matteusz 12.08.2009, 13:36 Uhr 2 1

„Dabei steckt in der Schwuchtel doch die Wuchtel …“

Der Boden grasgrün... //vor einem Jahr geschrieben, dennoch hier eingestellt, da gerade in Diskussion und bis auf einen Absatz weiterhin aktuell//

..., darauf weiße Schriftzüge. Eine Spielerskizze Otto Baric’, des ehemaligen Trainers der österreichischen Nationalmannschaft. Ironischerweise der perfekte Nährboden für die Veranstaltung „Echte Kerle am Ball – Fußball und Homophobie“, die vergangenen Mai im Rahmen der Ausstellung „Herz-Rasen“ im Künstlerhaus stattfand. Auf dem Podium diskutierten – unter der Moderation Thomas Rottenbergs – Tatjana Eggeling, Kulturanthropologin; Marco Schreuder, Gemeinderat der Grünen, sowie Martin Schwarzlantner, Austria-Wien Fan-Betreuer. Doch zurück auf den Boden. 2004 versicherte Baric, seine Spieler „müssen echte Kerle sein“ und, „dass es in meiner Mannschaft keine Homosexuellen gibt. Ich erkenne einen Schwulen innerhalb von zehn Minuten, und ich möchte sie nicht in meinem Team haben.“ Er ist keine Ausnahme, er befindet sich in bester Männergesellschaft. Michael Schütz (BRD) meinte, „[m]an würde gegen so einen nicht richtig rangehen, weil die gewisse Furcht vor Aids da wäre." Frank Rost (ebenfalls BRD) duscht „immer mit dem Arsch zur Wand.“ Mann kann nie wissen.

Für Eggeling sind solche Stellungnahmen typisch für den Mainstreamsport, ein „striktes Normengebäude“; sowohl Profi- als auch Amateursport sind „homophobe Veranstaltungen“. Es geht um den Einsatz des Körpers, damit auch um den Geschlechtskörper, für den der ‚männliche’ weiterhin die Norm darstellt. Keine Abweichungen. Gegnerische Spieler werden gern als verweichlicht, schwul, ‚weiblich’ diffamiert. Und Frauen gelten schnell als ‚männlich’ und/oder lesbisch. Im Männerfußball gibt es keine Schwulen, im Frauenfußball sind tendenziell alle lesbisch, so die Annahme. Zumindest in den Oberligen beider aber kann nicht offen darüber gesprochen werden. Bisher outete sich ein Spieler, das war Justin Fashanu 1990 in England. Seine Karriere war damit beendet. 1998 beging er Selbstmord.

Fußball ist ein „Reservat der Männlichkeit“ (Almut Sülzle), kein direktes Abbild der Gesellschaft; ein Schutzraum mit eigenen Regeln (vgl. Eva Kreisky, Georg Spitaler: „Arena der Männlichkeit"), in dem Mann sicher ist und alles darf: Aggressivität und Hassgefühle, aber auch Emotionen und Schmerzen zeigen. Fußball ist männerbündisch organisiert, Männer spielen in der MANNschaft, Männer richten. Mann freut sich über einen Erfolg, umarmt, drückt sich; Homophilie spielt eine Rolle, kann aber nur aufrechterhalten werden, solange die Rolle gesichert ist, ‚Männlichkeit’ nicht in Frage gestellt wird. Dass David Beckham ‚metrosexuellen’ Ton angibt und vermehrt Frauen in die Stadien kommen, bedeutet – wenn – nur kosmetische Veränderungen zur Ausdehnung der Vermarktbarkeit. Die Realität sieht anders aus: Statistiken aus der Bundesrepublik Deutschland belegen: Während der WM 2006 stieg die (häusliche) Gewalt gegen Frauen um bis zu 30% an.

