt nur Männer oder nur Frauen sind, die diese Entscheidung in Frage stellen. Schuld daran ist in diesem Fall wirklich nur Mutter Natur, denn ohne Frau - kein Kind. Da können wir Männer so emanzipiert sein, wie wir wollen.

Schlimmer hingegen sieht es nach meinem subjektiven Empfinden für die Männer aus. Kaum ein Mann hat es geschafft, sich aus seinem gesellschaftlich anerkannten Geschlechtsbild zu lösen.
Wir werden zwar als Helden gefeiert, wenn wir unseren Vaterschaftsurlaub in Anspruch nehmen, doch geschieht dies meist nur offiziell. Inoffiziell sind wir "Hausmänner" und es kann gesellschaftlich anscheinend nur sein, dass die Frau in der Beziehung die Hosen anhat. Sonst würde der Mann doch wirklich weiter arbeiten gehen, um seine Familie zu ernähren und Kind und Mutter in Ruhe zu Hause lassen.
Anders sieht es auch beim Thema Scheidung aus. Lassen sich Frauen scheiden, haben sie einen großen Schritt gewagt, stehen zu sich, sind stark und eigenverantwortlich. Lässt sich der Mann scheiden, hat er Kind und Familie vermeintlich im Stich lassen, nur um sich selbst zu verwirklichen, während er angeblich tatenlos zusieht, wie Mutter und Kind von Hartz IV leben.
Welcher Mann wird denn heute freudig empfangen, wenn er mit seinen Kumpels ins Kino geht und im Rock erscheint? "Ah, schwul ist er!" Der einzige gesellschaftlich für den Mann halbwegs anerkannte Rock ist der Schottenrock. Von seiner modischen Erscheinung abgesehen, wird dich sicher jeder Fünfte fragen, ob er mal unter den Rock sehen darf. Schon mal erlebt, was passiert, wenn man eine Frau fragt, ob man ihr mal unter den Rock schauen darf?
Ein Mann, der Shania Twain hört, muss definitiv eine Macke haben. John Mayer geht noch durch, bei Keith Urban ist dann wirklich Schluss mit lustig. Männer hören Rock, Metall oder Hip Hop. Keine Diskussion!
Und erzähle nicht einmal deinem besten Freund nicht, dass du Dirty Dancing zitieren kannst! Er will es nicht hören!

Ein Mann, der keine Kinder möchte, ist entweder der Verantwortung nicht gewachsen oder hat Angst vor einer ernsthaften, tiefen Bindung. Kommt es ganz schlimm, hasst er kleine Kinder abgrundtief. Mit der Selbstverwirklichung des Mannes hat das von vorne herein nichts zu tun.
Verdient er weniger als die Frau, ist er eine Lusche.
Geht er seinen Weg, ist er egoistisch.
Besteht er beim Einzug der Freundin auf getrennte Konten, kann er keine Verantwortung übernehmen.
Und wehe, du, Mann, kannst keine Lampe anschließen. Wofür bist du dann zu gebrauchen?
Ja, ich denke, die Frauen sind sehr viel emanzipierter als wir Männer. Haben sie Ängste, stehen sie dazu. Kommen ihnen die Tränen, heulen sie und täuschen keinen Hustenanfall vor. Die Liste ist unendlich vorsetzbar.

Ich bin für die Selbstverwirklichung des Mannes. Bist du Papa, sei stolz. Kannst du den Kühlschrank nicht alleine in die neue Dachgeschoßwohnung tragen, gehe nicht ins Fitneßstudio und nimm Anabolika, sondern frag das nächste Umzugsunternehmen. Weine, wenn du traurig bist. Verzichte auf den Karrieresprung, wenn du keine Lust auf den Job hast. Trenne dich von deiner Freundin, wenn sie nicht in dein Lebenskonzept passt. Habe ruhig einen Lebensplan. Wenn auch nur grob.
Frauen, macht den Männern Mut dem Rollenklischee zu entspringen. Schreibt in das Buch "Ein Mann - Ein Buch" das Kapitel "So wird ein Baby gewickelt!", lacht ihn nicht aus, wenn er dich fragt, wie die Waschmaschine funktioniert, tröstet ihn, wie ihr eure beste Freundin trösten würdet.

Letztlich wäre damit auch euch geholfen - selbst mit Blick auf die Chefetage

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75 Antworten

Kommentare

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    Genau diese Gedanken hatte ich zum Teil auch schon und freue mich, sie hier zu lesen. Deutschland ist hier im europäischen Vergleich vor allem in Sachen Erziehung /Kinder sehr konservativ. In NL z.b. haben oft Frauen und Männer beide 4-Tage Wochen und können sich so besser gemeinsam um ihre Kinder kümmern. Da herrscht dann nicht so ein blödes 'Hausmann' 'die Frau hat die Hosen an' Klischee vor - zumindest nicht bei den Holländern die ich kenne...Aber in der Tat - das Thema müssen die Männer schon selber bearbeiten- diese Klischees zu bekämpfen...

