Kaddinsky 30.11.-0001, 00:00 Uhr 16 3

Der große Klimaschwindel?

Montagabend im deutschen Fernsehen: Eine Doku der anderen Art über den Klimawandel. Alles nur Schwindel, behaupten die darin interviewten Experten.

Die Dokumentation wurde bereits im britischen Fernsehen ausgestrahlt und nun von RTL aufgegriffen. Ganz nach dem Motto, ein guter Journalismus beschäftigt sich bitteschön immer mit den "Pros" und "Cons" einer Sache, läuft hier eine Sendung, die einmal die Gegenseite zum sonst recht einseitig und klar proklamierten Klimawandel darstellt. Klima-Skeptiker, oder vielmals: Skeptiker des menschengemachten Klimawandels melden sich zu Wort. Es sei keinesfalls richtig, dass ein höherer CO²-Gehalt der Atmosphäre zu einem Anstieg der weltweiten Temperatur führe, sondern genau umgekehrt. Grafiken sollen belegen, dass schon seit ewigen Zeiten immer zunächst die Temperatur gestiegen und danach auch der CO²-Gehalt größer geworden sei. Das liege daran, dass die Ozeane als eine der größten CO²-Senken der Welt bei Erwärmung das gespeicherte Treibhausgas vermehrt abgäben. An der Erwärmung der Erde seien vielmehr Veränderungen der Sonne Schuld – der Mensch könne hier aber nicht eingreifen.

Mit dieser Theorie im Gepäck beginnen die Skeptiker, auf den Regierungen, Medien und Wissenschaftskollegen herumzuhacken: Sie alle verbreiteten bewusst Panik, um die Wirtschaft anzutreiben. Wissenschaftliche Forschungsteams bekämen ja heute umso mehr Geld, desto mehr sie sich mit dem Treibhauseffekt und dem menschengemachten Klimawandel befassten – die immer schockierenderen Studien seien quasi politisch subventioniert, kritische Stimmen hingegen völlig diskriminiert. Die Politik wisse sogar um die "Wahrheit" und versuche absichtlich, die Menschen zu blenden. Angefangen habe alles mit der Ölkrise der Siebziger. Eine ganze Lobby, ein riesiger wirtschaftlicher Zweig stecke hinter der Verbreitung des „Klima-Schwindels“.
Der Ideologie des menschengemachten Klimawandels anzuhängen bezeichnen die kritischen Wissenschaftler als neue „Welt-Religion“, als großes, unangreifbares Dogma. Sie sehen sich als Opfer, als mundtot gemachte Außenseiter. „Sie behandeln uns wie Kätzer,“ klagen sie. Von den übrigen Klimatologen, die zu 90% der Theorie des menschengemachten Klimawandels anhängen, verlangen sie, gehört zu werden. Es sei Aufgabe der Wissenschaft, alle Meinungen und Forschungen einzubeziehen und nicht blind immer wieder in die selbe Kerbe zu schlagen.

Das klingt plausibel für mich, als Laien. Man sollte in der Wissenschaft Dogmen aller Art vermeiden – auch wenn sie derart sind, dass ich ihnen seit Jahren ebenfalls anhänge. Denn ich halte den Klimawandel für einen zum Großteil menschengemachten.

Doch zurück zur bei RTL ausgestrahlten Klima-Doku. Bei der freien Enzyklopädie wikipedia und bei namhaften Wissenschaftlern ist diese schon länger bekannt und wird heiß diskutiert. Sie enthält, glaubt man ihren Kritikern, Falschaussagen, verdrehe Fakten und lasse bewusst andere Fakten weg. Grafiken seien veraltet oder falsch beschriftet. Manche, der sich im Film äußernden Wissenschaftler, mokieren gar, dass ihre Aussagen falsch interpretiert worden seien, in einem falschen Licht erscheinen. Bewusst zeigt der Film nur Randmeinungen und fällt damit in eine Ecke, die von ihm selbst kritisiert wird: Er setzt sich mit den anderen nicht wirklich auseinander.
Die Basis der Theorie des anthropogenen Treibhauseffekts, nämlich dass Treibhausgase, wie unter anderem das CO², in der Atmosphäre dafür sorgen, dass die Wärme zwar durch die Atmosphäre hindurch zur Erde, aber schwieriger zurück kann und sich deswegen die Erde erwärmt, wird schlichtweg ignoriert. Dabei ist dieser natürliche Treibhauseffekt doch auch dafür verantwortlich, dass wir auf diesem Planeten nicht erfrieren – es gibt ihn also, den Treibhauseffekt. Warum, müssen sich die Macher und Interviewten dieser Reportage fragen lassen, gehen sie darauf mit keinem Wort ein? Warum kehren sie den natürlichen Treibhauseffekt unter den Tisch? Man kann ihn schlecht leugnen, nicht wahr? Und wenn es ihn gibt, wenn CO² ein Treibhausgas ist, warum sollte dann das von uns produzierte CO² aus fossilen Brennstoffen diesen nicht verstärken? Fragen, die in der ominösen Reportage nicht zur Sprache kamen.

