Der Härtetest
Drei Jahre trocken und ein Wochenende im deutschen Mekka des Alkohol.
Freitag 14.00 Uhr. Treffpunkt vor den verschlossenen Türen unseres Vereinsheims. Es sind noch nicht alle da und so bekommen die fehlenden per Handy die Order Bier mit zu bringen, und eine Cola. Für mich. Denn ich trinke nicht. Nicht mehr. Seit drei Jahren, einem Monat und 11 Tagen, keinen Tropfen Alkohol. Ich weiß nicht warum ich es dieses Jahr nicht wieder so machte wie die Jahre zu vor. Da bin auch sehr gut damit gefahren mich vor der Mannschaftsfahrt zu drücken.Während ich noch bereue trifft das Bier ein, und meine Cola. Das Geschehen entwickelt sich die Begrüßungsrituale schnell erledigt., und warum hat der Löw den Odonkor gebracht?. Wichtig das es doch mehr als einen Bundestrainer gibt.
15.35 Uhr. Wir sind vollzählig, der Taxibus ist da und wir machen uns auf. Vor uns liegt eine Stunde Fahrt zwei Tankstellenstopps, zum Nachschub holen, drei Pinkelpausen und das Schwelgen in Erinnerung an vergangene Mannschaftsfahrten und natürlich: Warum hat der Löw den Odonkor überhaupt mitgenommen? Naja aber für Österreich wird wohl reichen oder nicht?
16.28 Uhr. Wir sind da. Unsere Wohn- ,Schlaf-,Essens- und Partystätte für die nächsten 48 Stunden. Ferien in einer Hotel- Partyanlage die sich genau auf unsere Bedürfnisse spezialisiert hat. Ab auf Zimmer, aus packen, Treffen vor dem Hotel, ab in die erste Kneipe. Jeder Runde Bier wird eine Cola für mich angehängt. Die Stimmung ist gut und die Diskussion geht weiter, was hat sich der Löw dabei nur gedacht den Odonkor zu bringen? Den kann man doch nur gebrauchen wenn der Gegner aufmachen muss. So werden wir wohl gegen Österreich unter gehen.
18.00 Uhr. Es gibt Abend essen. Es ist immer noch Freitag also gibt es Fisch. Unsere Reiseleiterin erklärt uns einige Sachen zur Lokalität. Öffnungszeiten, Essenszeiten, Happyhour, wo kann man Fußball schauen und was uns sonst noch so erwartet. Und die ganze Zeit Schlager im Hintergrund. Wir essen auf, bestellen noch ein zwei Runden. Gelegentlich kommt ein Spruch über meine Cola ca. die neunte heute, aber das stört mich nicht sonderlich. Was hat sich der Löw nochmal gedacht als er den Odonkor brachte? Die anderen waren aber auch schlecht, und unsere Defensive gar nicht vorhanden.
20.22 Uhr noch 10 Minuten bis zur Happyhour. Also rein in die Kneipe. Man wechselt von Bier auf Langdrinks. Ich bleibe bei Cola. Die Musik wird lauter und die Gespräche seltener. Schlager haben den Vorteil man kann sie nach einmaligem hören direkt mitgröhlen. Noch bevor sich die Happyhour dem Ende neigt wollen einige von uns in den nächsten Laden. Aber man muss dieses einmalige Angebot ja nutzen. Wo sonst zahlt man für die Getränke denn die Hälfte, und was hat sich der Löw nur gedacht?
22.04 Uhr. Wir pendeln zwischen einer Diskothek in der noch nichts los ist und einer Scheune in der eine verdammt schlechte Band spielt. Ich werde langsam müde, und so gerne ich auch wissen würde wieso der Jogi den David mitgenommen hat, mach ich mich eine halbe Stunde später auf ins Bett.
22.48 Uhr. Ich sehe noch fern weil ich merke dass einschlafen direkt über einer Kneipe nicht viel Sinn macht. Netzer erklärt Delling gerade wieder die Weisheiten des Fußballs. Kein Wort darüber warum der Löw... ach lassen wir das. Während ein Stockwerk tiefer zum gefühlten 367ten mal das rote Pferd läuft sehe ich die erschreckende Wahrheit über Billy the Kid bei Galileo Mystery. Und wieder kein Wort über das wirkliche Mysterium vom David und dem Jogi.
