bindasich 09.02.2018, 23:08 Uhr 23 0

Dankbarkeit, Lagom und Wünsche

Gedanken einer 22-Jährigen

Ich hatte letztens ein interessantes Gespräch mit meiner Schwester – mitten im IKEA saßen wir da und sprachen über alles, was uns so momentan beschäftigte.
Und dann platzte irgendwann eine Gedankenblase und gab einen wunderbaren Gedanken frei:
Dankbarkeit

Angefangen hatte das Ganze schon vorher, im letzten Gottesdienst. Ich fragte mich, warum es ein „Fürbitten“-Gebet gibt, aber kein „Dankefür“-Gebet. Bei der nächsten Andacht zu Hause versuchte ich dann beim Gebet mal nur zu danken. Und ich musste mich während des Gebetes immer wieder daran erinnern, dass ich gerade nicht eine Bitte an etwas anhängen möchte, sondern einfach mal danken will.
Erstaunlicher Weise war das für mich garnicht so einfach.
Denn dankbar zu sein bedeutet, im Hier und Jetzt zu leben. Für das dankbar zu sein, was gerade im Moment ist. Und wir Menschen leben eher in der Zukunft. Wir wollen alles besser, schneller, größer, höher… Wenn wir dankbar für etwas sind, ist es immer nur das Beste. Das Großartigste. Und wenn wir noch nicht so weit sind, wünschen wir uns zum finalen „Großen“ hin.

Wann genau haben wir angefangen, mit allem unzufrieden zu sein, was nur mittelmäßig ist? Warum ist ein Notenschnitt mit 3,0 schlecht? Wann wurde langsam sein zu nicht schnell genug? Wann wurde ein beeinträchtigtes Baby zu einem Ungenügenden? Wann wurde Besitz zu Massenkonsum?

Ich habe mich im vergangenen Jahr viel mit dem Thema Minimalismus auseinander gesetzt. Genau wie auch mit den Lebensphilosophien „Hygge“ und „Lagom“.

Lagom: Gerade richtig. Nicht zu viel und nicht zu wenig. 
Also das Hinnehmen, was man gerade hat. Das gesunde Mittelmaß ist das Ziel. Man möchte nicht schnell sein. Nicht langsam sein. Man möchte ein Tempo haben, was zu einem passt. Einen nicht überfordert und doch zum Ziel bringt. Ein gesundes Mittelmaß. So hast du weder die Nachteile vom langsam sein, noch die Nachteile vom schnell sein. Du gehst dem ganzen aus dem Weg.

Wenn wir anfangen würden, für das dankbar zu sein, was wir jetzt gerade im Moment haben und weniger in die Zukunft schauen, würde ich behaupten, dass wir das perfekte Lagom leben könnten.
Es muss nicht alles großartig, mega, voll krass oder schnell sein. Es muss so sein, dass wir in unserem Leben vorwärts kommen und dabei aber nicht überfordert sind.

Dankbarkeit bringt Zufriedenheit in dein Leben. 
Es zeigt dir die kleinen Schritte, die du gehst. Es zeigt dir die beiläufigen Wegbegleiter, die mit dir gehen. Die unscheinbaren Taten von Anderen, die dich unterstützen.
Sei dankbar für das, was du täglich schaffst. Denn jeder Tag bringt dich voran. Selbst wenn es ein Jogginghose-Sofa-Netflix-Lieferservice-Tag war. Denn dieser Tag hat dir Erholung geschenkt. Hat dich neue Kraft tanken lassen. Und selbst wenn aus diesem scheinbar unproduktivem Tag eine Woche wird: Du kannst dir gewiss sein, dass wenn du jeden Tag dankbar für einen solchen Tag bist, werden auch bald wieder Tage folgen, an denen du dich produktiver fühlst.

Fürbitten und Wünsche sind trotzdem wichtig. Sie werden immer Teil von uns bleiben. Schließlich leben wir auch in einer sehr zukunftsorientierten Gesellschaft. Das Bitten und Wünschen treibt uns an und zeigt, was wir erreichen wollen. Aber dein Ziel sollte nie sein, die Schnellste werden zu wollen. Dein Ziel sollte sein, lagom schnell zu sein. So schnell, wie du gerade sein musst. So schnell, wie du sein musst, um zufrieden zu sein und fröhlich und dankbar durchs Leben zu gehen. Nicht langsamer und nicht schneller. Lagom schnell.


