nutella 05.08.2011, 13:35 Uhr 18 11

Dem Volk aufs Maul geschaut

Das „gesunde Rechtsempfinden“ und der „gesunde Menschenverstand“ werden mit Füßen getreten, jeden Tag, immer mehr.

Juristen wird ja gern vorgeworfen, sie seien verbildet, hätten von der Realität keine Ahnung mehr und würden sich ja eigentlich sowieso nur mit größtem Vergnügen mit dem Täter beschäftigen, das Opfer aber vollkommen vergessen. Gerne wird auch der Ausspruch von Bärbel Bohley zitiert, man hätte Gerechtigkeit gewollt und den Rechtsstaat erhalten. So als ob es sich um grundsätzlich unvereinbare Zustände handelte.

Und dann kommt so ein - natürlich von Juristen geschriebenes - Urteil daher, in dem dem personifizierten Bösen - dem Kindsmörder Magnus Gäfgen - auch noch Schadensersatz gewährt wird. Nur weil ein paar wohlmeinende Polizisten ihm eben ein paar Schmerzen angedroht hätten. Ok, die haben damals ein klein wenig gegen das Folterverbot verstoßen, aber das sollte ja doch erlaubt sein, um Opfer zu schützen. Zumal es sich dabei um ein Kind handelte, und das kann ja wohl doch kein Unrecht sein. Das sieht doch jeder richtig denkende Mensch. Das dachte sich auch der Fernsehrichter Alexander Hold (übrigens ein „echter“ Richter!), der auf SAT1 auch noch meinte, die Richter in Frankfurt hätten doch ein wenig juristische Phantasie anwenden können, um dem personifizierten Bösen den Anspruch abzusprechen. Das ist zwar ein direkter Aufruf zur Rechtsbeugung (auch das ist eine Straftat!), aber das ist ja nicht so schlimm, denn der gesunde Menschenverstand für Gerechtigkeit ist treffsicherer als so ein paar rechtsstaatliche Normen. Da befindet sich Richter Alexander Hold in seltener Einigkeit mit dem gesunden Menschenverstand, der ein Urteil wie das für Magnus Gäfgen für das schlimmste denkbare Unrecht hält.

Und mir kommt das Kotzen.
Es reicht nicht, dass in weiten Teilen der Bevölkerung anscheinend das Bewusstsein verloren geht bzw. gegangen ist oder noch nie vorhanden war, dass Menschen Rechte haben, sogenannte Menschenrechte. Damit fehlt natürlich auch die Erkenntnis, dass diese Rechte für jeden gelten: für den Bürger gegenüber, für Polizisten, für Opfer und auch für Straftäter, verurteilte und verdächtige. Eben für Jeden, der Mensch ist. Zur Erinnerung: das sind wir alle, seit der Geburt. Diese Eigenschaft verlieren wir erst mit dem Tod und keine Sekunde früher, jedenfalls nicht durch das Begehen einer noch so schlimmen Straftat.

Diese Unkenntnis oder der Unwille zur Erkenntnis mag ja noch entschuldbar sein, wenn man annimmt, dass es sich bei weiten Teilen der Bevölkerung um ziemliche Trottel handelt, die keinen Millimeter weiter denken können oder wollen, als ihre Nasenspitze. Sonst wäre ja die Erkenntnis möglich, dass es sich auch bei den Polizisten um Straftäter handelte, die ebenso zu bestrafen sind, wie Magnus Gäfgen und dass es sich bei Magnus Gäfgen ebenfalls um ein Opfer handelt, das zu schützen ist. Aber wenn einer ein Straftäter ist, dann gelten solche Grundsätze für das gesunde Rechtsempfinden nicht mehr und Menschenrechte werden zum störenden Hindernis.

Dieses Trotteltum setzt sich in den Medien (mit einigen wenigen rühmlichen Ausnahmen) ungehindert fort. Aber auch diese Medien scheinen sich nicht weit aus dem Fenster lehnen zu wollen und berichten sehr sachbezogen und nahezu ohne eine Wertung, die der Rest der Medien dafür umso freudiger abgibt. Die wohlwollendste Annahme für dieses Verhalten ist noch, dass die Medienmenschen der mutmaßlichen Meinung ihrer Leser auf gar keinen Fall widersprechen wollen und ihnen statt dessen nach dem Maul schreiben, damit die Leser ja brav weiter ihre Zeitung kaufen oder den Sender einschalten. Dadurch wird eben das Trotteltum weiter verbreitet, aber was tut man nicht alles fürs liebe Geld. Deshalb fragen Journalisten niemanden, der sich mit solchen Themen auskennt, sondern lieber das Volk auf der Straße, dann weiß der geneigte Journalist auch gleich, was er schreiben oder senden kann. Weniger wohlwollend kann man auch annehmen, dass es um das Verständnis der Journalisten auch nicht weiter her ist als das ihrer Leser. Unwahrscheinlich ist das leider nicht.

