ChrisMartin 26.01.2006, 21:07 Uhr 11 2

Die „alternativ-Junkies" unserer Generation

Du trägst Klamotten ohne Marke, zerrissene Jeans, und gestreifte Shirts? Du besitzt einen weißen Schal und eine olivgrüne Army-Cap mit Buttons drauf?

Du hast Leder Schuhe, die schön zerlatscht aussehen und nach London riechen?
Du hast langes Surf Hair und ne lässige Umhängetasche an deiner Schulter?
Du hörst nur Musikbands die keiner kennt und trinkst grünen Tee?

Dann behauptest du von dir sicher „alternativ“ oder besser „individuell“ zu sein.
Bist du es auch? Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Menschen unter dem Zwang stehen individuell wirken zu wollen. Weil eben diese Menschen andere, die sie unglaublich bewundern, für individuell halten. Diese für individuell erkannten und erstrebten Verhaltensmuster, die Kleidung, der Musikgeschmack, also praktisch der ganze individuelle Lifestyle wird einfach kopiert. Individualität ist in, ist gefragt, Persönlichkeit zählt und wer keine hat oder ganz offensichtlich „mit dem Strom schwimmt“ ist nicht gefragt. Man soll zu allem Farbe bekennen und eine Meinung haben, auch wenn keine Ahnung da ist.

Man läuft durch die Stadt und sieht die Opfer dieses alternativen Zwangs,
Erst letztens begegnete mir ein Kollege, der ohnehin schon immer sehr alternativ wirkte, als er seinen alten Schulranzen aus der 1. Klasse wieder lässig auf der Schulter trug, eine Wallnuss an einem Wollfaden um den Hals baumelnd und bei
minus 6°C und etwa 10cm Neuschnee mit seinen Birkenstock Filzpantoffeln durch die Straßen zog.

Ist das Individualität? Entspricht das einer Expression des Wesens eines jungen Erwachsenen? Meiner Meinung nach kann man das nicht mal als revolutionäre Auflehnung bezeichnen. Vielmehr ein albernes Beispiel, was dabei rauskommt, wenn man zwanghaft „anders“ sein will. Und dabei nicht davor zurückschreckt wie ein Depp da zu stehen. Emily Strange Buttons und Shirts, zerlatschte Chucks All-Stars und H&M Klamotten sind längst zu „Mainstream-Alternativ-Accessories“ geworden!

Es gibt Leute die Ihre Profile und Foren von Internet Communities mit geistreichem Zeug volltexten müssen. Zu diesen gehöre ich auch. Nicht weil wir unbedingt immer philosophische Gedanken hätten, sondern weil wir den Eindruck erwecken wollen, das wir wirklich tiefgründige Lebenshinterfrager sind die sich über jeden Scheiss unterhalten müssen und zu jedem neusten Topic eine Meinung vertreten.
[Siehe Neon-Ausgabe von Dezember 2005Artikel „Kein Kommentar“]

Meine Frage an dieser Stelle ist, ob man wirklich individuell ist, wenn man so handelt? Und vor allem: ob man sich dabei nicht selbst betrügt und dabei genau das tut was Individuelle niemals tun würden: Jemand sein, der sie gar nicht sind!
Es scheint fragwürdig und es scheint so, als ob viele, die auf den ersten Blick Individuelle Menschen zu sein scheinen unglaubwürdig oder gar heuchlerisch sind!

Was ist individuell und was nicht? Das was nur von uns kommt? Oder ist es die Kunst ein Mosaikleben zu führen und sich aus jedem Trend aus jedem Style etwas heraus zu picken und sich seine eigene Persönlichkeit zusammen zu basteln?

Wir sollten versuchen wir selbst zu sein, auf uns zu hören und aus uns heraus eine Persönlichkeit zu entwickeln die in sich selbst individuell ist! Und dann nicht nur individuell, sondern auch originell, ein Original eben!

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    "Erst letztens begegnete mir ein Kollege, der ohnehin schon immer sehr alternativ wirkte, als er seinen alten Schulranzen aus der 1. Klasse wieder lässig auf der Schulter trug, eine Wallnuss an einem Wollfaden um den Hals baumelnd und bei
    minus 6°C und etwa 10cm Neuschnee mit seinen Birkenstock Filzpantoffeln durch die Straßen zog."

    also, das tut ja aaber auch wirklich niemand. ;)

    26.03.2007, 15:20 von Federico
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    grad noch mal nachgedacht, der trottel trägt im winter solche schuhe. nur um den schein zu bewahren. gott ist das hohl. das käm mir ja nicht in den sinn. bei dem wetter trag ich winterstiefel...

    06.01.2007, 21:57 von Roxie
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    ich muss zugeben ja ich trage chucks und ja, ich trage eine ledertsche. (alternativkennzeicchen?)
    aber einfach, weil es mir gefällt. aber ich kenne viele von diesen mädels, die sich selbst für die oberalternativen-bzw. punks und was weiß ich nicht halten, wenn sie ramones und co.-t-shirts tragen. wurde ja oben schon mal angesprochen. da denkt man echt manchmal. was soll das ?
    es ist vielleicht schwer "sich selbst zu finden", aber manche meinen wirklich sich durch ihr getue wichtig machen zu müssen.
    lg

    06.01.2007, 18:32 von Roxie
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    7 Sternchen !!
    Die kritik an einem selber hat mir gut gefallen so das s ich erstmal schmunzeln konnte.
    ich denke doch in der zwischenzeit wird es viel zu überbewertet ob man nun sein ding durchzieht oder nicht.
    aber jeder muss diese phase durch machen um dann zu dem punkt zu gelangen an dem das einem alles scheiß egal ist und man so gestärkt ist das man menschen nicht mehr in individuell und mainstream kategorisiert. greetings

    11.10.2006, 12:33 von BenliebtAnna
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    Ich finde Leute sind ab der Sekunde nicht mehr individuell ab der sie darauf BESTEHEN individuell zu sein.
    Und es ist schon richtig: Eigenes DENKEN,eine eigene Meinung bedeutet individuell sein,nicht der HM Nietengürtel...

    09.10.2006, 21:33 von Julchen24
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    Ganz lustig finde ich auch, wenn Jungs mit Skate-Klamotten Vans tragen, weil sie so schön "stylish sind" *oje*. Oder aber Ramones & Co. T-Shirts Nietengürtel bei H&M >> und das tragen dann 14jährige Mädels die nicht mal wissen wer das überhaupt ist...

    Individualität ist schon ziemlich schwer zu definieren - denn egal was man eigentlich anzieht oder auch macht, man wird eigentlich immer kopiert bzw. hat selbst schon etwas ähnliches gesehen. Die eigene Interpretation der Dinge ist doch letztendlich das was uns von anderen unterscheidet. Und das macht meiner Meinung nach ein Original aus.

    04.08.2006, 15:25 von Solskinn
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