Marietta_Steinhart 22.09.2010, 10:45 Uhr 31 0
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Todesstrafe - obsolet oder verhandelbar?

Willkommen im 21. Jahrhundert: Elektrischer Stuhl, Enthauptung, Erhängen, Erschießung, Vergiftung (Gaskammer, Giftspritze), Steinigung. Das alles sind (Amnesty International zufolge) übliche Tötungsmethoden.

Morgen wird Teresa Lewis in den USA hingerichtet. Sie hat gestanden: Vor acht Jahren beauftragte sie zwei Männer, ihren Ehemann und ihren Stiefsohn zu ermorden. Doch während die Täter lebenslängliche Haft bekamen, verhängten die Richter über Lewis das Todesurteil. Vier Kugeln beendeten vor wenigen Tagen auch die 25 Jahre lange Haft des Amerikaners Ronnie Lee Gardner.

In China werden Bankräuber, im Iran Ehebrecher und in Saudi-Arabien Gotteslästerer zum Tode verurteilt. Die USA stehen vor allem immer deshalb unter Beschuss, weil sie zum einen eine Demokratie ist und zum anderen, weil auch Todesurteile über Minderjährige, geistig Behinderte oder psychisch Kranke verhängt werden. In der BRD wurde die Strafe 1949, in der DDR 1987 abgeschafft.

Als Argumente für die Todesstrafe werden immer wieder die Abschreckungsfunktion, der Schutz vor Rückfalltätern, der Ruf nach sogenannter „Gerechtigkeit“ und die Steuergelder - die für die lebenslange Inhaftierung von Straftätern verwendet werden - angeführt. In den USA sind 2/3 der Bevölkerung für die Todesstrafe. Wir Europäer zeigen da schon mal gerne mit dem Finger auf die Amerikaner.

Spielen sich die Europäer als Moralapostel auf? Denn bei schweren Verbrechen wie Terrorismus, Mord oder Kinderschändung ist auch in Europa ein Teil der Öffentlichkeit einer Wiedereinführung nicht abgeneigt. Sollte es Ausnahmeregelungen geben? Könnt ihr die pro-Argumente nachvollziehen? Oder ist die Todesstrafe in keinem Fall gerechtfertigt?

31 Antworten

Kommentare

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    In keinem Fall.

    Es stellt sich nicht die Frage nach "Moralaposteltum", sondern der Verteidigung wichtiger Werte nach außen UND innen. Immer wieder neu.

    28.09.2010, 11:23 von LudwigMartin
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    Todesstrafe? Absolutes NO NO.

    23.09.2010, 13:56 von Jackie_Grey
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    ich mach mir bestimmt feinde: aber ich finde pädophiele sollten die todesstrafe bekommen

    23.09.2010, 13:21 von Frike
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      @Moogle okay, ich hätte es konkretiesieren sollen. es gibt, die die wissen das es falsch ist, woran sie denken und sich in therapie begeben. aber die plätze sind rar.

      nun haben wir noch die, die niemals aufhören könne. diese, die klein anfingen und später ein kind töteten.

      aber mal ganz abgesehen, steht einem pädo auf der stirn geschrieben, wie gefährlich er ist?

      25.09.2010, 17:47 von Frike
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    Todesstrafe ... tsss. Leben wir im Mittelalter?
    Das passt überhaupt nicht nicht mit unseren sonst sehr hohen Anforderungen in Sachen Ethik und Moral zusammen. Aber zum Glück lässt sich alles verdrängen und dem Menschen ist anscheinend nicht nur die Fähigkeit zur Moral, sondern auch zur Doppelmoral gegeben worden.
    Trotzdem bleibt Todesstrafe meiner Meinung nach falsch und ist selbst ein Verbrechen. Ich möchte nicht in einem Land leben, wo sie angewandt wird. Da müsste ich in Sachen Verdrängung erst noch etwas trainieren.

    23.09.2010, 09:27 von Okapiposter
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      @Okapiposter Urlaub machen reicht ja.
      Ist ja gelegentlich ein prima Trainingslager i Sachen Doppelmoral und Verdrängung...

      23.09.2010, 10:12 von sailor
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    Die Todesstrafe ist in keinem Fall gerechtfertigt und wird es auch nie sein!

    22.09.2010, 21:22 von Kurremkarmerruk
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      @[Benutzer gelöscht] "Die BRD jibtit doch erst seit 49."

      Häh?
      Und was war vorher?
      Gehörte unser Reich etwa zur DDR?

      22.09.2010, 21:18 von JackBlack
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    einerseits ist todesstrafe etwas nicht menschenwürdiges, wie hier schon einige gesagt haben, denn es geht ja darum etwas zu büßen, was man getan hat bzw anderen menschen angetan hat...
    und ob die angehörigen der opfer glücklicher sind, wenn der täter tod is, sei mal dahingestellt...
    kein hingerichteter macht jemand anderen wieder lebendig...

    andererseits würde ich vielleicht in so einer situation (zum glück nie dagewesen und hoffentlich kommt diese auch nie *3 mal auf holz klopf*) auf für die todesstrafe plädieren, wenn es mein kind/mutter/vater/freund... was weiß ich wer, wäre...
    insofern...

    ich weiß nich, ob ich dafür oder dagegen bin...