Tags: lagom, hygge, Dankbarkeit, fürbitten, Kirche, Skandinavien, ziele, Zukunft
23 Antworten

Kommentare

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  • 3



    Wer sich einmal mehr mit Minimalismus beschäftigt hat, wird sehen, dasses von einem selbst abhängig ist, was man daraus macht. Ich für meinen Teil zB sehe den Minimalismus darin, dass man Dinge bewusster tut. Über manche Dinge mehr und andere weniger nachdenkt. Die einen Dinge mehr wertschätzt und die anderen eben weniger.

    Sich dadurch freier und
    glücklicher fühlen, dankbar sein können (wem oder was auch immer 
    gegenüber), unbeschwerter sein. Das ist es doch, wonach die
    Konsumgesellschaft sucht.

    Kennst du übrigens MyMonk und EinfachBewusster? :)

    14.02.2018, 07:45 von TrustYourself
    • 1

      Ich stimme dir absolut zu, dass Minimalismus ein Ding ist, dass von jedem anders angesehen werden kann. Ich versuche minimalistisch zu leben - das bedeutet für mich aber nicht, nur noch aus einem Handgepäckskoffer zu leben. 


      Nein, die beiden kenne ich tatsächlich nicht. Ich schaue mal rein! :)

      14.02.2018, 13:04 von bindasich
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  • 2

    Naja Du bist ja auch noch ziemlich jung...

    Ich mag Skandinavien nicht sonderlich und IKEA finde ich ziemlich scheiße. Wenn ich mir schon die Kohorten an Bessermenschen in Ihren konformen "JackWolfskin" - Uniformen vorstelle wird mir ganz anders. Dein Text macht mich unzufrieden und sauer, was soll das sein, eine Ode an die Mittelmäßigkeit?    

    12.02.2018, 12:10 von chiral
    • 2

      Naja.. Lagom, Hegge und Knigge hin oder her und ob man IKEA oder Jack Wolfskin mag oder nicht..

      Ist es einem jungen Menschen nicht anzurechnen, wenn er schon sehr früh erkennt, dass Mittelmaß halten und bescheidener zu leben gesünder für den eigenen Körper und natürlich auch für unsere Umwelt ist, als sich andauernd zu verausgaben oder in Massen zu konsumieren? Kann dein Unbegreifen nicht begreifen.

      12.02.2018, 12:32 von Tora
    • 0

      Weiß ich nicht. Böse Leistungsgesellschaft hin oder her, Orden für Zuspätkommer finde ich nicht gut.

      "Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss", ist als These ok, ob ich das als Grundhaltung von Leuten gut finde, denen der Berufsalltag noch bevorsteht wage ich zu bezweifeln, aber Sie kann ja noch immer Mutter und Hausfrau werden...

      13.02.2018, 10:51 von chiral
    • 4

      Obwohl ich so jung bin, kenne ich mich mit dem Berufsalltag sehr wohl aus  - ich bin nicht "nur" Studentin ;) 


      Und nur weil ich Mittelmäßigkeit höher halten möchte und aufzeigen möchte, dass es nicht immer das Beste im Leben benötigt um dankbar und glücklich zu sein, möchte ich noch lange keine Orden für Zuspätkommen verteilen. 
      Es ist wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben und es ist auch wichtig, Ehrgeiz zu zeigen. Jedoch sollte man sich darin nicht verrennen.

      13.02.2018, 17:10 von bindasich
    • 0

      Ja. Natürlich. Den Eindruck hat man aber auch nicht von den (Euch?) Millennials. Work-Live-Balance verstehe ich vollkommen, aber vor dem coolen IPhone steht halt auch immer noch die Leistung. Mir geht halt die Hutschnur hoch, wenn mir junge Menschen im ersten Ausbildungsjahr ernsthaft erzählen, dass eine Vollzeitstelle nichts für Sie ist. Das kapiere ich nicht. Bin ich wohl schon zu alt oderso? 

      13.02.2018, 18:53 von chiral
    • 0

      Aber was hat das "Vollzeit ist nix für mich" mit dem geschriebenen von bindasich zu tun?

      14.02.2018, 07:40 von TrustYourself
    • 0

      Für mich alles Teil des selben Problems. Ist das vom Kontext her wirklich zu schwer zu verstehen für Dich?

