Yeezabel 30.11.-0001, 00:00 Uhr 41 1

Der salonfähige Drogentod

Seit dem Tod von Philip Seymour Hoffman scheint der Goldene Schuss wieder en vogue zu sein.

Lobeslieder werden geschrieben, Oden an seine Schauspielkunst verfasst. Er war scheinbar ein guter Mensch, nur halt süchtig. Aber ein Güteklasse A Süchtiger und nicht irgendein Drecksjunkie. Die Gesellschaft rechtfertigt das mit seinem Genie. Junkies rechtfertigen ihren Konsum im Übrigen oft selbst mit ihrem Genie oder allgemein mit ihrer Lebenstragik. Er war ein großartiger Denker, ein Perfektionist voller Selbstzweifel und natürlich, um der Tragik ein i-Tüpfelchen zu verleihen, Vater dreier rothaariger Kinder. Auch hier muss er großartig gewesen sein, neben der Drogen- und Alkoholsucht, den Selbstzweifeln, dem vollen Terminkalender.

Von PSH (Blogger schreiben das tatsächlich so) habe ich in meinem Leben bis zu seinem Tod an einer Hand abzählbar gesprochen. Er war irgendwie da aber nicht wichtig für mich. Nachdem ich von seinem Tod erfuhr habe ich sofort einem Kumpel davon erzählt und einen Witz gemacht, wurde jedoch direkt abgewatscht. Mein Humor sei geschmacklos und er wäre gerade sehr traurig. Die Hoffman Seymour Fanboys sind erbarmungslos. Wir haben seitdem nicht mehr miteinander kommuniziert. Ich werfe Herrn Seymour Hoffman vor Freundschaften zu zerstören, indem er den Eindruck vermittelt es ist nicht okay an einer Überdosis zu sterben. Aber eigentlich sollte es okay sein. Alle „coolen“ Schauspielkollegen zeigten sich betroffen. Wenn der Clooney Trauer empfindet, dann ich doch auch oder? Im Internet sind zahlreiche Artikel von Menschen zu lesen die mal ganz dicht an ihm vorbeigehen durften, sein Kohlendioxyd schnuppern, mal mit ihm an der Bar gestanden haben oder ihm durch ein Interview sehr nah waren. Quasi den wahren Phil kennen lernen durften. Ein Übertyp, also jetzt wo er tot ist. Der Bear Grylls der Intellektuellen. Bei Amy Winehouse haben wir uns eh gedacht, dass sie sich zu Tode säuft oder was auch immer tut. Bei Justin Bieber würden wir es uns wünschen. Es trifft immer die Falschen. Gott sei Dank hat der gute Phil zu Lebzeiten schon einen Oscar bekommen, sonst hätte es bei den jetzigen Oscars einen Ehrenoscar für herausragende Leistungen gegeben. Vielleicht sogar fürs Lebenswerk. Hach, was hätten wir alle geweint. Philip Seymour Hoffman ist tot. So sinnlos. Mit der Nadel im Arm. Wir hätten ihn doch noch gerne weiter für uns tanzen sehen, gutes Entertainment gewollt.

Angeblich soll der von uns Gegangene mal gesagt haben, „wenn ich an einer Überdosis sterbe, dann rette ich vielleicht zehn Menschen die durch meinen Tod aufgerüttelt werden“. Ein Märtyrer war er also auch noch. So heilig und so gut. So ziemlich jedem von uns ist bekannt, dass Junkies aus aller Welt nun die Nadel aus dem Arm ziehen, den Löffel beiseite legen und den Geldschein wieder ins Portemonnaie legen, wenn sie das hören. „Hey Leute. Hab ihr’s schon mitgekriegt? Phil ist tot! Ja! Seymour Hoffman! Ne, der Typ aus Magnolia und Capote! Ja. An einer… Überdosis!!“ Fassungslosigkeit wird sich unter den Konsumenten breit machen. Ein Entzug in Sekunden, ein weiterer Schritt Richtung Weltfrieden. Ich würde Philip Seymour Hoffmans großartigen Heldentot mit dem von den Menschen, deren Namen man als Normalo gar nicht kennt, gleichsetzen. Die die sich vor Botschaften bei lebendigem Leibe angezündet haben, weil sie mit der politischen Gesamtsituation unzufrieden waren. Oder diesem pakistanischen Mädchen, dessen Name auch viel zu unbedeutend und kompliziert ist, das sich den Taliban entgegengestellt und auf deren Abschussliste steht, weil sie zu Schule gehen will. Philip Seymour Hoffman ist tot und wir müssen damit fertig werden. Gott sei Dank fängt uns die große Netzkommune auf. Man kann sich wenigstens virtuell umarmen und trösten oder gemeinsam über Filme reden die einem irgendwann mal der nerdige Kumpel präsentiert hat und RIP-Tweets bei Twitter reposten.

