Der Vater
Günter Waade ist ein ruhiger Mann. Einer, der die Dinge mit sich selbst ausmacht. Auch seine Trauer
Väter und Töchter. Es ist eine ewige Geschichte, da sind Günter und Susan Waade keine Ausnahme. Wenn er von ihr erzählt, dann am liebsten von ihr als Kind, und man merkt ihm an, dass seine größte Tochter für ihn immer das kleine Mädchen geblieben ist – so wie für alle Väter. Er ist stolz auf sie, auf ihren Dickkopf, darauf, wie schlau sie war und auch darauf, dass sie niemals aufgegeben hat, bei nichts.
"Ich habe schöne Lieder von ihr", sagt er, und manchmal setzt er sich hin und hört sie. Während Susans Mutter Marion das Erbe ihrer Tochter vor allem dadurch bewahrt, dass sie gegen jede einzelne Ungerechtigkeit in die Schlacht zieht, die ihrer Tochter angetan wurde, bewahrt Günter Waade es vor allem durch seine Erinnerung. Sie sind sich dabei nicht uneinig, sie ergänzen sich. Und man kommt nicht darum herum, zu denken, dass darin vielleicht ein Grund liegt, warum ihre Ehe nicht, wie die von so vielen Angehörigen, an der Trauer zerbrochen ist.
Das erste, was ich gelernt habe bei dieser Geschichte, ist dass es nur eine Kraft gibt, die vielleicht noch stärker ist als die Trauer über den Verlust des eigenen Kindes: Die Liebe zu dem Kind. Aber welchen Weg sie sich sucht – ob man jeden Tag seines Lebens kämpft oder sich am liebsten zurückzieht und sich die Lieder seiner Tochter anhört, das kann man weder wissen noch beeinflussen.
Es gibt eine Menge manchmal gut gemeinter Ratschläge für die Waades und andere in ihrer Situation, nicht wenige ja auch hier und mit dem Anlass dieser Reportage, in den Kommentaren, die abgegeben wurden, noch bevor sie begonnen hat. Sicher mit den besten Intentionen. Aber in Wahrheit zeigen sie auch nur das: Wir wissen nicht, was richtig ist im Umgang mit etwas, das so falsch ist wie Eltern, die gezwungen sind, ihr Kind nur noch in der Erinnerung zu lieben.
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Kommentare
Ach, und ein ein Hinweis noch an die Redaktion: Es wäre sehr hilfreich, wenn bei den Videos die üblichen Bedien-Funktionen zur Verfügung stünden.
22.07.2010, 15:20 von kai_schaechtele@kai_schaechtele Stimmt, die Funktionen sind jetzt da.
23.07.2010, 10:57 von Oliver_KucharskiIch bin Journalist, kenne Michalis pesönlich und bin deshalb befangen. Und ich finde, dass die ersten Einträge dieser Reportage bestätigen, dass es eine sehr gute Idee war, sich auf dieses Experiment einzulassen. Das ist alles sehr behutsam formuliert und verarbeitet – schlicht: guter Journalismus.
22.07.2010, 15:10 von kai_schaechtele