    22.09.2010, 18:08 von Prinzssintine
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      @Prinzssintine Wenn es Dein Vater/Mutter/Kind ist, ist es nicht an Dir, zu plädieren.
      Es gibt ja nich umsonst die Möglichkeit, Richter un/oder Staatsanwälte wegen befangenheit von Fällen zu entbinden.

      Und die Justiz eines Rechtsstaates ist in aller Regel nicht das Vehikel der Rache der Angehörigen, so nachvollziehbar ein Rachegedanke im ersten (und auch zweiten) Impuls zunächst sein mag...

      Deswegen gibt es ja auch regelmäßig so lustige Diskrepanzen zwischen Recht und (gefühlter) Gerechtigkeit.

      22.09.2010, 18:22 von sailor
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      @sailor man mags kaum glauben, aber das is selbst mir klar, dass ich nicht dafür plädieren kann...
      plädieren kam eher in dem zusammenhang, dass ich mich in dem speziellen fall dafür aussprechen würde.

      ich wollte leidiglich zum ausdruck bringen, dass ich froh bin, dass es hierzulande die todesstrafe nicht gibt, weil ich mich generell weder dafür noch dagegen entscheiden könnte...

      ist mir wohl nicht gelungen...

      22.09.2010, 23:12 von Prinzssintine
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      @Prinzssintine Na, wenn's dir selbst doch klar ist, dann liegt die Antwort doch auf der Hand...

      23.09.2010, 09:04 von sailor
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    Für mich hat die Todesstrafe zwei entscheidende Probleme, ein praktisches und ein theoretisches:

    Was macht man, wenn man dummerweise den falschen hingerichtet hat? Verschlampte Beweise, Falschaussagen, dumme Anwälte, Richter die Fehlurteile sprechen, hat es alles schon gegeben. Leute die unschuldig im Knast sitzen kann man entschädigen, durch öffentliche Bekanntmachung den Ruf wiederherstellen. Aber Tote aufzuwecken, das schaffen wir noch nicht...

    Das theoretische Problem habe ich, wenn ich mir überlege, was "Strafe" denn sein soll?

    Ist das eine Vergeltung von Staat und Gesellschaft um die Welt wieder gerecht zu machen? Darf man dann im Umkehrschluss Leute töten, wenn man sich anschließend selber umbringt?
    Soll Strafe Leute wieder mit der Gesellschaft versöhnen (Resozialisierung)? Dann müsste man jeden Täter durch Therapie, Anti-Aggressionstraining und Ausbildung soweit bringen, dass er nie mehr Straftaten begeht.
    Soll Strafe die Gesellschaft vor den Tätern schützen? Dann müsste man aber den Tätern ein Leben nach ihren eigen Wünschen in isolierter Umgebung gestatten. Mörder mit Millionen auf dem Konto dürften sich dann eine "ausbruchssichere Villa" leisten und da dann ihre Strafe "verbüßen".
    Dient Strafe der Abschreckung? Und wenn ja, wie groß muss das Verhältnis von Tat und Strafe sein? Und wenn sich jemand nicht abschrecken läßt, erläßt man ihm dann die Strafe?

    Wenn es auf diese Fragen mal eine Antwort gibt, können wir gerne mal über die Todestrafe reden, aber das Problem mit dem unschuldig Hingerichteten bleibt.

    22.09.2010, 18:00 von Charlie_B
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      @Charlie_B die strafe soll alles auf einmal. ob sie es auch kann, ist ne ganz andere frage.
      damit sind wir nach deiner meinung schon ganz dicht dran am reden über die todesstrafe ;)

      23.09.2010, 07:45 von nutella
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      @nutella Tja, in primitiven Gesellschaften ist die Todesstrafe wahrscheinlich unvermeidbar. Wie will man Leute bestrafen, wenn man jeden Tag ums überleben kämpfen muss?

      23.09.2010, 08:31 von Charlie_B
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      @Charlie_B ausstoßen aus der gemeinschaft ist da ein ziemlich effektives mittel. oder geldzahlungen. oder versklavung.
      da gabs vieles...

      26.09.2010, 23:39 von nutella
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    Ein Staat, der eine Barbarei mit einer Barbarei beantwortet, ist kein Rechtsstaat sondern ein Verbrecher, der jede ethische und moralische Souveränität vor Volk und Menschenwürde aufgegeben hat.

    22.09.2010, 17:16 von schauby
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      @lavish Dass Angriffskriege ein Verbrechen sind, braucht man hier nicht weiter auswalzen.

      Konflikte und allgemein Wettbewerb lassen sich selbstverständlich nicht abschaffen, es geht darum welchen Strukturen Staat und Rechtssystem schaffen und zum praktizierten Vorbild macht, wie und auf welche Weise damit umgegangen wird. Wie Menschen befähigt werden, nach Maßstäben zu leben, die Wertschätzung von Menschenwürde und Leben wie sein eigenes zu begreifen.

      Soziale Verantwortung ist nur insoweit auch wirksam, wie bspw. der Grundsatz vom kategorischen Imperativ auch als wertvoll erfahren wird. Diese Erfahrung am Einzelnen kann ein Staat durch Vorbild, Verfassung und Gesetze bestenfalls begünstigen, aber nicht erzwingen. Andernfalls müsste er das Konzept der größtmöglichen Freiheitlichkeit aufgeben.

      22.09.2010, 18:54 von schauby
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