stereoG 19.07.2010, 02:21 Uhr 17 15

Buenas Tardes, Amigo!

Ich greife die Pistole, da ich mich nicht auf das Messer verlassen will, denn bei seinem Glück treffe ich bestimmt nur eine Rippe ...

Ich bin die Ruhe selbst, als ich mich im Spiegel mustere. Die Stirn leicht in Falten gelegt, starre ich mir in die Augen. Bist du bereit die Fotze kalt zu machen? Ein stummes Nicken mit den Augen, dann gehe ich zum Tisch zurück und betrachte mein Arsenal, welches aus einem Puukko mit einer Mörderklinge besteht, sowie einer P8, die ich mir unter der Hand besorgt habe.

Ich wäge ab, welche Waffe besser ist und jongliere mit den Pros und Contras in meinem Kopf herum, aber ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Ich lande immer wieder bei dem Bild, wie ich ihm in die Augen starre und er seinen letzten Atemzug tätigt und mit der nagenden Frage nach dem Warum aus dem Leben tritt.

Es fing alles in der Schule an. Er war immer die Nummer Eins, während ich den Vize gepachtet hatte, ob bei den Mädchen, im Sport, als Klassensprecher, bei den Noten. Einfach überall. Nicht, dass ich ein Problem damit hatte, bessere Leistungen als meine zu akzeptieren, aber bei diesem Hund wirkte es, als ob er alles lässig aus dem Ärmel schüttelte, während ich ständig am Limit kratzte.

Irgendwann gab ich es auf mit ihm wetteifern zu wollen und wir wurden beste Freunde. Doch profitierte nur er von unserem Team und hielt es mir ständig vor, denn Terence Hill brauchte seinen Bud Spencer, Old Shatterhand seinen Sam Hawkins oder der "Blonde" seinen Tuco, erklärte er. Sicherlich fiel auch für mich etwas ab, aber jeder zugeworfene Knochen steigerte meinen Hass ins Unendliche.

Nach dem Abi ging ich zum Bund, was wieder eine Frechheit war, denn dieser Penner hatte wie immer Glück und wurde ausgemustert, weil er jemanden kannte, während ich um ein Haar sogar T1 geworden wäre. Drei Wochen nach den Prüfungen wurde ich eingezogen und hatte somit zu wenig Zeit, um Monique näher zu kommen, an der ich seit einem Jahr am rumgraben und am Abiball endlich zum Punkt gekommen war.

Als ich nach drei Wochen das erste Mal wieder heim kam und mich auf sie freute, war sie natürlich mit ihm zusammen. Es starb etwas an mir und sie für mich, als ich es erfuhr und schrieb mich nach dem Dienst fürs Vaterland an einer Uni weit entfernt von zu Hause ein. Er schoss sie nach ein paar Wochen für eine Andere ab und sie kam wieder zu mir angekrochen - doch umsonst.

Dadurch, dass wir uns nicht mehr so oft sahen, außer bei meinen Besuchen zu Hause, wurde er ein bisschen kollegialer und fuhr seine Jovialität herunter, doch änderten sich unsere Positionen nicht. An der Spitze ist nun mal nur Platz für Einen, bläute er mir immer wieder ein, wenn er mich knapp auf der Playstation besiegte und zusätzlich zu seinem Glückssieg "The Winner Takes It All" sang.

Am meisten hasste ich sein Glück, weswegen uns Bekannte oft als Gustav und Donald bezeichneten. Wenn ich in einem knappen Game bei Pro Evo nur den Pfosten traf, erzielte er im Gegenzug den Siegtreffer per Innenpfosten. Wenn ich mal etwas Geld auf der Straße fand, toppte er das, in dem er ein paar Minuten später einen größeren Schein fand, den ich übersah, weil ich innerlich in Wohlwollen badete, weil ich einmal vor ihm Glück hatte.

Kurz vor Beendigung des Studiums und meiner Heimkehr, lernte ich Elena kennen und lieben. Ich hütete sie wie einen Schatz und versteckte sie vor ihm, doch liefen wir ihm irgendwann über den Weg. Es war eh unvermeidlich und natürlich war sie sofort begeistert von ihm und fragte mich über ihn aus. Widerwillig gab ich Auskunft, spürte aber kein Unbehagen, denn ich glaubte an unsere Liebe.

Nicht lange danach wendete sich das Blatt, sie landete bei ihm und ich musste weg von zu Hause, da ich sie bei ihrem Geständnis erwürgen wollte, was ich nur mit großer Anstrengung unterdrückte. Ich verschwand für ein Jahr nach Asien, um mich selbst zu finden, hing allein herum und schlug mich mit ein paar kleineren Jobs durch, bis ich mich auf Wanderschaft ins Hochgebirge begab und dort einige Zeit als Eremit hauste.

