Ann-Kathrin_Eckardt 02.04.2012, 11:33 Uhr 57 0
NEON täglich

„Darf ich eigentlich....?“

Wann hattet ihr das letzte Mal mit der Justiz zu tun?

Jura ist trocken, Paragraphen sind öde, Juristen pedantisch und Richter bestrafen häufig erstmal die Falschen (zum Beispiel Supermarktkassiererin Emmely wegen eines angeblich unterschlagenen Pfandbons im Wert von 1,30 Euro) – die gängigen Vorurteile über unser Rechtssystem sind häufig negativ und wer nicht muss, der beschäftigt sich lieber nicht mit der dritten Gewalt im Staat. Dass man allerdings ziemlich schnell in die Mühlen der Justiz geraten kann, diese Erfahrung musste neulich die Freundin einer Bekannten machen. Weil sie von einem Dokument einer Behörde die Heftklammer entfernte, um das Dokument zu scannen, hat sie jetzt ein Verfahren am Hals.
Sind euch ähnliche Dinge passiert? Wann hattet ihr das letzte Mal mit der Justiz zu tun? Was für Rechtsfragen stellt ihr euch im Alltag? (In einem der nächsten NEON-Hefte werden wir einige davon beantworten.)

57 Antworten

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    Als ich zwölf Jahre alt war, hat mein Vater meine Mutter auf Unterhalt verklagt. In meinem Namen natürlich, er war nur der gesetzliche Vertreter. Also führte ich praktisch den Prozess. Mein Vater hat Prozesskostenbeihilfe beantragt und den Prozess verloren. Daher hat sich die Gerichtskasse immer wieder gemeldet, um MEINE wirtschaftlichen Verhältnisse zu erfahren. 2007 das letzte Mal, jedoch hatte ich mit meinem Vater nichts mehr zu tun und der antwortete auf die Frage der Gerichtskasse nicht. Ich war damals 15 und Schülerin, also hätten wir das alles weiter gewährt bekommen. Naja, dadurch, dass er nicht geantwortet hat, stand 2011 der Gerichtsvollzieher vor meiner Tür, immerhin 4 Jahre später, jedoch ohne vorangegangene Forderung oder ähnliches. Ich wusste nicht mal was von dem Prozess von 2004. End vom Lied ist folgendes, ich muss monatlich 50 euro an die Gerichtskasse zahlen, um die 800 Euro Gerichtskosten zurückzuzahlen. Ich habe versucht, meinen Vater zu belangen, jedoch wurde alles abgewiesen und jetzt muss ich mit 19, immernoch Schülerin und allein lebend, monatlich 50 Euro zahlen, denn ansonsten drohen sie mir mit einem Haftbefehl.

    03.04.2012, 16:08 von schubia.wanzhaar
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    ich hab vor 10 Jahren eine große 5erWG in Berlin Mitte gegründet. Top Lage. 160 qm. letztes Jahr kam ein neuer Mitbewohner aus Spanien zu uns, der anfangs gelegentlich auch mal lauter Musik hörte. Wir hatten kaum zwei Wochen für die Auswahl, weil seine Vormieterin wegen eines Todesfalls in der Familie, ebenfalls Spanierin, ganz schnell zurück in ihr Land musste. Ich wollte im Grunde nicht wieder einen Bewohner, der kein Wort deutsch spricht oder liest, gab aber den anderen auch aus Zeitmangel mich mit einem Casting lange zu beschäftigen nach. So nahmen wir etwas zähneknirschend, ihren Vorschlag, den neuen auf.

    Es gab vorher nie Probleme mit Musik, im Haus wohnten immer mal wieder Sänger und Musiker, die dies gut hörbar den restlichen Mietern im Haus mitzuteilen hatten. Zumal das Haus durchaus hellhörig ist. Plötzlich kam die erste Mahnung. Wir sprachen in der WG mit dem Spanier und er beschränkte seine Sessions. Ungerührt folgten weitere Mahnungen von der Hausverwaltung, es würde dies, es wäre das zu laut.  Der Verdacht kam auf, das hier etwas gewaltig faul ist. Kurz darauf der Schock, fristlose Kündigung. Alle Mieter in der WG wurden aufgefordert die Wohnung innerhalb 6 Wochen zu räumen. Darüber hinaus wurden massive Drohkulissen aufgebaut, jeder, der nicht ausziehen würde binnen der Frist, hätte mit empfindlichen juristischen, resp. finanziellen Konsequenzen und Prozesskosten zu rechnen. Unter diesem Eindruck kam es zum Streit innerhalb der WG, zumal die zwei Ausländer bei uns kaum ein Wort Deutsch verstanden, geschweige Bürokraten- und Juristendeutsch, sie nicht glauben wollten, dass es in unserem Rechtsstaat nicht nur Recht für die Großen und Vermögenden gibt. Sie willigten brav wie die Schafe in die Kündigung ein und besonders perfide: Ihnen wurde der Schlüssel abgeknöpft, so dass es unmöglich wurde, für die Zeit des Klageverfahrens neue Mieter reinzuholen,  die gesamte Mietpflicht, sprich, die Kosten zu decken. Schweren Herzens musste ich nach Monaten des Gezerres, Hoffen und Bangen, meine geliebte WG aufgeben, das Verfahren läuft noch.