      14.02.2018, 09:21 von chiral
    • 2

      Nanana, nicht so abwertend bitte, Herr chiral :)
      Es geht um Dankbarkeit, um Minimalismus.

      Dieses "Vollzeit is nix für mich" ist tatsächlich ein "millennial"-Problem, aber nicht nur bei denen. Ich persönlich stelle es auch bei Ü30ern fest... Ob das vom Möchte-Gern-Minimalistischer-Leben gemacht ist oder nicht, sei mal dahin gestellt. Steht eben nochmal auf einem ganz anderen Blatt geschrieben, was man aus der ganzen Thematik macht und wie faul die Menschen (Millennials? ;) ) geworden sind.

      Jedoch erschließt sich mir keine Verbindung zum Thema Dankbarkeit, über die bindasich hier schreibt.

      Korrigiere mich, wenn man Gedanken falsch sein könnten. Mein Fehler. Ich bin doof.

      14.02.2018, 10:45 von TrustYourself
    • 1

      Ok, Du magst recht haben... mein Fehler. Nee, nee, Du bist immer noch nicht doof... in diesem Fall scheint es eher ganz so, als wenn ich da nun nicht unbedingt der schlauste war...

      Habe die Themen als eins gesehen und das passt nicht, richtig. Danke fürs korrigieren.

      14.02.2018, 12:47 von chiral
    • 0

      Bitte, gern :)

      16.02.2018, 08:47 von TrustYourself
    • 0

      Chiral, diese millenials, die nicht arbeiten wollen, gab's doch schon immer. Früher hießen die gammler. Oder Hippies. Oder Punks. 


      Das minimale Prinzip lernt man im bwl Studium, hab ich mal gehört. Und die Erkenntnis, dass es neben lohnarbeit noch andere Dinge gibt, kann man garnicht früh genug haben...
      ^^

      17.02.2018, 07:18 von sailor
    • 1

      Dieses "Vollzeit is nix für mich" ist tatsächlich ein
      "millennial"-Problem, aber nicht nur bei denen. Ich persönlich stelle es
      auch bei Ü30ern fest...
      Verwundert mich jetzt nicht so. Das liegt nämlich daran, dass knapp Ü-30er zu den ältesten Millenial-Jahrgängen gehören, (je nach Studie gehören teilweise auch noch Mittdreißiger dazu).

      18.02.2018, 03:24 von mirror87
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  • 4

    Wir sind nicht dankbar dafür, dass wir glücklich sind. Wir sind glücklich, weil wir dankbar sind.

    10.02.2018, 10:20 von sailor
    • 0

      Du verwirrst mich. Danke

      13.02.2018, 17:19 von jetsam
    • 0

      Das liegt nicht in meiner Absicht, aber wie äußert sich die Verwirrung?

      13.02.2018, 17:20 von sailor
    • 0

      Da kreist etwas in meinem Kopf. Das hat etwas mit Selbstliebe zu tun, bekomme es aber noch nicht in passende Buchstaben.


      13.02.2018, 17:23 von jetsam
    • 0

      Das ist verdammt gut.

      13.02.2018, 17:26 von bindasich
    • 1

      Wer sich einmal mehr mit Minimalismus beschäftigt hat, wird sehen, dass
      es von einem selbst abhängig ist, was man daraus macht. Ich für meinen
      Teil zB sehe den Minimalismus darin, dass man Dinge bewusster tut. Über
      manche Dinge mehr und andere weniger nachdenkt. Die einen Dinge mehr
      wert schätzt und die anderen eben weniger.
      Sich dadurch freier und glücklicher fühlen, dankbar sein können (wem oder was auch immer gegenüber), unbeschwerter sein. Das ist es doch, wonach die Konsumgesellschaft sucht.

      Kennst du übrigens MyMonk und EinfachBewusster? :)

      14.02.2018, 07:42 von TrustYourself
    • 0

      Arghs.... sollte hier gar nicht hin... Also nochmal als Extra-Kommentar -.-

      14.02.2018, 07:44 von TrustYourself
    • 0

      Ich neige zur Redundanz und außerdem wiederhole ich mich oft...
      :D

      14.02.2018, 07:55 von sailor
    • 0

      ich wills ja nicht gesagt haben, aber.... ich hab´s ja gesagt!

      14.02.2018, 08:06 von TrustYourself
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