Das Ende der Bücher
Ein paar Worte zu einer wirklich bedrohlichen Entwicklung…
Es war einmal … ein – äh – Müller, die nein der war arm, aber er … hatte eiiine schöne Tochter. Nun traaaaf es sich, - daß er mit – den nein dem Kö--nig zu sprechen … kommt nein kam
Was der Anfang eines klassischen deutschen Märchens sein sollte, war eine einzige Qual. Realschüler in der Berufsausbildung üben Kindern Märchen vorzulesen. Die fehlende Übung merkt man bei jedem Wort, aufgrund der langsamen Entzifferung der einfachsten Worte kann von Betonung des Inhaltes keine Rede mehr sein. Zu groß die Konzentration auf das einzelne Wort, so erzeugt man bei Kindern nur Langeweile.
Kinder lesen so gut wie gar nicht mehr, die durchschnittlich verbrachte Zeit vor Bildschirmen hat sich in den letzten 15 Jahren von 15 Minuten auf 3 Stunden erhöht, ein Trend der sich immer weiter fortsetzt. Zweijährige besitzen bereits eigene Computer und Fernseher. Niemand sollte sich vor neuen Medien verschließen, aber mittlerweile gleicht es fast einer Kulturrevolution.
Lesen war für mich immer etwas Wunderbares. Es regt die Phantasie an, bietet Einblick in bisher unbekannte Welten und regt zum selber weiterdenken an. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür, dass sie sich immer die Zeit genommen haben mir Geschichten vorgelesen haben und mich immer wieder zum Lesen angehalten haben. Rückblickend habe ich vom Lesen nur profitiert. Ich verdanke ihm einen großen Teil meines Wissens und hatte immer ein gutes Verhältnis zur Sprache. Ich konnte mich gut mit Sprache ausdrücken, was die Aufregung bei Vorträgen deutlich mindert.
Ich mache derzeit eine Berufsausbildung und war entsetzt dass 80% der Realschüler in meiner Klasse ihre Muttersprache kaum beherrschen. Sehr langsames Lesen, ein stark beschränkter Wortschatz und ein sprachlicher Ausdruck der gegen Null geht. Es geht absolut nicht darum komplizierteste Sachverhalte aus dem Stehgreif erklären zu können oder den Faust bühnenreif vorlesen zu können. Aber ich erinnere mich an genügend Lehramtsstudenten aus meiner Studienzeit, die ohne Stottern nicht mal ihren Namen sagen können. Aufregung klar, aber mittlerweile scheinen die meisten unserer Generation mit der Sprache auf Kriegsfuß zu stehen.
Neben der universellen Körpersprache sind Worte unser Hauptmittel zur Kommunikation. Was ich nicht benennen kann, kenne ich auch nicht. Sprache hat sich aus dem Drang, seine Bedürfnisse mitteilen zu wollen, entwickelt. Nach 100.000 Jahren homo sapiens bietet gerade unser wunderschönes Deutsch eine riesige Möglichkeit seine Befindlichkeit zu verbalisieren.
Zur oft beschworenen Verrohung der heutigen Jugend gehört auch die Unfähigkeit sich auszudrücken. Als Ventil bietet sich dann oft nur Gewalt. Wörter wie „Sehnsucht“ – wer wird es in 20 Jahren in der nächsten Generation noch verstehen? Beschränkt sich unsere Gefühlspalette dann auf „beschissen“ und „okay“?






Kommentare
Danke! Diesen Text würde ich glatt unterschreiben.
12.10.2007, 11:45 von ilofiVG Ilo
Früher waren Bücher nur für die Bldungsbürgerschicht. Dann gab es plötzlich die lesende Arbeiterklasse und nun gibt es kein wirkliches Klassensystem mehr, aber es lesen immernoch nur sehr wenig Leute. Und Bücher wurden eben von Fernsehen und Computer etwas verdrängt. Aber es lesen würde ich persönlich sagen nicht weniger Menschen als früher.
11.10.2007, 15:00 von schnatterlieseZustimmung an meine Lieblings-Nemesis: Die Leute werden nicht (biologisch) dümmer, höchstens ungebildeter. Jedoch bedeutet Bildung auch Nahrung für den Geist und ein ungebildeter Mensch verkümmert meist intellektuell, wenn er nicht z.B. durch Phantasie/Kunst eine Möglichkeit findet, seinen Geist zu stimulieren. Das Intelligenzpotenzial dürfte doch über die Jahrhunderte recht stabil in der Glockenkurve verteilt sein. Daß einem heute die dümmeren Leute stärker auffallen, liegt auch an der transparenteren Gesellschaft. Welcher Oberhofrat ist denn vor 150 Jahren mit dem Bus gefahren, wo er den lärmenden Pöbel in seiner gesamten Dummheit und Primitivität ertragen mußte?
06.10.2007, 00:33 von Romeo_Flausch79Dagegen hat heute jeder Student ohne eigenes Vehikel das Vergnügen, die volle Amplitude des intellektuellen Gefälles innerhalb der Gesellschaft zu erfahren.