Ein anderer statistischer Vergleich hingegen habe laut Eggeling keine Aussagekraft. Jener nämlich, mit dem darauf zu schließen versucht wird, dass, nachdem zwischen 5 und 10% der Männer schwul sind, auch 5 bis 10% der Fußballspieler schwul sein müssten. Wenn in einem Bereich systematisch eine rigide (sexuelle) Norm reproduziert wird und Abweichungen von dieser sanktioniert werden, dann sei zweierlei nicht verwunderlich: Dass erstens diejenigen in den Profiligen, die tatsächlich homosexuell sind, sich nicht dazu bekennen. Und dass zweitens viele, die doch abw(e)ichen, längst aus dem Profisport ausw(e)ichen und gar nicht in die oberen Ligen aufsteigen. Nicht weil sie für den Sport zu weich, sondern weil die Rahmenbedingungen unzumutbar sind.

Aber selbst ein Reservat ist von außen beeinflussbar, sind sich die drei Diskutant_innen einig; die Vereine, Fans und Spieler_innen alleine zu lassen, sei unfair, nationale Verbände sowie die Öffentlichkeit müssten Veränderungen durchsetzen. Als positives Beispiel dient hier die englische Football Association, die offizielle Maßnahmen gegen Rassismus und Homophobie einführte. Aber auch in Deutschland und der Schweiz scheint Bewegung in die Debatte zu kommen. Die Frage ist nur, ob nicht auch hier nur an der Oberfläche gekratzt wird, die „Ismen“ nur in die „unteren“ Ligen ver- und abgeschoben werden. Und: „Fußball ohne Ismen“? Schlösse das nicht auch Nationalismus aus?

In Österreich kann’s, egal wie – wie so vieles -, noch länger dauern. Vom ÖFB (Österreichischen Fußballbund) konnte keine_r zur Diskussion kommen (weil gleichzeitig ein Fußballspiel stattfand). Der Fußballspieler Michael Konsel, auf dem roten Teppich zum Aids-Charity-Massen-Event Lifeball dazu befragt, rollt sicher keinen grünen Rasen für Schwule aus: der Sport sei just „zu hart“. Von offizieller Seite gibt es zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit während der EM nichts. Ein grüner Antrag dahingehend wurde im Gemeinderat abgelehnt. Hinsichtlich der Gewalt an Frauen werden gerade einmal die telefonischen Dienste der Frauenhelpline (0800/222-555) und des 24h-Frauennotrufs in Wien (71-71-9) verstärkt und Hecken gestutzt, um „Angsträume“ zu beseitigen. Es darf aber auch Positives vermerkt werden: seitens des Vereins Q der Plakatwettbewerb „Homo:Foul“; die besten 50 Poster sind im Museumsquartier zu sehen (bis 13.7.). In der RosaLilaVilla die VillaBar gegen die EM-Realität (7.-29.6.). Und die zwei Fanclubs Döblinger Kojoten und FreundInnen der Friedhofstribüne, die gemeinsam „demonstrieren, wie schön Fußball sein kann“, und für „Eine Welt. Eine Wuchtel. Fußball ohne Diskriminierung“.


weiter führend:

Tatjana Eggeling (2008): Schwule und Lesben im Abseits. Fußball als Hort der Heterosexualität. In: Jan Feddersen, Tatjana Eggeling (Hrsg.): Queer Lectures (April 2008). Männerschwarm Verlag.

Eva Kreisky, Georg Spitaler (2006): Arena der Männlichkeit: Über das Verhältnis von Fußball und Geschlecht. Campus Verlag.

Antje Hagel, Nicole Selmer, Almut Sülzle (2005): gender kicks: Texte zu Fussball und Geschlecht. Deutscher Sportbund.

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2 Antworten

Kommentare

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    Allein der Titel ist derart dämlich, daß ich den Text nichtmal angefangen habe.

    14.08.2009, 07:51 von Marvbaer
    • 0

      @Marvbaer don't judge a book by its cover. //oder//
      ohne untergriffe geht es auch.

      14.08.2009, 14:45 von matteusz
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    matteusz,
    sehr interessant geschrieben. was fuer enthuellungen, hatte keine ahnung dass die "granden" des oesterreichischen fussball nicht mal annaehrend versuchen aus ihrer homphobie ein geheimnis zu machen.
    aergstens. weiter so. ab zum falter.

    13.08.2009, 21:38 von schejne_kind
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