So beklagen sich die Interviewten und sehen sich als Opfer, als „Kätzer“, bezeichnen jedoch andere Wissenschaftler als Lügner und die Theorie vom menschengemachten Klimawandel als „Schwindel“. Schade, dass RTL diese Reportage zunächst völlig unkommentiert präsentierte, ohne weitere Hintergründe mitzuliefern. Zwar führte Peter Klöppel im Anschluss eine Diskussion mit einem Klimaskeptiker und vier Verfechtern der angeblichen neuen „Weltreligion“, doch leider war es schon ziemlich spät, so dass ein Großteil der Zuschauer wahrscheinlich schon ihr Bett aufgesucht hatten. Bleibt zu hoffen, dass von dieser doch sehr fragwürdigen Reportage nicht zu viel als alleinige Botschaft in deutschen Wohnzimmern angekommen ist und zu einem Rollback in der Klimafrage führt. Denn andere Sichtweisen sind ja schön und gut, aber doch bitte fundiert und glaubwürdig, statt reißerisch und polemisch."Wichtige Links zu diesem Text"
Infos zum "Klimaschwindel"-Film
Allgemeine Infos zum Treibhauseffekt in der wikipedia
Stern-Artikel zum "Klimaschwindel"-Film
Noch ein Artikel zur RTL-Sendung

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16 Antworten

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    Ach ja, und zur Diskussion danach: die war ja ganz ganz furchtbar! Lisa Fitz hatte eh keine richtige Meinung und dieser Wetterexperte hatte vielleicht Ahnung, konnte diese aber so nur grottenschlecht ausdrücken, dass er sich und seine MitdiskutiererInnen ziemlich doof hat aussehen lassen!

    24.06.2007, 21:52 von gurkedestages
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    Na toll und am Dienstag danach habe ich meine Facharbeit über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Golfstrom gehalten und wurde in der anschließenden Diskussion mit einer Menge "klimaskeptischer" Argumente konfrontiert. Erst als ich mir den Film hinterher angeschaut habe, konnte ich feststellen, dass meine MitschülerInnen ihre Meinung filterlos von RTL übernommen haben. Traurig, wie gerne der Mensch sich zu solch bequemen Erklärungen hinreißen lässt.

    Der Focus hat zum Thema "Öko-Lügen" einen schönen Artikel veröffentlich, zu finden unter: http://www.focus.de/wissenschaft/klima/tid-6558/klimawandel_aid_63110.html
    Unter http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/281/118149/ findet man eine direkte Antwort auf RTLs Klimaschwindel.

    24.06.2007, 21:46 von gurkedestages
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    Grundsätzlich stelle ich hier die Frage, warum sich der Mensch -- insbesondere zu diesem Themrengebiet der Laie, dies wird wohl die Mehrzahl der Menschen sein -- sich hier ohne kritische Nachfragen zum Sündenbock in Sachen Klimawandel machen läßt.

    Keine Sorge...

    ...ich ergreife hier das Wort für die Auseinandersetzung mit dem Thema und bin überzeugt vom "menschverschuldeten Klimawandel."

    Der Mensch verteidigt sich trotz innerem Schuldbekenntnis ständig vor jedem gegen alles. Wird der Mensch angegriffen, von einem anderen Menschen oder einer Gruppe, egreifen schnell viele andere Menschen bis hin zu Anwälten das Wort für oder gegen die Gegenpartei.
    Bei Blechschäden, Scheidungskindern, Vaterschaftsklagen, Ordnungswidrigkeiten etc.p.p.!

    Hier, und das wundert mich, klagt ein Teil der Menscheit, Wissenschaftler oder Lobbiisten, Politiker oder Umweltaktivisten, die gesamte Menschheit an, einen Klimawandel verursacht zu haben, der in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten vielleicht Millionen Lebewesen das Leben kostet wird.