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18 Antworten

Kommentare

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    Danke, du sprichst mir von der Seele. Ich finde, wenn man den Fall losgelöst vom Kläger sieht (also ohne Ansehen der Person), ist das gefällte Urteil gerecht.

    12.08.2011, 13:56 von PatrickMangan
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      @[Benutzer gelöscht] Och neee...

      Es heißt Cosmokatze, nicht mit K !!!
      Du kannst Deinen Namen gerne weiter falsch schreiben, aber nicht meinen.
      Den hab ich nämlich schon immer.

      ???
      Welche Kinder ????

      Egal.

      09.08.2011, 17:39 von cosmokatze
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      @[Benutzer gelöscht] IHR ! EUCH !
      *gähn*
      Manchmal kommt es mir so vor, als wenn "ihr" oder "euch" eigentlich ein Pseudonym für "mich" und "mir" ist. Dann wäre es zumindest halbwegs logisch, was du da faselst.

      09.08.2011, 16:45 von topfbluemchen
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      @topfbluemchen Einige Ärtze würden vielleicht sagen: " Hier gibt es Anzeichen vom Verfolgungswahn"

      09.08.2011, 16:47 von Neania
    • 0

      @Neania Nur weil man paranoid ist heisst das nicht, daß sie nicht hinter einem her sind...

      09.08.2011, 17:00 von sailor
    • 0

      @sailor @sailor

      Right. Wie sind alle auf ihn los...

      ;)

      09.08.2011, 21:20 von Neania
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      @[Benutzer gelöscht] Da Du ja ein Alien bist, trifft das ja GOTTSEIDANK nicht auf Dich zu.
      Und da ich eine Katze bin, furze ich da dreimal drauf.
      K Ü A !!!

      09.08.2011, 16:38 von cosmokatze
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      @[Benutzer gelöscht] Also ich bin für Menschenrechte nach tagesaktueller Wirtschaftslage und für Abtreibung bis zur Einschulung.

      09.08.2011, 16:58 von sailor
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      @[Benutzer gelöscht] "Laut eurem angeblichen Weltbild solltet ihr für Menschen wie mich kämpfen erst recht weil ich durch Gewalt eine leichte sozialphobie habe"

      Wenn Du dabei etwas weniger schreien, beißen, kratzen und spucken würdest, könnte man vielleicht sogar auf die Idee kommen, aber so?

      Nee, lass ma!^^

      09.08.2011, 16:28 von Chiral
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      @[Benutzer gelöscht] :D

      mehr fällt mir nicht mehr ein...

      Doch, wer hat dich beleidigt?
      Wie hat wer der-diejenige dich beleidgt?
      Wo hat man dich als Feindbild deklariert?

      Im Ernst, wie wichtig nimmst du dich eigentlich?!

      09.08.2011, 14:58 von topfbluemchen
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    Würdest Du die Medienkritik präzisieren, dann würde "das Volk" in seiner Plumpheit nicht so schlecht wegkommen.

    Im Fall Gäfgen steht am Tag 1 "3000 Euro Schadensersatz" als Hauptschlagzeile. Am 2. oder 3. Tag ein kleiner Artikel auf Seite 3 oder 4, daß die Summe sich in seinem, seiner Tat geschuldeten, Schuldenberg auflöst. Ob er selbst noch einsitzt oder nicht, darüber wird ebenfalls nicht berichtet.

    Solch eine Berichterstattung ist die Abschußrampe für das Volksempören, welches sich dann im Affekt auch zu Äußerungen gegen die Menschenwürde versteigt.

    Dasselbe Volk könnte man auch zu komplett anderen Meinungen führen und die in der Betroffenheit liegenden konstruktiven Kräfte stärken.

    Positives Beispiel: die Reden des norwegischen Regierungschefs Stoltenberg, der seinem Volk Zuspruch gibt, ohne den (naheliegenden) Gedanken, den provozierenden Täter unmenschlich zu bestrafen zu wollen.

    08.08.2011, 14:09 von LudwigMartin
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      @LudwigMartin gerade gefundene medienkritik:
      http://www.tagesspiegel.de/meinung/magnus-gaefgen-ist-kein-folteropfer/4479666.html

      und der tagesspiegel hat eigentlich nichts von der bildzeitung.

      09.08.2011, 12:56 von nutella
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      @[Benutzer gelöscht] Du bist gegen die Gewalt von Polizisten, sprichst Dich aber ebenso dagegen aus, dass jemand Recht bekommt, dem von einem Polizisten Gewalt angedroht wurde.