Gerade bin ich froh, dass Leonardo Di Caprio nicht gestorben ist. Stellt euch das mal vor. Es würde ein Film darüber geben was er für tolle Filme gemacht hat ohne dafür je einen Oscar zu bekommen. Dann würde der Schauspieler der Leo spielt dafür einen Oscar bekommen. Das wäre mal echt beschissen.

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41 Antworten

Kommentare

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    Ich verstehe Deinen Standpunkt.

    Mich nervt das Gewese um Schumis Koma genauso.
    Ich fand es auch doof, dass viele bei Seymour die Drogenproblematik bei ihrer Lobhudelei ausgeklammert haben, denn es scheint ja ein größeres Problem mit Medi- und Drogenmißbrauch unter Schauspielern/Künstlern zu geben.
    Es ist die Einseitigkeit, die bei solchen Stories nervt.
    Trotzdem fand auch ich Herrn Seymour als Schauspieler herausragend und es kotzt mich an, dass solche Leute warum auch immer so anfällig für hartes Zeug sein müssen.

    07.03.2014, 11:31 von cosmokatze
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    "Ich werfe Herrn Seymour Hoffman vor Freundschaften zu zerstören"

    Ich werfe Dir vor, Kommata zu vernachlässigen!

     

    Jenseits davon hab ich bei der Nachricht seines Todes gedacht "Ich mochte den Film nicht". Dass er noch irgendwas anderes je gemacht hat, wusste ich nicht. Außer natürlich Drogen nehmen.

    07.03.2014, 10:57 von Dunnagh
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    Liebe Y.,
    du bist einfach zu nett. Fur wen hast du diesen Text verfasst? Für die Neon-Spongos? Allesamt Meister Literaten mit Pulitzer-Ambitionen jedoch ohne erwähnenswertem Publikum. Ich hoffe nicht. Verschwende deine Zeit nicht mit Rechtfertigung.
    Herzlichst Franz Josef Wagner

    09.02.2014, 11:54 von PommesMitMayo
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      Mein bester F.J.W.,

      zu einfach wäre es alle faschistoiden Kommentatoren zu verurteilen, sie dumme Spongos zu nennen. Es wäre auch zu schön. Der Neon-User an sich lebt aber nicht von Einfachheit. Schmerzhaft muss es sein, spüren muss man sich. Drogen sind gut, weil sie bringen dich über deine Grenzen hinaus. Oder sie gut, weil sie cool sind... stand mal im Business Punk oder in der VICE. Lernen auf Droge, lieben auf Droge, pissen und scheißen im Rausch. Klarer Kopf bedeutet echte Probleme. Und wenn die hier wirklich alle doof sein sollten... fuck the EU.

      09.02.2014, 17:02 von Yeezabel
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    Wui. Da lebt man kurz mal sein Leben, arbeitet, isst, trinkt, macht sich Gedanken, dann wieder Abendbrot und hier geht die Post ab. Gewisse Fehler habe ich eingesehen (Tweeds) und verbessert, anderes ist Lemmingblabla und schwierig anzunehmen. Alles in allem ist die Kritik jedoch sanfter als ich erwartet habe. Warum so zärtlich?

    Ah und sind wir uns eigentlich einig, dass Drogen böse sind? Nur um hier mal ne gemeinsame Linie rauszufinden.

    06.02.2014, 23:24 von Yeezabel
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      Nein, Drogen (was sind Drogen?) sind nicht böse.

      06.02.2014, 23:33 von RAZim
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      Okay, okay... aber die NSA ist böse?

