Kontrastpoet 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 7

Das Krötengleichniss und die einbeinige Krähe.

Vom Blödsinn des Tuens. Und das Seien der Unnachgiebigkeit.

Hier, im Menschenfreilaufgelände, Kleinstadt.
Wo ich nur die Namen der Busfahrer kennenlernte, die mich nicht wegen meiner Schuhe einsteigen lassen wollten. (weswegen auch immer)
Plätze aus Beton. Das Marmor der Pfennigfuchser.
Wie Poliert und frei von Grün und sonstigen Anzeichen freien Lebens.

Was ich hier eigentlich will, weiß ich schon garnicht mehr. Und Wieso die Stadt noch bewohnt ist frag ich mich bereits seit dem Ich aus dem Zug gestiegen bin.

Soeben schiebt sich ein Stein vor mich her. Ausgesprochen symmetrisch und dynamisch. Alle Achtung. Es lebt.
Mein Kopf rutscht an das Steindouble heran.
Atmung. Herzschlag. Warzen. Alles da.
Das kartoffelfarbende Ding ist eine Kröte. Natürlich ist sie das.
Ohne Müh und viel Ruhe zieht sich die aufgedunnsene Amphibie vorwärts.
Unbeirrt und atmend. Meine Anwesenheit tut nichts zur Sache noch hät ich irgendeine Relevanz an ihrem Vorhaben.
Selbst nicht als ich es hochheb.

Ich betrachte es flüchtig und interessiert.
Es gluckst leise und öffnet und schließt die Augen regelmäßig.
Noch immer scheine ich ihr egal zu sein, wobei ich doch grade seinen Tagesplan durcheinanderbringe. Eigentlich sollte ich mich schämen.
(Das nächste Mal, wenn mich ein Riese hochhebt, werde ich auch diese Geduld gebrauchen.)

Dieses bewarzte Wesen ist alles andere als ein Sinnbild der Schönheit der Natur. Eher eines Ihrer Ausrutscher!
Doch das Tier wird damit weitermachen. Weiter glucksen. Kriechen. Und Atmen.
Sie erinnert mich an eine alte Nachbarin, die täglich Ihre Einkäufe macht und immer wieder meinen Weg kreuzt und dennoch irgendwie garnichts tut.

Einfach weitermachen..
Wenn auch irgendwie traurig.

Ich entlass die Kröte aus meiner Umlaufbahn. Und wie in einer Wiederholung zerrt sie sich weiterhin vorwärts.

Trotz Unsehnlichkeit auf das eigene Seien bestehen. Und leben.


Am Bahnhof setze ich mich mit einem überbackenen Käsebrötchen an den Gleisrand. Wartezeiten machens möglich.

Gegenüber bewegt sich der Müll umgekehrt aus der Tonne. Ein Gewühle und Geraschel im Innern. Und zeigende Finger und Getuschel aus einer Gruppe Frauen mittleren Alters.

Eine Krähe springt heraus an den Rand und durchstöbert das zu Tage geförderte. Vorwiegend Zeitungsseiten, leere Kaffeebecher und Schockoriegelverpackungen. Sie verhaart und senkt den Kopf. Offenbar bestürzt darüber, dass nichts brauchbares zu finden ist. Oder das Müll hier nicht getrennt wird. (!)

Entweder hungrig oder engagiert.
Zweiteres würde Sie mir sympathisch machen.

Auf jeden Fall kommt Sie mit ihren unnatürlichen Zustand, dass sie nur ein Bein hat, bemerkenswert gut klar.
Sie hüpft geschickt von Stein zu Stein. Der sperrliche Sonnenschein lässt Sie ungeheuer dunkel und matt erscheinen. Was ihre Anwesenheit für die gackernde Frauengruppe nur noch unappetitlicher macht. Worauf sie ihre Brote auf sie zuwerfen.

Begierig nähert sich die Krähe diesen albernen Spielchen. Und scheint eine Freude mit sich zu tragen, darüber, dass sie nun so großzügig bedient wird.

Nachteil zu Vorteil.

Das Ende einer unsinnigen Geschichte über die einzigen Tiere, die mir in Hamm begegneten.

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