Oder er schaut sich Frauentausch an, um zu wissen, wie das Vulgariat lebt.
@[Benutzer gelöscht] Oho!
06.10.2007, 00:19 von Romeo_Flausch79//, dass wir uns derzeit am beginn eines ähnlichen verfallsprozesses befinden//
Jetzt wird's spannend. Welche Gründe meinst Du denn? Die Antwort gerne auch diskret per PN :)
@[Benutzer gelöscht] Dazu auch ein paar Anmerkungen:
06.10.2007, 14:19 von Romeo_Flausch79- Warum hat Deiner Mn nicht jeder die Möglichkeit, sich dem Kosumterror zu entziehen? Wenn es an mangelnder Bildung liegt, dann haben wir einen schönen Teufelskreis.
- Mehr Schein als Sein ist natürlich nur allzu menschlich. Ich glaube, daß die - von mir gutgeheißene - Fragmentierung und Individualisierung der Gesellschaft mehr dazu beiträgt als die Medien. Die sind natürlich auch Teil des Reigens, aber in meinen Augen bedienen sie eher das Bedürfnis, als daß sie es entfachen.
- die Signifikanz von Bildung kann nur auf persönlicher Ebene erkannt werden. Warum wird "Bildung" kein Wert mehr beigemessen?
- Ich finde es auch erstaunlich, daß die Arbeiterschaft, die früher noch eigene Bibliotheken und Fortbildungsverantsaltungen unterhalten hat, inzwischen weitgehend zur "hedonistischen Unterschicht" abgesunken ist. Der aufstiegswillige Teil ist nämlich in den 60er-80ern aufgestiegen. Was heute noch übrig ist, ist größtenteils der akkumulierte Bodensatz der Arbeiterschaft, die Negativauslese.
- OK. Ich halte es für einen Irrglauben zu denken, jeder wäre unabhängig von äußeren Faktoren verantwortlich für seinen Aufstieg bzw. sein persönliches Glück. Jedoch ist die innere Einstellung eine sine qua non. Man kann ein Pferd nur zur Quelle führen, saufen muß es selbst. Und wenn Mehmet denkt "Wasse solle lerne schreibe? Werde korrekte Hüphop-Stür! Und wenne nix Erfolg, dann Kickbox aufs Maul!"
- Integrationspolitik ist tatsächlich nicht vorhanden, guter Willen sich nicht wie der letzte anatolische Bergbauer zu benehmen ist jedoch auch nur als Spurenelement festzustellen. Deutschland sollte zur Abwechslung mal Menschen mit Bildung aufnehmen statt die Unterschicht rückständiger Staaten, dann würde auch die negative Einstellung zu Ausländern bei manch einem eine Änderung erfahren.
- die Parallelen zum verfallenden Rom sind in erster Linie die Wohlfahrtspolitik, die das Vulgariat ruhigstellt, statt sie auf die Notwendigkeit der Anpassung durch Bildung einzustimmen. Ohne Not ä ändert sich nichts. Daß man das Proletariat auch noch fürs Kinderkriegen belohnt, ist eine der größten Torheiten unseres Systems.
@[Benutzer gelöscht] - ich verstehe nicht, was in einem kostenlosen Bildungssystem Eltern davon abhält, begabte Kinder auf das Gymnasium zus chicken. Von lehrerempfehlungen mal abgesehen, die nicht überall bindend sind. Warum schickt nicht jeder ein entsprechend aufgewecktes Kind aufs Gymnasium? Hier sehe ich ein großes Versagen von Politik und Gewerkschaft. Indem man jahrzehntelang so getan hat, als wäre eine Schulbildung keine Notwendigkeit für den eigenen Erfolg, hat man mit unverantwortlichen tarifabschlüssen und Subventionen Unqaulifizierten den Job ermöglicht, obwohl er marktwirtschaftlich nicht haltbar war. Jetzzt, wo sich keiner mehr diese Idiotie leisten kann, ist der leidensdruck natürlich stärker. Ein ähnliches Problem hatten ja auch die DDR-Arbeitnehmer, die nach 1990 feststellen mußten, daß keiner mehr Handmelker oder Braunkohlestecher oder Stasi-Spitzel braucht. Da hatte der Staat auch am Markt vorbei beschäftigt. Die Rechnung beträgt bisher 1200 Mrd. Euro.
12.10.2007, 12:43 von Romeo_Flausch79- ich glaube, daß die individuelle Entscheidung, sein Kind nicht aufs Gymnasium zu schicken, sich nicht für das *eigene* Kind einzusetzen schwerer wiegt als die immerhin kostenlose Schulbildung.
- zu Rom: Wir gehen von unterschiedlichen Epochen aus. Ich habe die zerfallende Republik im Hinterkopf. Das bietet m.E. mehr Parallelen zu heute als das zerfallende Reich des 5. JH n.u.Z.
