Kiyan 20.11.2008, 21:51 Uhr 75 32

Chinesisch essen gehen?

Wie grausam Menschen sein können, wissen wir. Dass wir allzu schnell wegsehen, auch. Und wenn es um gequälte Tiere geht, sowieso?

Wir haben einen Hund.
Den haben wir uns vor etwas mehr als sechs Jahren gekauft, als er acht Wochen alt war. Eigentlich wollten wir einen aus dem Tierheim, aber trotz intensiver mehrjähriger Suche haben wir nichts Geeignetes gefunden. Geeignet? Ja, geeignet. Wir hätten bei jedem unserer Besuche in den Tierheimen am liebsten alle Hunde mitgenommen. Ich weiß nicht, wie viele Tiere wir gesehen haben, ich weiß nur, dass von diesen Wesen damals mehr als 90 Prozent versaut waren. Ausgesetzt, gequält, misshandelt. Diese Tiere hatten kein Vertrauen mehr, sind bösartig und bissig geworden.

Weil der Mensch sie zu dem gemacht hat, wie sie geworden sind.

Das Gefühl der Machtlosigkeit, der Wut, ist groß, wenn man solch einem Tier in die Augen sieht, das einen anfletscht und knurrt, bereit zuzubeißen, wenn es könnte. Und man sieht dieses Flackern in seinen Augen, das so wenig mit Bösartigkeit und vielmehr mit unsicherer Angst zu tun hat. Die Angst vor dem Menschen.

Wir wissen alle wie grausam Menschen sein können. Wir sehen jeden Tag in den Nachrichten, wie brutal und rücksichtslos der Mensch mit Seinesgleichen umgeht. Terror, Krieg, Mord. Das ist so was von beschissen alltäglich geworden, dass es einem schon fast am Arsch vorbeigeht, wenn wieder von irgendwelchen Gräueltaten berichtet wird. Soweit ist unsere Gesellschaft inzwischen. Bei mir persönlich haben sich dazu seltsame Gedanken entwickelt. Keine besonders schönen. Ich denke, sollen sie doch. Sollen sie sich doch gegenseitig niedermetzeln, solche Menschen, die nichts anderes im Sinn haben außer sich gegenseitig selbst aus den niedersten Beweggründen umzubringen, haben es nicht anders verdient, wenn der nächste kommt, und ihnen dann die Kehle durchschneidet.

Nein, das sind keine guten Gedanken, es ist nicht richtig, ich weiß.

Trotzdem, es ist ein bisschen so.

Und erst recht, wenn es um wehrlose Tiere geht. Mich packt kalte Wut, angesichts der Bilder und Berichte, die zeigen wie Tiere zu Tode gequält, zu Tausenden in Transportern zusammengepfercht zum Schlachter gekarrt, von ihren Besitzern misshandelt oder von skrupellosen Geschäftemachern selbst bei lebendigem Leib gehäutet werden, damit eine wie Jennifer Lopez ihren fetten Arsch mit einem teuren Pelz wärmen kann. Es ist unerträglich, zu sehen, wie viele Menschen in den südlichen Ländern ihren wohlverdienten Urlaub genießen und all die bedauernswerten streunenden Kreaturen um sie herum nicht mal bemerken. Hunde und Katzen, ausgemergelt und immer auf der Suche nach Nahrung.

Ich hatte schon mehrmals von solchen Dingen berichtet und jedes Mal, wenn ich darüber schreibe, ist mir kotzübel und mir zieht sich die Brust zusammen. Wie jetzt auch. Dann fällt es schwer, einigermaßen sachlich zu bleiben und nicht emotional loszuschreien. Hinauszuschreien, was weh tut und entsetzt. So wie jetzt. Ich hatte meinen ersten Kaffe, meine erste Kippe, an der Seite unseren Hund, der zufrieden ob meiner zärtlichen Streicheleinheiten gurrte, während ich den PC hochfuhr und meine Mails checkte. Ein Freund hat mir geschrieben, mich auf ein Video der Peta-Organisation aufmerksam gemacht und darauf, dass es furchtbar grausam ist, und ich mir das antun muss, um wieder mal zu sehen, zu was Menschen fähig sind.

Ich hab’s mir angetan.

Und mich danach übergeben müssen. Die Grausamkeiten, die in diesem Video zu sehen sind, schnüren einem die Kehle zu. Tiere, Hunde, Katzen – vor laufender Kamera erschlagen oder lebendig gehäutet. Dann achtlos weggeworfen, vor Schmerzen schreiend, verendend auf Haufen bereits krepierter Artgenossen. All das geschieht, weil man das Fell unter anderem zur Weiterverarbeitung für so lebenswichtige Dinge, wie ein schickes Handtäschchen aus flauschigem Katzenfell, passend zum Cocktail auf einem dekadenten Promi-Event, „benötigt“. Das ist nur eines der etlichen Beispiele dafür, weshalb Tiere so grauenvoll sterben müssen.