    Und jetzt bin ich empört darüber, daß nicht jeder Laie sich gefälligst auf seine "Vier Buchstaben" setzt oder "Die Beine in die Hand nimmt" und sich genau und kritisch darüber informiert, was nach einhelliger oder nicht einhelliger Meinung aller Parteien das Ende unserer heutigen Gesellschaft verursacht haben wird.
    Es ist die Pflicht jedes Menschen, der Lesen kann und intelligent genug ist Fernsehen zu gucken, sich darüber zu informieren, welchen Anteil er daran haben könnte, wenn im jahre 2129 der letzte Eisbär gestorben sein wird oder wenn der Meeresspiegelanstieg in den nächsten 150 Jahren Milliarden Menschen und Tiere von den Küstengebiete der Erde in die zentralen Gebiete der Kontinente vertrieben haben wird.

    Hier gilt kein: ich hab ja von sowas keine Ahnung!

    Jeder der Strom und Benzin verbraucht muss sich aufklären lassen oder selbst über die Prozesse des Klimawandels informieren. Das sind die AGBs, die auf jedem Liter CO2 stehen, den wir kaufen und verbrauchen. Das ist Teil des Vertrages, den wir für die Emission fossiler Brennstoffrückstände unterschrieben haben. Das ist unsere Verantwortung, der wir uns bewußt werden müssen.

    Alles andere ist grob fahrlässig. Es kostet nicht viel. Etwas Zeit und etwas Denken.

    21.06.2007, 00:21 von YokoTsuno
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    Was soll ich noch groß kommentieren, was Du schon treffend gesagt hast? Wie immer ein differenzierter sachlicher Blick auf die Dinge von dir, die da sind. Werden wir noch etwas ändern können? Ich habe meine Zweifel und hoffe, dass es die Generationen nach uns besser machen, wenn sie dann noch die Chance haben...

    Sei gegrüßt, Micha

    15.06.2007, 01:44 von Kiyan
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    Das "solidarisch" bezieht sich darauf, wie wir mit Verlierern von Klimaveränderungen umgehen: jegliches materielle Problem auf dieser Erde ist in seiner Auswirkung ein soziales Problem.
    Von daher würde ich eine globale Sozialpolitik als grundlegend erachten.

    13.06.2007, 10:03 von LudwigMartin
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    Ich hab mich schon nach den ersten Absätzen gefragt, was es denn so Böses wäre, die Wirtschaft anzukurbeln. Ein merkwürdiger Vorwurf der Skeptiker.
    Zumal "Wirtschaft" auch viel zu abstrakt ist: Öl und Kohle verlieren, neue Energieformen gewinnen.

    Insgesamt ist es - jenseits aller Panik - sinnvoll, sich nicht auf fossile Brennstoffe zu verlassen. Nicht nur, daß damit hat man dann auch den wahren Kern der CO2-Produktion trifft, denn nur in diesen Energieträgern wird CO2 frei, welches jahrhundertelang nicht zum Kreislauf der Atmosphäre gehörte.
    Zudem erschließt man sich neue alternative Wirtschaftszweige, die das Ende der Ressourcen überleben und Europa aus wirtschaftlichen Abhängigkeiten etwas befreien.

    Meine eigenen gedanklichen Einwände gegen die Panik hege ich schon lange, dafür brauchte ich diese Sendung nicht. U.a. aufgrund des oben angeführten Kreislaufes, der Anteiligkeit des menschengemachten CO2 (pdk), dem sicheren Ende der Ressourcen (und damit der athmosphärischen Veränderung) und der Langsamkeit der Klimaerwärmung (ich führe nämlich nicht jeden Kyrill auf das eine Grad/Jahrhundert zurück).

    Interessante CO2-Verminderungen gibt es in der Energiewirtschaft durchaus, so setzt Vattenfall kein C02 in die Athmosphäre, wobei sie allerdings Sauerstoff aus der Bilanz abziehen. Wie schlimm das ist, weiß ich nicht...
    Siehe: http://tinyurl.com/2phx33

    Nebenbei bemerkt bin ich eher für Schutz und Förderung von CO2-Konsumenten (Wälder, ...), denn ein Mindestmaß an Pflanzendecke auf der Welt bindet nicht nur das CO2, sondern entschleunigt auch den Wasserkreislauf, dessen Problematik auch vorhanden ist, nur nicht im Bewußtsein.

    Alles in allem leben wir in einer Welt, die sich ändert und der Mensch ist da wohl das anpassungsfähigste Wesen, wenn er es nicht verlernt, seinen gesunden Menschenverstand einzuschalten und solidarisch und kooperativ zu handeln.

    13.06.2007, 09:59 von LudwigMartin
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