- Die Erosion der Mittelschicht sehe ich ebenfalls als Problem der beiden Epochen an. Aber heute wird die Mittelschicht durch staatliche Gängelung und Raubbesteuerung zerstört, um dem Vulgariat auch ja keine Härten aufzubürden. Das schlimmste: Es funktioniert nicht mal. Obwohl man in Deutschland fürs Nichtstun 4,50 Eure die Stunde verdient (das ist der bereits existierende "Mindestlohn" in Deutschland), jammern trotzdem die Berufsdemagogen von der LINKEN über diese ungeheure Ungerechtigkeit.
- Daß die Reichen sich dem Steuersystem entziehen halte ich für ein Gerücht. Was die Einkommenssteuer betrifft, so habe ich gestern gelesen, daß die oberen 1% beinahe 20% des Aufkommens leisten und die oberen 20% 67% der Einkommenssteuer. Das sehe ich eher als Diebstahl der Gesellschaft am Individuum.
- Was meinst Du mit Staatsdienst? FSJ? Beamtenlaufbahn? Politiker werden?
- wer hindert Kinder daran ein Buch zu lesen? Mangelndes Bewußtsein, daß Bücher lesenswert sind. So lange die Eltern aber Geld für ne PS oder XBOX haben, jedoch nicht willens sind, dem Kind ein bpaar Bücher aus der kostenlos-spottbilligen Bibliothek zu besorgen, kann man noch so viel Geld in die "Bildung" stecken. Teilhabe hat auch was mit Teilnahme zu tun.
ob die kinder früher, die nicht lesen wollten, so viel lasen? hast du belege dafür oder ist das nur eine subjektive wahrnehmung??
04.10.2007, 20:16 von NeonBlond@[Benutzer gelöscht] in meinem jahrgang hat keiner gelesen. ausserhalb der schullektüre. das war 10 jahre vor dir spatz. also was willst du mir da erzählen?
04.10.2007, 19:56 von Der_Misanthropfrage ich meine mutter bekomme ich gleiches aus ihrer zeit berichtet.
frage ich meine oma oder guck einfach in ihr bücheregal seh ich das es auch da schon nicht anders war.
also lass doch dein gegifte ja?
wurde seit erfindung ebendieser beschrien. immer und immer wieder. lkeute ihr müsst euch mal klarmachen das die breite masse der bevölkerung schon immer und immer und immer sozusagen dumm ist. seit jeher. da hat sich nichts geändert und da wird sich auch nie was dran ändern - wenn dir das negativ auffällt gehörst du zur intelligenten elite. glückwunsch!
04.10.2007, 11:18 von Der_Misanthropund ich glaube nicht das die höhere vorm bildschirm-sitz-zeit zu größerer dummheit führt. ganz im gegenteil. im gegensatz zum fernesehen beteiligen sich die kids im internet in foren und chats und ähnlichem und lernen so ebenfalls lesen und schreiben. nur auf ihre art. geh mal in ein computerspielforum - du wirst bauklötze staunen wie gut 10-13jährige des englischen mächtich sind. natürlich gibz immer wieder extremfälle die nicht mal des deutschen mächtig sind - aber hier ist das internet selbstregulierend. da sagen 12jährige 15jährigen: "alta, lern erst mal deutsch bevor du hier postest!"
also nich imma rumheuln - einfach laufn lassen und an der eigenen intelligenz erfreuen!
juti,
deurich
@Der_Misanthrop Nehmen wir nur mal das Beispiel DDR; die Nachteile sind ja hinhaltig bekannt, aber vor 20 Jahren konnten die Leute wenigstens flüssig lesen wenn sie den zweithöchsten Schulabschluss erreicht haben. Nach den Realschule kommt ja noch Haupt-, Förderschule und die Schulabbrecher. Natürlich wird über Jugend immer wieder das Geliche gesagt und jede ist angeblich die Verrohteste, Ungebildetste und Faulste. Und sicher bringen Computer auch andere Kompetenzen bei. Aber wie kann es sein das man mit dem 10. Klasse Abschluss die Basiskompetenzen die man in der Grundschule lernt, nicht beherrscht. Ich bin froh, dass wir kein Mathe haben...
04.10.2007, 18:06 von Baudelaire@Baudelaire beispiel ddr? okee - kannich aus eigener erfahrung sprechen: da gabs genau die bekkloppten doofköppe dies jez ooch gibt! oh ja! und nich zu knapp!
04.10.2007, 18:19 von Der_Misanthropnur das die fatalerweise in der ddr noch mehr angesehen waren als heute - arbeiter und bauernstaat emd.. die belesenen und intellektuellen waren ja suspekt!
und glaub mir junge ich reg mich auch endlos über dummheit auf - aber da kommst du nich gegen an - es gibt menschen die wollen einfach dumm sein - denen ist intelligenz zu anstrengend! udn auch die leben ihr eigenes leben und leben und sterben manchmal glücklicher als so mancher intellektuelle!
war mal in ner weiterbildung für arbeitslose - solch geballte dummheit auf einem haufen kannst du dir gar nicht vorstellen - das war echt... das war.. unbeschreiblich!
glaub das hat mir so manche illusionen genommen ^^
Wenn es denn noch "beschissen" und "okay" sind und nicht solche Sätze wie "Ey Digga tu ma Handy." (O-Ton)
04.10.2007, 10:18 von ArnieQ