youisa 31.05.2014, 11:30 Uhr 0 5

Dare to be real.

Weil wir zum Lachen keine Smilies brauchen.

Bing. Facebook verkündet eine neue Mitteilung.

Überrascht lese ich deinen Namen.
Noch überraschter lese ich deine Nachricht.
"Schönes Foto", schreibst du.
Ich bin nicht sicher, ob ich mich freuen oder wundern soll. Wir kennen uns kaum, und in der Realität bist du so abweisend wie ein Stein.

"Danke", schreibe ich zurück.
"Und schönes Tattoo", kommt keine 30 Sekunden später.
"Nochmal danke."

Was folgt, sind unzählige Smilies. Leere Worthüllen, die man standardmäßig eben einfach so schreibt. Und zwischendrin immer wieder winzig kleine Komplimente.
Würde ich dich nicht kennen, würde ich dich vermutlich für einen unglaublich aufgeschlossenen Menschen halten. Aber ich kenne dich. Und einen ersten Eindruck kann eine Facebook-Nachricht nur schwer ändern.

"Wollen wir mal ein Bier trinken gehen ;) ?", fragst du dann.
"Ich trinke keinen Alkohol (:", antworte ich dir.
"Gut, dann trinke ich und du bekommst was ohne Alkohol."
Ich schicke dir einen zwinkernden Smilie zurück. Kein Nein. Kein Ja. Weil ich nicht weiß, was ich von den zwei Menschen halten soll, die ich da gerade in dir kennenlerne.

Drei Tage später sehen wir uns in der Uni wieder. Du setzt dich neben mich, grummelst ein unfreundliches "Hallo" und spielst dann anderthalb Stunden mit deinem Smartphone rum. Als der Kurs vorbei ist, verabschiedest du dich nicht. Kein Lächeln, kein Schmunzeln. Das gelingt scheinbar nur deinen Smilies in Facebook.

Am Abend sitze ich dann nach der Arbeit mit meinen Kollegen zusammen. Wir sind nicht in Facebook befreundet, aber das macht nichts. Weil hier das reale Leben spielt.
Weil wir miteinander reden können, während wir nebeneinander sitzen. Weil wir zum Lachen keine Smilies brauchen.

Weil wir alle vielleicht 376 Facebook-Freunde haben. Aber die sitzen gerade irgendwo vor ihrem PC und schreiben Smilies, statt einmal richtig laut loszulachen.

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