      "Du kämpfst für die Recht von Jemanden der sie nicht verdient hat..“

      Jeder Mensch hat die gleichen Rechte. Niemand hat irgendetwas mehr verdient als der andere. Darum geht es vorliegend. Es ist vollkommen irrelevant, was Gäfgen getan hat. Dafür wurde er bereits verurteilt. Es geht um ein anderes Verfahren, welches losgelöst von dem ersten Verfahren des Mordes gesehen und beurteilt werden muss.

      „Was interessieren mich die beschissenen Menschenrecht eines abgefuckten Kindermörders ?"
      Sie interssieren mich nicht, genausowenig wie euch echte Polizeiopfer interessieren...“

      Kein Mensch würde hier ernsthaft behaupten, dass echte Polizeiopfer nicht interessieren. Vor allem gibt es keine echten oder unechten Polizeiopfer. Es gibt nur Opfer und für die muss gleichermaßen eingetreten werden.

      „Ein Einzelfall bin ich auch nicht... Fakt ist das Polizeiopfer die nicht in Öffentlichkeit stehen keine Chance haben...
      Ich für meinen Teil will nicht, dass mein Recht welches mir verwehrt wurde stellvertretend für Kindermörder erkämpft wird...
      So funktioniert Gerechtigkeit und auch Recht nicht...“

      Ja, es gibt Fälle und nein, ein Einzelfall bist Du ganz sicher nicht (Ich muss Dir, was Deine eigenen Erlebnisse angeht, das nun einfach mal ungesehen glauben), aber und nun kommt das, worauf nutella wohl hinauswollte: es geht darum, dass gegen diese Gewalt vorgegangen wird. Egal gegen wen diese Gewalt ausgeübt wird.
      Dass Du nicht möchtest, dass dies bei Gäfgen getan wird, ist wohl auch Deiner Frustration geschuldet, die daraus hervorgeht, dass Dein Verfahren keinen Erfolg hatte.

      „Das jetzt ein Mörder wegen einer verbalen (!!!) Attacke entschädigt wird, ist ein Hohn für wirklich der Anklage nach Unschuldige, die für immer von ihrem Recht ausgeschlossen werden...“

      Es gilt: verbale Gewalt ist ebenfalls Gewalt.
      Und: niemand verunglimpft damit Unschuldige die kein Recht bekommen.
      Du kannst auch nicht ein Verfahren mit anderen, die gar nicht geführt werden, vergleichen.
      Dann dürftest Du niemandem mehr vor Gericht Recht zusprechen, weil dann immer jemand kommen kann und sagt: Hey, aber ich hab damals nicht Recht bekommen.
      Emotionen haben nichts vor Gericht zu suchen, auch nicht in einem Verhörsaal der Polizei.
      Justitia muss mit verbundenen Augen Recht sprechen und bei diesem Urteil war die Augenbinde schon höchstens halb geschlossen. Es wurde der obligatorische Euro ausgesprochen, Gäfgen sieht von diesem Geld nichts und im Vorfeld hat der Polizist die mildeste aller Strafen bekommen, dies es geben konnte. Aber unser Rechtssystem muss hier Recht sprechen und Folter verurteilen, denn sonst würde das in Zukunft bei Verhören ganz anders aussehen. Oder möchtest Du den Polizisten einen Freifahrtschein ausstellen, der es ihnen erlaubt, ein wenig nachzuhelfen?

      Zu deinem letzten Punkt mit den Müttern sei nur kurz erwähnt, dass wohl jede Mutter ihr Kind im Affekt sofort schützen würde (wie es Tiere ja auch tun).

      08.08.2011, 14:06 von StraightEdge
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      @StraightEdge Ich hörte schon von Müttern, die ihre Kinder im Affekt oder gar vorsätzlich umbringen.

      08.08.2011, 14:18 von sailor
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    Du kämpfst für die Recht von Jemanden der sie nicht verdient hat vorher sollten noch ein paar Milliarden andere für die du dich engagieren solltest !

    Das ist ja grad das Tolle! Indem man in einem Rechtsstaat darauf achtet, dass Niemand - ob Straftäter oder nicht - seiner Menschenrechte beraubt wird, stellt man erst die grundlegende verbindliche Wirkung dieser Rechte für -alle- Menschen her. Werden Ausnahmen gemacht, werden Einfallstore geschaffen, die auch für "die Guten" gefährlich werden könnten.

    07.08.2011, 12:35 von kink
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      @[Benutzer gelöscht] Au Backe! Bist du so unsicher oder paranoid, dass du hinter normalen Zitaten eine mir Spaß bereitende "Gängelei" erblickst?
      Ich habe dich zitiert um INHALTLICH dazu Stellung zu nehmen und nicht um deine Schreibweise zu kritisieren. Richtig verstanden habe ich dich ebenfalls, was anhand meines Kommentars erkennbar sein sollte...

      08.08.2011, 14:39 von kink
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