    Die Mieten in Berlin Mitte haben sich seit 10 Jahren teilweise mehr als verdoppelt. Wohnungen mit alten Mietverträgen sind da steigenden Kurven und Raffgier ein Dorn im Auge. Dass eine ganze WG über die Klinge von einem springen soll, zumal derjenige vermeintliche Verursacher die Wohnung bereits verlassen hatte - unglaublich. Zuweilen beschleicht einen der Verdacht, der Spanier wurde  aus diesen Gründen absichtlich eingeschleust, um die Wohnung hops gehen zu lassen. 

    03.04.2012, 11:56 von schauby
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      Dit kenn ich ähnlich- werde angehalten, weil ich abends mit dem Mountainbike (in der Stadt) unterwegs bin und kein Licht am Rad habe.
      Während die Beamten mich anpflaumen fahren 2 Autos mit defektem Licht an uns vorbei.
      2 Wochen später wird mein Rad geklaut und ich darf nochmal mit den selben Beamten sprechen... komische Welt ist das hier.

      03.04.2012, 12:19 von Dalek
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    ich wurde als zeugin in einem mordfall vorgeladen und musste (in anwesenheit des täters, den ich sehr gut kannte, und der mir in bestem vertrauen sehr viel privates und intimes erzählt hatte) aussagen.
    es war schrecklich. vergesse ich nie.

    02.04.2012, 20:36 von Gluecksaktivistin
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    Hab just heut Justice gehört, zählt das auch??

    02.04.2012, 20:28 von Eon
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    Mehrere Verkehrs -und Geschwindigkeitskontrollen, Vorwurf einer Fahrerflucht (hat sich aber schnell aufgeklärt), Zeuge bei einem Autounfall (als ein Kumpel mal eingepennt ist äh einen Sekundenschlaf hatte, Anzeige wegen Körperverletzung (kam aber zu keinem Verfahren, Grüße an Türsteher Berti).

    02.04.2012, 17:02 von Matsumoto
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    Letztes Jahr. Ich hatte mein Auto in eine sehr kleine Parklücke gekurbelt und bin dann nach Hause gegangen. Eine Viertelstunde später klingelte die Polizei und ich dachte, der Halter des Wagens hinter meinem würde aus seiner Lücke nicht rauskommen. Dem war aber nicht so. Man suchte mich wegen Fahrerflucht.


    Der Tussi, der das Auto vor meinem gehörte, meinte, einen Kratzer an ihrer lackierten Stoßstange (Paradoxon) entdeckt zu haben, den ich verursacht haben sollte. Ich war mir keiner Schuld bewusst und fühlte mich daher auch nicht fahrerflüchtig. Hatte auch einen Zeugen, meinen Sohn, der mich in die Lücke reingewunken hatte.

    Naja, an der Stelle, wo ich die lackierte Stussstange touchiert haben sollte, sind an meinem Wagen Plastikdinger, weil man mit damit wohl gerne mal hängenbleibt. Die sind auch an beiden Seiten leicht angekratzt

    Dieser Lappalie folgte ein Ermittlungsverfahren wegen Fahrerflucht. Ich musste zig Stellungnahmen von mir geben, beim Kommissar vorsprechen. Dann flatterte die Einladung vom Gutachter ins Haus. Den Termin konnte ich nicht wahrnehmen, wartete auf Verschiebung und bekam dann aber nach einem halben Jahr die Mitteilung, dass das Ermittlungsverfahren wegen Verjährung eingestellt sei.

    So hält man Beamte auf Trapp! 

    Und vor allem: wie blöd wäre ich, wenn ich den „Unfall“ bemerkt hätte und zeugenlos in der Lücke stehen geblieben wäre? Da wäre doch jeder normale Mensch a) weggefahren oder hätte sich b) freiwillig gestellt ... Abgesehen davon, dass man den Kratzer mit bloßem Auge kaum sehen konnte (Schaden: knapp 1000 Euro). Voll überflüssige Aktion. Hat mich aber echt Nerven gekostet.

    02.04.2012, 16:38 von B.tina
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      oh mann! die trulla wollte wohl geld machen, oder?

      02.04.2012, 16:44 von Gluecksaktivistin
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      Ja, ich glaube auch. Die war die erste in der Reihe, hätte so nach vorne losfahren können, inspiziert aber erstmal die Rückseite ihrer Karre. Tz.

      02.04.2012, 16:48 von B.tina
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      unglaublich. hört man aber öfter....

      02.04.2012, 16:49 von Gluecksaktivistin
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      Umso mehr hab ich gefreut, als das Verfahren eingestellt wurde ...


      02.04.2012, 16:56 von B.tina
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      hehe!

      02.04.2012, 16:56 von Gluecksaktivistin
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