kean 02.07.2012, 14:51 Uhr 0 0

CSD Ahoi: Auf der Spree ins Pride Weekend

Berlin 21.6. - Puschelalarm! Alle Jahre wieder ein Pflichttermin für Schwule, Lesben und Trans* am Donnerstag vor der großen Parade.

Die LGBT-Gemeinde schipperte feuchtfröhlich auf acht Boten über die Spree und leitete damit das große CSD-Wochendende ein. Eine Bootsfahrt, die ist lustig – und wie! Sightseeing, Demonstration schwullesbischer Lebensfreude und Partystimmung. Besser geht’s nicht. Berliner Transen-Größen wie Gloria Viagra, Ades Zabel, Biggy van Blond und Jurassica Parka und sorgten für Stimmung an Deck. Autor Malte Bornhöft hat auf dem L-Tunes Schiff eingecheckt, kräftig mitgefeiert und mit den Puscheln gewedelt.

Boarding

18 Uhr. Anleger O2 World. Es regnet. Ein frischer Wind weht. Das schlägt sich aber nicht auf die Stimmung nieder. Die ist ausgelassen. Zeit fürs Boarding! Ein Boot nach dem anderen legt an und sammelt die Matrosinnen und Matrosen ein. SchwuZ, Propaganda, GMF, Connection, Café Fatal. Alle durch. Jetzt sind wir dran. L-Tunes. Mutig entern wir zwei Jungs das Boot, das beinahe ausschließlich in Frauenhand ist. Nur vereinzelt findet man ein paar männliche Exemplare. Ist aber nicht schlimm. Wir fühlen uns gut aufgehoben bei den Frauen an Deck.

Leinen los

Kaey und Moritz G. geben den Startschuss und sind unserer Tour-Guides. Cool, endlich legen ab. Wild werden die Puschel geschwungen. Die grünen Pompons sind überall und zieren die gut gelaunten Passagierinnen. House-Mucke dröhnt aus den Boxen. Der Alkohol fließt. Die Party ist in vollem Gange. Wir schippern vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Stadt – doch die sind eher nebensächlich. „Wir sind hier zum Feiern und um auf uns aufmerksam zu machen. Und zwar lautstark“, erzählt die Fotografin Jeniffer Steinke, die mit einer Freundin an Bord eingecheckt hat. Lautstark ist ein gutes Stichwort. Kreischend und Puschel wedelnd passieren wir das Regierunsgviertel . Kaey ruft dazu auf, Angela zu grüßen. „Angie, Angie!“ schallt es rüber zum Kanzleramt. Und zwar so laut, dass sie es auf jeden Fall gehört haben muss. Der Fahrtwind ist frisch, doch mit steigenden Alkoholpegel macht das auch nichts mehr. Weder auf unserem Boot, noch auf den anderen Schiffen.

Stimmungsgeladen

Besonders stimmungsgeladen wird es, wenn ein Boot ein anderes überholt. Da werden die bunten Puschel gezückt und lauthals gejubelt. Blau, Lila, Pink, Rot, Schwarz, Grün, Gelb, Orange. Jedes Boot hat seine eigene Puschelfarbe. Witzig sieht es aus, wenn alle mitmachen und puscheln, was das Zeug hält. Die teilweise nedisch guckenden Passanten und erstaunten Touristen an den Ufern freut‘s. Dienen die bunten Boote doch perfekt als Fotomotiv. Brücken, unter denen wir durchfahren, sind oft voller Menschen, die uns zujubeln, mittanzen, winken und sich von der guten Stimmung an Bord der Schiffe anstecken lasssen. Jede Menge Sympathiebekundungen für die LGBT-Gemeinde. Spitze, Berlin! Und unter den Brücken musste die und der eine oder andere den Kopf einziehen. Nicht, dass man sich noch den Kopf stößt! Könnte wehtun. Ist aber alles gut gagangen. Wir haben keine Opfer zu beklagen.

Laut, lauter, L-Tunes

Laut und lebendig geht es weiter mit dem Törn. Nur einmal, da mussten alle leise sein: In der Schleuse. Die Musik verstummte kurz. Vorschrift. Danach aber gab es kein Halten mehr und die Party ging weiter. Tanzende Frauen, knutschende Mädels, Puschelschwinger – alles dabei! Super Party. Und wir mittendrin. Auch wir tanzen, schwingen die Pompons, gröhlen. Wir lassen uns von der guten Stimmung auf dem L-Tunes Schiff anstecken. Die Mädels wissen, wie man feiert.

Anleger in Sicht

An uns vorbei zieht die Stadt – Oberbraumbrücke, die ehemaligen Speicherhäuser am Kreuzberger Ufer, Museumsinsel, Osthafen, Humboldhafen. Alles dabei. Es dämmert. Der Regen lässt etwas nach. Petrus hat Erbarmen. Mittlerweile wird alles als Tanzfläche genutzt, was sich halbwegs dazu eignet. Stühle, Tische, Podeste – nichts ist mehr sicher. Der Höhepunkt ist erreicht. Doch leider steuert die Fahrt auf ihr Ende zu. Der Anleger ist in Sicht. Nach guten zwei Stunden kehren wir wieder an die O2 World zurück. Aber dort geht’s weiter. Die große Hafenparty ist schon in vollem Gange. Ausgelassen wird das Einfahren der Boote von den Landratten gefeiert. Keine Gnade. Nach der Party ist vor der Party.

„Eine Bootsfahrt, die ist lustig…“ Und wie. Was für ein Törn.



Tags: CSD, Spree
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