Den Benz ist weg!
5 harte kalte Wintermonate ohne 220 PS
Dieses Jahr habe ich mir meinen ersten richtigen Benz gekauft. Zum Preis eines viertel neuen VW Polo erhielt ich damals im April 07 ein echtes Coupe mit gut gehendem Sixpack unter der Haube. 220 PS Baujahr 1993, das Bollwerk gegen die heraufziehende Midlifecrisis. Allmandinrotmetallic gefärbter BRD-Stahl als Maginotlinie gegen jeglichen Minderwertigkeitskomplex gegenüber der akademischen Elite. Stolz war ich - aber immer auch kritisch, gilt doch das Murphygesetz so viel im Alltag. Erschwerend kam hinzu, dass mein Vater vor knapp 20 Jahren ebenfalls C124 fuhr - habe ich etwa Stockholmsyndrom?!
Und so kam es dann auch: Die damalige zu schlanke Freundin verließ mich, da das im Ausland mit Getriebeschaden havarierte Gefährt meine Aufmerksamkeit zu 100 % beanspruchte. Zurückgeben wollte ich den Benz, gelobte nur noch Dienstwagen oder Bahn zu fahren oder Steiger Commodore. Doch dann wurde ich rückfällig, investierte wieder rein ins Auto, verzichtete stattdessen auf Nahrung oder Ausgehen. Und war glücklich, so für ein paar Wochen, verballerte 15 l auf 100 km, stets den Schuldenberater virtuell vor Augen.
Großer Bahnhof, als ich im Sommer mit meinem Retrogefährt beim Eisenbahnverein bei uns im Spessart aufkreuzte. Das schaffte Eindruck, ich war wer. Das ging ein paar Wochen lang gut.
Doch dann war diese Ball- und Gewitternacht Ende Juli. Eine lange Geschichte, versuchte jedenfalls bei der falschen Frau Eindruck zu schinden. Dies gelang mir im Vorfeld ja auch. Doch spätestens nach schlaflosen Nächten in Berlin war klar, dass die Dame für mich als Immobilienverwalter mindestens drei Nummern zu groß war. Mein Selbstwertgefühl kollabierte wie die Fahrgastzelle einer ostasiatischen Billigkopie vom Smart. Doch der Benz fand immer seinen Weg heim wie das Mutterschiff von Captain Future. Die gediegene Wurzelholzverkleidung des Cockpits mahnte stets zur Mäßigung, Rasen war und ist kein Thema. NUNAK, wie ich den Wagen nun nach einem Vulkan in der Eifel nannte, begleitete mich zuverlässig über eine der größten Selbstwertkrisen in meinem Leben.
Und diesen Monat auch darüber hinaus, hatte ich doch meinen Spaß in den Südalpen und dann in Zürich und auch mit einer neuen Rubensfrau.
Doch jetzt ist erstmal Schluss, das Saisonkennzeichen geht nur von April bis Oktober, so wie schon beim Vorgängerauto. Was mache ich jetzt nur ohne NUNAK, der in der Garage eingemottet ist. Entsteht jetzt ein Vakuum, lässt mich die Midlivecrisis total korrodieren, ich weiß es nicht.






Kommentare
*lacht* .. schön, dass du diesen artikel unter "erwachsen werden" angelegt hast ... ;)))
05.11.2007, 16:31 von ilofi... ach ja, manchmal möchte ich auch für ein halbes jahr winterschlaf halten dürfen ... *gg*