      06.02.2014, 23:36 von Yeezabel
    • 0

      Ahso, Definition Drogen: http://de.wikipedia.org/wiki/Droge

      06.02.2014, 23:37 von Yeezabel
    • 0

      na, ist doch in den ersten beiden sätzen alles erklärt. warum sollen drogen böse (böse - was fürn unsinn) oder per se schlecht sein?

      06.02.2014, 23:40 von RAZim
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      für nsa is es mir zu spät

      06.02.2014, 23:41 von RAZim
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      Also um noch mal auf PSH zurückzukommen... er ist irgendwie ein bisschen an einer "Droge" gestorben. Im Allgemeinen bringen "Drogen" relativ viel unheil über die Welt. Nicht so viel wie Zucker und Alice Schwarzer aber schon viel. Ich denke ich setze hier lieber mal das Wort "Droge" in Anführungszeichen, damit wir keinen Streit über Grundsätze bekommen. Tschuldigung... "Grundsätze".

      06.02.2014, 23:45 von Yeezabel
    • 2

      Nö. Der Missbrauch und das Verbieten von Drogen bringen Unheil über die Welt.

      06.02.2014, 23:48 von RAZim
    • 1

      Via Bilder zu kommunizieren ist schon echt Proi-Level. Und nö, keine Grundsatzdiskussion über Drogen.

      ""

      06.02.2014, 23:52 von Yeezabel
    • 0

      Profi

      06.02.2014, 23:53 von Yeezabel
    • 2

      fand ich auch. super. schönen abend noch.

      06.02.2014, 23:54 von RAZim
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  • 0

    seymour ist ja ein echt lustiger name.

    ich hab ihn echt gemocht als schauspieler...

    06.02.2014, 16:56 von nuescht
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  • 0

    Keith hat sich mal zum Suizid von Kurt Cobain und indirekt auch über den Hype drum herum  geäussert. Wenn er nur nich so nuscheln würde...
    Fand ich zuerst etwas daneben, andererseits hat er och irgendwie Recht.
    Dein Text ist in ähnlicher Weise provokant. Hat aber was.

    06.02.2014, 16:53 von mirror87
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  • 0

    Er war scheinbar ein guter
    Mensch, nur halt süchtig.

    Das heißt "anscheinend". Du hast echt viele Fehler reingebaut. Liest sich unangenehm.

    06.02.2014, 16:26 von Jimmy_D.
    • 2

      Tweeds gefällt mir auch.
      Stöffchen eben.

      06.02.2014, 16:40 von FrauKopf
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      Wir sind halt alle Individuen und haben jeweils eine eigene Sicht auf Dinge, Menschen, Texte. Mir fällt so etwas sofort auf. Aber gut, ich schreibe und redigiere ja auch den ganzen Tag als Redakteurin, dann kacke ich halt mehr Korinthen als andere. Was nicht heißt, dass mir jeder Fehler auffällt oder ich selbst keine Fehler bauen würde. Dennoch: Grammatik ist für mich ein Qualitätsmerkmal, wenn es um Texte geht. Da kann ich nicht aus meiner Haut.

      Und wenn viele Fehler drin sind, dann liest sich ein Text für mich echt unangenehm. Ich bleibe dran hängen und kann sie nicht einfach überlesen. Geht nicht. Ich sehe dann nur vor mir, wie ich mit der Nachverfolgungsfunktion redigieren würde. Das Gleiche passiert mir bei Filmen. Seit ich selbst beim TV gelernt und gearbeitet habe, fällt mir jeder Fehler bspw. im Schnitt eines Filmes auf. Das nervt. Also, mich selbst.

      09.02.2014, 12:48 von Jimmy_D.
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      Oh Gott. Wir wollen affektive Störungen doch nicht mit einer Drogen- und Alkoholsucht in einen Topf werfen. Irgendwann im Leben entscheidet man sich in der Regel für das eine aber für eine Depression entscheidet man sich nicht.

      Und... Judenneger? Ehrlich jetzt?

      06.02.2014, 23:32 von Yeezabel
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    • 0

      Weil man sich seine Süchte ja auch aussucht.

      Das ist doch selten dämlich.

      07.02.2014, 19:32 von FrauKopf
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