Ich hatte vorher die Ansicht, dass man heutzutage nun mal einen Feind braucht, das sei eine Bestimmung des Lebens und des Seins. Alpha könne schließlich ohne Omega auch nicht sein. Nein, das konnte ich nicht akzeptieren, denn er hatte sich zuviel erlaubt. Mein Hass stieg ins Unermessliche, so dass ich phasenweise nicht einschlafen konnte, da ich mir vor lauter Ausmalen möglicher Martereien, die ich ihm vor seinem Tod durchstehen lassen würde, mein Hirn zerfickte. Aber so reifte mein Plan und ich kehrte zurück.

Ich gab mich gönnerhaft, verzieh ihm oberflächlich, beglückwünschte das Traumpaar und gab mich wie früher. Auf seinem hohen Ross war er sich der Gefahr nicht bewusst, aber ich war auch verdammt gut und nahm die Rolle des Zweiten an, heuchelte Akzeptanz seiner Herrlichkeit und wiegte ihn sicher.

Heute ist Zahltag, denn Elena ist für eine Woche weg und er hat mich vorhin angerufen, ob ich nicht auf einen Männerabend vorbei kommen mag. Ich greife die Pistole, da ich mich nicht auf das Messer verlassen will, denn bei seinem Glück treffe ich bestimmt nur eine Rippe und bleibe da hängen, obwohl ich ihm die Klinge schön langsam in Herz rammen wollte und was danach kommt, wage ich mir nicht auszumalen. Nein, ich werde ihm einfach in den Bauch schießen, denn das ist qualvoll genug und dauert, so dass ich sein Ende voll auskosten kann.

Ich lade die Waffe und schaue ein letztes Mal in den Spiegel, bevor ich das Haus verlasse. Kaum fällt dir Tür ins Schloss, betrete ich den Tunnel, denn meine Gedanken sind nur auf das Finale fixiert. Ich brauche keine Musik, um mich zu motivieren. Ich laufe auf Autopilot zur U-Bahn und alle Menschen um mich herum nehme ich nur schemenhaft wahr. Mein Puls ist ruhig, meine Atmung ebenfalls. Ein innerer Impuls lässt mich aufstehen und an der richtigen Station aussteigen.

Nach einem kurzen Fußmarsch erreiche ich seinen Wohnblock und schaue in den Nachthimmel. Einatmen und Ausatmen. Es ist an der Zeit. Ich klingele bei ihm und antworte "Nemesis", als er fragt, wer da ist. Er erkennt mich an der Stimme, versteht aber nicht was ich sage und lässt mich hinein.

Ich entscheide mich gegen den Fahrstuhl und laufe die Treppen bis ins letzte Stockwerk hoch, wo er wohnt. Von Zweifel keine Spur bei mir und ich merke, wie ich in der Situation aufgehe, denn alle Niederlagen tauchen sporadisch vor meinem inneren Auge auf und geben meinem Hass Zunder. In meinem Kopf läuft irgendein Stück von Ennio Morricone, das pro Stockwerk an Intensität gewinnt, denn das Licht am Ende des Tunnels wird größer, weil der Showdown naht.

Er erwartet mich in der Tür und faselt was von meinem typischen Pech, da er annimmt, der Lift wäre kaputt. Ich nicke zur Begrüßung und er läuft den langen Flur voran, an dessen Ende er sich zu mir umdreht, um irgendwas zu sagen, da sieht er meinen Blick und verstummt.

Die Übungen vor dem Spiegel haben gefruchtet und ich nagele ihn mit meinem Blick fest, denn ich starre ihm nicht in Augen, sondern dazwischen, so dass meinen Blick etwas mystisches umweht, da es auf ihn wirkt, dass ich sowohl in seine Augen schaue als auch vorbei. Er kann diesen Blick nicht erwidern und erkennt, worauf das Ganze hinauslaufen wird.

Es ist herrscht absolute Ruhe und man hört nur das Ticken einer Uhr, während ich ihn schmoren lasse und langsam meine Jacke öffne und die Pistole ziehe. Ich richte sie auf ihn und Ennio Morricone spielt in meinem Kopf das finale Outro und wie es der Zufall so will, läutet draußen irgendwo eine Kirchenuhr zur zwölften Stunde, woraufhin ich abdrücke. Da habe ich aber Glück gehabt, denn ohne Impuls hätte ich wohl nicht abgedrückt und noch ewig so dagestanden.

Er wird an die Wand geschleudert und rutscht herunter. Anhand seines weißen T-Shirts sehe ich, dass ich ihn perfekt getroffen habe, denn unterhalb des Solarplexus beginnt sich ein roter Fleck auszubreiten und sein Atem beginnt zu rasseln. Er wagt es nicht seinen Blick von meinem zu lösen, als ich langsam auf ihn zu schreite.

Er versucht etwas zu sagen, doch ich lege ihm meinen Finger auf den Mund und signalisiere ihm per Augenkontakt, dass er es so nur schlimmer macht, worauf er mich flehentlich anschaut, weil er immer noch nicht geblickt hat, warum ich ihm das antue. Diese Genugtuung werde ich ihm nicht verschaffen. Ich will das voll auskosten und als er erkennt, dass ich ihm den Gefallen nicht tun werde, kullern einige Tränen aus seinen Augen auf das Shirt und vermischen sich mit dem Blut der Einschusswunde.