Samstag 1.08 Uhr Die Kneipe direkt unter meinem Fenster schließt. Endlich kann ich das Fenster öffnen um mir etwas Frischluft zu genehmigen. Die Party da draußen ist damit aber noch lange nicht vorbei. Ständig werde ich wach weil ein Bierglas auf dem Boden klirrt, eine größere Gruppe angetrunkener Menschen sich lautstark ihren Weg ins Hotel bahnt. Im Hotel wird gelegentlich laut gegröhlt, Türen werden zugeschlagen und ich glaube aus dem Nachbarzimmer Sexgeräusche zu hören die eindeutig nicht dem Fernseher zu zu ordnen sind.
3.36 Uhr Meine Zimmergenossen kommen Heim. Sie geben sich größte Mühe leise zu sein, ohne Erfolg, aber das Bemühen kann und will ich ihnen nicht absprechen. Wenigsten kein Wort über Jogi...
8.07 Uhr Ich werde von einem lauten poltern an unserer Tür wach. Keiner der anderen stört sich daran also tue ich es auch nicht. Kurze Zeit später klingelt das Telefon. Einer meiner Zimmergenossen hebt verschlafen ab und legt nach einem kurzen wütendem Gespräch auf und legt den Hörer daneben. Egal, 8.14 Uhr ich bin wach gehe duschen und dann frühstücken. Nach und nach kommen die anderen und berichten von verschiedensten Beinahe-Erlebnissen des Vorabends. Beinahe hätte ich gekotzt, beinahe hätte ich mich lang gelegt, beinahe hätte ich mich geprügelt und beinahe hätte ich gefickt. Klingt fast so als sei es beinahe ein guter Abend gewesen. Kein Wort über Odonkor.
12.00 Uhr Mit zwei Kisten Bier und vier kleinen Flaschen Cola bewaffnet fahren wir auf einem Planwagen durch das schöne Münsterland. Selbst hier, Schlagermusik. Und da kommt sie wieder die Frage aller Fragen: Wieso nur nimmt der den Odonkor mit? Und den Jens und den Olli und den Tim und wieso spielt der Poldi links. Offensichtlich gibt es zwischen Schlagermusik und dieser Diskussion eine Verbindung die ich dank erhöhtem Koffeinspiegels auswendig machen konnte.
18.30 Uhr Das rote Pferd hat sich mittlerweile so oft umgekehrt, dass es sich wohl das ein oder andere mal übergeben durfte.Tun Pferde gar nicht. Zumindest einer meiner Mannschaftskameraden hat es dann beim Essen doch getan. Er verschwand kurz drauf auf sein Zimmer und ward für den Abend nicht mehr gesehen. Da vergeht einem schon der Appetit.
Sonntag 2.10 Uhr Ich habe heute wohl etwas länger durchgehalten. Ich bin auch nicht als erster auf dem Zimmer aber ich bin so müde das mich meine lärmende Umgebung nicht mehr wirklich stört.
11.00 Schlüsselabgabe und auschecken. Unser Taxi kommt erst in 4 Stunden. Es wird weiter gesoffen und auch wieder über den Jogi geredet. Es werden wieder Geschichten von Gestern erzählt. Es wird verglichen mit vergangenen Mannschaftsfahrten. Und sicher werden auch auf zukünftigen Fahrten die Geschichten dieses Wochenendes in leicht veränderter Form zum Besten gegeben.
15.00 Uhr wir sitzen wieder im Taxibus und fahren Richtung Heimat. Ich hatte die letzten zwei Tage nie das Gefühl gefährdet zu sein aber immer das Gefühl ich wäre fehl am Platz. Während ich meine letzte Cola trinke denke ich darüber nach und bin mir sicher. Den Härtetest habe ich bestanden, jetzt ist der Jogi dran.






Kommentare
Warum setzt du dich einem solchen Wahnsinn denn aus - es scheint dir ja auch nicht so viel Spaß gemacht zu haben. Wer hat da was davon?
16.06.2008, 14:35 von sophie_dezlhoferIst es ein Stanshaftigkeits-Test für dich selbst?
@sophie_dezlhofer Naja ich hab mich ein wenig breit schlagen lassen, es war nicht als Standhaftigkeitstest gedacht. Mir war auch schon klar was auf mich zukommt und dass ich es aushalten würde.
16.06.2008, 14:40 von HennaXXLIch bin stolz auf dich.
16.06.2008, 12:57 von die_Zahnfeewow, da stand zu halten unter der vorgeschichte hat ne riesen menge respekt verdient:)
16.06.2008, 12:56 von ente91der jogi bringt mich zum schmunzeln...diese typischen männer-fußball-diskussionen;-)
find die art wie der text geschrieben ist gut:)