Ja, wir sehen tagtäglich in den Nachrichten, was der Mensch sich selbst antut. Aber wir sehen viel zu selten, was wehrlosen Tieren überall auf der Welt angetan wird. Viele von uns bekommen nichts davon mit, wissen nichts von den Aktionen der Tierschutzorganisationen, haben noch nie von den zahlreichen Privatmenschen gehört, die gegen Tierquälerei protestieren und illegale Einsätze starten, um wenigstens ein paar Versuchstiere aus den Laboren der Kosmetikkonzerne zu befreien, oder von den Bemühungen, Nutztieren zumindest einen humanen Tod zu ermöglichen, bevor sie auf dem sonntäglichen Mittagstisch landen.

Ich habe mir dieses Video und weitere auf „Peta.tv“ angesehen.

Hab mich gezwungen, nicht wegzusehen und ich weiß, die Bilder werden mich nie mehr loslassen und das ist auch gut so. Erinnern sie mich doch immer wieder mal daran, auf diese Quälereien, diese abartigen menschlichen Grausamkeiten, die an wehrlosen unschuldigen Tieren begangen werden, aufmerksam zu machen. Viele von uns würden von Herzen gerne etwas dagegen unternehmen, haben vielleicht nicht die finanziellen Mittel oder ganz banal einfach keine Zeit dazu. Aber, manchmal reichen die kleinsten Dinge, der geringste Zeitaufwand um ein Teil all jener zu sein, die nicht länger hinnehmen wollen, was mit den Tieren geschieht.

Es reicht, wie in diesem Fall, sich einfach mal die Filme anzusehen, sie an Freunde und Bekannte weiterzuleiten und sich bei Organisationen wie „Peta“ und anderen einzutragen. Das mag im Gegensatz zu dem, was etliche aktive Tierschützer machen, nicht viel sein, aber es ist immer noch viel mehr, als gar nichts zu tun.

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75 Antworten

Kommentare

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    Ich habe mir gerade ein paar Filme auf Peta.tv angesehen und bin nicht einmal mehr in der Lage meine jetzige Stimmung zu beschreiben, fühle mich irgendwie TOD, wahrscheinlich eine Art Selbstschutz.

    29.12.2008, 01:35 von Stockmaster
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    Ich finde der Artikel ist wirklich gut geschrieben und flüssig zu lesen. Auch finde ich es gut, dass es Menschen gibt die solche Tierquälereien, nicht schulterzuckend ignorieren.

    Doch ist es unnötig auf China zu verweisen, wenn ein Blick vor die eigene Haustür genügt.

    Nur ein Beispiel:
    Hier zu Lande werden männliche Küken, da nicht für die Eierproduktion zu gebrauchen entweder vergast, oder zermust, sprich lebendig zerhackt.

    Bei Interesse: Hab zu dem Thema auch einen Artikel verfasst: "Veganer spinnen".

    18.12.2008, 00:37 von spinnnfrau08
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    Wunderbar. Beeindruckend.
    Wieder mal ein sehr schönes Beispiel dafür, dass jemand nach Anerkennung lechzt und er der Meinung ist, er müsse die Welt und die Literatur mit einem Artikel von sich bereichern.
    Besonders toll finde ich, wie Du mit Kritik umgehst - einfach mal das Gegenteil behaupten und rumpöbeln.
    Selten so einen strukturierten, intelligenten, gut recherchierten Text gelesen, bei dem man merkt, dass sich der Autor vorher auch mit beiden Seiten auseinandergesetzt hat...

    16.12.2008, 09:22 von imbecil
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    ich find´s immer wieder erstaunlich, wie menschen darauf reagiren, denen man videos über tierquälerei zeigen will... fast alle haben bis jetzt gesagt "nein, das schau ich mir nicht an, sonst kann ich nie wieder fleisch essen..."!!! ???
    augen.zu.und.durch.

    10.12.2008, 11:06 von essentiella
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    Meine Kritik:
    Über den Text selbst, so wie er geschrieben ist, kann ich nur sagen, dass er sehr gut zu lesen war. Das Thema ist auch wichtig! Und du hast es gut dargestellt. Ich bin da ganz deiner Meinung, dass es verachtenswert ist, wie die Tiere, schon allein die Nutztiere gehalten werden. Und meine Meinung über Kirschner... die ist sehr sehr schlecht. Doch 2 Sachen hab ich auszusetzen. Einml hast Du den Artikel chinesisch essen geannt. Nun, ich finde es sehr seltsam, weil es nichts mit dem Thema zu tun hat. Wenn unsereins in China geboren wäre, würde er auch original chinesisch essen. und so wie die Tiere dort geschlachtet werden, finde ich das genauso schlimm, wie die Viehtransporte und Tierversuche in der westlichen Welt. Und dann schreibst du etwas von einem humanen, also menschlichen Tod für Nutztiere. Sehr seltsam finde ich das. Ich hatte früher Kaninchen als Haustier, und trotzdem würde ich, solange es nicht meine eigenen wären Kaninchen essen. Wer macht den Unterschied, welche Tiere man essen darf und welche nicht? Ist eine Kuh in Indien weniger wert als eine Hofkatze? Wir sollten aufhören, unsere westlichen Wertvorstellungen auf andere Kulturen umzumünzen. Solange die Tiere nicht unötig gequält werden.
    Sorry, ist doch ein wenig lang geworden...