Es ist immer noch totenstill bis auf das Ticken der Uhr und seinem immer langsamer werdendem Atem. Ich sende ihm per Blickkontakt jeden einzelnen Punkt meiner Anklageschrift zu, was einfach ist, denn unser Leben rauscht mit jeder kleinen Schmach, die er mir zugeführt hat, im Zeitraffer vorbei. Sein Atem wird schwächer. Gleich ist es soweit, ich sehe wie er das Licht am Ende des Tunnels. Es ist zum Greifen nahe.

Plötzlich bäumt er sich auf, krallt sich an mir fest. Sein Blick wird unergründlich, doch dann wieder klar, als er endlich das Warum versteht. Er will noch etwas sagen, stattdessen macht er seinen letzten Atemzug und ist nicht mehr. Ich löse seine Finger, die meine Jacke umklammern, worauf er zu Boden sackt. "Scheiß auf dich!", sage ich und spucke auf ihn. Dann verlasse ich die Wohnung, bevor sich eine ungewohnte Leere in mir ausbreitet. Es ist, als ob mir etwas fehlt.

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17 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    dämliche scheiße... sorry... nur weil du beim playstation spielen verlierst.. hast du solche fantasien (wie sehr ich es hoffe das es nur fantasien sind!) such dir lieber hilfe!!

    27.07.2010, 16:08 von the_censored_dude
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      @the_censored_dude Nee, es sind keine Phantasien. Es ist die reine Wahrheit und stereoG sitzt jetzt deswegen im Knast.

      27.07.2010, 16:18 von Fuu
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      @Fuu So siehts aus (bitte jemand eine Stange Kippen an die JVA Moabit schicken) oder einfach mal nicht alles glauben, was man so hört und liest. Nächstes mal markiere ich irgendwo, dass das reine Fiktion ist und nur zur Unterhaltung dient.

      27.07.2010, 16:26 von stereoG
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      @stereoG völlig egal obs nun fiktion ist oder eben nicht!
      einfach die relation ist in meinen augen lächerlich.. entschuldige bitte ich hab echt schon bessere artikel von dir gelesen... da darf ich doch meine eine auch mal scheiße finden!

      btw: unter bezugnahme einschlägiger filmen, und serien (southpark).. weiß ich dass man kippen, wenn überhaupt rektal in die jva schmuggeln muss... und nicht schicken! XD

      10.08.2010, 17:10 von the_censored_dude
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      @the_censored_dude Das, Dude, ist dein gutes Recht.

      Okay, dann doch lieber Tabak schmuggeln, dürfte entspannter sein.

      10.08.2010, 17:15 von stereoG
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      @stereoG Huiuiui.
      Böse, kalt und süß. Wenn auch pikantes Thema, gefällt es mir sehr!
      Und ja, es erinnert doch sehr an das gleichnamige Lied.
      Ich nehme mal an, der Titel ist nicht pauschal gewählt?

      24.11.2010, 19:17 von wortkotze
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      @wortkotze Danke, und ja, das nimmst du richtig an.

      24.11.2010, 19:23 von stereoG
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    Der Typ weis was er will und er setzt es auch um, das finde ich Klasse : )

    25.07.2010, 15:48 von Polar
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    Schon tausendmal solche Storys beim Friseur gelesen - ziemlich ausgelutscht und absolut unrealistisch.

    22.07.2010, 17:08 von Freydis
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    Dieser Text ist herrlich befreiend. Grosses Kopfkino bis auf kleinere Schreibschwächen.
    Aber ich kann mich gut reinversetzen, vielleicht liegts aber auch nur an der Ähnlichkeit der Situation...

    20.07.2010, 22:00 von Viktor_Jonas
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    fesselnd.

    20.07.2010, 18:22 von cathut
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    so ein quatsch;-) als wenn man bei Liebe einfach so jemanden auspannen könnte...

    20.07.2010, 10:08 von Kiwisalz
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      @Kiwisalz dachte ich auch mal...

      20.07.2010, 22:01 von Viktor_Jonas
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    Der Anfang gefällt mir, das Ende auch - aber dazwischen finde ich es zäh und stockend. Als diese Erlebnisse hätte man vielleicht stückweise auf dem Weg zu ihm einbauen können? Jedenfalls denke ich, dass es sich dann runder lesen würde.

    20.07.2010, 08:49 von BrokenPige
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    Es gehört tatsächlich ein Minimum an Größe dazu, Größere als Herausforderung zu nehmen .. unter Umständen auch, ihnen aus dem Weg zu gehen.
    Räudiger als Rache am eigenen Masochismus in Niedertracht gegen das Bewunderte zu münzen, kann ein Schwächegeständnis kaum sein, Hombre.

    20.07.2010, 05:09 von schauby
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    bloed. gut geschrieben, aber bloeder grund..

    20.07.2010, 04:56 von abbs
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