Klavierspielen 21.01.2008, 22:48 Uhr 1 1

Das Ganze ist mehr

als die Summe seiner Teile...

Morgen. Morgen werde ich aufstehen - und nichts wird so sein, wie es einmal war. Ich habe alles vorbereitet. Ich habe mir die letzten Traumata weg geklopft, die Wände neu gestrichen und schon taut draußen der Schnee. Ja ja, ich bin euphorisch, hast ja recht, aber was ist schlecht daran. Denn alles kann sich ändern, an einem Neujahrstag. Der Fernseher steht beim Sperrmüll, die alten Jeans sind in der Kleider-Sammlung, mein Geld in einer Müllaufbereitungsanlage in Bangladesch. Meine Hände sind geladen und die Beine für die lange Strecke gestärkt. Wer das Klavier beherrschen will, braucht schon so zehn bis zwölf Jahre, vorausgesetzt er herrscht über einen klaren Geist. Mein Herz ist grün und der Himmel schwarz mit ein paar Silberlichtern. Wenn nötig, gehe ich nackt. (All das denke ich und dann nur noch:) Nie wieder Snickers.

(Der Rest ereignet sich auf der Schwelle zum Unterbewusstsein, die kurzen Momente, in denen man glaubt alles verstanden zu haben, aber bereits im Reich der Träume wandelt, wo man nur zu gern einen Stift zur Hand hätte, jedoch ... Wer hat heutzutage schon noch die Zeit, um sich mit der gegebenen Ruhe an seine vermeintlich nächtlichen Träume zu erinnern?)

Ich hab die Maschine so oft gesehen und jedes mal geweint. Unendlich, bis in den Horizont erstreckt sie sich. Kolben, Zylinder; surrealistisch des nachts, noch in meinem Kopf am Tage; und in Zukunft zum Anfassen? Also doch schon immer da - in Wirk-lich-keit? Genauso zum Weinen? Aber – Wer weint? In meiner Traumwelt wirkt sie seit ich denken kann. Sie scheint aus einer Kautschuk-artigen Masse, mit Furchen - überall. Ein mechanisierter Luftballon vielleicht - bereits zerplatzt. Und ich mitten drin. Ohne Luft. Um mich Stampfen und in mir Unverständnis. Verzweiflung. Warum, warum nur hören sie nicht auf zu stampfen.

Wie hilflos ich doch war.

Aber des Tages auf euren Nebelsonnenbänken, in euren Kinos und nach euren Live-Berichten habe ich das bewusste Träumen erlernt. Ich schlucke eure Lügen nicht mehr. Ich weiß nicht nur was ich tue, sondern weiß ich auch was ich will. Ich hab den Code geknackt. So leicht, so leicht... Vieles aus Büchern.

Letztendlich passt es aber doch alles zusammen. Der Abend mit sechs, als ich beschloss, nicht mehr mit dem Lachen aufzuhören. Mein Ausbruch mit zwölf: Krieg im Wohnzimmer, durch Wachsmal-Stift-Wunden mit Blut überströmte Möbel. Der Entschluss, doch keine Hakenkreuze zu malen, wie die anderen. Diese Menschen waren böse, sagte Mami. Kurzer Alkoholaufenthalt. Danach Selbstfindung. Danach Aufgabe. Danach - Freiheit. Alles führt zu dieser Erkenntnis:

Nichts auf dieser Welt ist es wert dafür zu sterben.

Und schon wieder: Ich bin bereits gestorben! Ich konnte die Hände meiner Mutter nicht mehr greifen, als die Fluten mich hinab rissen. Ich bin ertrunken. Gar nicht passiert? Nur geträumt? Dann tilge meine lebendigen Erinnerungen. Dann jäte das Unkraut in meinem Seelen-Beet aus, denn es wuchert und flechtet solche Bast-Matten voller Angst und Leid, auf denen ich nicht ruhig schlafen kann.

Aber ihr sagt mir, dass das alles gar nichts mit mir zu tun hat. Heute schon Hausaufgaben gemacht? Nein? Ach komm schon. Du hast nur den Stress der letzten Tage verarbeitet. War doch auch viel vor der Klassenarbeit. Keine Sorge. Nein, ich werde dich nicht fragen, warum du diese schrecklichen Bilder malst - Ich weiß doch, dass du Stress hast. Ich hab ihn auch - lass mich arbeiten.

Und natürlich lese ich dir heute Abend vor. Ja ja, versprochen.

Arbeite, arbeite, arbeite, arbeite, arbeite, arbeite, arbeite, arbeite, arbeite, ...

Schreie. Tränen-Sturzbäche. Ratlose Eltern lehnen in der Tür.

Ich schrie: "Die Maschine, die Maschine." Meine Stimme bricht. "Erst scheint alles in Ordnung zu sein und auf einmal" - Schluchzen - "ist nichts wie es einmal war..."

Zu welch glücklichem Moment es mich geführt hat. "Scheint!" war das entscheidende Lösungswort. Es löst alle Fragen - denn ihre Antworten sind falsch.

Ich werde alles geben. Denn ich weiß, dass es diese Maschine nicht geben muss. Und, dass man nachts mehr erfährt als an manchen Tagen. Dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Nach einem frohen Erwachen...

höre ich das Klingeln des Weckers, den Weckruf.

Hörst auch du ihn?

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1 Antworten

Kommentare

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    ja. JA!!! JA VERDAMMT!!!!!!!!!!!!!!

    14.02.2008, 21:20 von Caja_Clementine
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