    01.01.2010, 13:22 von Fuexa
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      @[Benutzer gelöscht] Ich finde Teile deines Artikels ganz gut ,jedoch sind nicht alle der Wahrheit entsprechend wie z.b. der Punkt mit den Gehältern.Außerdem sind einige Sachen übertrieben dargestellt....

      27.09.2009, 17:53 von martina85
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    gefällt mir super, dein Artikel - phänomenal :>

    20.03.2009, 08:34 von random485
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      @Tschoern Fand den Artikel einen guten Aufruf. Der Anspruch auf Gleichheit ist bei den Geschlechtern einfach nicht gegeben. Wir sind nun mal unterschiedlich und könnten uns daran erfreuen. Ich kenne viele Männer, die eher in einer weiblichen Energie stehen und viele Frauen, die eher in einer männlichen Energie stehen. Da wird dann das Programm gefahren, dass Frauen es eigentlich besser können als Männer und Männer denken, dass sie die besseren Frauen sind siehe Frauenversteher.

      Ich fahre gut damit, zu meinem Ursprung zurück zu finden. Ich bin auch eher weiblich geprägt worden und bin froh darüber, weibliche Contexte/Programme nach und nach loszulassen. Lieber habe ich Unrecht und bin glücklich als dass ich auf mein Recht beharre und unglücklich bin, auch wenn mir das nicht immer gelingt.

      Als Mann wie als Frau hast du die Wahl: Entweder du erfüllst den gesellschaftlichen Anspruch oder du gehst deinen eigenen Weg und wirst glücklich. Dabei ist es gut möglich, dass du in einen ziemlichen Konflikt gerätst zwischen deinem freien Willen und deiner Lebensaufgabe.

      "Das größte Problem der Männer ist es, dass sie denken, klüger als die Frauen zu sein. Das größte Geheimnis über Männer ist für Frauen, wie Männer nur so dumm sein können." (Ron Smothermon, Das Mann/Frau Buch)


      18.03.2009, 13:45 von Benedikt1802
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    wenn eine Frau über Verhütung redet, im Minirock stolz spazieren geht oder lieber keine Kinder möchte, sondern den Weg in die Chefetagen anpeilt oder zumindest sich selbst verwirklichen möchte

    Ich habe jetzt nicht alle Kommentare hier gelesen, aber einen guten Teil, und es erstaunt mich, dass niemand darauf eingegangen ist, dass es zur Emanzipation der Frau gehören soll, dass sie sich ENTSCHEIDEN kann, ob sie lieber Kinder oder Karriere will.

    Ich gebe zu, dass es noch eher ungewöhnlich ist, wenn umgekehrt ein Mann lieber keine Karriere möchte, sondern sein Leben mit der Betreuung seiner Kinder verbringen will.

    Aber beide Varianten sind möglich (plus die althergebrachten natürlich, in denen der Mann die Karriere und die Frau die Kinderbetreuung hat). Dennoch ist es für Männer selbstverständlich, dass sie Karriere UND Kinder haben können. Für Frauen dagegen noch lange nicht.

    Und so lange wie das so ist, brauchen sich die Männer meiner Meinung nach nicht über mangelnde Emanzipation zu beklagen.

    15.03.2009, 22:08 von Taurina
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      soso, dann erzähl mal bitte wo sich der mann entscheidet wenn ihre frau oder partnerin abtreiben will... oh sorry ich vergaß, das ist ja strafbar!! meiner meinung nach ist es dringenst nötig von der emanzipation des mannes zu sprechen!!! männer sind selbst vom gesetz benachteiligt und zwar in allen lagen! ist das etwa emanzipation?! nein! das ist die rache der frauen!

      29.03.2013, 16:57 von GD93
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    hey,

    Irgendwie hast du schon recht. Eine Frau muss emanzipieren- das ist doch total normal! Aber ein Mann? Der hatte doch schon immer alle Möglichkeiten, was will der denn noch?
    Ob Frauen immer noch weniger Gehalt bekommen, finde ich, ist ein ganz anderes Thema und eine Schande für die Gesellschaft.
    Aber die Toleranz gegenüber Männern ist meist kleiner als jeder behauptet. Jedoch liegt viel an der Einstellung des einzelnen Mannes und Frau. Wenn er/sie selbst es nicht als selbstverständlich ansehen kann, wie soll es dann sein/ihr Umfeld machen?
    Zum Text: Schön mal die andere Perspektive zu sehen.

    14.03.2009, 12:56 von anmor
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    Emanzipation des Mannes im Sinne von "Steh zu dem, was du bist". Find ich gut - vorallem das von einem Mann zu hören (o:
    Könnte ich so in leicht veränderter Form aber auch jeder Frau vorlegen.
    Steh zu dem was du bist.
    Emanzipation des Selbst.
    Guter Gedanke...

    14.03.2009, 00:32 von Mienigkeit
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