    04.12.2008, 10:38 von PINKmitGlitzer
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      @PINKmitGlitzer Aber DAS ist doch genau der Punkt:
      In China werden Tiere vor dem Schlachten extra mit Stöcken geschlagen und getreten.
      Wenn sie nicht daran sterben, werden sie eben halb ohnmächtig bei lebendigem Leib zu geschlachtet. Alles nur, weil es den Aberglauben gibt, dass der Geschmack besser wird, je mehr das Tier leidet. Diese Unsitte muss in China endlich mit mehr Aufklärung beseitigt werden.

      In der EU müssen unsere "Nutztiere" leider auch leiden während der Transporte, aber sie werden nicht noch unnötig qualvoll zu Tode gefoltert im Schlachthof.

      04.12.2008, 21:33 von Emil_Empire
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    das ist genau das, was ich mit meinem zugegeben etwas blöd formulierten eintrag sagen wollte.

    exakt genau das. danke :)

    sind eure katzen und hunde eigentlich auch veganer?

    02.12.2008, 20:47 von alberich
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      @alberich klasse. ich meinte den beitrag von rosagehheim.

      02.12.2008, 20:47 von alberich
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      @alberich war mir jetzt zu blöd alles durchzulesen, vllt. hats einer schon gesagt:
      genauso wie diese tiere gequält werden, werden auch menschen gequält. jeden tag. tausende. auch kinder. z.b. wenn man neugeborene vergewaltigt werden etc.
      sorry, aber sowas finde ich viel schlimmer. klar, das mit den tieren ist auch schlimm und nicht zu entschuldigen, aber wenn ich was tue, dann für die kinder...

      02.12.2008, 22:40 von energiebuendel
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      @energiebuendel Da stimme ich dir in Bezug auf Kinder absolut zu, aber das ist nun wieder ein anderes Thema und nicht das des Textes, und über das du gerne schreiben kannst und ich mit großem Interesse lesen und kommentieren würde, nur zu!

      04.12.2008, 01:33 von Kiyan
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    Hi,

    ich hab mir deinen Artikel durchgelesen, aber du erwähnst darin kein einziges mal China.

    Um ein klarzustellen: Ich selber liebe Tiere und ich weiss, was da draussen in der Welt abgeht, oder auch in Deutschland.

    Weshalb ich dir antworte, du ziehst den Vergleich mit China, was ich nicht gut finde. Ich glaub, dass Chinesen Hunde essen, ist so ein Vorurteil, als würden alle Deutschen mit Lederhose rumlaufen. Soll heissen, es kommt wohl vor, aber nicht in dem Maße, wie du dir das vorstellst.

    Ich war dieses Jahr für 5 Monate in China und zu deiner Beruhigung hab ich festgestellt, dass Hunde in China sehr beliebt sind und immer beliebter werden - als Haustiere. War in vielen Städten unterwegs, auch jenseits der Hauptstrassen. Aber nirgends fand ich Hunde oder Katzen vor, die in irgendeiner Form schlecht behandelt wurden.

    Ich finds nur sehr schade, dass bestimmte Vorurteile aufgegriffen werden und somit das Ansehen von vielen Menschen darunter leidet.

    Vielleicht wärs passender, deinen Artikel "Türkisch essen gehen?" zu nennen. Immerhin weiss jeder, dass die Tiere dort geschächtet werden, was sicherlich auch kein Spass für die Kreaturen ist.

    02.12.2008, 14:49 von KenzieMc
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      @[Benutzer gelöscht]
      Öhem, ja.

      In einem Kanton? Um es mit deinen Worten zu sagen: gehts noch? Diese abartige Abschlachterei von "handlichen" Tieren aller Art findet auf etlichen Märkten und Höfen in ganz China statt - also besser mal erkundigen, bevor du deine Daumen ins Erdreich bohrst und meinst, blöken zu müssen, gell?!

      02.12.2008, 02:16 von Kiyan
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      @[Benutzer gelöscht] Liebchen, du gibst Blödsinn von dir - ich habe absolut nix gegen sachliche, konstruktive Kritik und in einigen Kommentaren längst angemerkt, dass ich mich ob der Filme in Rage gechrieben habe - und sachlich faktischer hätte sein können. Dennoch, auch wenn der Text hätte besser können, die Fakten bleiben die gleichen, also bitte! Erst lesen, dann blöken, danke!

      04.12.2008, 01:29 von Kiyan
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    Ist deine Beobachtung und Konsequenz sicher richtig, so muss ich dennoch die These aufstellen, dass wir es längst aufgegeben haben, ernsthaft den Menschen zu retten. Abgestumpft und vermeintlich hilflos schauen wir als diejenigen, die sich den Luxus einer nicht materiell orientierten Moral leisten können, aufs Elend der Welt. "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf." Jetzt gilt es zu verhindern, dass er auch noch dem Wolf ein Wolf wird, damit wir unsere vermeintlich Integrität nicht gänzlich verlieren...
    Wenn man weiss, wer der Böse ist, dann hat der Tag Struktur.

    29.11.2008, 10:20 von Ben_Chof
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